Frage von Nana15122110, 79

Futtergierig?

Eins meiner Ponys ist extrem gierig nach Leckerlies. Vielleicht habe ich ihn am Anfang zu viel belohnt aber jetzt macht er bei der Bodenarbeit nichts mehr freiwillig ohne Leckerchen. Was kann man dagegen tun?

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 42

man kann dagegen das pferd erziehen.

eine belohnung gibt es NUR für SCHWIERIGE sachen und nicht für das abrufen von aufgaben, die bereits gefestigt sind.

belohnungen sind immer mit einem lobwort verbunden und werden im laufe der festigung einer lektion durch das lobwort nach und nach ersetzt.

das pferd erhält die belohnung fürs LERNEN, NICHT dafür, dass es gelerntes abruft.

ausserdem kommt die hand mit der belohnung zum pferd, NICHT der pferdekopf zur belohnung.

in sachen belohnung solltest du noch mal von ganz vorn anfangen. die lektion heisst, dass das pferd lernen muss, auf die belohnung zu warten und dich nicht angieren darf. bei der bodenarbeit ist das am leichtesten. du lässt das pferd stehen und gehst ein paar meter weg. du nimmst die belohnung in die hand und gehst damit langsam richtung pferd und stellst dich daneben. dann gibst du die belohnung - zusammen mit einem lobwort. wichtig: das pferd bekommt die belohnung NUR, wenn es ruhig stehenbleibt. am anfang kann man mit drei bis fünf sekunden beginnen und das ganze dann bis auf eine minute oder mehr verlängern.

sobald diese lektion klappt, darf das pferd auf zuruf zu dir kommen lernen. du gehst vom stehenden pferd weg, wartest eine weile und rufst das pferd dann zu dir. danach muss das pferd ruhig vor dir stehenbleiben. wieder beginnst du mit wenigen sekunden und dann steigerst du die zeiträume.

bei allem anderen darfst du das pferd in der zeit NICHT belohnen. das pferd muss lernen, das lobwort als belohnung zu empfinden. das geht natürlich über futter - das man nach und nach weglässt, bis das pferd sich daran gewöhnt hat, dass die eigentliche belohnung das lob ist.

bei anderen lektionen, die das pferd bereits kann, grundsätzlich keine futterbelohnung mehr geben und bei lektionen, die neu erarbeitet werden, den schwierigkeitsgrad immer weiter erhöhen, bevor es eine futterbelohnung gibt.

man nennt das konditionierung.

und es verlangt eine menge disziplin und konsequenz. und zwar von DIR.

Kommentar von GreysCT ,

Habe eine Verständnisfrage: Warum sollte das Pferd nur für das Lernen belohnt werden? Damit es weiß wann es gerade etwas lernt und das weiter ausbauen soll?

Kommentar von Hafipower2 ,

In den meisten Punkten kann ich dir zustimmen, aber dass nur belohnungen für das lernen bekommt leuchtet mir nicht ein! Bsp.: Du fängst eine Ausbildung an lernst dabei einen Beruf und bekommst dafür ein bisschen Geld (geld ist in dem bsp deine belohnung), dann hast du deine Ausbildung abgeschlossen und Arbeitest "richtig" und dann sagt dein Chef zu dir, dass du keine Bezahlung für deineArbeit bekommst, weil du ja nichts mehr lernen musst und deinen Job schon kannst. Also ich würde ja dann auch nicht mehr weiter arbeiten

Kommentar von ponyfliege ,

ein mensch ist kein pferd.

und ein pferd "funktioniert" anders als ein mensch.

das resultat des belohnens einer aufgabe, die zu 100% sitzt ist genau das, was in der frage zum ausdruck kommt. das pferd mach GAR NICHTS mehr ohne die futterbelohnung.

@hafipower2 - nimms mir nicht übel - aber dein vergleich ist ein paradebeispiel für vermenschlichung.

weiterführende literatur (ein wirklich gutes buch) zu dem thema:

vivian theby - so lernen pferde 

Kommentar von GreysCT ,

Danke :)

Antwort
von skjonii, 45

Bei Pferden ist das mit den Leckerchen nicht ganz so einfach wie mit Hunden, eben weil Pferde von Natur aus deutlich verfressener sind. 

Ich verstehe nicht ganz inwiefern er "nichts mehr freiwillig ohne Leckerchen" macht... Lockst du ihn damit oder hältst es ihm vor die Nase? :D 

Viele Pferde verstehen auch nicht von Anfang an das Prinzip "Futter als Belohnung" bzw. verknüpfen nicht direkt das damit, was man eigentlich belohnen will. Unser Wallach lässt sich damit z.B. super (wie ein Hund) trainieren, mit der Stute kann man nach 3 Leckerchen quasi nichts mehr anfangen weil sie so gierig und aufgekratzt wird, aber nicht weiß, was sie dafür jetzt tun soll. Blöd gesagt ist das vielleicht einfach nichts für euch. 

Es gibt deutlich direktere Arten sein Pferd zu belohnen. Bspw. Stimme, Streicheln, oder einfach nachgeben bzw. das Pferd für den Moment in Ruhe lassen. Ich würde mir einfach trotzdem ein paar Leckerchen in die Tasche stecken, ihm aber keins geben. Stattdessen musst du aber wirklich ausgiebig mit den anderen Methoden belohnen, damit er nicht frustriert wird und trotzdem das Gefühl hat, dass es sich für ihn lohnt. 

