Frage von ReddyBa,

Freundin gestorben und langsam kommen die schmerzen... was nun?

Zu beginn ich bin 21 und sie war 20 Jahre alt... Erstmal die Story... Ich habe sie in der U-Bahn getroffen und war unheimlich fasziniert von ihr. Ich habe mich in ihren dunkelbraunen Augen verloren, welche Trauer, Anmut und Güte zugleich ausstrahlten... Nachdem ich sie ansprach, redeten wir eine Weile und ich bin sogar da ausgestiegen wo sie ausstieg nur um weiter mit ihr reden zu können. Wir haben uns über alles mögliche unterhalten und die Themen waren soo unterschiedlich, dass ich heute noch lachen muss wenn ich darüber nachdenke :) z. B. Weltfrieden, Tetris, Eis, Vorhänge und noch vieles mehr :D....Ich hatte mich verliebt in sie.

In den nächsten Tagen erzählte sie mir, sie hat Krebs. Speiseröhrenkrebs mit Metastasen in Leber und teils Rückenmark. Sie hatte am Tag unserer begegnung einfach angst es mir zu sagen. Ich war natürlich extrem traurig und erschütert aber weglaufen uns zu vergessen kam nicht in Frage und ich entschied mich mit dem Wissen, dass sie sterben wird bei ihr zu bleiben und sie zu lieben.

Ich will keinen Roman schreiben also komm ich zum Punkt :) Das ganze ist jetzt 7 Monate her und ich lebe eigentlich relativ normal weiter bis auf ein paar Momente, indenen ich auf einen Punkt starre und über sie nachdenke...keine Träume, keine Bilder...nur die erinnerung an sie... Ich musste es ihr versprechen ( sie war ziemlich Dickköpfig :D ) Ich bin sowieso niemand der im nachhinein über etwas unheilbar traurig ist aber ein gewisser schmerz ist natürlich da.

Nun seh ich wie sich die meisten meiner Freunde in feste Beziehungen stürzen und ich freue mich auch für sie aber je mehr ich sie sehe, desto trauriger werd ich und ein (fast) unerträglicher Schmerz durchzieht meine Brust. Jetzt bräuchte ich rat von euch ;)

Ich habe mich hier ursprünglich nur registriert für diese Frage aber hab mich erst jetzt getraut sie zu stellen und dieses Erlebnis mit anderen zu teilen.

PS:

Keiner weiss von dieser Geschichte.. weder Freunde noch Familie... ich will einfach nicht, dass sie anfangen mich anders zu behandeln, weil ich unter ihnen der Clown bin der viele Sprüche kassiert und auch austeilt :) Wenn ich es jetzt erzähle dann werden sie mich unweigerlich trösten usw. und darauff hab ich kein bok, weil mir die normalität irgendwie Kraft gibt.

Und ja ich weiss, dass hört sich alles irgendwie an wie ein Teeny-Drama Film ála "nur mit dir"... ich muss selber darüber lachen :D

Hilfreichste Antwort von weisserrabe1,
10 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Du hast etwas sehr schönes erlebt, was gleichzeitig unheimlich tragisch war und ist. Gerade darum hat es in Deiner Erinnerung so ein Gewicht. Menschen mit der Last, die Deine Freundin getragen hat, schieben andere in der Regel von sich, um sie nicht zu belasten. Du hattest das Glück, die Ehre und die Kraft, für sie da zu sein, als es kein anderer konnte. Das ist Vergangenheit. Aber ein unauslöschbarer Teil Deines Lebens. Ein Teil von Dir. Ein guter, wertvoller Teil. Bewahre ihn Dir und öffne Dich. Nur wenn Deine Freunde wissen und verstehen, was Dich bewegt, wissen und verstehen sie auch, was Du jetzt brauchst. Und Du bist es, der jetzt andere braucht. Das weißt Du, magst es nur nicht einfordern. Ich mag Deine Art zu reflektieren und das bewußte Erleben Deines Schmerzes. Es wäre schlimm, wenn Du so abgestumpft wärst, daß Du schon wieder bei der Tagesordnung anlangst... Hab die Geduld, die Trauer auszuleben und sieh dabei nach vorn!

Kommentar von ReddyBa,

Ich hab das bewusst ausgelassen aber du hast recht.... am anfang hatte sie ein schlechtes Gewissen, weil sie die Liebe nur begrenz erwidern konnte aber ich hab sie davon überzeugt, dass sie auch das recht hat geliebt zu werden in dieser schweren Zeit und, dass ich das schon verkraften werde...

