Frage von AlxxStxrm, 38

Fühlt sich meine Tochter vernachlässigt?

Hallo, ich brauche unbedingt eure Hilfe! Vor einem halben Jahr habe ich mit meiner Freundin unser erstes gemeinsames Kind bekommen. Ich habe allerdings schon eine Tochter (6) aus meiner ersten Ehe. Seit 3 Monaten wohnt meine Tochter nun bei uns, da ich das alleinige Sorgerecht bekommen habe. Meine Tochter fühlt sich aber total unwohl bei uns. Sie nörgelt immer an meiner Freundin rum und möchte nichts mit ihrem kleinen Bruder unternehmen! Ich versuche sie immer in unser Familienleben mit einzubeziehen, wie jeden Morgen zusammen Frühstücken und den wöchentlichen Ausflug! Auch meine Freundin versucht sie immer beim Windeln wechseln oder Füttern/etc. als "Asistentin" zu gewinnen, aber sie weigert sich. Was mich aber total schockiert hat war, dass mich als ich gestern Abend nach Hause kam ein Streit begrüßt hat. Unteranderem hat meine Tochter zu meine Freundin gesagt "Ich hasse dich!" und "Du bist nicht meine Mama!". Sie vermisst ihre Mutter wirklich sehr, darf sie aber zur Zeit nicht sehen. Ich weis echt nie weiter! Was würdet ihr an meiner Stelle tun? Denkt ihr sie ist eifersüchtig auf ihren Bruder?

Antwort
von hourriyah29, 34

Hallo AS,

alleine aus den paar Fakten Deiner Frage, kann man erkennen wie schwierig die Situation für Deine Tochter sein muss!

6 Jahre bei der Mutter aufgewachsen, herausgerissen aus dem normalen Umfeld, getrennt von der Mutter muss sie jetzt zurecht kommen mit der neuen Freundin des Vaters und deren Kind oft alleine zu sein.

Da ist es völlig normal, dass sie sich von Deiner Freundin nichts sagen lassen will. Aber es ist auch klar, dass Deine Freundin als einzige anwesende Erwachsene nicht darum herum kommt auch mal etwas zu sagen.

Sehr schwierige Situation!!!

Habt ihr professionelle Unterstützung (Jugendamt, Familienberatung, Erziehungsberatung, systemische Familientherapie)?

Von Jesper Juul gibt es sehr gute Ratgeber für Familien, sogar speziell für Patchworkfamilien. Vielleicht findest Du dort hilfreiche Informationen.

Ihr zwei Erwachsenen braucht in den nächsten Monaten viel Geduld und innere Ruhe. Versucht möglichst oft gemeinsam etwas schönes zu machen, zu entspannen und die Freizeit zu nutzen für Sport und Erholung. Vielleicht kannst Du in den nächsten Monaten möglichst oft frei nehmen um Zeit für Deine Drei zu haben. Das wäre für alle wertvoll.

Deine Partnerin geht vermutlich auch auf dem Zahnfleisch? 6 Monate altes Baby PLUS ohne Vorerfahrung und gute Verbindung ein 6 jähriges Kind zu betreuen. Welche Hilfen kann sie aktivieren (Freunde, Familie, Hebamme)?

Kannst Du mit Deiner Tochter mal für ein paar Stunden etwas schönes alleine unternehmen und dann mit ihr ein ruhiges Gespräch führen. Ihr zeigen, dass Du verstehst, dass es für sie nicht einfach ist und dass Du verstehst, dass sie sich von Deiner Partnerin nichts sagen lassen will. Ihr zeigen, dass sie für Dich wichtig ist und dass Du möchtest, dass sie sich bei Euch wohl fühlt.

Mit ihr besprechen, dass Du die Freundin bitten wirst möglichst wenig zu verbieten oder anzuweisen. Deine Tochter fragen, ob sie unter der Bedingung sich vorstellen kann auch auf Deine Freundin zu hören, wenn sie etwas verlangt. Und dass dann auf sensible Art "ausdiskutieren". Mit Argumenten und ohne Druck. Sie ist schon alt genug um zu verstehen, dass es im Zusammenlegen Regeln geben muss.

