Frage von umdaseck, 232

Frustration, dass ich mir kein Pferd leisten kann?

Hallo,

bevor ich laufen oder gar brabbeln konnte, saß ich zum ersten Mal auf einem Pony.
Seitdem sind Pferde alles für mich, es gab keine größere Pause.
Reitunterricht, Reitbeteiligung, habe alles durch.

Inzwischen bin ich über 20, lebe allein und studiere.
Nach all den Jahren sehne ich mich so sehr nach einem eigenen Pferd.
Es mir selbst aussuchen zu dürfen, wieder täglich zum Stall zu fahren und fast täglich irgendwie mit dem Pferd zu arbeiten.

Nachdem meine alte Reitbeteiligung hier verkauft wurde, habe ich mich nach einer neuen umgesehen.
Aber man merkt dabei schon, dass man Wünsche hat, die man bei einer Reitbeteiligung einfach nicht so ausleben kann. So möchten manche aus Prinzip nicht, dass man mal zur Abwechslung nur mit Halsring reitet, manche erlauben nichtmal Ausritte obwohl hier überall Wald ist. Und täglich zum Stall kommen ist als RB auch quasi unmöglich. Klar, als Pferdebesitzer sucht man sich eben eine Reitbeteiligung um weniger Arbeit zu haben, aber nicht um nichts mehr zu tun.

Seit ich klein bin möchte ich mir ein eigenes Pferd kaufen, finanziell ist das aber einfach gänzlich unmöglich. Zumal man abgesichert sein muss, wenn etwas passiert.

Dennoch war ich an einigen Ställen zum RB-Kennenlernen. Die Besitzerinnen waren oft jung, teils Studentinnen und meinten, sie würden sich ihr Pferd komplett allein finanzieren.

Frage: Wie geht das? Was machen diese Leute um sich ein Pferd leisten zu können? Oder war das eventuell gelogen?
Mir fällt es nämlich schwer in der letzten Woche des Monats noch genug Essen zu kaufen, dabei wohne ich in einer kleinen, günstigen Wohnung und verbrauche allgemein wenig von allem. Dazu habe ich noch einen Nebenjob.  

Ab welchem Alter, bzw nach wie vielen Jahren im Beruf konntet ihr euch euer eigenes Pferd leisten?

Bin auch dankbar für einige nette, aufheiternde Worte.

Liebe Grüße

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 77

Ach Mädel....Sei geduldig, und sei froh!

Ich habe weder studiert noch geerbt, und hatte in einer handwerklichen Ausbildung mal ein eigenes Pferd. Die Stallmiete musste ich teils abarbeiten und dann keine Zeit mehr zum reiten. Schließlich war ich froh, dass Pferd in gute Hände abgeben zu können, weil meine Barschaft knapp war für Tierarzt und Schmied...

Das ist nun einige Jahre her, und ein eigenes Pferd habe ich mir inzwischen völlig aus dem Kopf schlagen müssen.

Das sieht doch bei Dir viel besser aus, findest Du nicht? Wenn es auch noch ein paar Jahre dauert - und bei inzwischen gestiegenem reiterlichem Niveau auch noch ein paar Jahre mehr: Du hast Hoffnung und ein Ziel!

Glaubst Du wirklich, die anderen Studenten haben keine finanziellen Schwierigkeiten? Dann lassen sie Dich ja sicher gerne kostenlos reiten...also sei nicht traurig; Du weißt ja: zum reiten lernen reicht ein Menschenleben nicht aus. Und jedes weitere Jahr, wo Du Erfahrung sammeln und was dazu lernen kannst, kommt Deinem zukünftigen Pferd zugute!

Ich hoffe, ich könnte Dich ein wenig trösten und ermutigen - im Zweifelsfall nimm halt den guten Willen für die Tat :-)

Antwort
von sukueh, 133

Na ja, ich denke mal, die meisten Studenten, die sich ein Pferd leisten können, werden vielleicht doch noch irgendwo von den Eltern finanzielle Unterstützung bekommen - auch wenn es vielleicht nicht regelmäßig ist, aber da mal ein kleines Taschengeld oder ein finanzielle  Aushilfe. 

Oder sie bekommen von ihren Eltern eine so große finanzielle Unterstützung, dass sie davon das Pferd finanzieren und meinen, sie würden es durch selber finanzieren ? 

Wenn du es genauer wissen willst, wie sie es machen, musst die Leute wahrscheinlich schon selber ansprechen.

Ich finde es zwar nachvollziehbar, dass dich ein bißchen das Gefühl der Frustration packt, wenn du siehst, wie sich andere Studenten sowas leisten können, andererseits ist es halt mal so im Leben. 

