Frage von Vknur2, 30

Gastarbeiter in Deutschland. Wie haben sie damals die Freizeit verbracht?

Wie haben die Gastarbeiter damals die Freizeit verbracht?

Antwort
von Negreira, 21

Hallo, ich hoffe, das ist eine Hausaufgabe für morgen, denn sonst wäre ich jetzt zu spät dran.

Noyan hat Dir ja schon einige Stichworte genannt.

Du mußt Dir vorstellen, daß mindestens 90 % aller Gastarbeiter damals aus winzigen kleinen Dörfern kamen, Orte, an denen es üblich war, sich abends nach Feierabend in ein Cafe oder eine kleine Kneipe zu setzen. In den Dörfern kannte jeder jeden, und plötzlich waren sie hier in Deutschland, wo alles größer und ganz anders war. Damals kam niemand hierher, der mehrere Sprachen sprach oder gut ausgebildet war. Die Leute sind alle in ihrer Heimat geblieben, denn die hatten ihre Jobs.

Hier bot man ihnen dann eine Ausbildung an, auch bei älteren Arbeitnehmern. Gesucht wurden in erster Linie aber Leute, die zupacken konnten, die sich nicht scheuten, eine 50 oder 60 Stunden-Woche zu haben.

Dann kommen also kleine Gruppen aus der Türkei oder einzelne Leute aus Spanien und Italien. Genauso, wie es heute noch ist, wenn Menschen als Ausländer irgendwo leben: Sie bilden Grüppchen. Auf beiden Seiten gab es große Vorurteile. Wie auch heute bei den Flüchtlingen befürchtete man ein Ansteigen der Kriminalität. Man konnte nicht miteinander sprechen, so konnte man die Gründe für das Verhalten der Leute nicht herausfinden. Z. B. gingen die türkischen Männer arbeiten, die Frauen sah man so gut wie gar nicht. Wenn überhaupt, dann mal auf dem Kinderspielplatz, aber da sie so gut wie überhaupt keine Möglichkeit hatten, deutsch zu sprechen, haben sie es dementsprechend später und schwerer gelernt. Abends gingen die Männer dann dem Einkauf und dem Vergnügen nach. Vergnügen war für die Türken das Trinken von Kaffee, das Glückspiel am Automaten und das Unterhalten mit ihren Landsleuten. Also wieder kein Kontakt zu der "normalen" Bevölkerung. Spanier und Italiener hatten es da schon schwerer. Davon gab es nicht so viele, sie mußten sich sozusagen zwangsläufig etwas mehr anschließen, weil sie sonst wirklich mutterseelenallein gewesen wären.

So liefen bei den meisten Ausländern die Tage eintönig ab, arbeiten, essen, schlafen. Am Wochenende unternahmen die Türken, wie es in der Türkei üblich ist, Ausflüge mit der Familie, im Urlaub fuhr (nicht flog) man in die hintersten Ecken der Türkei.

Italiener und Spanier sind dann stattdessen abends noch in Gaststätten gewesen, die wenigsten hatten ihre Familien dabei, das kam erst einige Jahre später.

Ehrlich gesagt kenne ich aus dieser Zeit bewußt keinen Menschen, was nicht heißt, daß es die nicht gibt, der irgendein Hobby gehabt hätte oder einer bestimmten Aktivität häufiger nachgegangen wäre. Ein Hobby leistet man sich nur, wenn man Zeit und Geld hat. Damals wurden aber sämtliche Gelder, die man hier verdiente, fast komplett in die Heimat zurückgeschickt, da blieb nichts hier, was man hätte ausgeben können.

Das war völlig anders, als es heute ist.

Antwort
von NoyanTanju, 30

Sie wurden normalerweise räumlich so zusammengehalten, dass sie immer "unter sich" waren, d. h. sie haben ihre freie Zeit hauptsächlich mit Familie und Freunden verbracht. Allerdings haben sie damals auch sehr viel gearbeitet, z. B. im Baugewerbe, da hatten die Menschen nicht mehr viel Zeit/Energie, weiteren Tätigkeiten, wie z. B. Hobbys nachzugehen.

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