Frage von Neznam43, 103

Fristlose Kündigung möglich (Kein Arbeitsvertrag vorhanden)?

Guten Abend,

und zwar habe ich eine Frage und bin gespannt ob mir jemand helfen kann. Kurze Info bzgl meiner Situation:

Ich habe dieses Jahr im Juli meine Ausbildung zur Zahnarzthelferin beendet und mein Chef wollte mich behalten. Nach der Beendigung der Ausbildung habe ich bis heute noch keinen Arbeitsvertrag erhalten. Gehalt, etc. hat er selbst entschieden. So nun meinte er auch noch ich hätte 6 Monate Probezeit.

Nun möchte ich Ende Dezember fristlos kündigen, da es derzeit so schlimm ist (Mobbing, Streit, Lästern, etc.) Frage Nr. 1 kann ich fristlos kündigen? Er meinte ja ich sei noch in der Probezeit?

Zweites Problem: Meine Kollegin hat mich gegen meinen Willen und ohne meine Einverständnis mich an einer Fortbildung angemeldet (Kosten: 1450€). Da ich diese Fortbildung nicht wollte, sondern Sie bzw. der Chef. Frage: Muss ich diese Fortbildung bezahlen? Habe auch nichts unterschrieben, das ich damit einverstanden bin..

Ich hoffe jemand kann mir weiter helfen. Was denkt ihr? Falls eine Kündigungsfrist besteht kann ich ja theoretisch kündigen und mich für die gewisse Kündigungszeit krank schreiben lassen?

Vielen Dank euch.

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit, Arbeitsrecht, Kündigung, 97

Du hast keinen schriftlichen Arbeitsvertrag und auch keine Probezeit.

Ohne schriftliche Vereinbarung und wenn es keinen anwendbaren Tarifvertrag gibt, beträgt die Kündigungsfrist nach § 622 Abs. 1 BGB vier Wochen zum 15. oder Ende eines Monats.

Wenn Du Ende Dezember aufhören willst, kündige zum 31. Dezember. Die Kündigung muss allerdings spätestens am 3. Dezember beim AG sein. Die Frist von 28 Tagen läuft dann ab 4. Dezember.

Fristlos kann man übrigens auch in der Probezeit nur mit wichtigem Grund und oft erst nach einer Abmahnung an den AG (wie auch umgekehrt) kündigen. Diesen Grund sehe ich hier nicht.

Einer fristgerechten (ordentlichen) Kündigung steht hier doch nichts im Wege. Einen Kündigungsgrund brauchst Du nicht anzugeben.

Du solltest im Kündigungsschreiben auch gleich evtl. noch vorhandenen Resturlaub/Überstunden als Freizeitausgleich beantragen und ein qualifiziertes Zeugnis verlangen.

Fortbildungen die für die Ausübung des Jobs vom AG als notwendig betrachtet werden, hat auch der AG zu bezahlen. Solange Du auch nichts unterschrieben hast, stellt sich die Frage, ob Du etwas bezahlen musst, sowieso nicht.

 mich für die gewisse Kündigungszeit krank schreiben lassen?

Das solltest Du Dir aber noch einmal gut überlegen.

Wenn Du gesundheitlich nicht in der Lage bist weiter zu arbeiten, wird ein Arzt Dich auch arbeitsunfähig schreiben. Nur einen "gelben Schein" zu holen, weil man dort nicht mehr hin will, klappt bei seriösen Ärzten ohne  entsprechendes Krankheitsbild  i.d.R. nicht. Du müsstest ja vier Wochen arbeitsunfähig sein.

Es macht sich evtl. auch nicht gut im Zeugnis oder wenn ein potentieller neuer AG bei Deinem (Noch)Chef nachfragt. Zudem ist das vortäuschen einer Krankheit auch Betrug an der Allgemeinheit.

Kommentar von Vampire321 ,

Falsch!

Ein Arbeitsvertrag kann schriftlich festgelegt werden, muss aber nicht!

Bei einem mündlichen Arbeitsvertrag gelten die gesetzlichen Bestimmungen inclusive Probezeit.

Ob diese jetzt drei oder sechs Monate beträgt kann ich nicht genau sagen, ist eigentlich auch egal, verlängert die Kündigungsfrist halt um zwei Wochen (in Probezeit zwei wochen, nach probezeit vier Wochen zum Monatsende)

Diese Fristen gelten auch für den Arbeitnehmer!

Kommentar von Hexle2 ,

Falsch!

Warum?

Ein Arbeitsvertrag kann schriftlich festgelegt werden, muss aber nicht!

Stimmt, ich habe aber auch nichts anderes behauptet

Bei einem mündlichen Arbeitsvertrag gelten die gesetzlichen Bestimmungen inclusive Probezeit.

Falsch! Ohne Vereinbarung keine Probezeit und sollte im Betrieb ein Tarifvertrag Anwendung finden, gilt dieser.

