Frage von VitamineB12, 87

Gab es in Europa eine sexuelle Aufklärung (sexuelle Freiheit)?

Hallo,

ich bin ein normaler Muslim und bin mit Christen/Atheisten aufgewachsen. In Europa haben die Frauen eine andere Sichtweise als eine muslimischen Frau. Vor allem die Sexualität, z.B. die Türkinnen (aus dem tiefsten Anatolien) legen sehr viel Wert an ihre eigene Körper. Sex, Sexgespräche, Ehebruch und mit fremde Menschen gehen ist und bleibt ein Tabu. Ich habe aber als Mann die freie Wahl und bin öfters mit Deutsche und Osteuropäische Frauen zusammen, weil ich mit ihnen wolffühle und sexuelle Freiheit erlebe.

In der Türkei sieht man in den Nachrichten häufig Berichtserstattungen über die Ehrenmord, Sexuelle Missbrauch von Hunde/Tiere und Minderjährige, Heirat mit Minderjährigen, Frauen Vergewaltigung, Frauenmord usw.

Was ist der unterschied bitte, spielt da die Religion eine Rolle oder gabs in Europa bereits eine sexuelle Revolution/Aufklärung wie die französische Aufklärung.

LG

euer Vitamin

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von mychrissie, 33

Es gab in den meisten westlichen Kulturen einen Aufklärungsprozess, der den Menschen klargemacht hat, dass es weder den Staat noch die Kirche etwas angeht, was erwachsene Menschen mit anderen Menschen bei gegenseitiger Zustimmung machen.

Leider hat diese Aufklärung nicht in allen Staaten stattgefunden und auch meistens eher in den Großstädten als auf dem platten Land.

Überall, wo die Politiker die Menschen im Griff haben wollen, bedienen sie sich gerne sexualfeindlicher Taktiken und die Kirche hat auch schon immer Gewalt über ihre Schäfchen (und deren Geldbörsen) behalten wollen. Und bei Menschen, die an jenseitige Fabelwesen glauben, statt selber zu denken, wirken Drohungen mit Hölle und der Bestrafung von "Sünden" besonders gut.

Antwort
von sarahj, 34

Erste Frauenbewegungen gab es schon in den 20er Jahren. Sie forderten schon damals z.B. ein liberaleres Scheidungsrecht, das aber am Widerstand insbes. der Kirche verhindert (die hatte einen starken Einfluß z.B. auf die Zentrumspartei).
Insgesamt gab es in den Metropolen damals schon ein weit liberaleres Leben als danach (30er bis Ende 50er). Berlin war eine der (wenn nicht die)  Welthauptstadt in Kultur und Lifestyle.
Durch die Wirtschaftskrise und insbesondere die Nazizeit gab es aber derbe Rückschläge. Speziell die Nazis förderten und forderten ein traditionelles Frauenbild (Heim & Herd). Was die damals aufgewachsenen prägte.
Der große Wurf passierte erst, als die erste Nachkriegsgeneration im jugendlich/studentischen Alter war, und sich auch damit von der Vatergeneration distanzierte. Dazu gehörte auch, daß das alte Frauenbild kritisch betrachtet wurde. Es verwundert nicht, daß es ausgerechnet die 60er waren - da kamen die "Kriegskinder" und "Nachkriegskinder" in das protestfähige Alter.
Es war nicht nur die sexuelle Revolution. Zu der Zeit wurden viele Dinge in Frage gestellt. Auch kulturell, politisch/ideologisch waren es revolutionäre Zeiten,  ausgelöst durch bewusste, teils provokative Ablehnung und Distanzierung von den Vorstellungen der Eltern- und Großelterngeneration, die z.T auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führten (Studentenrevolten).
Man muß es also gesamtgesellschaftlich als Abnabeln und Ablehnen der Kriegsgeneration sehen.
Typisch waren Studentenkommunen (WGs) mit teils sehr lockerer Moral, ein neue Musik, mit ebenfalls auch sexuell deutlich rebellischeren Inhalten (Rolling Stones), freizügigere Darstellungen in Kino und Fernsehen usw.
Nicht zu vergessen ist Oswald Kolle, mit seinen Aufklärungsfilmen, die auch in diese Zeit gehören.

Antwort
von Akka2323, 77

Die sexuellen Freiheiten haben die Studenten in den Jahren von 1965-75 erkämpft, die damalige antiautoritäre Studentenbewegung. Vorher sah es in Deutschland auch mau aus.

