Für Deutsch gibt es das "Amtliche Regelwerk 2006" mit Grammatik, Wörterverzeichnis und den Duden für die Rechtschreibung; wie sieht das in anderen Sprachen aus?

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3 Antworten

Im Spanischen hast du die Real Academia Española, die seit 1713 die offiziellen Wörterbücher und Grammatikregeln der spanischen Sprache wiedergibt, inkl. der Besonderheiten für Spanien, Lateinamerika (dort 20 Länder) und weitere Staaten, wo Spanisch Amts-, Nebenamts- oder sonstige anerkannte Sprache ist (z.B. Westsahara, Äquatorial-Guinea, Andorra, Phillipinen, im US-Staat New Mexico).

Zum von Accountowner08 erwähnten Druck von unten: dort gab es vor ein paar Jahren eine Rechtschreibreform, wo z.B. Akzente bei sólo und éste weggelassen wurden, oder die Buchstaben des Alphabets international homogen benannt wurden. Nachdem die Jahre danach diese Reform nicht angenommen wurde, hat man sie kurzerhand wieder eingestampft.

Auf der anderen Seite finden manche, dass einige Wörter nicht politisch korrekt genug beschrieben werden. PC ist eine Krankheit unserer Zeit, alles neu zu benennen und in Tabus zu packen, die hoffenlich nicht mehr lange anhält.

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Für Französisch gibt es die Académie Française, die darf die Sprache "festlegen", und ihre Entscheidungen werden einerseits in ihrem Wörterbuch publiziert, andererseits auch in den anderen Wörterbüchern (Robert, Larousse, etc.)

Für Hebräisch gibt es die Akademie der hebräischen Sprache...

Aber de facto wird die Sprache "von unten" "gemacht", d.h. das Volk verwendet ausdrücke, die erhalten eine Bedeutung, und nach einiger Zeit werden sie dann "offiziell".

Die Akademien sind mehr für Rechtschreibung und Grammatik, aber sie können sich auch da nicht wirklich gegen den Druck "von unten" stemmen...

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Kommentar von ElizaD
22.11.2016, 12:23

Sie KÖNNEN schon; die Frage ist nur, ob sie immer damit Erfolg haben.

Auch wenn die Aussicht auf Erfolg zweifelhaft ist, sollte man es Sprach-Experten nicht ohne Weiteres verbieten, Ratschläge bezüglich eines akzeptablen Sprachgebrauchs zu erteilen.

Zumindest jene Sprachbraucher, die das WOLLEN, können dann den Ratschlägen folgen. Sprachdummheiten lassen sich dann manchmal vermeiden (obwohl sie in andern Fällen auch oft zur Norm aufsteigen).

Das von oben herab verfügte französische  Computer-Vokabular in Frankreich scheint ja ganz zweckmäßig und erfolgrecih zu sein.

In gewissen Grenzen scheint der Mensch auch willentlich etwas Einfluss auf seine Sprache nehmen zu können; die Sache scheint etwas mehr Bedenken zu verdiente als nur die Zukunftsaussage, dass der Druck von unten ja auif alle Fälle siegen wird.

Demjenigen, der JETZT  nach einer zweckmäßigen Ausdrucksform sucht, dem nützt es nichts, wenn man ihm fünf Varianten präsentiert und erklärt, die GEBE ES ALLE. Das weiß er selber schon, bevor er fragt. Das ist Duden-Stil und Drückebergerei. Gegenüber dem Ratsuchenden darf sich mE ein Sprachspezialist durchaus ein Herz fassen und erklären, welche Form aus welchen Gründen und in welchem Kontext  JETZT die überlegene zu sein scheint.

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Die angelsächsische Welt hat den Zeitpunkt für die Gründung einer Akademie verpasst (Voltaire sagte bezüglich der interessierten Schirmherrin Queen Anne [reg 1702-1714]:

"Es hätte etwas mit der Akademie in England werden können, aber die
Königin starb plötzlich".

Ihr folgten die aus Hannover stammenden Georges, von denen der erste nicht mal Englisch konnte (und sich mit schlechtem Latein und noch schlechterem Französisch durchschlug). Von dem war keine Initiative für eine englische Sprach-Akademie zu erwarten; und es gründete auch sonst keiner eine.

Die Stelle einer solchen nahmen dann bald die Lexikographen und die
Sprecherzieher (Orthoepisten 'Richtigsprecher') ein, die besonders von der
zweiten Hälfte des 18. Jh an einen gewaltigen Markt hatten, weil so viele
gesellschaftliche Steil-Aufsteiger, die vom englischen Frühkapitalismus
profitiert hatten, besser Englisch sprechen und schreiben lernen mussten, wenn sie wirklich in der guten Gesellschaft arrivieren wollten.

Seit  der Zeit sind die Angelsachsen (einschließlich der in den
Kolonien zB in Amerika) ein Volk von intensiven Lexikon-Benutzern, die von den Lexika auch normative Aussagen zum richtigen Sprechen und Schreiben erwarten, so ähnlich wie wir vom Duden, obwohl es m angelsäschsischen Raum keinen Lexikon-Verlag mit Monopolstellung wie bei unserm Duden gibt; aber das schaukelt sich durch die interne Angleichung der jeweiligen Haus-Regeln dann einigermaßen zurecht.

Die haarsträubende Entwicklung der englischen Schreibung mit ihrem so
weitgehend ungeregelten Verhältnis zur Aussprache hat auf diese Art aber nicht aufgehalten werden können.

In dem heutigen angelsächsischen Zustand, bzw dem Fehlen einer offiziellen Sprachregelung in der angelsäschsischen Welt sehen manche die große Freiheit.

Aber der Zustand ist sozial nicht unzweifelhaft. Gutes Sprechen und Schreiben (und worin das besteht, dafür gibt es nirgends ein eindeutiges Vorbild) ist dann nämlich trotz all der Unsicherheit unter allen halbwegs gebildeten Angelsachsen zum social marker geworden. Dass zB Politiker in Deutschland  einen hohen Rang erreichen können, auch wenn sie einen starken Dialekt-Akzent haben, das wird von Angelsachsen, die ich kenne, als "the German romantic fondness of their local dialects" abgetan. Mit einem regional accent würde man in England (nach meinen letzten Informationen) nicht mal Grundschullehrer.

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