Frage von lilla90, 112

Gefälschter Stundentenausweis - Vorladung?

Guten Tag,

ich bräuchte einmal dringend Hilfe, da ist gestern eine Vorladung bekommen habe und nun nicht weiß, was ich am besten machen soll.

Es ist folgendes passiert:

Vor ein paar Monaten wurde ich in der S-Bahn mit einem gefälschten Stundenausweis erwischt (ich bereuhe das wirklich sehr und muss dazu sagen, dass ich den Ausweis vorher noch nie für die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt habe.) Nun habe ich eine Vorladung bekommen mit dem Vorwurf "Erschleichung von Leistungen" in etwa 10 Tagen. Wie soll ich nun am besten vorgehen? Spielt es überhaupt eine Rolle, warum ich den Ausweis angefertigt habe oder zählt allein die Tatsache, dass ich es getan habe? Ich habe nach meinem Studium eine weiterführende Ausbildung begonnen und hatte bzw. habe damit nicht viel Geld. Ich habe den Ausweis für einen Uni-Sportkurs angefertigt und ihn nie weiter benutzt. Dass ich ihn in der Bahn gezeigt habe, war eine Übersprungshandlung aus Panik, da ich vergessen hatte, ein Anschlussfahrschein zu lösen. Ich habe es noch im selben Augenblick sehr bereut, aber nun ist es eben zu spät.

Nun bin ich verzweifelt, weil ich mir eine hohe Geldstrafe nicht leisten kann und nicht weiß, wie ich mich jetzt am besten verhalten soll.

Danke für Eure Hilfe! Bitte nur erst gemeinte Ratschläge! Ich weiß selbst, dass das alles eine blöde Aktion ist und es tut mir auch wahnsinnig Leid.

Antwort
von Artus01, 15

Wieder mal ein klassische Beispiel dafür das man am Besten gar nichts sagt. Das Ganze Drumherum mit dem Sportkurs weiß die Polizei ja noch nicht und Du mußt es auch nicht sagen. Bevor Du Dich nun durch eine geschickte Befragung noch weiter reinreitest sag besser überhaupt nichts.

Bei der Polizei brauchst Du zum Aussagetermin gar nicht erscheibnen und solltest auch einfach wegbleiben. Wenn dann eine Anklageschrift und später ein Verhandlungstermin kommt, so mußt Du zu diesem Termin erscheinen. Du mußt dort Angaben zu Deiner Person machen, aber ansonsten darfst Du weiterhin schweigen.

Möglicherweise kommt aber auch eine Einstellung, evtl in Verbindung mit einer Geldauflage, oder eben ein Strafbefehl. Bei einem Strafbefehl achte nur darauf ob die Tagessätze nicht zu hoch angesetzt sind, bei Dir als Student dürfte das nicht viel sein. Wenn der Tagessatz zu hoch ist kannst Du einspruch einlegen und diesen dann auf die Höher der Tagesätze beschränken.

Antwort
von Kleckerfrau, 42

Geh hin und erwarte deine Strafe. Bei nur ein mal Schwarz fahren, kommt es aber nicht gleich zur Gerichtsverhandlung. Du wirst sicher noch wegen Urkundenfälschung herangezogen.

Antwort
von Hoegaard, 80

Dann solltest du gar nichts sagen. Zu sagen, dass du dir den Ausweis extra angefertigt hast, um damit Leistungen (Sportkurs) zu erschleichen, wäre alles andere als klug.

Außerdem: Geldstrafen werden nach Tagessätzen berechnet, also nach dem, was einer verdient..


Kommentar von lilla90 ,

Aber wie sagt man "gar nichts" bei einer Vorladung? Ich hab da echt Respekt vor..

Kommentar von Hoegaard ,

Du musst nur Angaben zu Vor-, Familien- und Geburtsname, Geburtstag, Geburtsort, Anschrift, Familienstand, Beruf und Staatsangehörigkeit machen. Mehr nicht. ("Weitere Angaben möchte ich nicht machen.") Und wenn es eine Vorladung der Polizei (nicht der StA) ist, brauchst du auch gar nicht hinzugehen.

