Frage von Chococolein, 128

fristlose Kündigung ohne Grund in der Probezeit/ Gehalt nach Monatstagen abgerechnet/ Unbezahlter Urlaub trotz Krankmeldung?

Hallo zusammen,

ich schildere euch mal meinen Fall: Ich habe bei einer neuen Firma angefangen zu Arbeiten. Im Vertrag stand, dass es eine tägliche Kündigungsfrist gäbe während der sechsmonatigen Probezeit (nach meinem Kenntnisstand sind gesetzlich zwei Wochen vorgeschrieben). Ich hab von Monat bis Donnerstag dort gearbeitet und musste mich am Freitag krank melden. Habe auch eine Krankmeldung abgeben lassen. Wurde an dem Freitag fristlos gekündigt ohne Angabe von Gründen. Habe nun die Abrechnung bekommen und es wurde das Bruttogehalt durch 30(Tage) x 4 Tage gerechnet. Der Freitag steht als unbezahlter Urlaub drin. Es war keine Zeitarbeit, kein befristeter Vertrag und eine geregelte 40Std.-Woche von Mo-Fr.

Meine Frage: Ist das überhaupt rechtens 1. keine Künsigungsfrist, 2. unbezahlter Urlaub trotz Krankmeldung und 3. Monatsgehalt durch die kompletten Kalendertage statt der Arbeitsttage? Ich arbeite ja nicht am Wochenende.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 42

Eine Kündigung ohne Angabe von Gründen während der Probezeit ist rechtens.

Wenn kein Tarifvertrag Anwendung findet, ist die fristlose Kündigung nichtig. Du musst dagegen aber Klage einreichen. Das muss innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung passieren. Die verkürzte Kündigungsfrist von 14 Tagen während der Probezeit nach § 622 Abs. 3 BGB kann nur durch Tarifvertrag aber nicht einzelvertraglich kürzer sein.

Unbezahlten Urlaub hast Du nicht, Du musst Dich an Deine Krankenkasse wenden, sie muss Krankengeld bezahlen. Der AG muss bei Krankheit nach § 3 Abs. 3 Entgeltfortzahlungsgesetz erst nach vierwöchiger, ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses Entgeltfortzahlung leisten.

Wenn im Betrieb die anteilige Berechnung des Gehalts mit 30 Kalendertagen durchgeführt wird, ist das rechtens. Diese Methode kann auch vertraglich vereinbart sein.

https://www.jurion.de/urteile/bag/1975-02-28/5-azr-213\_74

Du kannst gegen die fristlose Kündigung beim Arbeitsgericht Klage erheben. Hast Du eine Rechtsschutzversicherung oder bist Gewerkschaftsmitglied, macht das ein Anwalt für Dich.

Du kannst aber auch selbst zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen. Dort hilft man Dir bei der Klageformulierung und das ist kostenlos. Es besteht erst einmal keine Anwaltspflicht.

Wenn in der fristlosen Kündigung kein Zusatz wie z.B.........."ersatzweise zum nächst möglichen Termin" steht, und das Arbeitsgericht die fristlose Kündigung für nichtig erklärt, bist Du nicht gekündigt und Dein AG muss Dich erneut unter Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von 14 Tagen kündigen. Da kann sich Dein Gehaltsanspruch schon noch um einiges erhöhen.

Wann hast Du die fristlose Kündigung denn bekommen? Wenn es noch keine drei Wochen her ist, ab zum Anwalt oder zum Arbeitsgericht

Kommentar von Chococolein ,

Die Kündigung habe ich am 18.11. erhalten und war bis einschlißlich letzten Freitag krankgeschrieben. Sollte die Kündigung also nicht rechtens sein, würde ich ja heute ohne Entschuldigung fernbleiben oder sehe ich das falsch? Was hätte das für Konsequenzen?

Kommentar von Hexle2 ,

Das hätte keine Konsequenzen, da Dich der Betrieb ja fristlos gekündigt hat und mit Dir bestimmt nicht rechnet.

Du hast jetzt Zeit zu einem Anwalt oder zum Arbeitsgericht zu gehen. Nimm Deinen Arbeitsvertrag und die fristlose Kündigung mit.

Wenn das Arbeitsgericht die fristlose Kündigung für nichtig erklärt, muss Dein AG die Zeit bezahlen. Zusätzlich dann auch noch die Zeit in der eine (wahrscheinlich) fristgerechte Kündigung läuft.

