Frage von marti4077, 68

Gehalt einbehalten ohne vorher zu informieren.?

Hallo, Habe diese Woche meinen Arbeitgeber fristgerecht gekündigt. Habe jedoch meinen gesamten Jahresurlaub aufgebraucht. Jetzt hat er für den Monat August nur die Hälfte des Gehaltes ausbezahlt ohne mich darüber zu informieren. Ist ein kleiner Familienbetrieb. Darf er das einfach?

Antwort
von Familiengerd, 13

Wenn Du jetzt gekündigt hast und das Arbeitsverhältnis bereits seit 2 Jahren besteht, dann hast Du Anspruch auf den gesamten Urlaub!

Das gilt zunächst für den gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen (Montag bis Samstag). Du hast mit 27 Tagen mehr als gesetzlich vorgeschrieben.

Für den zusätzlichen Urlaub (also den Urlaub, der über den gesetzlichen hinaus vereinbart wurde) gilt das auch, wenn im Arbeitsvertrag oder einem anzuwendenden Tarifvertrag nicht vereinbart wurde, dass bei Ausscheiden vor Jahresende der Urlaub anteilig zu berechnen ist (mit 1/12 des Jahresurlaub für jeden vollen Monat des Beschäftigungsverhältnisses).

Gibt es eine solche Vereinbarung - dass also nicht der volle Urlaub zusteht, sondern nur der anteilige -, dann bleibt aber auf jeden Fall der Anspruch auf den vollen gesetzlichen Mindesturlaub bestehen, auch wenn der anteilig errechnete Anspruch geringer ausfallen sollte.

Wenn Du den Anspruch auf den vollen Urlaub wahrnimmst, hast Du in diesem Kalenderjahr aber keinen Anspruch mehr gegen einen neuen Arbeitgeber - es sei denn, der Urlaubsanspruch dort wäre höher als jetzt.

Also:

Wenn es keine vertragliche Vereinbarung zu einer anteiligen Berechnung des Urlaubs gibt, darf der Arbeitgeber nichts von Deinem Gehalt einbehalten!

Antwort
von Funfroc, 37

Hallo,

bei einer Kündigung bis 30.06. hast du für jeden Monat Anspruch auf 1/12 des Jahresurlaubs.

In deinem Fall, bei einer Kündigung ab 01.07., hast du Anspruch auf den vollen Jahresurlaub.

Der Arbeitgeber informiert mittels der Gehaltsabrechnung. Hier gibt es aber keinen Grund, das Gehalt zu mindern, sofern nicht noch weitere, nicht geschilderte Umstände vorliegen.

LG, Chris

Kommentar von marti4077 ,

auf der Gehaltsabrechnung stand noch nie wie viel Urlaub man hat. Wie muss ich das rechnen mit dem 1/12? mein Jahresurlaub beträgt 27 Tage.

Kommentar von Funfroc ,

Hast du meine Antwort gelesen???

Kündigung ab 01.07. heißt vollen Urlaubsanspruch (Sofern du auch im Januar schon dort gearbeitet hast)

Auf meiner Gehaltsabrechnung stehen die Anzahl der genommenen/verbleibenden Tage immer drauf.

Wie dem auch sei: Natürlich muss er dich informieren, wie er die Kürzung rechtfertigt... Ob auf der Abrechnung oder sonst irgendwie.

Kommentar von marti4077 ,

Bin seit zwei Jahren in diesem Betrieb. Wenn ich aber nach der 1/12 Regelung gehe hätte ich mit einschließlich September einen Urlaubsanspruch von 20,25 Tagen.

Kommentar von Funfroc ,

Willst du mich nicht verstehen?

Die Regel 1/12 mal Anzahl Monate gilt nur dann, wenn die Kündigung zum 30.06.!!! oder früher stattfindet!

Erfolgt die Kündigung zum 01.07. oder später (in deinem Fall zum 30.09., also später als 01.07.) gilt, dass du den Anspruch auf den kompletten Jahresurlaub hast.

Nochmal zum mitschreiben: Dir stehen die kompletten 27 Tage zu!

Kommentar von Familiengerd ,

Wenn das Arbeitsverhältnis bis einschließlich September besteht, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

> Es gibt keine vertragliche Vereinbarung zu einer anteiligen Urlaubsberechnung bei einem Ausscheiden vor Jahresende: Du hast dann Anspruch auf die kompletten 27 Tage!

> Es gibt eine solche Vereinbarung zu einer anteiligen Berechnung: Rechnerisch wären das dann 20,25 = 20 Tage; der gesetzliche Anspruch darf aber nicht unterschritten werden, Du hast dann Anspruch auf 24 Werktage (Montag bis Samstag); dann dürften darüber hinaus zu viel genommene Urlaubstage unter Umständen verrechnet werden.

Der Vereinbarung zu einer anteiligen Urlaubsberechnung kommt es auch gleich, wenn in der Formulierung zum Urlaubsanspruch zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaub unterschieden wurde (z.B. "Neben dem gesetzlichen Urlaub erhält der Arbeitnehmer einen weiteren Urlaub von XX Tagen.").

Kommentar von Familiengerd ,

Das ist richtig.

Um aber genau zu sein - weil hier aufgrund der Formulierung ein Missverständnis entstehen könnte:

Es kommt nicht darauf an, bis wann gekündigt wird (was ja konkret heißt: bis wann die Kündigung ausgesprochen wird), sondern zu welchem Datum, also wann das Arbeitsverhältnis endet.

Man kann also sehr wohl "bis 30.06." kündigen (d.h. die Kündigung aussprechen, und das Arbeitwverhältnis endet dann ja längst nach dem 30.06.), aber nicht "zum 30.06.".

Antwort
von amdros, 40

Dein Chef hat nicht korrekt gehandelt..lies im Link nach, dort ist es eindeutig erklärt

https://www.anwalt.de/rechtstipps/urlaubsanspruch-bei-beendigung-des-arbeitsverh...

Antwort
von Redwolf01, 48

wenn du mehr urlaub genommen hast als dir zusteht ja . dann wird er das als unbezahlten urlaub verrechnet haben.

du kannst ja nicht einfach dem gesamten jahresurlaub verplanen ,wenn du nur ein 3/4 jahr gearbeitet hast .

Kommentar von marti4077 ,

Das ist mir schon bewusst. Aber mir geht es darum das er ohne mich zu informieren fast die Hälfte einbehalten hat und ich aber sogar noch den ganzen September bei ihm arbeite.

Kommentar von Familiengerd ,

du kannst ja nicht einfach dem gesamten jahresurlaub verplanen ,wenn du nur ein 3/4 jahr gearbeitet hast .

Doch, weil dann nämlich Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub besteht, mindestens aber auf den gesetzlichen Urlaub, wenn mehr Urlaub und eine anteilige Berechnung vereinbart wurde.

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