Kommentar von weisserrabe1,

Das wirst Du auch. Du wirst stärker sein als zuvor, weil Du etwas Großartiges erlebt und getan hast. Zu einem anderen user hast Du gemeint, daß Du irgendwie gar nicht willst, daß der Schmerz aufhört. Das kenne ich. Man kann auch das Leiden lieben, fühlt sich so warm und lebendig an im Gegensatz zu... Was Du heute hier angefangen hast, ist ein wichtiger Schritt. Aufarbeitung. Das heißt, Du hast dem Leiden schon etwas weniger Platz eingeräumt und gehst bewußt an das DANACH. Ich drücke Dir alle Daumen und bin sicher, daß neue Menschen, neue Erlebnisse Dich bereichern werden, ohne daß Du Deine Vergangenheit auslöschen mußt.

Kommentar von ReddyBa,

Danke sehr

Kommentar von weisserrabe1,

Noch was - schreib auf, was DIr durch Kopf und Herz geht. Das hilft beim Sortieren und ist für später ein wichtiger Anhaltspunkt. Außerdem scheinst Du Talent zu haben...

Antwort von Nic43,
8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist!

Kommentar von ReddyBa,

danke für die schönen worte :)

Kommentar von Nic43,

Sehr gerne!

Antwort von Nelliel,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich bewundere dich wegen deines Mutes, dass du bei ihr geblieben bist obwohl du wusstest sie würde sterben..

Aber weißt du was du jetzt am besten tun könntest, damit es dir besser geht? Geh mit einem Mädchen aus, nichts ernstes, sondern etwas lockeres. Das hilft- versprochen ;)

Eine Liebe kann nur durch eine neue Liebe vergessen werden. Es sieht so aus, als wärst du ein sehr lebensfreudiger Mensch, der sein Leben in vollen Zügen auskosten möchte. Daher auch dieser Rat.

Ach ja, und wenn du an sie denkst und die Trauer in dir hochkommt- lächle! Auch wenn dir überhaupt nicht danach ist- lächle! Und schon fühlst du dich besser.. :)

Kommentar von ReddyBa,

Danke dir erstmal :)

Jaa das mit anderen Mädchen hab ich schon paar mal hinter mir aber es will nicht ganz klappen... Ich hab, wenn ich mit einem anderen Mädchen zusammen bin das Gefühl sie irgendwie zu betrügen oder so ähnlich...kann auch sein, dass ich diese Gefühle falsch interpretiere...

Das mit dem lächeln und fröhlich sein ist kein Problem :) Ich bin zu 95% eigentlich lustig drauf nur das problem sind die anderen 5% in denen ich intensiv an sie denke und mich mies fühle...obwohl ich glaube, dass das mies fühlen normal ist wollte ich fragen ob man trozdem etwas dagegen tun kann...

Antwort von ladytinamaus,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Hallo ReddyBa,

Deine Geschichte ist so schön und so traurig zugleich, wie sie nur das Leben schreiben kann. Es war ein Geschenk für euch beide - für sie und für Dich - dass ihr euch gefunden hattet, und sei es auch nur für so kurze Zeit.

Deine momentanen Gefühle kenne ich nur zu gut, auch ich habe in jungen Jahren einen geliebten Menschen verloren. Auch ich kam mir danach so vor, als würde ich ihn betrügen, nur weil das (Liebes-)Leben weitergeht. Das ist alles ganz normal - und es vergeht. Die Zeit kann tatsächlich Wunden heilen. Und irgendwann bleiben von allem nur noch die guten und schönen Erinnerungen an sie...

Und genau das ist ihr Vermächtnis an Dich: Sie wird in Deinen Erinnerungen lebendig bleiben.

Überlege Dir aber gut, mit wem Du diesen Schatz teilen möchtest. Meine Erfahrungen haben mir damals gezeigt, dass nicht wirklich viele Menschen (und oft eben nicht die nahestehenden) damit umgehen können. Das hat mich zeitweise sehr verletzt. Deshalb finde ich den Weg der Anonymität, den Du auf diese Weise hier einschlägt, gut gewählt. Denn auf die eine oder andere Weise muss man seine Trauer verarbeiten, und darüber reden hilft meist recht gut.

