Frage von Macintoshia, 159

Gedichtinterpretation "an eben dieselbe" von Andreas Gryphius?

Hallo, ich muss bis morgen eine Gedichtinterpretation zu "an eben dieselbe" schreiben. Leider versteh ich das Gedicht nicht wirklich.   

Hier das Gedicht:

An eben dieselbe

Was wundert Ihr Euch noch/ Ihr Rose der Jungfrauen/                               Daß diese purpur Rose die Ihr kaum auffgefast                                              In Eur schneeweissen Hand so vnversehns erblast?                                    So wird Ewr schöner Leib/ nach dem Er abgehauen/

Vons Todes scharffer Seens in kurtzem seyn zu schawen.                         Diß was Ihr jtzt an Euch so lieblich fünckeln last/                                           Der Halß/ der Mund/ die Brust/ sol werden so verhast/                                      Daß jedem/ der sie siht/ davon wird hefftig grasen.

Ewr Seufftzer ist vmbsonst! nichts ist das auff der Welt/                                    So schön es jmmer sey Bestand vñ Farbe helt/                                                    Wir sind von Mutter-Leib zum vntergang erkoren.

Mag auch an Schönheit was/ der Blum zu gleichen seyn?                               Doch/ eh sie recht noch blüht verwelckt vnd felt sie ein/                                          So greifft der Todt nach vns/ so bald wir sind geboren.

Es würde mir auch schon weiterhelfen, wenn ihr irgendwelche Sprachlichen Mittel erkennt und diese erklären könntet z.b. Metapher.

TAUSEND DANK!!! (Ich verlange hier keine vollständige Interpretation, sondern irgendwelche Anregungen, wie das Gedicht gemeint sein könnte, was das Thema generell ist... Vergänglichkeit?)

Liebe Grüße und danke schonmal!!!

Expertenantwort
von Koschutnig, Community-Experte für deutsch, 159

Das Sonett ist ja die Fortsetzung des vorhergehenden Sonetts "An eines hohen Standes Jungfraw", in der die  Adressatin in typisch barocker Sprachmanier in überquellenden Bildern gepriesen wird. Nun, wie du ja richtig erkannt hast, wird "dieselbe" in schönster Barockmanier auf die "Eitelkeit" alles Irdischen  hingewiesen (vllt. kennst du   den Totenschädel, der als eine Art Briefbeschwerer auf zahlreichen Barockgemälden abgebildet ist),  und wieder  wird in reichen, künstlich-unnatürlichen  Bildern das zu erwartende Ende  der Pracht  beschrieben. Aber im Gegensatz zu Hoffmann von Hoffmannswaldau bietet Gryphius da auch nicht ein   bisschen Trost, da ist keine Andeutung vorhanden,  dass sie aus ihrer  prächtigen Schönheit doch ihr Vergnügen  ziehen könne,  da ist keine Empfehlung,  sie solle doch gefälligst das Dasein auskosten und das Leben genießen, so lange es währt.

Kommentar von Koschutnig ,

Zur Sprache: Da im Barock das Künstliche über das  Natürliche  gestellt wird (Perücke : Naturhaar, frz. geometr. Garten : Natur, Reifröcke :menschl.Körperformen u.v.a.), ist die Dichtersprache unnatürlich, voller "Schwulst". Eine Ausnahme ist da nur Johann Christian Günther mit seinen leidenschaftlich-wilden Gedichten.    Ein Grimmelshausen, der in natürlicher Sprache seinen Simplicissimus verfasste, wollte ja keine Dichtung schreiben.  

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