Frage von Pechvogel30, 83

Fristlose Kündigung, wie gehe ich jetzt vor?

Ich bin am 01.11.2016 bei meinem neuen Job angefangen...ab dem ersten Tag bin ich von meinen Chefs schikaniert worden (leider immer ohne Zeugen), ich habe keine Einarbeitung bekommen und man hat mich immer auflaufen lassen.

Vor 1 1/2 Wochen habe ich schon einen mündliche Kündigung erhalten, mit dem Zusatz das sie dies aber nicht sofort machen könnten, da Sie noch keinen Ersatz hätte und ja auch das Weihnachtsgeschäft ansteht, aber danach würden Sie mich kündigen. Ich habe es geschluckt, meine Arbeit vernünftig weiter gemacht (am letzten Wochenende in 3 Tagen sogar 38 std) und wieder angefangen Bewerbungen zu schreiben... Am Sonntag habe ich mitbekommen wie Sie mit jemanden ein Vorstellungsgespräch geführt haben und den zu sofort eingestellt haben.

Heute komme ich zur Arbeit und habe meine fristlose Kündigung bekommen...Auf Frage warum kam nur "darauf gehe ich jetzt nicht weiter ein"... Jetzt meine Frage was ich machen kann? Beim Amt bekomme ich wegen einer fristlosen Kündigung bestimmt eine Sperre, ich weiß noch nicht mal warum (letztendlich können Sie mir ja alles unterstellen) und für seine Äußerung und sein Verhalten vorher habe ich keinerlei Zeugen (und wenn Zeugen da waren, waren es Freunde/Bekannte von Ihm die immer für ihn aussagen würden)... Habe halt Angst das mir das jetzt alles negativ ausgelegt wird. Ich habe noch nicht mal meinen ersten Lohn :-(

Über hilfreiche und aussagekräftige Antworten würde ich mich sehr freuen

Liebe Grüße Chris

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Pechvogel30,

Schau mal bitte hier:
Arbeitsrecht Kündigung

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 40

Was Deinen Lohn angeht: Schau mal im Arbeitsvertrag nach. Dort müsste stehen, zu welchem Termin der Lohn gezahlt wird.

Gegen die fristlose Kündigung wirst Du wohl klagen müssen. Das muss aber innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der fristlosen Kündigung geschehen.

Da Du ja erst kurz im Betrieb bist, greift das Kündigungsschutzgesetz nicht. Gegen eine Kündigung wirst Du nichts machen können, wohl aber gegen die fristlose Kündigung.

Wenn Du eine Probezeitvereinbarung hast, geht das mit der arbeitsvertraglich oder tarifvertraglichen Frist oder es greift der § 622 Abs. 3 BGB, dann beträgt die Kündigungsfrist 14 Tage.

In einer Kündigung muss zwar kein Kündigungsgrund stehen aber bei einer fristlosen Kündigung ist der AG auf Nachfrage des AN verpflichtet, den Grund zu nennen und das unverzüglich und schriftlich (§ 626 Abs. 2 BGB).

Wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast oder Gewerkschaftsmitglied bist, reicht Dein Anwalt die Klage ein. Du kannst aber auch selbst zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen und Klage einreichen. Bei der Klageformulierung wird Dir geholfen und das ist kostenlos. Eine Anwaltspflicht gibt es vorerst nicht.

Du wirst etwas unternehmen müssen um keine Sperre des ALG zu bekommen. Bei einer fristlosen Kündigung geht das Amt von "Selbstverschulden" aus.

Verlange also erst einmal vom AG die Begründung für die fristlose Kündigung und dann ab zum Arbeitsgericht. Verpass aber die Frist von drei Wochen nicht, sonst gilt die fristlose Kündigung auch wenn sie nicht rechtens wäre.

Sollte das Arbeitsgericht die Unrechtmäßigkeit der fristlosen Kündigung feststellen und der AG hat in die Kündigung nichts wie z.B.:".......ersatzweise kündigen wir zum nächst möglichen Termin" geschrieben, muss man Dir eine neue Kündigung mit der vorgeschriebenen Kündigungsfrist ausstellen und Dich dann auch solange bezahlen wie Du noch Mitarbeiter im Betrieb bist.

