Frage von DaOnlyOne, 52

fristlose Kündigung eines Festvertrages während der Krankmeldung?

Hallo zusammen....ich bin verzweifelt und hoffe das man mir hier weiter helfen kann:

Ich bin seit ca. 3Jahren bei meinem aktuellen Arbeitgeber beschäftigit und habe einen unbefristeten Vertrag. Letzte Woche Mittwoch wurde ich nach Feierabend ins Büro meines direkten Vorgesetzten gerufen, wo er bereits mit einer schriftlichen Abmahnung auf mich wartete, dazu muß ich sagen das ich denke das die Abmahnung prinzipiell in Ordnunng ist, hab ich diese auch Gegengezeichnet, das Gespräche zog sich dann auch noch etwas in die länge und endete in einer Meinungsverschiedenheit,allerdings halb so wild, es wurde niemand beleidigt oder sonstiges. Wie es der Zufall dann so wollte, ging es mir am nächsten Tag gesuindheitlich überhaupt nicht gut und ich mußte mich rechtzeitig vor Schichtbeginn telefonisch krankmelden. Die AU wurde zum AG gefaxt und das original per post verschickt. Am selben Abend rief mich dann ein Freund & Arbeitskollege, der im selben Ort wohnt wie ich,an und sagte mir das er vom Chef beauftragt wurde beim mir vorbei zufahren die Kündigung einzuschmeißen und dies zu fotografieren. Die einzige information hiervon bekam ich von meinem kollegen. Als ich den Umschlag dann öffnete sah ich das er mir eine fristlose Kündigung ausgesprochen hatte, vermehrkte allerdings das falls die Kündigung wiedererwartens nicht gültig sein sollte er mich zum 31.12.2016 kündigt. Ist das rechtens? Kannn er während der Krankmeldung überhaupt kündigen? Steht mir eine Abfindung zu? Ich habe mich bei einer Agentur für Arbeitsrecht und Soziales gemeldet, die sagten mir ich sollten einen brief an meinen AG schicken,per Einschreiben, in dem ich ihn drauf hinweise das er das nicht machen kann während der AU, und ich ihm bescheid sagen würde wann ich wieder die Arbeit antrete, auf dieses Schreiben hat er selbst verständlich nicht reagiert. Vielleicht ist es erwähnenswert das ich in den 3jahren 3abmahnung, allerdings für verschiedene Dinge bekommen habe. Wenn er ein Fehlverhalten per Abmahnung gerügt hat, kann er mich einen Tag später doch nicht dafür kündigen oder?

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 28

Du musst jetzt auf alle Fälle innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung beim Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage einreichen.

Wie groß ist denn der Betrieb? Handelt es sich um einen Kleinbetrieb mit nicht mehr als 10 ständigen Vollzeitkräften?

Wenn es sich nicht um einen Kleinbetrieb handelt, kannst Du Klage gegen die fristlose und auch gegen die fristgerechte Kündigung einreichen.

 Ist es ein Kleinbetrieb greift das Kündigungsschutzgesetz nur in wenigen Ausnahmen. Hier wirst Du gegen die fristgerechte Kündigung nicht viel ausrichten können, gegen die fristlose Kündigung musst Du aber auf alle Fälle klagen.

Wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast oder Gewerkschaftsmitglied bist, macht das ein Anwalt für Dich. Du kannst aber auch selbst zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen. Dort wird Dir bei der Klageformulierung geholfen und das ist kostenlos.

Hast Du Dich nach dem Kündigungsgrund erkundigt? Im Kündigungsschreiben muss der AG keinen Grund angeben. Bei einer fristlosen Kündigung muss er aber auf Nachfrage den Grund nennen.

Kündigt er Dich aufgrund eines Vorfalls den er schon abgemahnt hat, ist die Kündigung nichtig, da der Kündigungsgrund schon durch die Abmahnung "verbraucht" ist.

Gibt es einen Betriebsrat? Wenn ja, was sagt dieser zur Kündigung?

Abfindungen gibt es i.d.R. wenn ein Arbeitgeber den Arbeitnehmer nur sehr schwer kündigen kann, lange Kündigungsfristen oder ein Kündigungsschutzprozess vermieden werden soll.