Antwort
von DerHans, 85

Ein Arbeitsvertrag bedarf nicht der Schriftform. Allein die Tatsache, dass du dort gearbeitet hast und dein Geld bekommen hast, zeigt, dass du einen Arbeitsvertrag hast.

In dem Fall gelten die gesetzlichen Mindestbestimmungen.

Eine Probezeit müsste aber dennoch schriftlich vereinbart sein. Wenn du dort bereits deine Ausbildung gemacht hast, ist die Probezeit unzulässig.

Umgekehrt kannst du aber auch nicht einfach fristlos kündigen. Du unterliegst der gesetzlichen Kündigungsfrist.

Wenn du einfach nicht mehr hin gehst, machst du dich schadensersatzpflichtig

Kommentar von Familiengerd ,

Eine Probezeit müsste aber dennoch schriftlich vereinbart sein.

Das ist falsch!

Eine Probezeit kann auch mündlich vereinbart werden, sofern es sich nicht um ein vorgeschaltetes eigenständiges (befristetes) Arbeitsverhältnis handelt - mit dem Problem der Beweisbarkeit.

Wenn du dort bereits deine Ausbildung gemacht hast, ist die Probezeit unzulässig.

Auch das ist falsch!

Für ein Arbeitsverhältnis im Anschluss an eine Ausbildung darf eine (erneute) Probezeit vereinbart werden.

Antwort
von musso, 82

wenn du keinen Vertrag schriftlich hast, gilt für dich die gesetzliche Kündigungsfrist nach BGB

Das Arbeitsverhältnis eines Arbeiters oder eines Angestellten (Arbeitnehmers) kann mit einer Frist von vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats gekündigt werden.

Eine fristlose Kündigung muss sofort und nur mit triftigem Grund erfolgen. Wenn du z.B. kein Gehalt bekommst. Dafür hast du keine Handhabe.

Antwort
von HariboXXL, 69

Normalerweise gibt es nach der Ausbildung keine erneute Probezeit, diese war ja schon zu Beginn der Ausbildung. Wenn jetzt dein Chef wieder eine Probezeit angesetzt hat kannst du auch fristlos kündigen.

Die Kosten für eine Fobi die du nicht machen möchtest musst du auch nicht bezahlen. Keiner kann dazu gezwungen werden.

Ich würde schnellstmöglich sehen das ich da wegkomme, Zahnarzthelferinnen werden doch gesucht wie Sand am Meer. 

Kommentar von Familiengerd ,

Normalerweise gibt es nach der Ausbildung keine erneute Probezeit, diese war ja schon zu Beginn der Ausbildung.

Für ein Arbeitsverhältnis im Anschluss an eine Ausbildung darf eine (erneute) Probezeit vereinbart werden.

Wenn jetzt dein Chef wieder eine Probezeit angesetzt hat kannst du auch fristlos kündigen.

Das ist falsch!

Auch in der Probezeit eines Arbeitsverhältnisses ist mindestens die gesetzlichen Fristen (tarifvertraglich dürfen es auch kürzere sein) von 14 Tagen zum 15. oder zum ende eines Kalendermonats einzuhalten!

Eine fristlose Kündigung ist nur aus wichtigem Grund erlaubt.

Antwort
von Georg63, 57

Wegen der Probezeit hast du eine Kündigungsfrist von 2 Wochen.

Ich hoffe der AG zahlt dir mindestens den Mindestlohn, sonst kannst du die Differenz nachfordern.

Die Fortbildung zahlst du natürlich nicht.

Antwort
von Lord2k14, 61

Grundsätzlich gilt im Dt. Vertragsfreiheit. Bedeutet also, dass auch dein Arbeitsvertrag mündlich gültig ist. Ist halt mit schlecht nachweisbar. Grundsätzlich wäre eine fristlose Kdg. möglich. Musst halt genau auf das Datum achten. Wann genau wurdest du übernommen?
Das mit der Weiterbildung musst du nicht zahlen. Hast dich ja schließlich nicht angemeldet. Klär das mit deinem Chef

Kommentar von Familiengerd ,

Grundsätzlich wäre eine fristlose Kdg. möglich.

Aus welchem wichtigen Grund sollte hier denn wohl eine fristlose Kündigung erlaubt sein?!?!

Kommentar von Lord2k14 ,

Da sie in der Probezeit ist, benötigt sie keinen Grund.
Ich gehe natürlich davon aus, dass sie es noch ist.

Kommentar von Familiengerd ,

Da sie in der Probezeit ist, benötigt sie keinen Grund.

Du hast den Einwand nicht verstanden!

Die fristlose Kündigung eines Arbeitsverhältnisses ist auch in der Probezeit nur aus wichtigem Grund möglich (anders als beim Ausbildungsverhältnis); ansonsten sind auch in der Probezeit Kündigungsfristen einzuhalten.

Ein wichtiger Grund ist nur dann gegeben, wenn er dem Kündigenden die Fortführung des Arbeitsverhältnisses selbst für die Dauer einer ansonsten einzuhaltenden Kündigungsfrist unzumutbar macht!

Alles klar jetzt??

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community