Frage von Wintermarble, 52

Gab es schon in den 60ern ein Bildungsrecht für alle, sodass auch die untere ''Schicht'' in die Schule gehen konnte?

Expertenantwort
von adabei, Community-Experte für Schule, 21

Natürlich gab es das. Ich glaube, dass damals prozentual sogar mehr Kinder aus der sogenannten "Unterschicht" aufs Gymnasium gingen als heute. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie vom Land und bin 1966 aufs Gymnasium gewechselt. Damals ging halt jeder aufs Gymnasium oder auf die Realschule, der dort auch vom Grips her eine Erfolgschance hatte, egal wie der soziale Hintergrund war. Zumindest war das auf dem Land so.
Auch ein Abschluss auf der Hauptschule (damals noch Volksschule) hatte in der Zeit noch mehr Wert als heute. Wer dort gut war, konnte durchaus eine gute Lehrstelle bekommen.

Antwort
von anonymos987654, 14

In die Volksschule mussten sicher alle. Aber leider war es darüber hinaus für viele nicht möglich. Vor allem Mädchen sollten danach sofort arbeiten gehen, da man es als rausgeschmissenes Geld ansah (bzw. gar nicht das Geld hatte), ihnen eine höhere Bildung zu geben.

Ich kenne etliche intelligente ältere Leute, die normal gut aufs Gymnasium hätten gehen können, was aber nicht geschehen ist. 

Dass vielen älteren Leuten (vor allem wohl Frauen) Bildung und die Fähigkeit zu rationalem Denken fehlt, weil man es ihnen damals nicht beigebracht hat, habe ichs zwar als Kind noch nicht so gemerkt, in der späteren Jugend habe ich mich aber schon sehr über die Leute gewundert.

Antwort
von Dxmklvw, 27

Ja, das gab es. Das, was damals Volksschule war, würde man heute als gehobene mittlere Reife bezeichnen.

Damals war es sogar so, daß die meisten Schulabschlüsse zur Folge hatten, daß die Menschen sogar korrekt lesen, schreiben und rechnen konnten (vielleicht nicht zu 100 Prozent perfekt, aber im Durchschnitt doch noch etwas besser, als dies bei vielen heutigen Studenten der Fall ist).

Kommentar von Lennister ,

Das, was damals Volksschule war, würde man heute als gehobene mittlere Reife bezeichnen.

Gibt es für diese kulturpessimistische These vom angeblichen Verfall des Niveaus an deutschen Schulen eigentlich irgendeinen Beweis? Seit Deutschland in den 90er Jahren angefangen hat, an internationalen Vergleichsstudien zu Kompetenzen in allen möglichen Bildungsbereichen teilzunehmen, haben sich die Ergebnisse der deutschen Schüler stetig verbessert.

Das spricht eher für einen Anstieg als für einen Verfall des Niveaus. 

Kommentar von Dxmklvw ,

Der beste Vergleich ist der von Zeitungsberichten früherer Zeiten mit gegenwärtigen bezüglich Ausdrucksweise, Rechtschreibung usw., aber auch der Vergleich der sprachlichen Qualität im TV früherer Jahrzehnte gegenüber jetzt.

Ein weiterer Spiegel für Tatsachen ist die Qualität von Politik und Wirtschaft. Fehlentscheidungen gab es zu allen Zeiten, aber eine fast komplette Orientierungslosigkeit, gepaart mit massivem Austausch der Vernunft gegen Sprechblasen zeigt ebenfalls an, welche Langzeitfolgen verfehlte Bildungspolitik in der Praxis hat.

Es ist allerdings notwendig, selbst intensiv nachzuschauen. Die Frage "Gibt es für dies und jenes überhaupt einen Beweis?" ist müßig.

