Gab es vor 1989 Demos in der DDR?

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5 Antworten

Grundsätzlich gab es in der DDR ein ähnliches Versammlungsrecht, wie in der Bundesrepublik; allerdings unter engeren Rahmenbedingungen. So wären Demonstrationen, wie heute von Pegida, AfD oder NPD in der DDR undenkbar gewesen.

Außerdem interessierten sich die DDR-Bürger mehr für ihre kommunale als für die Landes- oder gar Außenpolitik. Das gibt natürlich schon von vornherein erheblich weniger Anlass zu Demonstrationen. Es gab einfach keine Notwendigkeit, beispielsweise gegen Kriege zu demonstrieren; weil der Ostbock schlicht keine führte. Und was die hohe Staatspolitik anging: Der DDR-Bürger hatte im Gegensatz zu seinen West-Kollegen schnell begriffen, dass hier Demonstrationen im Kosten-Nutzen-Verhältnis schlecht abschneiden. 

Darüber hinaus hatte man aber in der DDR ein völlig anderes Verständnis von Demonstrationen. So gab es beispielsweise die Nationale Front; eine Art "Super-Gewerkschaft für jeden". Dort konnte man jederzeit hingehen und seinen Unmut kund tun.

Man war also weniger auf "Wir marschieren zum Zeitvertreib und halten dabei Plakate hoch", wie es übliches Verfahren bei Demonstrationen ist (und beispielsweise am 1. Mai und 7. Oktober in der DDR überreichlich zelebriert wurde), als vielmehr auf "Sag, was dir quer liegt, dann schauen wir mal, was wir machen können." aus.

Es gab also durchaus Demonstrations-Rechte; doch sie wurden eher selten genutzt.

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Letztlich war diese Art der "Demonstrationsfreiheit" so erfolgreich, dass sie sich auf eine einfache Formel herunterbrechen lässt:

In der DDR demonstrierten die Menschen genau zwei Mal:

  • Das erste Mal forderten sie die komplette Rücknahme der "Agenda 2010". (Damals ging es um Verschärfungen von Arbeitsnormen und um Lohnkürzungen, die etwa mit der heutigen Agenda vergleichbar sind. Das wollten die Menschen nicht hinnehmen.)
  • Das zweite Mal forderten sie die Wiedervereinigung. (Was daraus wurde, kannst du in allen einschlägigen Nachrichten erfahren.)

Beide Male waren die Demonstrationen von vollem Erfolg gekrönt und erreichten ihre Ziele zu 100 Prozent.

In der Bundesrepublik demonstrierten die Menschen einige Zehntausend Mal für und gegen alles mögliche: Atomraketen, Atomkraftwerke, Nazis, Wiederbewaffnung, Lohnerhöhungen, ... etc. pp. 

Nur eine Handvoll Demonstrationen waren von Erfolg (im Sinne der Ziele der Demonstration) gekrönt; und noch weniger wurden zu 100 Prozent realisiert...

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Kommentar von metalfreak311
10.06.2016, 19:59

Meine volle Zustimmung zu Deinen Ausführungen. Nur das mit der "Agenda 2010" kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ging es da nicht um die Sozialreformen in der Bundesrepublik bereits nach der Wiedervereinigung? Das mit den Normerhöhungen waren doch die Demos, die im "konterrevolutionären Aufstand" bzw. "Arbeiteraufstand" (je nach Sichtweise) im Jahr 1953 gipfelten. Oder verwechsle ich das was?

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Kommentar von NiklasKarelli
12.06.2016, 20:27

"Es gab einfach keine Notwendigkeit, beispielsweise gegen Kriege zu demonstrieren; weil der Ostbock schlicht keine führte." - Was ist mit dem Kalten Krieg?

"In der DDR demonstrierten die Menschen genau zwei Mal" - was ist mit dem jährlichen 1. Mai sowie dem 17. Juni 53?

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Im Sinn von dem, was man heute unter Demo versteht, gab es meines Wissens so etwas in der DDR nicht, abgesehen vom 17. Juni 1953, dem Arbeiteraufstand.

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Es gab in der DDR nur vom Staat organisierte Demos für den Staat und für die Partei. Wer dagegen war und das auch noch öffentlich kund tun wollte, wurde eingesperrt. Schon für ein großes "A" aus Papier, das die Leute sich ins Fenster geklebt haben und für "Ausreise" stand, gab es mindestens 2 Jahre Gefängnis. 

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Kommentar von lateinchiller
10.06.2016, 20:02

Ich weiß das es nicht der richtige Weg ist so, aber Du hast auf meine vorletzte Frage geantwortet. Ich hab zu deinem Kommentar eine Frage, kannst du da bitte drauf antworten ?

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Gib mal bei Google den 17. Juni 1953 ein -- das war ein Arbeiteraufstand in der DDR! ;D


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jeden 1.Mai wurde in der DDR demonstriert.

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