Außerdem gibt es eine Abfindung wenn die Kündigung im Rahmen eines Sozialplans den der AG mit dem Betriebsrat erarbeitet ausgesprochen wird oder auch wenn ein Arbeitsgericht eine Abfindung vorgibt/vorschlägt.

Ob Du eine Abfindung bekommst, kann ich Dir jetzt also nicht sagen. Es kann aber durchaus sein, dass der Arbeitsrichter im Rahmen der Güteverhandlung des Kündigungsschutzprozesses eine Abfindung vorschlägt.

Übrigens: Es darf während einer Arbeitsunfähigkeit gekündigt werden und auch Kündigungen wegen Krankheit sind unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.

Antwort
von johnnymcmuff, 13

Kannn er während der Krankmeldung überhaupt kündigen? 

Krankheit schützt nicht vor Kündigung und auch wegen Krankheit kann man unter bestimmten Voraussetzungen gekündigt werden.

Schau mal hier rein, eine sehr informative Seite:

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Kuendigung_Krankheitsbe...

Steht mir eine Abfindung zu?

Es gibt kein verbrieftes Recht auf Abfindung.Jedoch wird oft in einem Gütetermin eine Abfindung gezahlt; in der Regel 1/2 Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr.

Wenn er ein Fehlverhalten per Abmahnung gerügt hat, kann er mich einen Tag später doch nicht dafür kündigen oder?

Dazu bedarf es in der Regel eines weiteren Verstoßes wegen derselben Sache.

vermehrkte allerdings das falls die Kündigung wiedererwartens nicht gültig sein sollte er mich zum 31.12.2016 kündigt. Ist das rechtens?

Die fristgerechte Kündigung fügen Arbeitgeber ein, weil oft eine fristlose Kündigung nicht wirksam ist, damit aber nicht erneut gekündigt werden muss, wird hilfsweise fristgerecht gekündigt.

Du hast ab Erhalt der Kündigung drei Wochen Zeit um beim Arbeitsgericht gegen die Kündigung vorzugehen.

In erster Instanz bei eindeutiger Sachlage kann man das ohne Anwalt machen; das sollte man aber nur machen, wenn die Sachlage eindeutig ist.

Hier würde ich einem Anwalt empfehlen.

Noch ein weiterer wichtiger Link:

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Kuendigung_Ausserordent...

LG

johnnymcmuff

Antwort
von wilees, 17

Grundsätzlich kann man auch während man krank ist gekündigt werden. Nur kann man  unbefristeten Vertrag nicht ohne Begründung gekündigt werden. Also solltest Du jetzt die Frist ( 3 Wochen ab Zugang der Kündigung ) einhalten und eine Kündigungsschutzklage einreichen.

Laß Dich bitte, ob der vorangegangenen Abmahnungen, von einem Fachanwalt beraten. Wenn Du nicht innerhalb der 3 Wochen reagierst - Klage einreichst, wird die Kündigung "rechtskräftig".

Kommentar von johnnymcmuff ,

Nur kann man  unbefristeten Vertrag nicht ohne Begründung gekündigt werden.

Das ist nicht richtig, siehe 2. Link meiner Antwort.

Antwort
von grisu2101, 19

Ohne Grund geht eine fristlose Kündigung gar nicht.
Reiche Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht ein, am besten morgen direkt. Hole Dir lieber einen Rechtsbeistand, z.B. bei Deiner Gewerkschaft - natürlich nur wenn Du auch Mitglied bist.
Ansonsten würde ich einen Anwalt für Arbeitsrecht hinzuziehen.

Achso - für die Klage hast Du nicht viel Zeit, also nicht warten. Ich glaube 3 Wochen sind das.


Kommentar von johnnymcmuff ,

Ohne Grund geht eine fristlose Kündigung gar nicht. 

Das ist nicht richtig, siehe 2. Link meiner Antwort.

Es sind übrigens drei Wochen.

Kommentar von Familiengerd ,

Seit wann soll denn ohne Grund (nach BGB § 626) fristlos gekündigt werden können??

Kommentar von grisu2101 ,

Das frage ich mich auch.....

Antwort
von kabatee, 16

Sofort zum Arbeitsgericht und die Kündigungsschutzklage einreichen und dann such dir einen anwalt der wird das weitere tun!

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