Auch ein Vergleich mit vorgegebenen "politisch korrekten" Behauptungen ist nicht hilfreich, denn wenn man nur genügend sucht, dann findet man sicher auch noch ein Indiodorf irgendwo im Amazonasgebiet, das man als Vergleich verwenden könnte, um die "überragende deutsche Qualität" darzustellen.

Antwort
von voayager, 6

Die allgemeine Schulpflicht ist rund 200 Jahre alt, das Bildungsgefälle zwischen Untnen und Oben ist sogar noch älter.

Antwort
von beangato, 27

Natürlich - wenn Du die 1960er Jahre meinst.

Wer genau ist "untere Schicht?"

Kommentar von Bitterkraut ,

"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder, geh nicht in die Unterstadt..." 

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ja, wer kennt denn noch Franz-Josef Degenhardt?

Hier für alle, die damit nichts anfangen können:

https://www.youtube.com/watch?v=S3hssfaZUx0

Antwort
von kiniro, 2

Bildungsrecht und Schulbesuchszwang (bekannter als Schulpflicht) werden zwar oft gerne in einem Atemzug genannt, was für mich absolut nicht passt.

Ein Recht ist nicht automatisch damit abgegolten, indem Kinder (teils gegen ihren Willen) in ein spezielles Gebäude gesteckt werden.

Die rigide Schulanwesenheitspflicht mit ihren Bestrafungen bei Nichtbeachtung gibt es seit 1938.

Ein echtes Bildungsrecht wäre es, wenn jeder die Möglichkeit hätte, den Bildungsort aussuchen zu können, an dem er am besten lernen kann.

Und nein - Schulen sind weder für das Erlernen "sozialer Kompetenzen" noch für den angeblichen "Kampf im Erwachsenenleben" notwendig.

Zum einen gibt das tägliche Leben so einiges an Möglichkeiten in Sachen Sozialkompetenz und zum anderen entspricht Schule noch lange nicht dem echten Leben in der Erwachsenenwelt.

Antwort
von SunKing33, 28

Laut Wikipedia geht die allgemeine Schulpflicht bis auf das Jahr 1592 zurück. Sie besteht in Deutschland flächendeckend seit Mitte des 19. Jh und wurde 1919 Bestandteil der Verfassung der Weimarer Republik.

Auch in der Verfassung der Bundesrepublik gibt es das Grundrecht auf Bildung, das in den Landesverfassungen als Schulpflicht umgesetzt wird. Mit Anwerbung der Gastarbeiter in den 1950/60er Jahren wurde die Schulpflicht auch auf Nicht-Deutsche übertragen.

Bis heute gibt es nicht in allen europäischen Staaten eine Schulpflicht. Wohl aber eine Bildungspflicht. Die Diskussion, ob Staat oder Familie die besseren Bildungsvoraussetzungen für das spätere berufliche Leben eines jungen Menschen schaffen, dauert also an.

Wenn ich mir so die Zahlen über Jugendarbeitslosigkeit anschaue und die aktuellen Berichte der OECD, die die sehr guten Werte in Deutschland nicht (nur) auf die starke Wirtschaft zurückführt, scheint die deutsche Schulpflicht sich zu bewähren.

Unabhängig davon kann es trotzdem sein, dass manche, unter der Art, wie die Schulpflicht bei uns umgesetzt wird, leiden.

Viele Erfolg!

Kommentar von Bitterkraut ,

Laut Wikipedia geht die allgemeine Schulpflicht bis auf das Jahr 1592 zurück.

Ja, deshalb hab ich mich in meiner Antwort nicht aufs Mittelalter bezogen, sondern gleich aufs Altertum :)

Antwort
von Bitterkraut, 21

Ja, natrülich, was denkst du denn?

Es gab nicht nur ein Recht auf Bildung, sondern auch eine "Pflicht auf Schule", genau wie jetzt. Die 60er waren doch nicht im Altertum.

Antwort
von jofischi, 36

ja es gab auch in den 60ern schon eine allgemeine Schulpflicht.

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