Frage von imWunderlland, 101

Fristlose Kündigung / Rückwirkend?

Huhu ...

Ich habe am 14.06 eine neue Arbeitsstelle begonnen. Letzte Woche Donnerstag bin ich aufgrund einer Bakteriellen Infektion krank geworden. Dem entsprechend habe ich einen Krankenschein bis Sonntag bekommen. Heute war ich nochmal zur Kontrolle und ich soll noch zuhause bleiben.

Mein Chef reagierte wie folgt über WhatsApp. Kommst du heute arbeiten ? Nein ? Also bist du fristlos gekündigt. Ich : Das geht nicht ! Er: ok, dann bist du Rückwirkend zum 30.06 gekündigt...

ähm, in meinem Arbeitsvertrag steht , dass eine Kündigung fristgerecht zu jedem 01.mit 2 Wochen Kündigungsfrist erfolgen darf. Das einzige was nun doof ist ich konnte heute erst die Krankenscheine abschicken weil ich die heute mitbringen sollte... !

Und ich soll ihm 100 euro bezahlen als Lohnfortzahlung vom Donnerstag. Das ist doch nicht rechtens?!

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 37

Du bist nicht gekündigt, Kündigungen bedürfen der Schriftform. Solange Du keine schriftliche Kündigung hast, bist Du Mitarbeiter des Betriebs.

Der AG kann Dich zwar kündigen, er muss aber die vereinbarte Kündigungsfrist einhalten und rückwirkend geht schon gar nicht.

Warum sollst Du Geld bezahlen?

Selbst wenn die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu spät kommt, kann der AG Dir höchstens eine Abmahnung aussprechen. Geld verlangen oder sich vor der Entgeltfortzahlung "drücken" geht nicht. Da solltest Du vom AG mal verlangen, dass er Dir die rechtliche Grundlage dazu zeigt.

Prof. Dr. Peter Wedde schreibt im Arbeitsrechtkommentar zum § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (Anzeige- und Nachweispflicht) u.a.:

"Legt ein AN innerhalb der für ihn maßgeblichen Frist eine AUB seines behandelnden Arztes nicht vor, fällt dem AG ein Leistungsverweigerungsrecht nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 zu.

Dieses Recht ist zeitlich begrenzt (BAG 1.10.1997 - 5 AZR 726/96). Wird die AUB später nachgereicht, so ist der AG zur Nachzahlung von unter Berufung auf § 7 Abs. 1 Nr. 1 nicht gezahlten Beträge verpflichtet."

Das bedeutet, der AG hat zwar das Recht für Krankheitstage die nicht belegt sind (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) das Entgelt einzubehalten, er muss es aber dann bezahlen/nachzahlen, wenn er die AUB erhält.

Dein AG bekommt von Dir also keinen Cent, geschweige denn 100 Euro. Er ist in der Pflicht, Dir den Krankheitstag zu bezahlen, auch wenn Du die AUB zu spät abgegeben hast.

Wenn Du wieder gesund bist und noch keine schriftliche Kündigung erhalten hast, gehst Du zum AG und fragst nach Arbeit. Gibt er Dir keine, ist er nach § 615 BGB in Annahmeverzug und muss Dich bezahlen als hättest Du gearbeitet.

Erhältst Du eine schriftliche Kündigung und die ist rückdatiert oder zum falschen Termin ausgestellt, kannst Du Klage beim Arbeitsgericht erheben. Gegen die Kündigung an sich wirst Du nichts tun können aber der AG muss sich an die Gesetzte und die vereinbarte Kündigungsfrist halten.

Antwort
von DarthMario72, 28

Eine Kündigung muss zwingend schriftlich erfolgen, also auf Papier mit eigenhändiger Original-Unterschrift. Per WhatsApp ist unwirksam, genauso wie per Fax oder Email. Und rückwirkend geht schon gar nicht!

Das einzige was nun doof ist ich konnte heute erst die Krankenscheine abschicken weil ich die heute mitbringen sollte... !

Wie jetzt? Sowas schickt man sofort ab, wenn man vom Arzt kommt. Aber auch wenn du die AU zu spät vorgelegt hast, muss der AG diese Tage bezahlen.

Und ich soll ihm 100 euro bezahlen

Da bin ich mal auf die Rechtsgrundlage gespannt. Die soll er dir erst mal nennen...

Antwort
von summersweden, 33

Also solange du nichts schriftliches hast, geht es sowieso nicht (Whatsapp reicht nicht). Das habe ich jetzt auf die schnelle gefunden: http://kuendigungsanwalt.de/kuendigung-fristlos-ausserordentlich.html  Ich rate dir dringend, dir Rechtsbeistand zu holen. Damit die Sache geklärt wird. 

Die Frage ist aber wohl eher, ob du für so jemanden arbeiten willst. Aber noch einmal: such dir auf jeden Fall Hilfe. 

Antwort
von ballonfee, 30

Du hast seit 2 Wochen eine neue Arbeitsstelle und bist gleich krank?

Normalerweise hat man auch Probezeit.  In dieser Zeit gelten andere Kündigungsfristen. Sieh in Deinem Vertrag nach. 

Außerdem muß ich sagen, dass ich Deinen Arbeitgeber verstehen kann. Er stellt Dich ein und Du bist gleich krank. Natürlich kann jeder mal krank werden, aber das macht schon einen schlechten Eindruck. Wahrscheinlich will Dein neuer Chef gleich auf Nummer sicher gehen und Dich lieber doch nicht einstellen, wenn's schon so anfängt. 

Mit einer Zahlung von Geld machst Du Dich auch nur lächerlich, lass das lieber sein.

Kommentar von imWunderlland ,

So ist das, mit einer Magen - Darm Infektion arbeitet man nicht in der Gastro! 

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