rivabella am 09.07.2009 um 18:17 Uhr
Im Rahmen eines kleinen Ehrenamtes, bei dem ich mich für „ alte, hilfsbedürftige und kranke Menschen“ einsetze, kam ein Bewohner einer Seniorenwohnanlage in die „Sprechstunde“ mit folgendem Anliegen: Er ist im Beirat dieser besagten Anlage und fühlt sich für die Mitbewohner verantwortlich und möchte sie gerne motivieren im Sinne von „etwas unternehmen“, „sich kümmern“, „Gespräche führen und zuhören“ oder auch „Spiele- oder Skatnachmittage veranstalten“. Er möchte die Bewohner aus ihren kleinen Wohnungen rauslocken und ihnen zeigen, dass „in der Wohnung hocken und von morgens bis abends Fernsehen gucken“ nicht alles ist, was man auf seine alten Tage aus seinem Leben noch machen kann. Er selbst ist 78 Jahre und sehr rüstig, noch gut auf den Beinen und geistig fit (wovon ich mich überzeugen konnte).
Bei einer Besichtigung dieses Hauses (nachmittags an einem Wochentag) konnte ich selbst feststellen, dass die Caféteria, die Aufenthaltsräume und die Sitzecken „menschenleer“ waren. Die Bewohner sitzen permanent in ihren 4 Wänden, abgeschottet und “freiwillig zur Einsamkeit verdammt“.
Welchen Rat kann ich diesem liebenswerten Menschen geben, wenn er morgen erneut in die Sprechstunde kommt? Wie kann man ältere Leute motivieren, die sich abkapseln und in ihren eigenen 4 Wänden vereinsamen. Was kann der nette Mann unternehmen zur Motivation der Mitbewohner? Ich bin ratlos!

Teardrop hatte Kinder schon angesprochen. In einem Altenheim bei uns in der Nähe hat man das Projekt "Rent a Grandma/Grandpa" eingeführt. Das funktioniert ganz gut mit den rüstigeren Herrschaften...und für die Eltern der Kids ist es auch bequemer.
An sonsten, es gibt eine Cafteria...dort könnte man Liederabende/-nachmittage gestalten, Tanzabende (bei uns im Altenheim zärtlich Renterdisse genannt, bei unserem legen auch die Bewohner selbst auf...), Zeichenkurse etc...es gibt eigentlich viel was man machen könnte. Allerdings müsste jemand die Lust zu Zeit mitbringen, das zu organisieren..

Vielleicht sollte der nette Herr mal Kontakt mit einer Kindereinrichtung in eurem Ort aufnehmen und dort mit den Erziehern vereinbaren, dass die Kleinen mal ein kleines Programm in der Anlage aufführen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ältere Menschen sehr positiv auf Kinder reagieren. Das könnte u. U. Erfolg haben.
rivabella am 9. Juli 2009 18:21 tolle Idee, Danke :o))

Flugblätter, an der Türe klingeln, Anschlag am Hauseingang,
Ich denke es hilft wenn bestimmte Termine vereinbart werden z.B. 16-18Uhr Kartenspielen in Raum x, oder eine Sendung gemeinsam schauen, oder Plaudernachmitag mit Kuchen in der Cafeteria etc. Ich denke so ein fester Termin erleichtert es.
rivabella am 9. Juli 2009 18:28 Ich finde den Vorschlag von "@Chwasc" mit den Flugblättern und Anschlag am Hauseingang gut.
Da könnte man die Termine "Kartenspiel" oder "Plaudernachmittag" publik machen. Danke :o))
Ich finde es übrigens ganz toll was Du da machst! Schade das sich nicht viel mehr Menschen ehrenamtlich engagieren!

Bitte versuch einfach im nächstliegendem Tierheim! anzufragen,ob dort "Ausgehsenioren" regelmäßig erwünscht sind....Wenn ja :"bring die Herrschaften zum Spazierengehen mit den Hunden...."
rivabella am 9. Juli 2009 18:23 Die Idee ist sehr gut, Danke :o))
Krabbeltier am 9. Juli 2009 18:26 ...und "wirkungsvoll" wenn Du den Leuten berichtest,wie wenig Zuwendung diese Hunde bekommen.....und wie wenig "gleichmäßige-zuverlässige" Besuche.So hat vielleicht bald Jeder schlappe Senior sein Tier.
rivabella am 9. Juli 2009 18:31 Ich kenne ein anderes Haus, allerdings ein Alten- und Pflegeheim, dort gibt es eine Katze, und die Bewohner kommen aus ihren Zimmern um die Katze zu sehen, Leckerlis zu geben und vor allen Dingen, um sie zu streicheln.
Eine schöne Idee von Dir mit den Hunden :o))

