Frage von IIKFA, 3.992

Gehört 2023 Kirkuk und Mossul der Türkei?

Antwort
von Jammelee1, 1.578

Im Gegensatz zu den heutigen Regierungen in Ankara und Bagdad haben die Osmanen den kurdischen Charakter der Stadt Kirkuk niemals bestritten. In der 1896 in Konstantinopel erschienenen Enzyklopädie Qamous Al-Aa-alam heißt es: »Die Stadt Kirkuk hat eine Bevölkerung von 30 000 Einwohnern: Drei Viertel sind Kurden, das restliche Viertel setzt sich aus Turkmenen und Arabern sowie 760 Juden und 460 Chaldäern zusammen.« Entsprechend wies Lord Curzon auf der Lausanner Konferenz 1923 darauf hin, daß im Vilayet Mosul die Türken (Turkmenen) nur ein Zwölftel der Bevölkerung ausmachten. Die Einwohner unterteilten sich damals in 455000 Kurden, 186000 Araber, 66000 Turkmenen und 62000 nestorianische und mandäische Christen. Die letzte zuverlässige Volkszählung, in der die irakische Bevölkerung auch nach ihrer Muttersprache gefragt wurde, fand 1957 statt. Nach Arabern und Kurden wurden die Turkmenen damals als drittstärkste Bevölkerungsgruppe des Irak identifiziert.

Auf der Friedenskonferenz von Lausanne 1922/23 wurde die Mosul-Frage als ein Grenzkonflikt zwischen der türkischen Republik und dem Königreich Irak behandelt. Der Kemalist Ismet Inönü und der britische Vertreter Lord Curzon beriefen sich beide auf das Selbstbestimmungsrecht der auf der Konferenz nicht vertretenen Kurden, als sie den Anschluß Mosuls an die Türkei beziehungsweise an das britische Mandatsgebiet Irak forderten. Von einem kurdischen Staat war nicht mehr die Rede. Der Friedensvertrag von Lausanne am 24. Juli 1923 überließ die Mosul-Frage schließlich der Regelung durch den Völkerbund, der im Dezember 1925 das Vilayet dem Irak angliederte

Am 6. Juni 1926 verzichtete die Türkei in einem Abkommen mit Großbritannien schließlich offiziell auf die Provinz Mosul und erkannte die vom Völkerbund vorgeschlagene Grenzlinie an. Dafür wurden der Türkei für 25 Jahre zehn Prozent der Einkünfte aus dem Mosul-Öl zugestanden. (...)
Ich weiss jetzt nicht mehr für wie viel Goldmünzen im Gegenzug dafür auch auf die 10% verzichtet haben. Vertrag ist und bleibt nun mal Vertrag, weshalb die Türkei nun mal kein Recht mehr darauf hat. Das wäre das selbe als wenn Putin jetzt wieder Ansprüche auf Alaska erheben würde. Weil dieses bevor der letzte Zar dieses für'n Appel und'nen Ei an Amerika verkauft hat. Weil man damals, nicht's ahnend (Technik kam erst 100 Jahre spähter) dessen großen Bodenschätzen Wertloses unwirtschaftliches Land darin gesehen hat. Eigentlich gesehen gehört Mossul Kirkuk den Kurden. Was 2023 endet ist das 100 Jährige verbot nach einem Erlass aus dem 1'sten Weltkrieg der damaligen Siegermächte (die selben wie im 2'ten, außer Russland) den türken gegenüber ihre Eigenen Bodenschätze auf ihrem Land nicht fördern zu dürfen. Was ich ne riesen Sauerei finde das man das bis Heute aufrecht erhält. Das ein Land seine eigenen Ressourcen nicht fördern und vermarkten, geschweige denn selbst nützen darf.  

Antwort
von bambirossa, 3.830

Warum sollten Kirkuk und Mossul 2023 der Türkei gehören? Insbesondere die Mossul-Frage wurde 1926 mit dem Vertrag von Ankara abschließend gelöst. 

Kommentar von bambirossa ,

Sehr schöne Propaganda. Ich kann mir vorstellen, dass diese "Alle Welt ist gegen unseren Präsidenten, weil er die Türkei groß und stark machen wird" bei einigen Menschen fruchtet aber trotzdem stimmt sie nicht. Der Text des Vertrages von Lausanne kann gegoogelt und gelesen werden. Der Vertrag wurde auf unbestimmte Zeit abgeschlossen. Ein "Ende" des Vertrages gibt es nicht. Und wie bereits gesagt, gibt es den Vertrag von Ankara aus dem Jahr 1926. Die Mossul-Frage wurde damit endgültig geklärt und die Grenzen des Irak von der Türkischen Republik ein für alle mal anerkannt. Der Vertrag von Lausanne wurde übrigens NICHT von Atatürk unterschrieben, sondern von den Mitgliedern der türkischen Delegation. Die moderne Türkische Republik beruht quasi auf dem Friedensvertrag von Lausanne. Jemand der behauptet, dass der Vertrag in 8 Jahren hinfällig wird, sagt im Umkehrschluss, dass die Basis der Legitimität seines Landes aus den Fugen gerät und hinfällig wird. Schon mal daran gedacht?  Vor dem Vertrag von Lausanne gab es den Vertrag von Sevres und der quetschte die Türken mehr oder weniger in ein kleines Gebiet in Zentralanatolien. Wenn der türkische Staatspräsident die Propaganda verbreiten lässt, dass 2023 Lausanne endet, dann würde ich, wäre ich Grieche, Armenier oder Kurde, mir die Hände reiben, denn damit sagt kein geringerer als der Staatspräsident der Türkei selbst, dass seine Landesgrenzen nicht mehr feststehen und verhandelbar sind. 

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