Frage von JohnnyLoe, 49

Fristlose kündigung, fristgemäß zum...?

Hallo liebe antwort gemeinde, bei der kündigung meiner frau ist uns aufgefallen das dort steht "außerordentlich fristlos, hilfsweise fristgerecht zum nächsten zeitpunkt dieser ist..."

Ist sie jetzt fristlos oder zu dem datum gekündigt da der chef auch gleichzeitig sagte sie solle ihre sachen packen und gehen...

Danke für die antworten :)

Antwort
von Parhalia, 35

Wenn im ersten Satzabschnitt von einer "ausserordentlichen / fristlosen" Kündigung in dem Kündigungsschreiben die Sprache ist, so meint der Arbeitgeber primär auch erst einmal die fristlose Kündigung mit sofortiger Wirkung ab Zugang des Schreibens. ( was durch die Aussage : " ...sie solle ihre Sachen packen und gehen..." gestützt wird.

Mit der Anschlussformulierung " hilfsweise fristgerecht zum... " hält er sich die Möglichkeit einer Niederlage / Unrechtmässigkeit seiner fristlosen Kündigung für den Fall einer arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzung offen. Sollte sich also die fristlos ausgesprochene Kündigung als rechtlich haltlos herausstellen, so ist die Arbeitnehmerin "hilfsweise" spätestens zum ... fristgemäss gekündigt. ( Kündigungsfrist dann laut Arbeitsvertrag oder gesetzlichen Vorgaben, wenn keine Probezeit mit besonderen / verkürzten Fristen vereinbart wurde )

Für weitere Fragen oder genauere Angaben bräuchten wir dann aber nähere Details zu den Umständen der ausgesprochenen ( fristlosen ) Kündigung mitsamt deren Begründung.

Kommentar von JohnnyLoe ,

Es war eigentlich nur die frage was jetzt greift... der kündigungsgrund ist Arbeitzeitbetrug, dagegen werden wir aber höchstwahrscheinlich angehen da meine frau aufgrund ihrer behinderung gehtechnisch gehandicapt ist und die pausen zeiten von eine 30 min bei 9std nicht festgeregelt sind und der toiletten gang auch mehrere minuten in anspruch nimmt... das wollten wir vorab erst einmal mit dem arbeitsgericht und einem anwalt besprechen... danke für die antwort :)

Kommentar von MancheAntwort ,

wenn deine Frau eine Behinderung von mindestens 50% hat, ist eine

Kündigung ohne Zustimmung des Integrationsamts UNMÖGLICH !

Kommentar von Parhalia ,

@JohnnyLoe, dieser wichtige Aspekt der Umstände war leider nicht bekannt. Daher sollte Deine Frau spätestens binnen 3 Wochen ab Zugang der schriftlichen ( fristlosen ) Kündigung eine entsprechende Kündigungsschutzklage dagegen beim Arbeitsgericht eingereicht haben. Also umgehend handeln und gegen die :

 - fristlose Kündigung

 - die Vorwürfe des Arbeitszeitbetruges

 - ggf. sogar ( falls rechtlich möglich / rechtlich angemessen ) die ordentliche Kündigung

vorgehen. Am besten vorab eine Rechtsberatung bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht einholen, welche Vorgehensweisen konkret möglich sind in dieser Situation und ob die ordentliche Kündigung dann rechtskonform ( auch in Anbetracht der Fristsetzung ) wäre. 

Der Anwalt hilft ihr dann auch bei den Formalitäten der Einreichung der Klage beim Arbeitsgericht. Primär steht aber halt die ausserordentliche Kündigung mit der von Dir genannten Begründung durch den AG im Raume. Und dagegen muss sie mindestens sie vorgehen.

Kommentar von JohnnyLoe ,

leider wird das erst geprüft... die ärzte meinten das es höchst wahrscheinlich 50% werden aber die guten folgen erst nächsten monat soweit ich weis...

