Frage von giovanni1337, 129

Fristlos gekündigt - mit welchen Ansprüchen (ggf.) kann ich klagen?

Hallo,

ich arbeite auf Minijob Basis in einem Fastfoodrestaurant. Da ich letztens zwei mal den Anweisungen der Schichtführung widersprochen habe (zu viel Essen auf einmal produziert, getrunken an einem Ort an dem es nicht gestattet war) hat Sie den Chef angerufen. Eine Mitarbeiterin hat mir nun berichtet, wie sie mitbekommen hat, dass ich gekündigt wurde während des Telefonats. Ich habe seit 3 Tagen seit dem ich es weiß noch nichts bekommen, jedoch muss ich die nächsten zwei Wochen -komischerweise- nicht mehr arbeiten. Ich habe ebenfalls noch keine Abmahnung bekommen oder sonstiges vorher.

Meine Frage - Wenn ich fristlos gekündigt wurde (wovon ich ausgehe weil ich keine Abmahnung erhalten habe) kann ich dann dagegen klagen? Und wie würde das für mich ausgehen was für Ansprüche habe ich?

Antwort
von Familiengerd, 29

Wenn ich fristlos gekündigt wurde (wovon ich ausgehe weil ich keine
Abmahnung erhalten habe) kann ich dann dagegen klagen? Und wie würde das für mich ausgehen was für Ansprüche habe ich?

Wenn Du bisher noch keine Abmahnungen bekommen hast wegen des gleichen Fehlverhaltens, dann darf Dir aus den von Dir genannten Gründen nicht gekündigt werden, weder ordentlich noch erst recht fristlos!

So lange Du auch noch kein entsprechendes Schreiben erhalten hast, besteht das Arbeitsverhältnis weiter.

Du bist auch weiterhin - auch wenn Du nicht eingeteilt wirst - zu bezahlen (vorausgesetzt, es kollidiert nicht mit der 450 -€-Grenze), wenn Du dem Arbeitgeber Deinen Arbeitswillen erklärst: entweder für die vereinbarte Stundenzahl oder nach der durchschnittlichen Stundenzahl der letzten Monate oder - wenn keine Wochenstundenzahl vereinbart wurde - für mindestens 10 Wochenstunden entsprechend den Bestimmungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes TzBfG § 12 "Arbeit auf Abruf" Abs. 1 Satz 3.

Die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Weiterzahlung trotz Nichteinteilung zur Arbeit ergibt sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko". "Annahmeverzug" ist die Nichtannahme der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers durch den Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer ist dann so zu bezahlen, als hätte er gearbeitet und muss
die tatsächlich aber nicht gearbeitete Zeit auch nicht nacharbeiten.

Gegen eine fristlose Kündigung kannst Du immer klagen beim Arbeitsgericht auf Feststellung, dass dadurch das Arbeitsverhältnis nicht beendet wurde. Bei einer ordentlichen Kündigung geht das nur, wenn es sich nicht um einen Kleinbetrieb mit nicht mehr als (umgerechnet) 10 dauerhaft beschäftigten Vollzeitkräften handelt; das könnte bei einem Fastfood-Restaurant der Fall sein, wenn es sich nicht um das Restaurant einer Kette, sondern um eine eigenständige Rechtseinheit handelt (wovon ich hier - nach Deiner Schilderung - nicht ausgehe).

Für eine solche Klage brauchst Du in der 1. Instanz des Arbeitsgerichtsverfahrens noch keinen Anwalt, wenn Du Dir das selbst zutraust (einen Anwalt müsstest Du ohnehin, unabhängig vom Verfahrensausgang, selbst bezahlen, wenn Du keine passende Rechtsschutzversicherung hast oder nicht Gewerkschaftsmitglied bist). Eine Klage musst Du innerhalb von 3 Wochen nach Kündigungszugang bei der Rechtsantragstelle eines Gerichts einreichen; Du kannst sie dort auch zur Niederschrift aufnehmen lassen, wobei man Dir bei der Klageformulierung kostenlos hilft.

Die Frage von "Ansprüchen" ist eine eigene Sache - wenn Du damit z.B. eine Abfindung meinen solltest (die im Falle eines Minijobs ohnehin nur marginal wäre). Einen gesetzlichen Anspruch darauf hast Du nicht, es sei denn, der Arbeitgeber erklärt sich gegen einen Klageverzicht Deinerseits dazu bereit, das wäre dann eine Vertragssache (nach dem Kündigungsschutzgesetz KSchG § 1a "Abfindungsanspruch bei betriebsbedingter Kündigung" besteht ein diesbezüglicher gesetzlicher Anspruch nur bei einer betriebsbedingten Kündigung). Ein Anspruch besteht auch, wenn ein Gericht das Arbeitsverhältnis zwar für durch die Kündigung nicht beendet erklärt, Dir die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses aber nicht mehr zuzumuten wäre;das Gericht würde dann auf Deinen Antrag hin das Arbeitsverhältnis für aufgelöst erklären und den Arbeitgeber zu einer "angemessenen Abfindung" verpflichten (KSchG § 9 "Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch Urteil des Gerichts, Abfindung des Arbeitnehmers" und § 10 "Höhe der Abfindung".

