Frage von MarcRohl, 43

Fristlose Kündigung nach angeblicher Unterschlagung?

Ich bin heute von meinem Arbeitgeber fristlos entlassen, weil ich in den Jahren 2013-2015 Betriebsfestgutscheine eines Lieferanten auf mein Konto habe überweisen lassen, diese Bar zur Auszahlung gebracht habe und dem Unternehmen wieder zugeführt habe, indem ich ein Sommerfest, eine Weihachtsfeier, usw. ausgerichtet habe. Mal abgesehen davon, dass mir meine eigene Dummheit gerade fürchterlich auf den Sack geht, welche Chancen hat die fristlose Kündigung? Immerhin ist das mittlerweile 1,5 Jahre her. In diesem Jahr habe ich ebenfalls wieder Geld von diesem Lieferanten erhalten, es aber umgehend zurück bezahlt.

Antwort
von Familiengerd, 16

welche Chancen hat die fristlose Kündigung?

Das kommt alleine darauf an, seit wann Dein Arbeitgeber Kenntnis von diesen Vorgängen hat, die der Grund für die fristlose Kündigung sind.

Denn eine fristlose Kündigung darf der Arbeitgeber nur innerhalb von 14 Tagen aussprechen, nachdem er Kenntnis vom Kündigungsgrund erlangt hat. Wenn er also schon länger als 14 Tage davon weiß, darf er jetzt nicht mehr fristlos kündigen, sondern darf das nur noch ordentlich verhaltensbedingt.

Geregelt ist das im Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 626 "Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund" Abs. 2 Satz 1 und 2.

Sollte diese formale Voraussetzung für eine fristlose Kündigung nicht gegeben sein, kannst Du beim Arbeitsgericht alleine schon deswegen gegen diese Kündigung klagen auf Feststellung, dass dadurch das Arbeitsverhältnis nicht beendet wurde, ohne dass noch die Kündigungsgründe selbst vom Gericht "gewürdigt" werden müssen. Diese Klage muss innerhalb einer Frist von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung eingereicht werden.

Für diese Klage brauchst Du in dieser Instanz noch keinen Anwalt, wenn Du Dir das selbst zutraust; den müsstest Du ohnehin - unabhängig vom Ausgang des Verfahrens - selbst bezahlen (wenn Du nicht passend rechtsschutzversichert oder Gewerkschaftsmitglied bis).

Die Klage nimmt die Rechtsantragstelle des Gerichts entgegen; sie nimmt die Klage auch zur Niederschrift auf und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung.

Die Kündigung - ob fristlos oder ordentlich verhaltensbedingt - hat auf jeden Fall bei eintretender Arbeitslosigkeit eine voraussichtlich 3.monatige Sperre beim Bezug von Arbeitslosengeld zur Folge, da Du durch Dein Verhalten die Arbeitslosigkeit schuldhaft selbst herbeigeführt hast.

Kommentar von Familiengerd ,

Ergänzung:

In einem Kommentar schreibst Du, der Arbeitgeber habe sich nicht dafür interessiert, woher das Geld für die Ausrichtung der Betriebsfeiern gekommen sei.

Das, diese "Sorglosigkeit" oder das "Desinteresse" des Arbeitgebers, könnte ebenfalls - aus inhaltlicher Sicht zu den Gründen für die Kündigung - gegen die Berechtigung einer fristlosen Kündigung sprechen.

Antwort
von DerHans, 27

Im Arbeitsrecht reicht bereits ein Betrugsverdacht um die Kündigung auszusprechen. Da du hier aber selbst schreibst, dass die Vorwürfe zu Recht erhoben werden, hast du keine Chance.

Kommentar von Familiengerd ,

Das rechtfertigt sicherlich eine Kündigung.

Eine fristlose Kündigung setzt aber voraus, dass der Arbeitgeber nicht schon länger als 14 Tage von diesem Kündigungsgrund Kenntnis hat (BGB § 626 "Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund" Abs. 2 Satz 1 und 2).

Antwort
von konzato1, 20

Verstehe es das richtig: Du hast Geld oder geldwerte Leistungen erhalten, diese auf dein Konto überwiesen, das Geld wieder abgeholt und davon mehrere Betriebsfeiern bezahlt? Und dein Chef hat nicht mal nachgefragt, wieso ein Angestellter auf eigene Kosten mehrere Betriebsfeiern ausrichtet?

Kommentar von MarcRohl ,

So ist es. Mein Arbeitgeber hat sich vom Prinzip her nicht dafür interessiert, woher das Geld kam, für eben jene Betriebsfeiern.

Antwort
von Drachenkind2013, 23

Puh, also ich würde die fristlose Kündigung gerichtlich prüfen lassen. Wenn die Gelder dem Betrieb wieder zugeflossen sind, ist der Vorwurf der Unterschlagung doch eigentlich hinfällig, oder habe ich einen Denkfehler?

Kommentar von Familiengerd ,

Das rechtfertigt sicherlich eine Kündigung.

Eine fristlose Kündigung setzt aber voraus, dass der Arbeitgeber nicht schon länger als 14 Tage von diesem Kündigungsgrund Kenntnis hat (BGB § 626 "Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund" Abs. 2 Satz 1 und 2).

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