Du solltest auch unbedingt zum Arbeitsamt gehen, wenn das noch nicht passiert ist.

Kommentar von Hexle2 ,

Danke fürs Sternchen.

Du hast unten geschrieben:

Die sagte mir, dass es möglich sei das anzuklagen, es aber fragwürdig sei, ob sich das kostentechnisch lohnt.

Wenn die Kündigungsfrist nicht eingehalten wurde, hättest Du Anspruch auf die komplette Zeit seit der fristlosen Kündigung bis zum Ende der neuen, korrekten Kündigungsfrist. Das kann sich schon lohnen, wer weiß, wann der Gütetermin ist und wann Du dann eine reguläre Kündigung bekommst.

Die Kosten des Arbeitsgerichts sind nicht sehr hoch und wenn Du selbst bei der Rechtsantragstelle Klage einreichst (ein Anwalt würde sich wahrscheinlich wirklich nicht lohnen, wenn man den selbst bezahlen muss), ist dieses "Risiko" überschaubar.

Wenn alles so ist wie von Dir geschrieben, würde ich Klage einreichen.

Gibt es denn irgendeine Stelle, wo man solche Firmen melden kann? Es kann doch nicht wahr sein, dass die ungeschoren davon kommen!

Solange Du der Firma nichts anderes vorwerfen kannst, bleibt nur der Klageweg bezüglich der Nichteinhaltung der Kündigungsfrist.

Gibt es noch mehr Dinge wie z.B. Arbeitszeitverletzungen, Nichteinhaltung gesetzlich vorgeschriebener Pausen oder Ruhezeiten, kann man das dem Gewerbeaufsichtsamt melden (sollte aber dann den Tatsachen entsprechen).

Es gibt noch andere Stellen die für verschiedene Delikte zuständig sind. Solange man aber nicht weiß, was der Firma sonst vorzuwerfen ist, erübrigt sich das.

Antwort
von Gerneso, 60

Die kurze Kündigungsfrist von 1 Tag ist auch in der Probezeit ungewöhnlich.

Aber unabhängig davon gibt es in den ersten 4 Wochen eines Dienstverhältnisses keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Dass der AG Dir den Krankheitstag nicht bezahlt ist also korrekt wenn Du bereits am 5. Tag wegen Krankheit gefehlt hast.

Antwort
von Jewi14, 28

Schade, dass erneut wieder hier einige schreiben ohne einen Funken Ahnung.

1. Im Gesetz steht zwar 14 Tage in der Probezeit, davon kann aber in Tarifverträge abgewichen werden. Gerade bei Zeitarbeit sind 1 Tag Kündigungsfrist normal. Welche Branche solche Tarifverträge auch haben, kann ich dir aber nicht sagen.

2. Klar kann man dich ohne Angaben von Gründen kündigen. Das gilt sogar wenn du außerhalb der Probezeit bist. Ja, es stimmt wirklich. Es muss kein Grund angegeben werden, spätestens wenn die Sache vor Gericht landet, muss es aber der AG. Das aber nur am Rande.

3. Du bemängelst, dass dir ein Tag nicht bezahlt wurde. Ja, das ist richtig so. Um Lohnfortzahlung zu bekommen, musst du min. 4 Wochen im Betrieb tätig sein, bei dir waren es nur 4 Tage. Den einen Tag bezahlt übrigens die Krankenkasse, wende dich an die.

4. Was nun die Berechnung der Tage für den anteiligen Lohn angeht, da gibt es mehrere Methoden, die alle rechtlich OK sind. Wie eben die genauen Tage pro Monat durch die anwesenden  Tage. Oder auch die Arbeitstage durch die anwesenden Tage. Oder die Dreißigstel Methode.

Kommentar von Chococolein ,

Danke für deinen Kommentar.

Ich war aber weder in einer Zeitarbeit noch in einem Tarifvertrag beschäftigt.

Kommentar von Jewi14 ,

Ich schrieb ja, auch bei anderen Branchen. Wenn du dir absolut sicher bist, dass kein Tarifvertrag gab, so sind die Kündigungsfristen natürlich 14 Tage. In §622 Absatz 4 BGB steht drin, dass durch Tarifverträge abgewichen werden kann (von §622 Absatz 1-3 BGB).

Um ehrlich zu sein, ich fürchte die Prozesskosten werden höher sein als den Lohn, den du noch zubekommen hättest. 