Das sind die rechtlichen Gegebenheiten - wie Du Dich aber im "Fall des Falles" dementsprechend verhalten willst oder (individuell - mental) kannst, ist eine ganz andere Frage, die ich Dir allerdings nicht beantworten kann!

Antwort
von kevin1905, 22

So lange du keine schriftliche Kündigung nachweisbar erhalten hast, besteht das Arbeitsverhältnis fort und du hast Anspruch auf Vergütung zu mind. den Stunden, die im Arbeitsvertrag garantiert wurden.

Kommentar von Familiengerd ,

Endlich einmal eine richtige Antwort - und das ohne die überflüssigen "erhobenen Zeigefinger", Ermahnungen und Belehrungen!

Antwort
von sr710815, 24

Meist kommt eine Kündigung schriftlich mit Einschreiben oder wird persönlich übergeben. Mündlich ausgesprochene Kündigungen sind meist nicht haltbar, teils im Zorn etc.

Nun hast Du wohl einem Supervisor nicht Folge geleistet, der Job ist ein Minijob & Du wirst nicht mehr eingesetzt. Trotzdem sollte entweder eine Abmahnung erfolgen oder eine schriftliche Kündigung.

Diese USA Firmen sind restriktiv, sei es nun Mc D, KFC, Subway oder Burger K, wenn es um Sanktionen geht.

Die 2 Wochen Pause sind evtl. auch nur Indiz dafür, daß Du für diesen Monat bereits die 450 € Schwelle überschritten hast.

Sprich noch mal mit dem Filialleiter.

Eine Klage vor dem Arbeitsgericht bei Beschäftigungen auf 450 € Basis zur Weiterbeschäftigung oder Wiedereinstellung wird wohl wenig Zweck haben, wenn das Verhältnis so zerrüttet ist.

Antwort
von Allexandra0809, 54

Bisher bist Du noch nicht gekündigt, denn eine Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Wenn Du derzeit nicht zur Arbeit eingeteilt bist, solltest Du einfach mal nachfragen, wann Du wieder kommen sollst oder ob sie Dich vergessen haben, einzuteilen.

Kommentar von imager761 ,

Bist du naiv: Er wird nicht mehr eine Minute dort arbeiten, weil seinen Job längst ein anderer übernahm. Minijobber werden bei Bedarf eingeteilt, und für ihn besteht dort keiner mehr :-O

Kommentar von Familiengerd ,

@ imager761:

Ganz so simpel ist es nicht  und die Antwort von Allexandra0809 überhaupt nicht "naiv" - jedenfalls nicht, was die Rechte auch von Minijobbern betrifft.

Für sie gelten die Bestimmungen z.B. nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko" genau so wie für andere Arbeitnehmer.

Und wer behauptet denn, dass Minijobber "bei Bedarf eingeteilt" werden und nicht auch regelmäßig arbeiten - kann so sein, muss aber nicht. Aber selbst bei Einteilung nach Bedarf gibt es die allgemein geltenden Rechte!

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 43

Dir wurde nicht fristlos gekündigt, das hätte schriftlich erfolgen müssen, sondern die werden keine weiteren Arbeitszeiten mehr zugeteilt.

Im Ergebnis bist du den Job also los und bekommst keinen weiteren Lohn mehr - so dämlich muss man erst einmal sein, klare Anwesiungen als Minijobber zu ignorieren und zu meinen, damit käme man durch. Dein Geld verdient längst ein anderer.

G imager761

Kommentar von Familiengerd ,

sondern die werden keine weiteren Arbeitszeiten mehr zugeteilt.

Im Ergebnis bist du den Job also los und bekommst keinen weiteren Lohn mehr


Das ist falsch!

Auch wenn der Arbeitgeber den Fragesteller nicht mehr einteilt, hat er ihn - sofern der Fragesteller dem Arbeitgeber seinen Arbeitswillen erklärt - für die vereinbarte oder durchschnittliche Stundenzahl weiterhin zu bezahlen.

Der Arbeitgeber gerät nämlich mit der Annahme der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers in den "Annahmeverzug" nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko"": Der Arbeitnehmer ist so zu bezahlen, als hätte er gearbeitet und muss die tatsächlich aber nciht gearbeitete Zeit auch nicht nacharbeiten.

Kommentar von lenzing42 ,

@Familiengerd:

Der Arbeitgeber gerät nämlich mit der Annahme der Arbeitsleistung des
Arbeitnehmers in den "Annahmeverzug" nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch

Du meinst hier bestimmt : "mit der Nichtannahme" der .............

Kommentar von Familiengerd ,

Jetzt habe ich erst einmal nachdenken müssen ... :-)

Im Gesetzestext lautet die Formulierung "[...] mit der Annahme der Dienste in Verzug [...]".