Antwort
von hertajess, 15

Gib mal Sufragetten in die Suchmaske ein. Du wirst reichlich Informationen sehr unterschiedlicher Art dazu finden. 

Wir hatten ja die Französische Revolution. Da waren durchaus manche Frauen aktiv dran beteiligt. Und dann gingen die Männchen hin und weigerten sich ihnen Rechte zuzugestehen. Das war schlicht eine Unverschämtheit. Denn die keltischen Fragen waren durchaus frei, hoch angesehen und so fort. 

In England gab es ja schon vorher Königinnen. Die Frage warum dann nicht auch andere Frauen frei sein dürften war eine logische Schlussfolgerung. Die Französische Revolution hat solche Gedanken beflügelt. 

Schon die Alten Römer berichten dass im Raum Köln Frauen eigenem Gewerbe nachgingen, hoch angesehen waren, frei. Köln ist nicht Deutschland. Das muss betont werden. 

Es gab also lange vor der sogenannten Sexuellen Revolution bzw. Sexuellen Aufklärung schon manchen Anstoß, manche Selbstverständlichkeit die tatsächlich grundsätzlich das Thema mit beinhalteten. Sie waren quasi die Vorläufer der Sufragetten wenn Du so willst. 

Spätestens ab dem 1. Konzil von Nicäa hat sich sogenannter christlicher Glaube mit Macht und Herrschsucht ins Bett gelegt. Und zwar mit ausschließlich männlicher. Die Unterdrückung der Frau wurde also befördert indem manche Apostel einfach ausgeschlossen wurden aus der Lehre, Teilsätze dem gewünschten Ziel gemäß angepasst wurden und so fort. Sehr grob 1.000 Jahre später hat dann diese gleiche Institution einen üblen Kampf gegen Wissen geführt der die große Bibliothek zu Alexandria in Schutt und Asche legte, in Europa Heiler als Hexer und Hexen verfolgte und so fort. 

Anatolien hat eine bedeutend ältere Geschichte. Magst Du nicht wissen aber da steht das älteste Steinhaus der Menschheitsgeschichte. Schrift wird noch entziffert die da gefunden wird. Damals, als diese Kultur existierte, muss die Frau hohes Ansehen genossen haben. - Arte hat dazu einen Film veröffentlicht. Wenn er dort nicht mehr zu finden ist schaue bei youtube nach. Denn da landen die nicht mehr wiederholten Sendungen dieses Programms. 

In der Türkei wird über Missbrauch öffentlich berichtet. Bei uns wird er tot geschwiegen von den Medien obwohl dpa sie in seinem Ticker durchaus dann aufführt wenn die Zuständigen sie zur Kenntnis nehmen. Was durchaus nicht immer der Fall ist in Deutschland. 13 Bundesländern ist es nicht mal den Aufwand wert wenn Minderjährige getötet werden dazu eine Statistik zu führen. 

Du kannst also nicht von den Berichten in den Medien rückschließen. Bei uns in Deutschland werden noch andere schwere Verstöße gegen die Menschlichkeit so gut wie gar nicht zur Kenntnis genommen bzw. auch entgegen geltendem Recht der Öffentlichkeit vorenthalten. So sind auch laut mehrerer Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts gemäß Europäischem Recht alle Gerichte verpflichtet ihre Urteile zu veröffentlichen. Warum tun sie es nicht? Vielleicht weil sie Was zu verbergen haben? Wenn nicht könnten sie doch veröffentlichen. 

Zurück zu Sexualität: Deutschland wird weltweit als Hu renhaus der Welt bezeichnet. Vor manchen Jahren gab es einen Tatort der von minderjährigen Sexsklaven die aus osteuropäischen Staaten illegal importiert werden handelte. Dieser spielte in Stuttgart. Die Stuttgarter Polizei erklärte dass es so bei ihnen zugehe, sie aber zu wenig Personal hätten. Folge? Personal wurde reduziert. Das Selbe in Hamburg, Berlin wo sich auch ein Tatort mit dem Thema befasste. 

