Frage von Lehrar, 85

Gab es bei fdj oder bei ernst-thälmann eine gezielte "rhetorische" ausbildung für viele der damaligen "mitglieder"?

Schließlich ist die quote bei politikerinnen in manchen eu-regierungen doppelt so hoch ca. wie in der gesamtbevölkerung mancher eu-staaten. Und gerade in der politik ist ja das reden halten sooooooooo wichtig. Frage mich, ob diese über-quotierung zufall ist oder von weiblicher und in der Jugend herangebildeter redekunst herrührt?

Antwort
von Karl37, 42

Rhetorik wird an den Universitäten angeboten und wird sinnvollerweise von angehenden Dozenten belegt. Voraussetzung ist allerdings eine richtige Sprech- und Atemtechnik, die man beim Logopäden bekommen kann. Aber nicht nur die verbale Kommunikation ist wichtig sondern auch die nonverbale (Körpersprache) ist von Bedeutung.

Im Vorteil ist Jener, der auch Latein beherrscht, denn im alten Rom hatte die Rhetorik eine Hochkultur. Daher muss man im Studium die Reden von Cicero, Korax, Orator oder Fronko analysieren können. Im Studium  sind auch Reden von A.H. und von Goebbels ein Thema.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Inhalte bei der FdJ ein Thema waren.

Unsere Kanzlerin war doch einmal eine FdJ Funktionärin. Ihre Reden lassen aber keine rhetorische Ausbildung erkennen.

Antwort
von Fuchssprung, 46

Du stellst dir das vollkommen falsch vor. Nach deiner Darstellung hätte sich der junge Redner selbst seine Gedanken über die Politik der Partei machen dürfen. Aber das ist falsch! Niemand sollte sich Gedanken über die Politik der Partei machen. Deshalb brauchte ein guter Redner nur eine einzige Fähigkeit. Er musste gut von einem Blatt Papier ablesen können. Eigene Gedanken waren nicht gefragt. zu leicht hätten sie in die falsche Richtung gehen können. Die Reden wurden vorher IMMER von den Verantwortlichen geprüft und nur in den seltensten Fällen gelang es jemandem einen eigenen Gedanken hinein zu schmuggeln. Aber selbst diese kleinen Ausrutscher gingen in der immer gleichen Sülze vollkommen unter, weil niemand diesem Schwachsinn lange zuhören konnte. Die Reden waren zu dieser Zeit im Inhalt immer gleich, mit kleinen Abwandlungen in der Wortwahl. Da hatte man als Zuhörer gar keine andere Wahl. Man musste abschalten und an etwas anderes denken, wenn man nicht verrückt werden wollte.   

Kommentar von beangato ,

Eigene Gedanken waren nicht gefragt.

Ähm - das ist falsch.

Du hast wie lange in der DDR gelebt?

Kommentar von Fuchssprung ,

Lange genug um dir zu sagen dass es nicht falsch ist. Die Gedanken die in eine Rede eingeflossen sind, mussten immer Linientreu sein. Waren sie das nicht, durfte man diese Rede nicht halten. Sagte man sie trotzdem, ohne dass sie auf dem Papier standen und ohne dass sie von den Bonzen abgesegnet waren, brachte man sich in Schwierigkeiten. Die Schwere der Schwierigkeiten richteten sich nach dem "Verbrechen" das man begangen hatte. Denn eigene Gedanken die nicht Linientreu waren galten als Verbrechen, als Hetze gegen den Sozialismus. Ich muss es wissen, denn ich habe es Schwarz auf Weiß.

Antwort
von Woropa, 41

Bei den Jung- und Thälmannpionieren und auch bei der FDJ gab es keine rhetorische Ausbildung. Es war nach der Wende eher so, das viele ostdeutsche Bürger sich nicht so gut ausdrücken konnten und nicht so frei sprechen konnten wie die westdeutschen Bürger. In der DDR wurde sowas nicht geübt und auch nicht so  oft verlangt. 

Kommentar von Huckebein ,

Netter Witz (oder ist es keiner) von Regine Hildebrandt (leider schon verstorben):

Frage: Warum brauchen die westdeutschen Schüler 13 Jahre fürs Abitur?
Antwort: Weil sie im 13. Schuljahr Schauspielunterricht erhalten.:):)

Kommentar von beangato ,


das viele ostdeutsche Bürger sich nicht so gut ausdrücken konnten und nicht so frei sprechen konnten wie die westdeutschen Bürger.

Wie bitte? In welcher DDR soll denn das gewesen sein? In meiner jedenfalls nicht.

Verbreite also keine Lügen.


In der DDR wurde sowas nicht geübt und auch nicht so  oft verlangt. 

Wie kommst Du darauf?


Antwort
von catweasel66, 52

du meinst eine regelrechte ausbildung um reden schwingen zu können?

wüßte ich nicht.

ernst-thälmann waren die thälmann-pioniere,die hatte die roten halstücher um :-)

Antwort
von 666Phoenix, 15

Gab es bei fdj oder bei ernst-thälmann eine gezielte "rhetorische" ausbildung

Nein, gab es nicht! Man setzte gewöhnlich auf ideologische Klarheit, Überzeugung und Freiwilligkeit!

So wie heute - "Mehr Schein als Sein", auch im rhetorischen und formellen Bereich - gab es damals nicht, jedenfalls nicht so deftig! Es wurden auch keine finanziellen oder karriererelevanten Verbindungen hergestellt, wenn die Rhetorik nicht so sehr stimmte. Wichtiger waren Qualifikation und Erfahrung.