Danach wäre es wichtig sich mit der Freundin zusammen zu setzen und zu besprechen was sind die Familienregeln (z.B. Fernsehen nur eine Sendung und andere Streitpunkte). Und Deine Freundin bitten, ansonsten möglichst keine Anweisungen zu geben. Bei der Babypflege soll sie sich nur beteiligen, wenn sie das von sich aus will. Das kann man in dieser Situation nicht von ihr erwarten.

Diese Familienregeln müssen dann wieder von Dir an Deine Tochter weitergegeben werden und mit Deiner Tochter besprochen werden, ob sie sich daran halten kann und was gegebenenfalls Folgen sind, wenn sie es nicht kann.

Soweit es möglich ist, solltest Du derjenige sein, der die Regeln aushandelt, überbingt und für Folgen sorgt. Gibt es z.B. immer wieder Ärger wegen des Fernsehers solltest Du die Fernbedienung in Euerem Zimmer wegschließen und nicht Deine Partnerin .

Deine Tochter braucht gereade jetzt klare Strukturen.

LG und alles Gute Euch allen!

Hourriyah

Antwort
von Fliederblume, 24

Deine Tochter kommt mit der neuen Situation noch nicht klar und vermisst Ihre Mutter. Egal was vorgefallen ist, ein Kind liebt immer beide. Deine Freundin darf nicht versuchen, ein Mutter Ersatz sein zu wollen, sondern sollte eher als "Freundin" auftreten. Sonst macht ihr es richtig mit dem einbeziehen. Bitte nicht provozieren lassen und Geduld haben!

Ist es vielleicht möglich, das ihr Regelmäßig nur etwas mit deiner Tochter Unternehmer und das Baby bei den Großeltern lasst? Oder das es x mal im Monat einen Tag gibt, an dem deine Tochter bestimmt was gemacht wird? Dann fühlt sie sich Ernst genommen.

Kommentar von AlxxStxrm ,

Die Eltern meiner Freundin wohnen leider 8 Stunden entfernt. Und mein Vater ist leider sehr stark dement! Wir haben und auch schon oft darüber unterhalten umzuziehen, aber wir möchten meiner Tochter nicht noch die Freundinnen entreißen! Und das mit dem Tag ist wirklich eine sehr schöne Idee, allerdings weigert sie sich immer, wenn ich es ihr anbiete. :/

Kommentar von Fliederblume ,

OK. Umzieh n wäre wirklich das schlimmste für Sie. Weißt du denn, was Sie mal gerne tun würde? Zoo, Schwimmen, Indoorspielplatz oder so? Ruf vielleicht die Eltern Ihrer Freundinnen an. Und dann einfach als Überraschung Plänen.

Antwort
von Hypar, 29

Sie reagiert ängstlich, naja es ist ei e ganz neue situation. Sie müssen ihr zeit geben, sie muss sich an alles gewöhnen :)

Antwort
von Pummelweib, 24

Es ist eine komplett neue Situation, sie ist total überfordert und auf alles und jeden eifersüchtig, sie fühlt sich fehl am Platz und nicht richtig angenommen.

Es braucht viel Geduld sie zu integrieren, das wird nicht ganz einfach und kostet viel Nerven, evtl. auch Tränen, aber es ist zu schaffen.

Bleibe weiterhin freundlich und versuche sie zu integrieren. Wenn sie es irgendwann zulässt, dann umarme sie auch, sage ihr, wenn sie etwas gut gemacht hat.

Zeige ihr, das sie ein Teil der Familie ist. Auch das sie willkommen ist, so wie sie ist, das sie sich nicht verstellen und beweisen, oder hervorheben muss.

Unternehme öfter mal etwas mit ihr alleine, so einen Mutter.Tochter-Tag, das sie merkt sie ist dir wichtig und du bist nur für sie da.

Werfe die Flinte nicht gleich ins Korn, wenn es nicht gleich alles klappt, das braucht alles seine Zeit und seine Umstellung, bzw Eingewöhnung.

Irgendwann habt ihr es geschafft und dann seid ihr alle froh, das ihr durchgehalten habt *daumendrück*.

LG Pummelweib :-)

Kommentar von AlxxStxrm ,

Vater-Tochter-Tag ;) Danke für deine Ratschläge! 

Kommentar von Pummelweib ,

Bitte immer wieder gerne.