Von daher ist meine Formulierung "mit der Annahme der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers in den 'Annahmeverzug' " zwar schon korrekt, verständlicher/unmissverständlicher wäre aber wohl eine Formulierung wie "durch die Nichtannahme der Arbeitsleistung in den 'Annahmeverzug' ".

Antwort
von tapri, 29

was andere sagen sollte dir egal sein, denn es IST egal.

Es wurde dir nicht fristlos gekündigt, denn das hätte man dir schriftlich mitteilen müssen.

Du machst Dinge von denen du weiß, dass sie verboten sind/Geschäftsschädigend/evtl. gefährlich und dennoch tust du es. Man KÖNNTE auch denken, dann du es auf eine Kündigung anlegst weil du glaubst, dass du Geld daraus ziehen kannst.

Du solltest vorsichtig sein., denn so wie es im Moment aus sieht musst du abwarten was kommt. Man bekommt nicht bei jeder Kündigung Geld.....

Antwort
von KlausMuelller, 21

Selbst bei nem Minijob geht man doch nicht so leichtsinnig mit Regeln oder Pflichten um.
Du hast förmlich drum gebetet, dass man dich rauswirft

Kommentar von Familiengerd ,

Und was haben diese Vorhaltungen jetzt mit der Frage selbst zu tun??

Antwort
von Ekelpaket90210, 51

Eine Fristlose Kündigung so ist nur bei "schlimmen" Verstößen möglich - wie zum Beispiel Diebstahl, Gewaltanwendung etc.

In deinem Fall hätte man dich vorher Abmahnen müssen, erst danach ist eine Kündigung überhaupt möglich.

Antwort
von gnarr, 13

du wirst einfach nicht mehr beschäftigt bis dein vertrag ausgelaufen ist. somit erhältst du auch keinen lohn mehr.

eine fristlose kündigung erfolgt immer schriftlich. klagen kannst du also in der tasche stecken lassen. geh und such dir neue arbeit. lerne daraus, dass man immer tut, was einem von der geschäftsführung gesagt wird.

Kommentar von Familiengerd ,

du wirst einfach nicht mehr beschäftigt bis dein vertrag ausgelaufen ist. somit erhältst du auch keinen lohn mehr.

Das ist falsch!

Auch wenn der Arbeitgeber den Fragesteller nicht mehr einteilt, hat er ihn - sofern der Fragesteller dem Arbeitgeber seinen Arbeitswillen erklärt - für die vereinbarte oder durchschnittliche Stundenzahl weiterhin zu bezahlen.

Der Arbeitgeber gerät nämlich mit der Annahme der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers in den "Annahmeverzug" nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko": Der Arbeitnehmer ist so zu bezahlen, als hätte er gearbeitet und muss die tatsächlich aber nciht gearbeitete Zeit auch nicht nacharbeiten.

Antwort
von soissesPDF, 24

Bezahlt wirst Du nicht für's Denken, sondern fürs arbeiten.
450€ ist jederzeit kündbar, die Firma schuldet nur den Lohn für den angefangenen Monat.

Du warst aufmüpfig und hast was dafür erwartet?

Kommentar von Familiengerd ,

Und was haben diese Vorhaltungen jetzt mit der Frage selbst zu tun??

So so, der Arbeitnehmer war also "aufmüpfig" - oh, oh, oh ... Ist er da im Kindergarten?

Im Übrigen sind Deine Aussagen sachlich falsch!

Nicht nur der Minijob, sondern jeder Arbeitsvertrag (abgesehen von Sonderregelungen wie Befristungen) ist "jederzeit" kündbar - aber eben mit der gesetzlichen oder vereinbarten Frist - ausgenommen fristlose Kündigungen aus wichtigem Grund (z.B. schwerwiegende Vertragsverletzung). Hier darf auch nicht gekündigt werden, wenn nicht schon einmal wegen des gleichen Fehlverhaltens abgemahnt worden ist.

Außerdem muss der Lohn weiter gezahlt werden bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses:

Auch wenn der Arbeitgeber den Fragesteller nicht mehr einteilt, hat
er ihn - sofern der Fragesteller dem Arbeitgeber seinen Arbeitswillen
erklärt - für die vereinbarte oder durchschnittliche Stundenzahl
weiterhin zu bezahlen.

Der Arbeitgeber gerät nämlich mit der Annahme der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers in den "Annahmeverzug" nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko": Der Arbeitnehmer ist so zu bezahlen, als hätte er gearbeitet und muss die tatsächlich aber nciht gearbeitete Zeit auch nicht nacharbeiten.

Kommentar von kevin1905 ,

Ein Minijob unterscheidet sich arbeitsrechtlich nicht von einer Voll- oder Teilzeitstelle.

Die Unterschiede sind steuerlicher Natur oder fallen in den Bereich der Sozialversicherung!

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