Man wird ja ständig damit konfrontiert, dass andere etwas haben oder machen, obwohl man glaubt, dass die finanziell auch nicht besser gestellt sein können als man selber und man sich solche Dinge definitiv nicht leisten kann. 

Nicht von der Frustration oder vom Neid packen lassen, weiter versuchen, eine RB zu finden, deine Ansprüche nach täglichem Zugang zum Pferd vielleicht auch etwas runterschrauben und dann lässt sich die Zeit bis zum eigenen Pferd (wenn man denn in ein paar Jahren überhaupt noch den Wunsch dazu verspürt und sich die Prioritäten im Leben nicht verschoben haben) überbrücken.

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 48

Ja, seufz, ich habe mit 6 Jahren zu reiten begonnen ... und wurde 33, bis es endlich ging. Weil Ausbildung abgeschlossen reichte nicht, ich hatte anfangs viele befristete Stellen. Erst in diesem Alter hatte ich die Festanstellung, die es mir möglich machte.

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 106

Erstmal finde ich es gut, dass du einsiehst, dass du dir ein Pferd nicht leisten kannst. Ich kann dich mit der RB-Geschichte zu gut verstehen, es ist einfach nicht wie ein eigenes. Ich habe mir vor ein paar Tagen den Traum vom ganz eigenen Pferd erfüllt und bin einfach froh drüber. Aber das geht auch nur, weil meine Eltern die monatlichen Stallkosten (300€) übernehmen. 

Ich kenne viele Studentinnen, die Pferde haben. Allerdings kann sich keine davon das Pferd selbst finanzieren, die sind alle sponsered by Daddy ;) Und ohne die wohlhabenden und spendablen Eltern gehts auch nur sehr schlecht, es sei denn, man hat aus unerfindlichen Gründen einen sau guten Nebenjob zur Uni. Aber das haben ja auch die wenigsten. Bei mir kommt das Pferd auch mit wenns ans studieren geht, aber auch das geht nur, weil mein Vater mich finanziell unterstützt. 

Ich kann dich wirklich sehr gut verstehen, die Problematiken mit RBs sind.... nervig. Aber wenn es nicht geht, dann gehts wohl einfach nicht. Und wenn man das Pferd nur vom letzten Cent finanziert kann es auch nicht gutgehen. Deshalb such dir wieder eine RB mit der du gut klar kommst, und halte durch bis du einen so guten Beruf hast, dass genug abfällt für ein Pferd :) 

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 144

Bei mir ging es erst mit 27 nach der Ausbildung, nach der Berufspraxis, nach der Heirat, nach den Kindern - erst jetzt (als Hausfrau) hatte ich genug Zeit mich auch wirklich zu kümmern. Finanziert habe ich es durch zwei Bausparverträge, die ich seit ich 16 Jahre alt war aufgebaut habe. Mein Mann hat mir das Pferd selbst geschenkt, aber den Unterhalt habe schon immer ich alleine bestritten.

Seit ich wieder voll Arbeite hatte ich auch meistens 2 oder 3 Pferde davon aber meistens ein Fohlen. (Nachzucht)

Also mach deine Ausbildung fertig, such dir einen gut bezahlten Job - arbeite eine weile in diesem Job und dann kaufst du dir Pferd.

Antwort
von beglo1705, 106

Mein erstes Pferd hatte ich mit 19 und dies ebenfalls selbst finanziert. Ob es richtig war? Nein. Auch wenns finanziell gepasst hat aber wirklich Zeit hatte ich nicht dafür, weil ich mich sehr früh selbstständig gemacht hab und 90 Stunden  Arbeit in der Woche keine Seltenheit waren. Wenn du´s so willst, hätte ich genug Geld gehabt aber definitiv hat es an der Zeit gemangelt.

Als Studentin ist´s nicht leichter: Du sollst lernen, dann deinen Unterhalt und den vom Pferd finanzieren was nur mit Nebenjobs möglich ist, aber was macht dann dein Pferd einstweilen?

Überleg es dir gut, ob du dir und deinem Pferd das alles zumuten möchtest. Irgendwann kommt deine Zeit für ein eigenes Pferd, aber erst wenn alle Rahmenbedingungen zusammen passen.

Kommentar von umdaseck ,

Ich habe doch geschrieben, dass es finanziell unmöglich ist. Es stand nicht zur Debatte ob ich mir eins kaufe oder nicht.. Das kann und werde ich nicht tun.