Ha ha...sorry...ja natürlich Vater-Tochter-Tag, das kommt dabei raus, wenn man Mutter ist *grins*...LG Pummelweib :-)

Antwort
von TorDerSchatten, 28

3 Monate sind nicht lang genug, wenn sie 5 Jahre und 9 Monate bei der leiblichen Mutter gewohnt hat. Und du weißt nicht, was der Kleinen eingetrichtert wurde hinter deinem Rücken.

Gib ihr Zeit, gehe ganz ruhig und liebevoll mit ihr um, und das mit den "Arbeiten gewinnen" würde ich erstmal lassen. Man kann sie mit einbeziehen und fragen "möchtest du beim Wickeln zuschauen? Willst du die Cremetube aufschrauben?" und wenn sie nicht will, dann auch lassen.

Also immer wieder anbieten, aber wenn sie dann nein sagt, nicht weiter drängen.

Auf diese Sprüche "ich hasse dich" würde ich gar nicht eingehen, eventuell sagen (muß zur Situation passen) "aber ich mag dich eigentlich sehr gern" und "Du bist nicht meine Mama" - da hat sie recht. Man könnte sagen "stimmt, aber wir können Freunde sein, wenn du willst"

Sie muß sich erst mit der veränderten Situation zurechtfinden und versteht das alles vielleicht gar nicht

Kommentar von AlxxStxrm ,

Danke!

 Ich gehe erst seit kurzem wieder arbeiten, wenn meine Tochter dann von der Schule nach Hause kommt, sind dort dann eben nur meine Freundin und ihr Bruder. Sie macht dann alles nach ihrem Kopf! Und wenn sich meine Freundin dann mal einmischt und versucht mit ihr einen Kompromiss zu finden, entgegnet meine Tochter sofort "Du bist nicht meine Mama - Du hast mich nichts zusagen!". 

Zum Beispiel letztens: Meine Tochter schaut Fernsehen, dann kommt meine Freundin und bittet sie freundlich, den TV auszuschalten. Meine Tochter schreit dann gleich drauf los! Unteranderem auch "Ich hasse dich!" (das sagt sie ziemlich oft). 

Ich habe es sogar schon einmal selbst mit erlebt..das ist echt hart :(

Antwort
von GaiaCelestine, 28

Ihre reaktionen sind für mich absolut verständlich. Darf die Mutter nicht sehen und muss die Zeit mit der neuen Freundin seines Vaters zubringen und muss sich sachen von der sagen lassen und soll auch noch ihren Halbbruder an der Backe haben. Mich würde das auch ankotzen als Person. Du solltest dich vielleicht mal einzeln mit ihr beschäftigen, nur ihr beiden Papa und Tochter dann seid ihr euch bestimmt wieder näher. Und wenn sie nicht will dann auch nicht zu etwas zwingen weil das macht alles nur noch schlimmer. Ich sprech aus Erfahrung.

Kommentar von AlxxStxrm ,

Natürlich muss es total komisch sein, wenn man urplötzlich von der eigenen Mutter getrennt wird. Ich versuche auf öfters nur mit ihr Zeit zu verbringen. Sie meint auch manchmal, dass sie ihren Bruder total süß findet und meine neue Freundin auch ganz okay ist. Allerdings möchte sie sich nichts von ihr vorschreiben lassen :/ Selbst so kleine Dinge wie "Machst du bitte deine Hausaufgaben?" oder "Würdest du bitte den Ferseher ausschalten?" lässt sie sich nicht sagen..

Kommentar von Menuett ,

Das ist normal, das wird der süsse Kleine später auch versuchen.

Unterstütze Deine Freundin und sage Deiner Tochter, dass diese in deinem Auftrag handelt.

Antwort
von Menuett, 13

Da muß doch einiges vorgefallen sein, wenn das Kind nicht zu seiner Mutter darf.

Geht zum Kinderschutzbund, Caritas oder Jugendamt.

Macht eine Erziehungsberatung.

Das Kind dürfte schwer traumatisiert sein.

Und dass Deine Freundin nicht ihre Mutter ist, das ist einfach nur die Wahrheit.

Kommentar von AlxxStxrm ,

Ja, das hast du Recht! Mit dem Jugendamt sind wir auch in Verbindung. 

Natürlich ist sie nicht ihre Mutter, aber es gibt eben bestimmte Regeln, die sie einhalten muss!

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