Kommentar von JohnnyLoe ,

*Gutachten folgen erst. Wir werden den weg zum anwalt gehen und prüfen lassen ob das alles rechtmäßig war. danke :)

Kommentar von Parhalia ,

Gerne geschehen. 😉 Was einen möglichen erhöhten Kündigungsschutz wegen einer vermuteten Gehbehinderung betrifft, so würde diese Feststellung vermutlich in diesem Fall nichts mehr zur Sache beitragen, wenn diese Einschränkung erst NACH Zugang der Kündigung ( per Gutachten ) festgestellt und eingetragen werden würde. Aber auch hier kann der Anwalt aufklären.

Kommentar von Parhalia ,

Hier noch vorab etwas wissenswertes für nötige Toilettengänge ausserhalb der täglichen Erholungspausen für Frühstück und Mittag :

https://www.ahs-kanzlei.de/2014/10/toilette-arbeitszeit/

Diese Zeiten kann ihr der Chef nicht von der Arbeitszeit abziehen, wenn die Dauer der Toilettenbesuche sich in angemessenem Rahmen bewegt.

Bzgl. der täglichen Ruhepausen / Arbeitsunterbrechungen noch zusätzlich :

bei mehr als 6 bis zu 9 Stunden täglicher Arbeitszeit sind arbeitstäglich min. 30 Minuten Ruhepausen zu gewähren. Nach 6 Stunden ununterbrochener Arbeitszeit ist die Tätigkeit für mindestens 30 min. zu unterbrechen. .

Kommentar von Maximilian112 ,

Bitte beachten, das der Anwalt selbst (oder aber durch die Rechtsschutz) bezahlt werden muß.

Antwort
von RobertLiebling, 31

Die ordentliche Kündigung gilt für den Fall, dass das Arbeitsgericht z.B. den Grund für die fristlose Kündigung als unzureichend (für eine außerordentliche Kündigung) bewerten würde. Der Arbeitgeber kündigt aber vorrangig fristlos.

Aus welchem Grund wurde denn die fristlose Kündigung ausgesprochen? Bzw. wie ist die Kündigung im Kündigungsschreiben begründet?

Antwort
von Rockuser, 39

Sie ist fristlos gekündigt. Wenn sie gegen die Fristlose Kündigung angeht, hat er gleichzeitig noch eine Fristgerechte Kündigung ausgesprochen.

Antwort
von MancheAntwort, 31

es ist nicht ganz einfach, jemandem fristlos zu kündigen, wenn nicht ein

grobes Fehlverhalten geleistet wurde....

... und da der "Chef" sich damit anscheinend nicht richtig auskennt, hat er

auch die fristgerechte Kündigung geschrieben....

Wenn deine Frau sich nichts schwerwiegendes vorzuwerfen hat, solltet ihr

am Montag zu einem Anwalt gehen und SOFORT "Kündigungsschutzklage"

einreichen ! .. denn dann wird deine Frau weiter bezahlt, bis das Verfahren

beendet ist... Das Vertrauensverhältnis ist sowieso zerstört, deshalb solltet

ihr nehmen, was ihr bekommen könnt !

Kommentar von Parhalia ,

Kleine Korrektur :

Da niemand die mögliche Dauer eines angängigen Verfahrens kennt und auch die aktuelle ordentliche Kündigungsfrist nicht bekannt ist, so wäre im Falle einer unrechtmässigen ' fristlosen ' , aber rechtmässigen ' ordentlichen ' der Lohn höchstens bis zum Austrittsdatum der ordentlichen ( fristgemässen ) Kündigung zu zahlen, auch wenn das Verfahren sich über diesen Zeitpunkt hinausziehen würde mit seinem Vergleich oder Urteilsspruch.

Kommentar von JohnnyLoe ,

danke für die schnelle antwort :)

Kommentar von Maximilian112 ,

... und da der "Chef" sich damit anscheinend nicht richtig auskennt,

Gegen diese Art der Kündigung ist nix einzuwenden. Der Chef scheint sich sogar recht gut auszukennen wenn er sich gleichzeitig eine Sicherung eingebaut hat.

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