Frage von nadine19861, 73

Fristlose Kündigung, hilfsweise bis 30.8.2016?

Hi
Ich brauche dringend Rat für einen guten Freund. Er hat einen befristeten Arbeitsvertrag bis zum 30.9.2016. jetzt war er krank, standen zwei von seiner Firma vor der Türe, die fristlose Kündigung abgeben (hilfsweise bis zum 30.9) jetzt hat er natürlich gleich gehandelt, ist zum Arbeitsamt und natürlich zum Arbeitsgericht, um zu klagen, weil er die fristlose nicht hinnimmt. Da ein Betriebsrat vorhanden ist, las ich, dass die ihn hätten Anschreiben müssen? Stimmt das? Er hat weder Abmahnung noch sonst was bekommen.... Diesen Monat wäre auch Urlaubsgeld mit Gehalt gekommen. Da er ja gleich zum Arbeitsgericht ist, um die fristlose nichtig zu machen in dem Sinne, wollte ich jetzt fragen, wer sowas schon mal hatte, wie hoch welche Chancen sind auf Gehalt und Urlaubsgeld, wie die weiteren Schritte wären und natürlich auch wie lange sowas Ca. Geht.
Ihm ist richtig Bammel, verständlich.
Wäre toll hilfreiche Antworten zu bekommen.
Grüßt euch

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 38

Warum hat Dein Freund denn eine fristlose Kündigung erhalten? Wurde ein Grund angegeben oder hat er wenigstens nachgefragt? Wie lange arbeitet Dein Freund denn schon in der Firma?

Da ein Betriebsrat vorhanden ist, las ich, dass die ihn hätten Anschreiben müssen?

Nein, das muss ein Betriebsrat nicht.

Ein Betriebsrat der seine Arbeit anständig erledigt hätte aber zumindest versucht mit dem AN zu sprechen und ihm Gelegenheit zu geben seine Sicht der Dinge zu schildern, da der BR ja den Kündigungsgrund kennt.

Hat der Betriebsrat sich dann wenigstens dazu geäußert ob er einer fristlosen Kündigung zugestimmt oder ihr widersprochen hat? Er muss das zwar nicht, sollte den Mitarbeiter aber wenigstens informieren.

Wir haben in unserem Betrieb bei Kündigungen eine Vereinbarung mit der Geschäftsleitung. Die zu kündigenden AN werden von ihrem Vorgesetzten darauf hingewiesen, dass eine Kündigung ansteht (was zum Glück sehr selten vorkommt), da der BR nicht der Überbringer der schlechten Nachrichten sein will. Dann wird ihnen mitgeteilt dass sie sich umgehend an den Betriebsrat wenden können/sollen, der mit ihnen vor Ausspruch der Kündigung reden möchte.

So haben die AN Gelegenheit den Kündigungsgrund zu erfahren und ihre Sicht der Dinge darzulegen. Der Betriebsrat bekommt zusätzliche Infos über die Angelegenheit was ihm bei der Entscheidung ob man widersprechen kann sehr helfen kann. Der BR kann zwar eine Kündigung nicht verhindern, er kann den AN aber beraten und manchmal ist ein (begründeter) Widerspruch auch hilfreich beim Arbeitsgericht.

Dass sofort Klage eingereicht wurde ist das Beste was getan werden konnte.

Hat der AG jetzt hilfsweise zum 30.8. (nicht 31.8.?) oder zum 30.9. gekündigt? Wenn er zum 30. September gekündigt hat, verstehe ich das nicht, da die Befristung ja dort ausläuft und es dann keiner Kündigung bedarf.

Was für eine Kündigungsfrist für ordentliche Kündigungen ist denn vereinbart?

Kommentar von nadine19861 ,

Er hat einen Vertrag bis zum 30.9.2016-
Wurde jetzt fristlos, hilfsweise zum 31.8. gekündigt. Betriebsrat und Mitarbeiter standen vor der Türe, beide inkl einer vom Betriebsrat nannte keinen Grund.
Auch nicht von der Firma aus.

Kommentar von nadine19861 ,

Er arbeitet seit April 2014 bei dieser Firma. Erst über Zeitarbeit und seit Oktober 2014 bei der Firma direkt

Kommentar von Hexle2 ,

Bei einer fristlosen Kündigung muss der AG auf Nachfrage den Grund nennen. Das kann man im § 626 Abs. 2 BGB nachlesen.

Hat Dein Freund denn nicht mal beim Betriebsrat nachgefragt? Dieser muss es ja wissen da der AG ihm sämtliche Fakten die für die Kündigung ausschlaggebend sind nennen muss. Gab es denn wenigstens ein Gesprächsangebot des Betriebsrats? Hat Dein Freund schon Abmahnungen erhalten und dasselbe "Vergehen" noch einmal begangen?

Auf jeden Fall ist es gut, wenn fristgemäß Kündigungsschutzklage eingereicht wird.

Antwort
von DarthMario72, 24

die fristlose Kündigung abgeben (hilfsweise bis zum 30.9)

Bei einer fristlosen Kündigung ist es üblich und sinnvoll, hilfsweise die ordentliche Kündigung auszusprechen für den Fall, dass die fristlose Kündigung vom Arbeitsgericht für unwirksam erklärt wird.

Wurde denn die fristlose Kündigung begründet? Wenn nicht, muss das vor dem Arbeitsgericht nachgeholt werden. Clevere AG schreiben keine Begründung in das Kündigungsschreiben, dann hat man für den Fall der Klage noch Zeit, die Kündigungsgründe "wasserdicht" zu bekommen.

Einen befristeten Arbeitsvertrag kann man im Übrigen nur dann vorzeitig ordentlich kündigen, wenn das ausdrücklich arbeits- oder tarifvertraglich festgelegt wurde. (§ 15 Abs. 3 TzBfG)

Da ein Betriebsrat vorhanden ist, las ich, dass die ihn hätten Anschreiben müssen? Stimmt das?

Nein. Aber bei ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­steht - wie bei der ordentlichen Kündigung - die Pflicht des AG zur In­for­ma­ti­on und Anhörung des Be­triebs­rats.

In deiner Frage schreibst du "hilfsweise bis zum 30.9.", in einem Kommentar "hilfsweise zum 31.08.", was ist denn nun richtig? "Hilfsweise zum 30.9." wäre überflüssig, da der Vertrag laut deiner Frage da ja sowieso endet und eine Kündigung überflüssig wäre.

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