Kommentar von Chococolein ,

Ich hab jetzt auch beim Arbeitsgericht angerufen, aber noch keine Info bekommen. Das würde mich nämlich auch noch interessieren, ob es sich überhaupt lohnt. Eigentlich hätte diese Firma es echt verdient. Das sind echt mafiöse Zustände da. :/

Antwort
von Amtsschimmel25, 62

Hallo, es kommt, wie sooft im Leben, darauf an.

Während des ersten Beschäftigungsmonates besteht im krankheitsfalle keine Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Du bekommst also Krankengeld von deiner Krankenkasse.

Was die Lohnberechnung betrifft kann dies nicht so  einfach beantwortet werden, da dies abhängig davon ist, ob du ein Monatliches Gehalt bekommst, Stundenlohn usw. Es ist also durchaus möglich dass es korrekt ist.

Mit der Kündigungsfrist in der Probezeit liegt du richtig. Die ist gesetzlich festgeschrieben und darf nur zum Vorteil des Arbeitnehmers verändert werden, also max. verlängert werden. Eine Verkürzung auf eine täglich Kündigungsfrist währe rechtswidrig und unzulässig.

Kommentar von Chococolein ,

Ich bekäme normales Monatsgehalt.

Kommentar von Familiengerd ,

Während des ersten Beschäftigungsmonates besteht im krankheitsfalle keine Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Um genau zu sein:

Anspruch besteht erst nach 4 Wochen Dauer des ununterbrochenen Beschäftigungsverhältnisses - und 4 Wochen sind (bis auf den Februar, wenn er nicht ins Schaltjahr fällt) sind weniger als 1 Monat.

Mit der Kündigungsfrist in der Probezeit liegt du richtig.

Das ist falsch - oder besser (um Dich zu zitieren): "es kommt, wie sooft im Leben, darauf an".

Tarifvertraglich darf eine kürzere als die gesetzliche Kündigungsfrist vereinbart werden, nur arbeitsvertraglich nicht.

Es kommt also darauf an, ob ein Tarifvertrag angewendet wird - was hier nicht bekannt ist.

Siehe die richtige Antwort von z.B. Hexle2!

Antwort
von AnglerAut, 49

Da stimmt hinten und vorne gar nichts. Biete deine Arbeitskraft an, sobald du nicht mehr krank geschrieben bist und dann geh zum Arbeitsgericht. Die Kündigung dürfte ungültig sein, und befinden Verhalten von dem Arbeitgeber, würde ich ihm das ganz ruhig mal vor Gericht begründen lassen.

Antwort
von Wapiti201264, 57

Nein, das ist überhaupt nicht korrekt. So einen Vertrag hättest Du gar nicht erst unterschreiben sollen.

Normalerweise solltest Du Klage einreichen, aber wegen 4 Tagen?

Nimm alle Unterlagen mit, wenn Du Dich nachher arbeitslos/arbeitssuchend meldest, damit die ARGE denen mal ein bisschen Feuer unterm Allerwertesten macht.

Viel Glück, dass Du bald einen anständigen Job findest.

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

Warum nicht? Rechtswidrige Vereinbarungen sind eh ungültig und entfalten keine Wirkung. Da hat der AG ebend Pech. Der AN muss seine Rechte nur einfordern und durchsetzen.

Kommentar von Wapiti201264 ,

Weil ich befürchte, dass die Kosten höher sind als der (vermutlich mickrige) Lohn...

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

Das ist eine andere Baustelle und auch sehr wahrscheinlich richtig, aber dennoch kann er Unterschreiben ohne das Ihm ein rechtlicher Nachteil entstehen würde.

Antwort
von RobertLiebling, 39

1. ist nicht zu beanstanden, wenn die Kündigungsfristen für AG und AN gleich sind UND diese Regelung Bestandteil des anzuwendenden Tarifvertrags ist.

2. Anspruch auf Lohnfortzahlung?

3. nennt sich "Dreißigstelmethode" und scheint durchaus zulässig zu sein.


Kommentar von Chococolein ,

Es gibt keinen Tarifvertrag.

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

zu 1. ist zu beanstanden, da es eine gesetzliche Regelung gibt, die eine längere Frist bestimmt.

zu 2. keine Lohnfortzahlung in den ersten 4 Wochen

zu 3. kann durchaus in Ordnung sein.

Kommentar von Jewi14 ,

zu 1. Nein, ist nicht zu bestanden. Wenn ein Tarifvertrag vorhanden ist, darf davon abgewichen werden §622 Abs 3 BGB. Laut FS soll aber kein Tarifvertrag vorhanden sein

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