Antwort
von beangato, 43

Nee, sowas gabs nicht. War selbst in der FDJ.

Manche Leute haben so eine Gab, gute Reden halten zu können.

Antwort
von sandra01, 50

die jugend in der ddr wurde bereits im kindergarten mit der politik konfrontiert, oft, ohne dass die eltern es überhaupt merkten...in der schule ging es dann weiter - pioniernachmittage, fdj-versammlungen...regelmäßige fahnenappelle, wo schonmal reden  von schülern gehalten wurden...als unterrichtsfach gab es staatsbürgerkunde, wo es hauptsächlich um politik ging, dann gabs die ganzen parteien, in die man schon als sehr junger mensch eintreten konnte und wenn man für einen pädagogischen beruf wie lehrer oder erzieher studieren wollte, wurde einem nahegelegt, ,,in die partei einzutreten"....die politische erziehung war eines der wichtigsten anliegen der obrigkeit der ddr....manche leute mussten sich auch verantworten, wenn sie mal nicht zur maidemonstration mit ner nelke im knopfloch erschienen waren oder sich weigerten, zur wahl zu gehen......;D ich war eine davon ;))


Kommentar von Huckebein ,

Entschuldige bitte, aber du verbreitest Unsinn und Halbwahrheiten. Falls du aus der DDR stammst, frage ich mich, welcher frustrierten Minderheit du angehörtest, dass du jetzt hier ein Bild verbreitest, das hinten und vorn nicht stimmt.

"pioniernachmittage, fdj-versammlungen...regelmäßige fahnenappelle!!!"

dann gabs die ganzen parteien, in die man schon als sehr junger mensch eintreten konnte

das war wohl nichts...:) Das wolltest du sicherlich nicht sagen, obwohl es natürlich nicht falsch ist.:)

Ja, es gab außer der SED auch die CDU, NDPD, LDPD, DBD, in die du eintreten konntest. In welcher warst du denn?:):):)

Es scheint, als habe sich in deinem Kopf ausschließlich das festgesetzt, was es zwar gab, aber im Kontext von Kindheit, Schule, Studium und Arbeitsleben - als marginal einzustufen istl!!

Ich habe ein Lehrerstudium absolviert und war nie in der Partei. Ich erinnere mich auch nicht am Bestrafungen, wenn man zur Maidemonstration nicht erschien, noch dazu ohne Nelke im Knopfloch. :)
Was die politische Ertziehung anbetrifft. Die gab es, und die gibt es, nur mit anderen Vorzeichen.
Zur politischen Erziehung in der DDR und in der BRD könnte man sich hervorragend auslassen, aber das wäre Stoff für eine andere Frage.

Kommentar von Huckebein ,

edit: Nicht Ertziehung, sondern Erziehung

Kommentar von sandra01 ,

vielleicht hätte ich anstelle von parteien besser organisationen schreiben sollen, sorry, mein fehler, aber die sache mit den fahnenappellen und nelken und den bestrafungen habe ich selbst erlebt und dass man mein studium verhindern wollte, weil ich nicht in die sed eintreten wollte oder wählen war, ist auch so... ich weiß ja nicht, in welchem teil der ddr du lebst oder gelebt hast, hier war es so....ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie eines tages zwei nette herren vom ,,rat des kreises" bei mir auftauchten, als ich gerade ein praktikum im kindergarten absolvierte, und mir ans herz legten, es wäre besser, in die sed einzutreten, da ich doch als kindergärtnerin sozialistische persönlichkeiten erziehen würde, ansonsten müsse man sich die sache mit dem studium nochmal überlegen....ich kann nur berichten, wie ich diese zeit erlebt habe und so war es bei mir

Kommentar von Huckebein ,

Jedes System hat seine willfährigen Unterstützer. Dass du an zwei besonders "Linientreue" geraten bist, sagt nichts über  die grundsätzliche Vorgehensweise im Zulassungsverfahren zum Studium in der DDR aus.  Ich nehme an, dass du auch ohne SED-Zugehörigkeit studiert hast, oder hast du dich überreden lassen?:)
Übrigens waren in meiner Seminargruppe von 23 Lehrerstudenten  6 (sechs) in der Partei.

Antwort
von Huckebein, 34

Es gab in der DDR für FDJ-Mitglieder keine rhetorische Ausbildung, weder in der Schule noch im Studium.
Es gab im Lehrerstudium z.B. das Fach Sprecherziehung.

Sprecherziehung in der DDR befasste sich nur mit Aspekten mündlicher Kommunikation. Sie unterteilte sich in Sprechbildung, Phonetik, Ästhetische Kommunikation.
Ziel der Sprecherziehung war es, die Rede-, Artikulations- und Gesprächsfähigkeit zu fördern, was man für den Lehrerberuf als besonders wichtig erachtete.

Im Nachhinein könnte man sagen, dass ein gewisses Maß an rhetorischer Ausbildung in vielen Studienrichtungen durchaus sinnvoll gewesen wäre. Zumindest in diesem Punkt hat(te) der ehemalige DDR-Bürger dem Westbürger gegenüber einen Nachteil, wenn man das so bezeichnen will, wobei rhetorische Brillanz (Redetechnik) und Aussagekraft der Rede sich durchaus nicht die Waage halten müssen.

Antwort
von voayager, 34

Man hat die Gabe der Rhetorik oder nicht. Hat man sie, dann kann sie durch eine Schulung noch verbessert werden, doch von nix kommt einfach nix, da hilft auch keine Schulung.


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