Du kannst also nicht einfach so davon ausgehen dass die in der Türkei veröffentlichten Straftaten nicht auch in D geschehen. Ganz gewiss nicht. Auch nicht aufgrund der Tatsache dass sich halt in mancher Gegend mittlerweile Frauen trauen können. Das ist aber längst nicht überall der Fall. Und auf der anderen Seite brauchst Du Dich in Karlsruhe nur gegen den Hausfrauen strich stellen um von der Mehrheit angegriffen zu werden. Ob dieses Verhalten Was mit Freiheit zu tun hat wage ich sehr stark zu bezweifeln. Hier kann Dir auch geschehen dass Du im Haupteinkaufsbereich der Stadt um eine Ecke gehst und Menschen beim kopulieren siehst. 

In Caesars "De bello gallico" findest Du auch beschrieben dass manche germanischen Stämme Frauen jedes Recht absprachen. Du kannst es online auf deutsch lesen. 

Antwort
von 1988Ritter, 51

In den 60/70iger Jahren erfolgte eine sexuelle Aufklärung, die dann auch eine Reihe sexueller Tabubrüche nach sich zog. Aufklärungsfilme, der sexuelle Zubehörmarkt, alles erlebte einen Boom.

Dabei war die sexuelle Aufklärung auch nicht ohne Widerstand. Insbesondere die Kirchen sträubten sich regelrecht gegen das Thema und versuchten den angeblichen "Moralverfall" zu stoppen.

In den 80iger Jahren kam dann noch das Kabelfensehn hinzu, Sendungen von Frau Berger oder TuttiFrutti sind unvergessen.


Kommentar von VitamineB12 ,

Oh je, TuttiFrutti kenne ich auch. Tür verschlossen, Fernseher an, so wars bei mir als Kind :))

Kommentar von sarahj ,

klimbim (70er) -> youtube

Kommentar von 1988Ritter ,

:-))....dann mach ich mir ein Schlitz ins Kleid und find es wunderbar....

Antwort
von Hamburger02, 56

Bis in die 1950er Jahre hinein war es hierzulande nicht viel anders, als bei konservativen Moslems heute. 

Frauen, die Sex außerhalb der Ehe hatten, galten als Schlampen. Unverheiratete Frauen mit einem unehelichen Kind wurden gesellschaftlich und religiös geächtet. Dies führte zu vielen illegalen Abtreibungen, Kindsmorden und Suiziden. Vergewaltigung in der Ehe gab es per Gesetz nicht, in der Praxis reichlich. Kindesmissbrauch wurde verschwiegen und verdrängt.

Ende der 1960er kam dann die Studentenrevolution, die Hippiebewegung und die Emanzipation auf. Durch diese Bewegungen befreiten sich die Frauen aus dem Patriarchat und nahmen sich die selben Rechte auch in sexueller Hinsicht heraus, die für die Männer schon immer selbstverständlich waren.

Kommentar von Lipstique ,

hör auf...mir dreht sich der Magen um:-)))

Kommentar von Hamburger02 ,

??? und warum?

Antwort
von Libertinaer, 7

Hallo Ihr Lieben,

Hallo Du Netter! :)

Zuerst: Danke für die tolle Frage! Deswegen eine ausführlichere Antwort, auch wenn der Stern schon vergeben ist. ;-)

Gabs in Europa in der Vergangenheit eine sexuelle Aufklärung?

Kurzanwort: Nein, es gab DREI, bis wir das geschafft haben! Zuerst brach die Reformation die weltliche Macht der Kirche und bot alternative Auslegungen der Bibel. Dann ersetzte die Aufklärung die religiösen Pflichten, Gebote und Verbote durch individuelle Rechte. Und zuletzt wurde das in der sexuellen Revolution auch auf die Sexualität ausgeweitet, inkl. der weiblichen Gleichberechtigung. Und all das wurde unterstützt durch eine seit jeher andere Sicht auf Frauen und auch Sexualität.

Langantwort:

  1. Die Reformation: Luther brach mit der Deutungshoheit der (noch allesamt römisch-katholischen) Kirchenfürsten. Die hatten damals nicht nur geistliche sondern auch weltliche Macht, während das gemeine Volk von Bildung ferngehalten wurde und sich keine eigene Meinung bilden konnte, durfte und sollte (Messen wurden z.B. in lateinischer Sprache abgehalten, und die Bibel war in griechisch oder lateinisch). Luther modernisierte die Bibel und übersetzte sie ins für jeden verständliche Deutsch (er gilt damit auch als Begründer der einheitlichen deutschen Sprache - viele unserer Wörter wie auch alltäglichen Redewendungen sind ihm und seiner unglaublichen Wortgewalt zu verdanken), predigte in deutsch, und die weltliche Macht der Geistlichen wurde erstmalig begrenzt. Der kurz vorher von Gutenberg erfundene Buchdruck mit beweglichen Lettern führte zu einer bis dahin unbekannten (weil unmöglichen) Verbreitung seiner Thesen und der deutschsprachigen Volksbibel, sowie zu einer ersten Volksbildung. Er brach auch mit der prinzipiellen Unterdrückung der Frau, sowie mit dem christlichen Dogma, Sex habe in der Ehe nicht lustvoll, sondern nur notwendige Pflichterfüllung zur Zeugung von Kindern zu sein ("In der Woche zwier, schaden weder ihm noch ihr!"). Die (blutigen) Aufstände der Bauern gegen ihre absoluten Herrscher wurden aber erfolgreich (und mit seinem Segen) unterdrückt, während Europa (bzw. insbesondere das Gebiet, was später Deutschland wurde) in einem furchtbaren, bis heute prägenden 30-jährigen Krieg zw. Katholiken und Protestanten versank (vergleichbar mit den Kriegen zw. Sunniten und Schiiten).
  2. Die Aufklärung: In der europäischen-amerikanischen Aufklärung wurde erstmals der Mensch an sich als das wesentliche Element begriffen (daher auch die heute bekannten "Menschenrechte"). Der Machtanspruch der absoluten, undemokratischen Herrscher wurde langsam (und blutig) in Demokratie umgewandelt. Die weltliche Macht der Geistlichen wurde abgeschafft. Es erfolgte die Trennung von Staat und Religion (mal mehr, mal weniger). Der religiöse Glaube an sich wurde ernsthaft hinterfragt, und ergänzt - wenn nicht abgelöst - durch Philosophie und Wissenschaft im modernen Sinn. Während Glaube an Bekanntem festhält (das steht in der Bibel, also ist es wahr. Punkt.), hinterfragt sich die Wissenschaft ständig selbst und sucht nach überprüfbaren Beweisen. Es begann der Humanismus und die allgemeine Volkbildung (Schulpflicht). Besonders hervorzuheben ist Napoleon, der die Reformen (zwangsweise, aber zur Freude der Befreiten) in Europa verbreitete (und dann leider selber zum absoluten Herrscher und Unterdrücker wurde). Unser heutiges Zivilrecht, das BGB, mit dem Grundsatz, dass vor dem Gesetz alle gleich seien, ist ein direkter Nachfahre von Napoleons Code Civil! Im Bereich der zurückgedrängten Religion bekam angesichts der evidenten Widersprüche zw. Bibel bzw. Glauben und nachprüfbarer Wissenschaft der mit Luther begonnene Prozess Vorschub, die Bibel nicht buchstäblich als Gottes Wort, sondern als Sammlung von Gleichnissen zu sehen, die im Kontext des Entstehungszeitpunktes betrachtet werden müssen.
  3. Die '68er- und in Folge die sexuelle Revolution: In den 1960er Jahren erhoben sich in den westlichen Demokratien insbesondere die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, und gingen gegen die konservative Politik, begründet mit konservativen Traditionen und unterstützt von den gesellschaftlich immer noch einflussreichen konservativen Geistlichen massenhaft auf die Straße. Bis dahin waren Sexualität im Allgemeinen und weibliche Sexualität im Besonderen offiziell durchaus mit der heutigen Situation in muslimischen Ländern vergleichbar (also weniger Saudi-Arabien, eher Türkei - wobei Atatürk als einer der ersten Staatsführer überhaupt das Frauenwahlrecht eingeführt hat). Durch Liberalisierung der Pornographie in skandinavischen Ländern, verbreitete sie sich auf Super 8 in ganz Europa, und wurde letztlich legalisiert. Die Erfindung der Pille trennte erstmals wirklich die