Frage von grubenhirn, 96

Gäbe es die verschiedenen Künste noch, wenn immer alle Bedürfnisse sofort befriedigt werden würden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von schmidtmechau, 76

Hallo grubenhirn,

Deine Frage klingt so, als meintest Du Kunst gebe es, um Bedürfnisse zu befriedigen. Daran glaube ich aber nicht. Wenn immer alle Bedürfnisse sofort befriedigt werden würden, dann hätten ja alle Menschen viel mehr Zeit. Und um sich nicht zu langweilen, würden sie anfangen zu malen, zu schreiben, zu musizieren usw. Oder?

Gruß Friedemann

Kommentar von grubenhirn ,

Deine Frage klingt so, als meintest Du Kunst gebe es, um Bedürfnisse zu befriedigen.

Wenn es so klingt, muss ich die Frage wohl noch ergänzen.

Um es zu verdeutlichen zitiere ich mal Aldous Huxley aus "Schöne neue Welt"

"Hat einer von Ihnen jemals erlebt, dass zwischen dem Bewusstwerden eines seiner Wünsche und der Erfüllung ein längerer Zeitraum lag?" "Naja" - begann ein junger Mann zögernd."Reden Sie"!-  befahl der Direktor. "Machen Sie seine Fordschaft nicht ungeduldig!" "Einmal musste ich fast vier Wochen warten, bis ich ein Mädchen, das ich haben wollte, bekam." "Und infolgedessen hätten Sie leidenschaftliche Gefühle?" "Gräßliche."

Gäbe es ohne diesen Impetus überhaupt den Funken, der zum Kunstwerk führt?

Also, brauch man unbefriedigte Bedürfnisse  für die Kunst?

Kommentar von schmidtmechau ,

Hallo grubenhirn,

Ich würde der Überlegung zustimmen, dass Leidenschaft und leidenschaftliche Gefühle die Voraussetzung für das Schaffen von Kunstwerken sind. Aber die Frage, ob die sofortige Befriedigung eines jeden Bedürfnisses alle Leidenschaften tötet, oder umgekehrt, ob leidenschaftliche Gefühle ausschließlich auf unbefriedigten Bedürfnissen beruhen, würde ich verneinen.

Einen Zustand, in dem der Mensch rundherum befriedigt und nur noch faul und antriebslos chillt, halten (zumindest die meisten) Menschen nicht lange aus. Das Maß an Verblödung, das dazu gehören würde, müßte man dann doch erstmal erzielen.

Und das ist ja auch genau die Zielrichtung Huxleys.

Gruß Friedemann

Kommentar von musenkumpel ,

Hallo Friedmann und grubenhirn,

Gerade das ist doch das Problem. Wenn aufkommende Bedürfnisse sofort befriedigt werden verkürzt sich der Kreislauf des Belohnungssystems und es findet nur ein 'Kurzschluss' zwischen Reiz und Belohnung statt. Die Phase des Erschaffens ist dann stark verkürzt oder garnicht vorhanden.

Welche Probleme damit zusammen hängen sieht man teilweise an Veränderungen in der Gesellschaft seit dem Internet und dem Mobiltelefon. Wenn Menschen auf unwichtige (zu befriedigende) Reize nervös reagieren (Reizüberflutung). Auch Kommunikation funktioniert nicht mehr im Kreislauf von Eingabe, Verstehen, Verarbeiten, Ausgabe, sondern virtuell an einen Reiz bekoppelt ohne sofortige Rückmeldung etc.

Das Problem ist dann, dass dieser Zustand eben nicht befriedigend ist und große innere Leere entsteht. Also gibt es noch (diese?) Künste, wenn dieses "Maß an Verblödung" zur Normalität (in der Gesellschaft) geworden ist?

(Wäre möglich, dass Literatur, Kunst, Theater nicht aussterben werden, aber sich zumindest stark verändern)

Sicher ist das übertreiben. Ich glaube auch, dass es selbst bei allen Entwicklungen nicht möglich, dass wir uns in so eine Sackgasse entwickeln eben weil 'diesen Zustand keiner aushält'. (hoffe jdf)

Gruß euch beiden.

Kommentar von musenkumpel ,

^^

Kommentar von schmidtmechau ,

Danke für den Stern!

Antwort
von musenkumpel, 61

Nein.

1. Halte ich das Erschaffen von Kunstwerken für eine Ersatzbefriedigung

2. Wenn das ginge, wäre ja das Kunstwerk sofort da, in dem Moment in dem du es erstellen möchtest. (Im SciFi geht das vielleicht, etwa gedanklich verändertes Holodeck meinetwegen)

Also wäre dann in so einem SciFi ein Künstler jemand der irgendwie besonders abstrakt oder modern oder wie denkt? Und könnte soetwas Kunst sein.

3. Braucht man für Kunst diesen Zustand einer dauernden sich verbessernden Unzufriedenheit, damit das Werk entsteht.

Kann mich jetzt aber nicht mit Zitaten oder Wissen an irgendwas anlehnen. Aber vielleicht so als kleines Gedankenspiel :)

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