Antwort
von RoCMu, 37

die Antwort  von Hexle2 ist ausführlich und gut. Wichtig ist einfach noch mal der Hinweis, dass spätestens innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage erhoben sein muss. Du solltest die Verkürzung der Probezeit Kündigungsfrist  nicht akzeptieren. Möglicherweise hat der Arbeitgeber auch andere formale Fehler gemacht und auch eine ordentliche Kündigung, so denn diese überhaupt hilfsweise ausgesprochen wurde, wäre unwirksam. Meine Empfehlung ist es  daher unverzüglich eine Rechtsberatung aufzusuchen um dir Gewissheit über deine Risiken aber insbesondere auch Chancen zu verschaffen. "vom Support editiert"

Antwort
von Pechvogel30, 11

Hexle2 eine Frage hätte ich noch...

Sie haben jetzt Anspielungen bezgl einer Situation gegenüber einem Gast gemacht..

Ich schildere mal die Situation: ich sollte bei einem Gast die Abrechnung machen (diesen Tisch habe ich zu vor aber nicht bedient, normalerweise kein Problem) jetzt fing der Gast sich an über alles zu beschweren. Daraufhin habe ich angeboten die Rechnung zusammen durch zugehen und um einen Moment gebeten, da auf der Rechnung immer nur diverse Getränke, diverse Speisen stand (dies ist der Fall wenn die sondersachen bestellt haben, die so nicht in der Kasse eingespeichert sind)...also hab ich mir die Speisekarte dazu genommen...da stellte sich schon mal raus das die servicekraft an der Theke denen einige Getränke gegeben hatte und die nicht in der Kasse gebont hatte...jeder mischte sich in dieses Gespräch ein und gab "seinen Senf dazu", als eine weitere servicekraft mir vor dem Gast die Rechnung aus der Hand rieß habe ich nur gesagt "Stopp so nicht ich versuche doch gerade die Situation zu klären"...dann fing der Gast an mich noch mehr Unter Druck zu setzen und das ich mich ja so nicht vorm Gast zu verhalten habe...mein Chef kam auch dazu und hat zu der ganzen Situation garnichts gesagt.

Jetzt meine Frage: habe ich mich da so extrem falsch verhalten, dass dies eine fristlose Kündigung rechtfertigt?

Im Nachhinein habe ich auch noch erfahren, dass das gute Bekannte von dem Chef waren u der eine von denen Anwalt ist.

Weiterer Zusatz: der Laden war das ganze Wochenende mega voll und immer zu wenig Personal. Ich habe Donnerstag 11,75 std (ohne Pause), Freitag 12,25 std (ohne pause), Samstag 9 std (ohne Pause) und sonntags bin ich morgens um 11 Uhr angefangen und die beschriebene Situation war abends um 20:00. Für Pausen war ja nie Zeit 

Kommentar von Pechvogel30 ,

ich muss doch schon jemanden stark beleidigt haben oder ihn tätlich angegangen sein...?!

Antwort
von Pechvogel30, 21

Hallo Hexle 2, Danke erstmal für die ausführliche Antwort. 1. in der Kündigung steht : wir kündigen das bestehende Arbeitsverhältnis fristlos, hilfsweise fristgerecht zum 1.12. bzw. Zum nächstmöglichen Termin. Ich habe am 29.11. die Kündigung erhalten..2 Tage sind doch nicht fristgerecht?! Im Vertrag steht innerhalb der Probezeit 2 Wochen Kündigungsfrist... 2. ich habe meinen Arbeitgeber höflich aber sachlich und schriftlich darum gebeten mir die genauen Gründe, die eine fristlose Kündigung rechtfertigen, mir bis zum 3.12. schriftlich zu kommen zu lassen... Darauf hin habe ich heute per Mail Rückanrtwot bekommen in dem er schreibt: das es ein Gespräch gegeben hat in dem ich sogar mein Fehlverhalten zugegeben habe und er darauf nicht weiter eingeht und es für dieses Gespräch einen Zeugen gibt...dieses Gespräch hat so nie stattgefunden: es gab ein Gespräch in dem sie mir die Kündigung gegeben haben, auf nachfragen warum hieß es nur darauf gehen wir jetzt nicht weiter ein... Ich hatte heute ein Gespräch mit meinem Anwalt und der hat mir mut gemacht...er hat mir gesagt, dass es sehr gute Chancen gibt aus der fristlosen eine fristgerechte Kündigung zu machen und er jetzt die arbeitsschutzklage einreicht

Kommentar von Hexle2 ,

Dein Anwalt hat Dir das gesagt, was ich auch vermutet und geschrieben habe. Diese fristlose Kündigung wird wohl keinen Bestand haben.

Somit wird der AG Dich bis zum Ende der regulären Kündigungsfrist bezahlen müssen und es gibt keine Sperre des ALG. 

Antwort
von MKausK, 47

Den Sachverhalt dem Jobcenter schildern.....

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