Kommentar von lilla90 ,

Und Schweigen gilt dann nicht als Schuldeingeständnis oder wirkt sich negativ aus?

Kommentar von Hoegaard ,

Schweigen ist das Recht jedes Beschuldigten und nicht ungewöhnlich. Es ist auch der Tipp, den Anwälte für den Beginn eines Verfahrens immer geben. Irgendwelche negativen Schlüsse aus dem Schweigen zu ziehen, ist dem Richter verboten.

Aber: wenn, dann auch konsequent!

Insbesondere darf beim Schweigen des Angeklagten das Gericht nicht vermuten, der Angeklagte habe etwas zu verbergen. Anders ist die Lage, wenn der Angeklagte Aussagen macht. Dann darf sein Schweigen bei weiteren Befragungen durch Gericht und Staatsanwaltschaft zu negativen Schlussfolgerungen führen (Wikipedia)

Antwort
von kokomi, 76

die wahrheit sagen! die strafe annehmen! ausreden und beschönigungen kennen sie genug! geldstrafe kann man in raten zahlen!

Kommentar von Mindermeinung ,

Genau das sollte man nicht tun. ^^

Antwort
von princecoffee, 49

am besten machste keine angaben zur sache. urkundenfälschung in verbindung der tatsache dir so ein verbilligten tarif erschleichen wolltest, wird nicht gerade "mit ein paar sozialstunden" geahndet..

Antwort
von lilla90, 32

Oder gibt es eine Art kostenlose Rechtsberatung? Hat jemand damit Erfahrung oder wird einem da nur empfohlen, man solle gleich bei dem Anwalt bleiben? Dafür habe ich leider überhaupt kein Geld..

Kommentar von Mindermeinung ,

Du kannst Dir (Einkommensverhältnisse wirst Du offenlegen müssen) einen Beratungshilfeschein beim Amtsgericht holen. Damit ist eine kostengünstige Beratung beim Anwalt möglich. Der Anwalt darf Dich in der Strafsache zwar nicht vertreten (vgl. § 2 Abs.2 BerhG) (wozu auch die Akteneinsicht gehört, die er nicht im Rahmen der Beratung durchführen kann) jedoch erhältst Du so die Möglichkeit der Beratung durch einen Anwalt - und das beruhigt Dich womöglich einfach schon mal etwas.

Der Anwalt kann Dir ggf. dann auch sagen, wie die Staatsanwaltschaft in ähnlichen Fällen in Deinem Gerichtsbezirk normalerweise vorgeht. Das ist nämlich von Gerichtsbezirk zu Gerichtsbezirk bisweilen etwas anders.

Kommentar von Mindermeinung ,

Und ergänzend: Hoegaard & Artus01 haben natürlich Recht. Du musst nicht zur Polizei und brauchst keine Angaben zur Sache machen.

Auch nicht telefonisch oder falls plötzlich Polizeibeamte vor der Tür stehen sollten.

Also: Nichts (!) zur Sache sagen, denn das Risiko, dass Du Dich
um Kopf und Kragen redest ist hoch. Es steht hier nicht nur das
Erschleichen von Leistungen im Raum, sondern auch weitere  Delikte, wegen denen bisher evtl. nicht ermittelt wird und die mit höheren Strafandrohungen versehen sind. In Betracht käme evtl.  eine (tateinheitliche) Urkundenfälschung, § 267 StGB, wegen des gefälschten Ausweises (den Du hoffentlich nicht mehr im Besitz hast...).

Du würdest Dich mit einer ungeschickten Äußerung nur selbst und weitergehend belasten. Falls der Fahrkartenkontrolleur den gefälschten Ausweis an sich genommen haben sollte, wäre das im Übrigen eher suboptimal.


Antwort
von lilla90, 38

Vielen Dank für Eure schnellen Antworten. Also ist zum Termin erscheinen und die Strafe annehmen die beste Wahl? Gibt es keine "mildernen Umstände"?

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