Frage von Tati19092015, 87

Fristlose Kündigung (wohnen)?

Hallo erstmal:) also es ist ziemlich dringend.. Eine Freundin von mir hat am 18.09 eine fristlose Kündigung von ihrem Vermieter erhalten, da sie und ihr Sohn oft und sehr lautstark streiten. Es gab schon eine Abmahnung.
Der Vermieter hat Uhr eine Frist von 14 Tagen gegeben um die Wohnung zu räumen. Jetzt meine Frage: darf der Vermieter das? Also ihr so wenig Zeit zum ausziehen geben?

LG Chantal

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Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Mietrecht, Vermieter, Wohnung, 3

Fristlos heißt eigentlich ohne Frist, aber das ist so gut wie nicht machbar und Gerichte sehen eine Frist von 14 Tagen durchaus angemessen.

Meine Freundin behauptet garnicht so laut gewesen zu sein und andere Nachbarn drumherum herum sagen auch, dass sie nicht sehr laut war. Nur ein bestimmter Nachbar behauptet das. Ich weiß jetzt nicht inwiefern das stimmt aber sie sagt es zumindest

Du solltest Deine Freundin ernsthaft fragen ob sie wirklich nicht so laut war, bzw. man sollte es sich von den Nachbarn schriftlich geben lassen.

Dann könnte man z.B. zum Anwalt gehen und gegen die Kündigung angehen oder man wartet bis zur Räumungsklage und lässt es darauf ankommen, ob man gewinnt oder verliert.

Jedenfalls ist bei einem Verfahren der Vermieter in der Beweispflicht.

Antwort
von NSchuder, 31

Fristlose Kündigungen eines Wohnverhältnisses sind nur bei einer schwerwiegenden Verfehlung des Mieters möglich. Aber selbst dann muss der Vermieter vorher abmahnen.

In diesem Fall ist diese Abmahnung seitens des Vermieters erfolgt.

Ein schwerwiegender Grund liegt in der wiederholten und trotz Abmahnung nicht abgestellten Störung des Hausfriedens.

Der Vermieter hat sich also korrekt verhalten indem er zunächst abgemahnt hat und - nachdem sich die Situation nicht verbessert hat - nun die fristlose Kündigung ausspricht.

Allerdings kann der Vermieter den Mieter nicht einfach vor die Tür setzen  - auch nicht mit einer Frist von 14 Tagen.

Zieht der Mieter nicht von alleine aus, muss der Vermieter eine Räumungsklage beim Amtsgericht einreichen.  Dort wird dann geprüft ob die Kündigung rechtens war. Anschließend versucht der Gerichtsvollzieher die Räumung. Bis dahin kann aber viel Zeit vergehen. Allerdings hat der Mieter die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Tauscht der Vermieter einfach in Abwesenheit des Mieters die Schlösser aus - macht er sich sogar Schadenersatzpflichtig. Das sollte der Vermieter also tunlichst unterlassen.

Weitere Infos: z.B. hier:

http://ratgeber.immowelt.de/a/wann-der-vermieter-dem-mieter-fristlos-kuendigen-k...

Kommentar von bwhoch2 ,

Allerdings kann der Vermieter den Mieter nicht einfach vor die Tür setzen  - auch nicht mit einer Frist von 14 Tagen.

Dazu ist anzumerken:

Fristlos bedeutet, ohne Frist, also umgehend sofort alles packen und ausziehen. Dass ein Vermieter dann noch ein paar Tage oder, wie in diesem Fall, zwei Wochen einräumt, ist als Entgegenkommen zu werden und geschieht eigentlich nur, weil man weiss, dass jeder so gekündigte Mieter erst einmal schauen muss, wo er seine Sachen schnell unterbringen kann und auch wo er selbst bleiben kann, wobei das mit Hotel- oder Pensionsübernachtungen noch am Schnellsten zu lösen ist.

Die Abmahnung war vermutlich eindeutig und die fristlose Kündigung wohl ebenfalls. Jetzt zu raten, es auf einen Gerichtsprozess ankommen zu lassen, führt den/die Fragesteller/in womöglich in ein sehr teures Verfahren, das am Ende auch den finanziellen Ruin und den Verlust der eigenen Habe bedeuten könnte.

Also, mein Rat: Sachen packen und gehen und zwar so schnell, wie möglich.

Kommentar von NSchuder ,

Zweifellos richtig. Ich hatte daher auch bereits darauf hingewiesen dass der Mieter in dem Fall die Kosten des Verfahrens zu tragen hat  -  was im Einzelfall erhebliche Kosten bedeuten kann.