Sexualität von der Fortpflanzung. Und in Deuschland wurden die bis dahin regierenden Konservativen durch Willi "Mehr Demokratie wagen!" Brandt, dem deutschen Kennedy, in der Regierung abgelöst (der Beginn der Liberalisierung des Sexualstrafrechts begann allerdings schon vorher, als es zu einer kurzlebigen großen Koalition kam, und die SPD erstmalig nach dem Krieg Regierungsverantwortung übernahm - wenn auch noch als Juniorpartner). Die Rechte der Frau wurden deutlich gestärkt. Erst ab da waren Frauen in Deutschland nicht nur Anhängsel des Ehemannes, sondern prinzipiell wirklich gleichberechtigt. Auch wurden Recht auf Sexualaufklärung in Schulen, Scheidung, Schwangerschaftsabbruch und sonstiges festgelegt. Und mit Oswalt Kolle erlangte ein libertinärer Journalist große Popularität, der in Artikelserien, Büchern und Filmen die Unwissenheit oder falschen Vorstellungen der Deutschen über Sexualität in jedem Bereich Männer, Frauen und Kinder betreffend fachlich geschult korrigieren konnte. Ab da galt mindestens inoffiziell: Erlaubt ist, was gefällt, und geht Dritte nichts an, und dass das so auch gut sei. [Nachschlag: Erst aufgrund der Wiedervereinigung wurden 1994 homosexuelle Kontakte (zwangsweise und mit Widerwillen der Union) vollständig heterosexuellen gleichgestellt (bei Beziehungen gilt das ja noch nicht - Stichwort u.a. Adoptionrecht). Und erst seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe ebenfalls strafbar (auf gemeinsamen Antrag der SPD/Die Grünen-Opposition mit den weiblichen Unions-Abgeordneten und der FDP, gegen den Widerstand der Mehrheit der männlichen Unions-Abgeordneten).]
  4. Die vorchristliche Tradition: Es gab schon in vorchristlicher Zeit einen sehr grundlegenden Unterschied zw. europäischer und arabischer Tradition, was die Behandlung von Frauen und Sexualität betrifft! Das monotheistische Alte Testament - die Basis für Judentum, Christentum und Islam - ist eine Erfindung steinzeitlicher patriarchialischer Nomadenstämme des Nahen Ostens (das Christentum ergänzte da, wg. der Leiden Christi, noch eine Lustfeindlichkeit). Eine Niederschrift IHRER Vorstellungen von Religion, Rolle der Frau sowie Sexualität, unter Berücksichtigung ihrer damaligen Lebensumstände. In Europa hingegen waren diesbezüglich seit Urzeiten ANDERE Vorstellungen verbreitet! Nämlich Polytheismus, freierer Umgang mit Nacktheit und Sexualität sowie einer stärkeren Rolle der Frau: Matriarchialische Fruchtbarkeitskulte! Das spiegelt sich später (soweit bekannt) sowohl in der germanischen, als auch der römischen bzw. griechischen Tradition wieder! Z.B. kämpften Germaninnen durchaus mit blanker Brust an der Seite ihrer Männer. In Rom hatten berühmte Gladiatoren durchaus sexuelle "Groupies" aus höheren Schichten (vom auch sonst freizügigen Umgang mit Sex gar nicht zu reden). Und Griechenland war nicht nur für Demokratie, Philosphie und "Knabenliebe" bekannt - auch hier waren die Frauen selbstbewusst (nicht nur im jährlichen "Oben ohne"-Umzug zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttin). Mit der (zumindest in Germanien) durchaus auch gewaltsam aufgezwungenen Übernahme des Christentums, verschwanden die früheren Sichtweisen NICHT! Sie lebten, trotz offizieller Unterdrückung, mehr oder weniger weiter - sichtbar z.B. in den geschlechtlich gemischten Badehäusern des Mittelalters, wo auch Sex öffentlich praktiziert wurde. Oder bei den massiven sexuellen Ausschweifungen der Geistlichen, die letztlich zum Zölibat führten. Selbst Prostituierte beschwerten sich damals massiv über die zahlreiche (und preiswerte) "Konkurrenz" aus den Klöstern. Die verschiedenen Reformen änderten also nicht die Sicht- und Lebensweise vieler Menschen, sondern gaben nur ihrer Lebensweise mehr "offiziellen" Freiraum (in dieser Tradition ist auch das Entstehen der FKK-Bewegung Anfang des vorigen Jahrhunderts verständlich). Und welche Lebensweise "natürlicher" ist, Verklemmtheit und Unterdrückung oder Sexualität und Gleichberechtigung, muss ja wohl nicht groß diskutiert werden ... =;-)