Zeit habe ich.
Bin fast fertig mit dem Studium, habe selten gelernt und jede Klausur bestanden, habe da einfach Glück, dass mir alles zugeflogen kommt.
Ich arbeite Spätabends-Nachts, in einer Bar.
Von daher schlafe ich höchstens wenig, aber das mache ich so oder so.

Zeit habe ich ohne Ende, jeden Nachmittag zwischen 15 und 22 Uhr habe ich nichts zu tun.
In diesem Zeitraum war ich ja bisher immer bei meiner RB, die verkauft wurde. Nach der Uni zum Stall, nach ein paar Stunden nach Hause, duschen und ab zur Arbeit.
An Zeit würde es eher nicht mangeln, bei mir liegt es bloß am Geld. :-(

Danke!

Kommentar von beglo1705 ,

Und eine neue RB oder Pflegepferd suchen wäre keine (vorübergehende) Option, bis du genug Geld verdienst?

Kommentar von umdaseck ,

Noch einen Job dürfte ich ohnehin nicht haben, sonst würde mir die Waisenrente, das einzige Geld das ich bekomme (also ohne dafür zu arbeiten) gestrichen werden.

Kommentar von umdaseck ,

Das versuche ich doch seit ein paar Wochen.
Aber wie in der Frage bereits geschrieben. Es ist schwierig ein Pferd für jeden Tag zu finden. Und 3-4x in der Woche reicht mir einfach nicht..

Kommentar von umdaseck ,

Genug Geld verdienen würde ich auch wohl erst in ca. 10 Jahren, möchte ja auch was auf der hohen Kante haben wenn etwas passiert. Und das sollte dann auch eben ein Pferd sein, das meinen Vorstellungen entspricht. Und das gibt es einfach nicht für 2000€.

Also ich schätze mal, dass es so lange dauern wird.

Kommentar von MissDeathMetal ,

Du hast vermutlich recht, das wird noch dauern. Aber du bist sehr vernünftig und wenn du dir ein Pferd kaufst, dann hat es es sicherlich gut bei dir :) 

Kommentar von Tenebrae0815 ,

Also Pferd alleine als Student finanzieren geht schon ist aber extrem selten. Beispielsweise ist es teilweise mit einem dualen Studium oder wie in meinem Fall wenn man über die Bundeswehr studiert. Jedoch geht dies natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man sich für 13 Jahre verpflichtet. Also geht es schon, aber du hast recht, dass viele Pferde vom Papa finanziert. Wäre es für dich nicht möglich mehr als eine Reitbeteiligung zu übernehmen? Wenn du solange reitest kannst du ja vielleicht Pferde von jungen Besitzern etwas Korrektur reiten und dadurch Geld sparen LG Tenebrae0815 und nicht den Mut verlieren

Antwort
von Michel2015, 66

Ein Leben mit eigenem Pferd als Student, geht nur mit Papas Kreditkarte oder man wohnt noch Zuhause.

Nutze besser die Zeit im Studium um gute Kontakte zu knüpfen, diese sind in der Reiterei unerlässlich. Du hast wirklich Zeit.

Was die Rb angeht, da sehe ich das eher ganz praktisch. Alle müssen am gleichen Strang ziehen, dann ist das gut für das Pferd. Sind die Sichtweisen zu different, bringt das wenig Erfolg. Natürlich muss jeder seine Freiheiten haben, dazu gehört Ausreiten und auch mal Faxen machen. Dem Pferd ist egal wer der Besitzer ist, es will ordentlich behandelt werden.

Ein Studium ist kein Beruf, das ist eine Ausbildung, so setze ich voraus, dass Du nach dem Studium schnell wirtschaftlich eigenständig bist und ebenso ein Pferd kaufen kannst. Natürlich gibt es brotlose Berufe und auch Absolventen, die aus ihrem Studentendasein nie herauskommen. Da ist das natürlich anders. Der Fachleutemangel ist gigantisch groß.

Sehe das locker, aber wie mit allem im Leben, wer einen kennt, der einen kennt, hat mehr Erfolg. Bisl Netzwerken bringt was, aber nicht so sehr im Internet, das geht in Realität nur durch Mobilität und das macht ungemein Spaß. Und es gibt genug Besis die kompetente RBs suchen und diese mit Freiheiten ausstatten, zumindest bei uns. Man sucht auch nicht bei jugendlichen Pferdebesitzern, sondern bei den bodenständigeren Reitern, die Potential sehen wollen.

Ich sehe hier keinen Grund zur Frustration, eher Freiheit die kaum jemand hat. Also ich hab sie definitiv nicht, auch mit eigenen Pferden.

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