Allerdings kann der Vermieter eben den Mieter nicht einfach auf die Strasse setzen. Tauscht der Vermieter in Abwesenheit des Mieters z.B. die Schlösser aus - macht er sich wiederum sogar Schadenersatzpflichtig.

Das beste wäre es also - falls der Mieter keine neue Wohnung in der Zeit finden konnte - sich mit dem Vermieter zusammen zu setzen und eine einvernehmliche Übergangsregelung zu erwirken.

Antwort
von Jewi14, 36

Da ihr bereits eine Abmahnung wegen Lärm bekommen habt, sehe ich sogar die fristlose Kündigung für gerechtfertigt und ja, fristlos heißt fristlos. 2 Wochen sind sogar noch nett.

Du kannst natürlich dagegen klagen, nur da offenbar der Vorwurf berichtigt ist, sehe ich kaum eine Chance zu gewinnen.

Eine Abmahnung ist eine Warnschuss, dass du dich falsch verhält und eine Kündigung droht und hier wurde der Warnschuss eben missachtet.

Kommentar von Tati19092015 ,

Erstens geht es nicht um mich. Meine Freundin behauptet garnicht so laut gewesen zu sein und andere Nachbarn drumherum herum sagen auch, dass sie nicht sehr laut war. Nur ein bestimmter Nachbar behauptet das. Ich weiß jetzt nicht inwiefern das stimmt aber sie sagt es zumindest

Kommentar von bwhoch2 ,

Dann hast Du hoffentlich gute Zeugen, die im Falle eines Prozesses eher zu Dir halten, als zum Vermieter, mit dem man eigentlich weiterhin ein gutes Verhältnis haben will. Wenn das so ist, geh zum Rechtsanwalt und lass Dich beraten, ob sich ein Widerstand gegen die fristlose Kündigung lohnt.

Überlege mal, ob Du das im Fall einer Niederlage, die wirklich drohend über Dir hängt, stemmen könntest. Ob Deine Freundin zu laut war oder Du selbst oder sonst wer, spielt keine Rolle. Deine Freundin kann es sowieso nicht beurteilen und die anderen schwerhörigen Nachbarn drumherum auch nicht. Wenn am Ende nur der eine Zeuge, der sich beschwert hat, vor Gericht aussagt und die anderen sagen nur, kann schon sein, hast Du vermutlich verloren.

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 12

Meines Erachtens dürfte diese Kündigung mit dieser Begründung vor Gericht keinen Bestand haben. Hier entfalten derartige Abmahnungen in der Regel keine Rechtswirksamkeit. Der Vermieter müsste exakt nachweisen können, an welchem Tag zu welcher Stunde in welcher Intensität und in welchem zeitlichen Ausmaß diese Streitereien stattfanden. Nur zu begründen, Mutter und Sohn haben oft laut gestritten, reicht nicht aus. Es muss Beweis angetreten werden.

Besser als zu kündigen wäre gewesen, die beiden Streiter zu einem Gespräch einzuladen um die Gründe zu erforschen und diese Konflikte aufzulösen.

Bei geringem Einkommen oder Harz4 bestünde die Möglichkeit, Beratungsbeihilfe und erforderlichenfalls Prozesskostenhilfe zu beantragen.

Kommentar von johnnymcmuff ,

Es muss Beweis angetreten werden.

Stimme Dir voll und ganz zu.

Besser als zu kündigen wäre gewesen, die beiden Streiter zu einem Gespräch einzuladen um die Gründe zu erforschen und diese Konflikte aufzulösen.

Leider reagieren Vermieter oft nicht so. Wenn man dann einen Mieter hat, der sich wegen jeder Kleinigkeit beschwert, das ist es einfacher mal eben eine Abmahnung zu schreiben, als das ich da mal selber von zu überzeugen.

Wir haben erst seit kurzem die HV inne, aber falls irgendwann mal Beschwerden kommen, werde ich genau nachfragen und das auch überprüfen mit Zeugen.

Zum Glück haben wir eine ganz nette Gemeinschaft in unserem Haus die sich auch gerne mal zu einem Kaffeekränzchen trifft.

Kommentar von bwhoch2 ,

@albatros: Das ist allein Deine Einschätzung in Unkenntnis der konkreten Sachlage. Geh doch einfach mal davon aus, dass es nicht nur um zwei Lärmereignisse ging, sondern nur um zwei konkrete Beschwerden und geh auch davon aus, dass diese so konkret sind, dass sie ohne weiteres vor Gericht Bestand haben.