Wie lange brauchen die Muslime noch Zeit damit auch die musl. Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können?

Tja, DAS ist wohl DIE Kernfrage, über die sich sehr viele muslimische Intellektuelle intensivste Gedanken machen! Ich empfehle dir da mal die Publikationen der muslimischen Feministin Asra Nomanis (sie verfasste unter anderem eine "Bill of Right" für Muslimas mit so "revolutionären" Punkten wie dem Recht, neinsagen zu dürfen, oder dem Recht auf einen Orgasmus). 

Wenn man unsere Geschichte mit der Situation vieler muslimischer Staaten vergleicht (die Türkei ist, dank Atatürk, in mehrfacher Sicht eine positive Ausnahme, auch wenn Erdogan sehr fleissig an reaktionären Änderungen arbeitet), dann kann man feststellen:

  • absolute Herrscher sind die Regel, Demokratien die Ausnahme, mit entsprechendem Mangel an Meinungs- und Redefreiheit - aber auch an sexueller Freiheit, da sie prinzipiell für unerwünschte Autonomie steht.
  • religiöse Normen, statt individueller Rechte.
  • massiver Einfluss der Religon auf die Politik statt Trennung von Staat und Religion.
  • massiver Einfluss von Religion auf die Justiz (sofern nicht ohnehin deckungsgleich), statt Trennung von (subjektiver) "Moral" und (objektivem) Recht.
  • geringe Bildung, hohe Analphabetenquote und kaum Literatur (und die ggf. auch noch zensiert).
  • eklatanter Mangel an Wissenschaft, Forschung und Technik.
  • Dominanz der Religion gegenüber der Wissenschaft (im Widerspruch zum Koran übrigens: nominell ist der Koran deutlich wissenschaftsinteressierter als das Christentum, und vieles unseres heutigen Wissens, verdanken wir islamischen Gelehrten, die selber forschten oder das Wissen der Antike bewahrten, das wir im religiösen Wahn bereits vernichtet hatten!).

Letztlich lautet die Grundüberzeugung: Der Islam braucht eine Aufklärung! Um die Macht der Religion zu brechen, brauchte es hier aber den Insider Luther! Und das wäre ungleich schwieriger, da Luther als Gegner DIE römisch-katholische Kirche mit ihrer absoluten Deutungshoheit herausfordern konnte. Eine Kirche in diesem Sinn kennt der Islam aber gar nicht! Es gibt keinen "islamischen Papst", der für alle "unfehlbar" DIE "Wahrheit" verkündet, sondern der "richtige" Glaube wird auf Basis des Einzelnen mit seinem Imam ausgehandelt. Und da gibt es halt solche und solche. Und Luther hatte mächtige Unterstützer: Viele Herrscher "von Gottes Gnaden", die nur den Papst widerwillig als noch höhere Instanz hatten - und dies gerne ändern wollten.

Nun, was damals der Buchdruck, ist heute das Internet. Und vielleicht ist es da die "Schwarmintelligenz", die für den dezentralen Islam das sein kann, was Luther für das zentral gesteuerte Christentum war. Aber wichtig ist auf jeden Fall: Bildung, Bildung und nochmals Bildung (das ist ja auch der Grund, warum Fundamentalisten so dagegen kämpfen), sowie eine wachsende Mittelschicht, die Mitbestimmung einfordert und/oder eine Unterschicht, die die Unterdrückung irgendwann nicht mehr aushält und massenhaft aufbegehrt. So war es bei uns, so sieht man es in Ansätzen jetzt im Islam. Hoffen wir, dass es nicht sooo blutig wird und lange dauert, wie unser 30-jähriger Krieg ...

... wobei: Wie lange gibt es in Afghanistan doch gleich (Bürger-)Krieg? :-/

Antwort
von xo0ox, 59

Das war die Entwicklung generell, klar es hat auch einen Religiösen Einfluss.

Antwort
von Kandahar, 64

Leider ist der Islam noch immer im Mittelalter gefangen. Das führt leider dazu, dass völlig überholte Moralvorstellungen gelebt werden und niemand sehen will, dass aus diesen sinnlosen Regeln solche grausamen Dinge wie Ehrenmord und anderes resultieren.

Antwort
von schelm1, 87

ich bin ein normaler Muslim ... Ich habe aber als Mann die freie Wahl und bin öfters mit Deutsche und Osteuropäische Frauen zusammen, weil ich mit ihnen wolffühle und sexuelle Freiheit erlebe.

In der Türkei sieht man in den Nachrichten häufig Berichtserstattungen über die Ehrenmord, Sexuelle Missbrauch von Hunde/Tiere und Minderjährige, Heirat mit Minderjährigen, Frauen Vergewaltigung, Frauenmord usw.

Ob Du so ganz normal bist...?

Na- ja - vielelicht trifft es dich bei Deinem lockeren Lebenswandel auch mal!?!

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