Man kann auch Pferde clickern und z.B. Höflichkeitstraining damit machen. Vielleicht ist das ja was für euch? Ich arbeite auch damit und auch mit Leckerchen, aber ausschließlich wenn wir irgendwelche Kunststückchen oder Ähnliches üben, nicht im "Alltag" bzw. bei gymnastizierender Arbeit. Mein Pferd kennt den Unterschied genau, ob jetzt "rumgealbert" oder gearbeitet wird. 

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 30

Ja, das haben schon einige ganz korrekt erklärt:

Bei der Arbeit mit Futterlob ist der richtige Moment entscheidend und vor allem auch, dass der Keks gereicht wird und nicht vom Pferd geholt. Ich hab meinen beiden im Scherz neulich gesagt, das ist wie beim Pizzaservice, es wird gebracht.

Das Lobwort ist bei mir automatisch entstanden, indem ich ausgesprochen hab, dass es für DIESE Leistung einen Keks gibt. Wenn ich jetzt das Wort "Keks" nur ausspreche, hat das diese Wirkung. Die Leute, die mich beobachten, müssen immer lachen, wenn ich zu meinem Pferd sag "War super! Hab nur leider jetzt keinen Keks da, musst Dir einen denken" - und er fängt an zu kauen als hätte er einen bekommen. "Keks" = zufrieden kauen. Und dass ich die ab und an gar nicht dabei habe, weil ich mir nicht die Taschen voll bröseln möchte, macht gar nix. Es muss nicht immer was geben, das Pferd soll nicht vorher wissen, da sind keine Kekse an Bord, dann tu ich nix.

Du kannst definitiv ganz neu anfangen, das aufzubauen. Stell Dir einfach vor, Du kennst das Pferd nicht, weißt nicht, was es alles für einen Keks machen würde. Arbeite mit ihm, lobe es mit allem, was Dir zu Verfügung steht und wenn Du wieder mal Futterlob einsetzt, dann ... nicht immer ... im richtigen Moment ... und nicht zur Selbstabholung durch das Pferd.

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde, 12

Ich habe mir schon seid vielen Jahren keks&co abgewöhnt.

Ich lobe sooofort, wenn Pferd anfängt oder dabei ist, das richtige zu tun.

Jedes Pferd versteht ein ehrliches lob.

Nach der richtigen Reaktion vermindere ich auch sofort den Druck.

DAS reicht völlig.

Kauf lieber gute Mineralbrocken und gib sie, wenn Du heim gehst. Ganz ohne Anforderungen, nur aus Liebe.

Jedes Pferd kann lernen das zu verstehen.

Viel Erfolg beim Üben.

Kommentar von Heklamari ,

P.s.

Nie nie nie  mehr Leckerbissen in den Taschen haben!

Antwort
von Punkgirl512, 23

Nun, dann hast du immer wieder im falschen Moment gefüttert.

Gerade "keksen" muss gelernt sein, exakt im richtigen Moment den Keks auch "reinzuschieben" - dann werden die Pferd nicht gierig, bleiben trotzdem auch ohne Keks freudig bei der Sache. Diesen Moment musste mir eine Stallkollegin neulich beibringen - vorher war mein Pony eine richtige Ratte, was Leckerchen anging. Eins bekommen, hat er NUR gedrängelt, alles gemacht, was er NICHT sollte und wurde ekelig aufdringlich.

Das lag aber daran, dass ich die falschen Momente gewählt habe für die Kekse.

Daher habe ich fast 7 Jahre lang völlig ohne Leckerchen gearbeitet (gut, außer für das Kompliment, da gabs dann unten auch mal nen Keks!). Stimmlob, Streicheln, fertig. Ich bin auch weiterhin der Meinung, dass das absolut ausreicht - und wenn man das "keksen" nicht gelernt hat, sollte man es auch lassen, bis man jemanden findet, der einem den Moment beibringt.

http://www.motionclick.de/ Sylvia kann sowas hevorragend erklären - vielleicht hast du mal die Chance, einen Kurs zu besuchen, denn übers Internet kann man den richtigen Punk nicht so erklären, dass es etwas nützt.

Also: lerne, ohne Kekse Bodenarbeit zu machen. Motiviere dich selbst, damit motivierst du dein Pferd. Baue selber Energie auf in deinem Körper, damit dein Pferd auch mehr Energie bekommt.

Wer auch sehr schön in die Richtung der Energie - und auch des Futterlobs - arbeitet, ist Kati von www.equinality.de - nicht ganz billig, aber immer wieder lohnenswert und lesenswert.

Antwort
von Secretstory2015, 32

Er respektiert Dich nicht mehr. Ein Pferd sollte in meinen Augen nicht mit Leckerlis trainiert werden, denn er verbindet nun Dich und Arbeit nur noch mit Futter, was absolut eine Folge dieser Trainingsmethode ist, wenn man sie unsachgemäß nutzt.

Ich würde dazu raten, dass Du komplett auf Leckerlis verzichtest und strikt nur mit Stimme lobst. Arbeite an seinem Respekt, mache gezielte Führübungen, damit er lernt, Dir zu folgen, so wie Du es möchtest.

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