Und noch ein wertvolles Erbe hat sie Dir hinterlassen, auch wenn Du es vielleicht noch nicht bemerkt hast: Wenn man sowas erlebt hat, verändert sich die eigene Sicht der Dinge. Man geht mit Leben jeglicher Art - auch mit dem eigenen - viel respektabler um. Das ist etwas, das man in keiner Schule dieser Welt lernen kann, sondern nur in der Schule des Lebens.

Ich wünsche Dir Geduld mit Dir selbst und Verständnis von Anderen!

LG ladytinamaus

Antwort von ChuckL,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich kann verstehen, dass du dir wenigstens einen Teil deiner Normalität erhalten möchtest. Krebs ist der größte Mist, ich hab vor einem Jahr meine Oma dadurch verloren (Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Tumor im Bauch, 5 Jahre lang). Im Gegensatz zu dir dir bin ich vor Trauer fast gestorben, der Schmerz war einfach unerträglich und ich wollte nur noch dass es aufhört. An dieser Stelle erst mal Respekt, wie du mit diesem Verlust umgehst. Der Schmerz wird immer bleiben, dein Leben lang wirst du ein Loch in dir spüren, weil einfach ein Teil von dir fehlt. Diese Idioten, die sagen 'Zeit heilt alle Wunden', haben keine Ahnung. Der Schmerz stumpft einfach nur ab, aber er bleibt immer präsent. Ich weiß nicht, was für einen Rat ich dir geben soll, ausser vielleicht sprich mit jemandem darüber. Es in dich hineinzufressen ist keine Lösung, und ob du dich jetzt an deine Familie, gute Freunde oder sonst wen wendest, ist egal. Hauptsache du findest jemand Vertrauten zum Reden. Ich wünsche dir alles Gute und noch viel Kraft.

Kommentar von ReddyBa,

Danke erstmal und an dieser stelle mein Beileid am Verlust deiner Oma... Ich weiss nicht ob es an mir liegt aber ich will nicht, dass dieser Schmerz aufhört ( vlt. meine masochistisch Ader :D ), weil er ein Teil dieser erinnerung ist und ich will diese Erinnerung im ganzen behalten.

Kommentar von ChuckL,

Danke. Das kenne ich, genau dasselbe habe ich auch. Ich weiß, es ist dumm von mir, in der Vergangenheit bleiben zu wollen, doch ich will den Schmerz einfach nicht loslassen weil ich dann Angst habe, auch nur ein Fitzelchen der Erinnerung an sie zu verlieren. Er gehört einfach dazu, auch wenn es wehtut.

Antwort von lianeu,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich glaube du hast einfach noch nicht richtig um deine Freundin getrauert, das muss man aber. 7 Monate ist noch nicht so lange, setz dich mal damit auseinander und das du Trost von deiner Familie oder deinen Freunden ablehnst, zeigt einfach nur, dass du die Sache verdrängst.

Kommentar von ReddyBa,

ich glaub ehrlich gesagt auch, dass ich noch nicht richtig getrauert habe bzw. hoffe es, weil nach so einem Erlebnis so wenig Emtionenzu zeigen halte ich auch nicht normal...

Antwort von subway63,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich nehme an, sie lebt nicht mehr? das ist heftig.. ich finde es schön, das du dir Gedanken machst. Aber was willst du eigentlich wissen?-- Ich kann dir nur sagen, erhalte sie in deiner Erinnerung..und lebe weiter! Das Leben ist ein Kampf : Siege!

Kommentar von ReddyBa,

Jop danke. Meinen Lebenswillen hab ich nicht verloren keine angst :) Im gegenteil... weil sie so ein Lebensfroher Mensch war, würde ich es als unfair betrachten meine geschenkte (hoffe noch paar jährchen) Zeit und mein Leben damit zu vergeuden, ewig um sie zu trauern... sie hat mich quasi inspiriert :)

Kommentar von subway63,

:-)

Antwort von SaurerApfel100,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Männer wie dich gibt es nicht oft. Wow! Deine Geschichte hat mich wirklich berührt..Du bist sehr mutig und ich bewundere deine Tapferkeit! Ich hätte einen Nervenzusammenbruch bekommen, bei dem Gedanken, dass mein Freund stirbt. Zeit heilt Wunden. Eine Narbe bleibt, klar. Du wirst auch noch nach Jahren an sie denken müssen, aber denke daran: Du hast etwas Wunderschönes erlebt und jemand ganz Besonderes kennengelernt! Das kann dir keiner wegnehmen. Ich kann und will mir deinen Schmerz nicht vorstellen :( aber ich finds super, dass du so stark bleibst. Du hast mein Segen!

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