So steht z. B. nichts über den Zeitpunkt des Lärms. War es etwa nachts? Und das öfter?

Natürlich könnte man erst mal reden, aber vielleicht ist auch das schon passiert und vielleicht will der Vermieter diese Mietpartei auch aus anderen Gründen lieber in 14 Tagen als später los werden. Dann gibt es gar keinen Grund zum Reden.

Kommentar von albatros ,

Und du kennst die genaue Sachlage? Ich habe lediglich auf die Rechtspraxis hingewiesen. Im Übrigen führst du dich selbst ad absurdum.

Antwort
von Funfroc, 31

Hallo,

die Frage ist eher, ob die rechtlich Grundlage zur fristlosen Kündigung vorhanden ist. Das kann aber nur ein Anwalt mit genauer Kenntnis der Faktenlage wirklich rechtssicher beurteilen.

Wenn die fristlose Küngigung gerechtfertigt sein sollte, dann ist sie, wie der Name sagt, ohne Frist. Theoretisch könnte der Vermieter also dann auch morgen sagen.

Wenn ein Anwalt mangels Geld nicht machbar ist, kann man vielleicht mal beim Mieterschutzbund nach einer kostenlosen Erstberatung fragen (machen manche Anwälte auch).

LG, Chris

Antwort
von rodney2016, 9

Fristlose Kündigungen sind nur aus triftigem Grund möglich und es muss vorher korrekt abgemahnt werden. Beides liegt hier vor, also hat der Vermieter korrekt gehandelt.

Deine Bekannte und ihr Sohn sollten jetzt sofort ausziehen. Tun sie dies nicht innerhalb der Frist (die 14 Tage sind übrigens eine großzügige Kulanz des Vermieters), kann der Vermieter eine Räumungsklage einreichen. Das würde deiner Bekannten zwar etwas Zeit verschaffen aber: sie würde auf einem sehr hohen Kostenblock sitzen bleiben. Daher: so schnell wie es geht raus aus der Wohnung und bis dahin ruhig und vorbildlich Verhalten und nicht durch Lärm und Aggressivität die Nachbarn belästigen!!!

Antwort
von WhoozzleBoo, 58

Fristlos heißt fristlos. Der Vermieter könnte auch sagen, morgen muss die Wohnung leer sein. 2 Wochen ist schon kulant. Damit gibt er deiner Freundin schon mehr Zeit als er muss.

Und ja, die fristlose Kündigung ist auch gerechtfertigt. 

Kommentar von NSchuder ,

Der Vermieter könnte auch sagen, morgen muss die Wohnung leer sein

Kann er zwar sagen, der Mieter kann das aber locker ignorieren. Der Vermieter darf den Mieter nicht einfach auf die Strasse setzen. vielmehr muss er, wenn der Mieter nicht auszieht, eine Räumungsklage einreichen. Das geht dann seinen Weg, aber kann sehr lange dauern...


Kommentar von WhoozzleBoo ,

Wir gehen mal von Mietern aus, die eine Kündigung nicht ignorieren und die Wohnung auch räumen. Eine Räumungsklage sollte man immer vermeiden. Besser wird's dadurch für den Mieter auch nicht, da eine Kündigung hier absolut gerechtfertigt ist. Damit würde ich sich einen unnötigen riesen Ärger einhandeln.

Kommentar von bwhoch2 ,

der Mieter kann das aber locker ignorieren.

Kann zwar am Ende sehr teuer werden, aber das ist ja nicht Dein Geld, NSchuder, gelle?

Antwort
von klara1953, 32

Störung des Hausfriedens und das bereits nach einer Abmahnung da dürfte eine fristlose Kündigung wohl rechtens sein (meine Meinung).

Antwort
von rockylady, 32

Ja. Der Hausfrieden wird gestört und da bereits eine Abmahnung erfolgt ist, ist es rechtens.

Antwort
von Barolo88, 26

theoretisch ja,  wenn die Situation für andere Bewohner als unzumutbar einzustufen ist, ist sowohl die Kündigung als auch die Fristsetzung korrekt

Kommentar von albatros ,

Wenn ...

Expertenantwort
von anitari, Community-Experte für Mietrecht, 21

Fristlos heißt ja ohne Frist, also sofort. Hier hat ihr der Vermieter netterweise eine Räumungsfrist von 14 Tagen gewährt.

Ob die Kündigung berechtigt ist sei mal dahin gestellt.

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