Gedichtsanalyse zu Worte, Worte von Gerhart Hauptmann?

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2 Antworten

Aber natürlich kann man das Gedicht formal analysieren! Es ist in seiner Unregelmäßigkeit regelmäßig!

Wie schön das blühende Leben! / Da kommt und da geht / ein bezauberndes Wesen, / neigt sich flüchtig zu dir, / muss zurück zum Tresen: / Dass es das gibt! Doch auch das wird sich geben.

Wie schrecklich das welkende Sterben! / Da liegt und da leidet / der Freund auf dem Schragen, / schließt blich die Augen / und verschließt sich den Fragen: / Das gibt es bei Gott! Dies finale Verderben.

Wie heillos das hilflose Hinsehn! / Da stockt und da schweigt / die Zunge vorm Leben / grad wie vorm Sterben, / gelähmt das Bestreben, / festzuhalten, da doch alle dahingehn.

Reimschema in allen Strophen: a b c d c a; wenn es dafür keinen Begriff gibt, musst Du es beschreiben - Du kannst es sogar in der Buchstabenkombination schreiben!

Auch bei der Silbenzahl (Strophenaufbau) sind Regelmäßigkeiten bei allen Strophen festzustellen: Erste und letzte Zeile sind viel länger als die mittleren.

Es gibt kein starres Metrum, allerdings denke ich schon, dass ein Dreierrhythmus (Daktylus, teilweise auftaktig) vorherrscht.

Ich denke, dass Du noch auf den Titel eingesehen solltest: Worte Worte. Was hat der da zu suchen? Vielleicht: Worte sind relativ? Wofür es keine Worte gibt (fasziniert von einer Schönheit, die man sich nicht anzusprechen getraut; sprachlos im Angesicht des Todes; gelähmt vor lauter Schrecken)? 

Zum Reimschema: Es gibt Assonanzen - auch das kann die Hypothese der Relativität von Worten stützen. Es ist irgendwie gleich, aber doch anders. Auch die Parallelismen (Zeile 1+2 jeder Strophe; Strophenaufbau) reihen sich dort ein - es ist gleich, aber doch anders. 

Zu den Alliterationen fällt mir ein: "in schöne, wohlklingende Worte verpacken".

Ebenso zu "Worte Worte" passt die Zunge als Symbol für den Sprechakt.

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Kommentar von LolleFee
03.12.2015, 13:52

Danke für den Stern! =)

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Stelle das Gedicht ein. Es lässt sich nicht im Internet finden. 

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Kommentar von timuranzor
26.11.2015, 18:20

Worte, Worte

Wie schön das blühende Leben!

Da kommt und da geht 

ein bezauberndes Wesen,

neigt sich flüchtig zu dir,

muss zurück zum Tresen:

Das es das gibt! Doch auch das wird sich geben.

Wie schrecklich das welkende Sterben!

Da liegt und da leidet

der Freund auf dem Schragen,

schließt blich die Augen

und verschließt sich den Fragen:

Das gibt es bei Gott! Dies finale Verderben.

Wie heillos das hilflose Hinsehn!

Da stockt und da schweigt

die Zunge vorm Leben 

grad wie vorm Sterben,

gelähmt das Bestreben,

festzuhalten, da doch alle dahingehn.

(aus: Gesammelte Gedichte, 1954-2006, Frankfurt am M. 2008)

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