Weißt Du, wenn ich das lese "...Bei einer Besichtigung dieses Hauses (nachmittags an einem Wochentag) konnte ich selbst feststellen, dass die Caféteria, die Aufenthaltsräume und die Sitzecken „menschenleer“ waren. Die Bewohner sitzen permanent in ihren 4 Wänden, abgeschottet und “freiwillig zur Einsamkeit verdammt“..." - wenn die Alternative zum Alleinsein nur darin besteht, mit noch mehr alten Leuten zusammen zu hocken - da hätte ich wohl auch keine Lust zu.
Die User, die hier zum Beispiel Umgang mit Tieren oder Umgang mit Kindern vorschlagen, kommen dem Problem wahrscheinlich schon wirklich nahe...
Was auch gut sein könnte: Gartenarbeit. Überhaupt Aufgaben zum Allgemeinwohl. Nicht immer nur "dazu bist Du zu alt" sondern "Du wirst hier gebraucht" - das wäre bestimmt auch ein Muntermacher.
marlylie am 9. Juli 2009 18:46 ja, wenn die noch fit genug sin, gartenarbeit zu machen, sollen sie doch im herbst anfangen, das gelände um´s heim herum nach eigenen vorstellungen zu gestalten, blumenbeete zu planen, vielleicht eine sitzecke da, wo sie sich treffen möchten und nicht da, wo irgendein architekt es geplant hat...
Die älteren Herrschaften sind heutzutage geistig fit und rege,gehen schwimmen,lernen sogar noch Englisch,können gut mit dem Pc umgehen.Das ist meine Erfahrung.Die Jungen vereinsamen,sitzen den ganzen Tag an ihren Computerspielen,können nicht richtig schreiben,usw.Siehe hier bei GF die vielen Kommentare.Die Alten sehen sich noch in der Welt um,machen Kreuzfahrten,interessieren sich für Politik und machen etwas aus ihrem Leben.
rivabella am 9. Juli 2009 18:52 >Umgang mit Tieren oder Umgang mit Kindern< das ist es, das wird dem alten Herrn morgen sicherlich auch gefallen. Mal sehen, wie er Eure Vorschläge aufnimmt und sie umsetzt. Es sind wirklich sehr brauchbare Ratschläge dabei! Danke :o))
Krabbeltier am 9. Juli 2009 18:52 Was übrigends auch "unheimlich gut aufgenommen wurde" war ein Nintendo WII mit "Sportfunktion" und mehreren Joysticks......Da kamen tatsächlich sportliche Emotionen auf,die keiner für möglich hielt....Dazu Spaziergänge mit ebensolchen einsamen Lebewesen/Hunden wird diese "Alleingelassenen meist ohne Anhang" wieder ins Leben zurückbringen.Alte Menschen sind oft wieder wie kleine Kinder ,und leben in der Vergangenheit ,die bei Vielen mit Tieren und Spielen "angefüllt war",und der Familie und den jetzt wohl nicht mehr so präsenten Kindern und Enkeln....Auf-auf....

Ich denke, dass das ein ganz sensibler Bereich ist, in dem deine Hilfe da gefragt ist; weil nicht zuletzt die Situation dieser alten Menschen auf einer langen Geschichte beruht, sie sich sehr lange schon auf ein Leben wie das ihrige eingestellt haben, fast schon drauf "abonniert" sind über die Jahre.
Insofern ist es wohl nur machbar, da ganz kleinschrittig und bescheiden zu denken - zunächst im ganz kleinen Rahmen irgendein Projekt oder Freizeitangebot zu starten. Und vielleicht vorab (in Einzelgesprächen) den Bedarf eines jeden zu erfragen, um somit auch wirklich zielgerichtet etwas in Angriff nehmen zu können.
Über diese individuellen Gespräche ist möglicherweise gleichzeitig auch gegeben, dass ihr eventuelle "Mitstreiter" und "Organisatoren" ausfindig macht, die die Sache weiter voranbringen können.
Viel Erfolg wünsch ich dir und dem offenbar großartigen Herrn, der da bei dir war! ;-)
marlylie am 9. Juli 2009 18:32 ja, bau den rüstigen herrn auf, dass da was zu machen ist und "man" sich viele gedanken macht, da den alten herrschaften auf die sprünge zu helfen, damit er nicht den mut verliert. und dir ein super-lob für dein engagement. lg
rivabella am 9. Juli 2009 18:34 Er kommt morgen wieder. Ich werde diese Antworten ausdrucken und sie mit ihm einzeln durchgehen und besprechen. Danke Dir :o))
marlylie am 9. Juli 2009 18:44 ja, das mit dem ausdrucken ist eine gute idee, denn das wird ihn anregen, wenn er sieht, dass da ganz viele sind, die sich ernsthaft gedanken machen. sage ihm liebe grüsse unbekannterweise von mir.
rivabella am 9. Juli 2009 18:56 lach, werde ich ihm ausrichten ^^

Ich habe mir die von dir geschilderte Situation gründlich überlegt. Es ist recht schwierig von heute auf morgen "betagte" Menschen die einen eingespielten Lebensrhytmus haben aus Ihrem sogenannten Vakkum rauszulotsen. Man sollte klein anfangen...im konkreten denke ich daran, dass man als ersten Schritt diese Senioren zu einem gemeinsamen Fernsehabend einladen könnte. So als erstes "Beschnuppern" sozusagen.Dazu vielleicht ein paar Kekse und Tee aufstellen. Ich hoffe ich konnte dir ein wenig behilflich sein.
rivabella am 9. Juli 2009 18:36 Ich nehme jeden Vorschlag gerne zur Kenntnis und werde ihn morgen weiter leiten. Danke :o))

Er könnte sich mit Schulen in Verbindung setzen, in vielen Schulen gibt es Musikbegabte Schüler die auch Konzerte geben. Er könnte fragen, ob die Schüler dort ein oder mehrere Konzert geben könnten/würden. Viele Tierzüchter besuchen mit ihren Welpen gerne Altenheime damit die Tiere (für eine spätere entsprechende Ausbildung) Kontakt mit vielen Menschen haben. Er könnte bei der VHS anrufen und sich erkundigen, ob einzelne Kurse dort in der Wohnanlage abgehalten werden könnten. Basteln, Häkeln, Handarbeiten. Er kann bei der Stadt- /Gemeindeverwaltung nachfragen und sich erkundigen ob und wie oft ein Fahrdienst bereitgestellt werden könnte, damit alle mal zusammen raus kommen. Besuch zum Zoo etc. Er kann dort auch nach Sozialbetreuern fragen. Leute die vorbeikommen und sich mit den Personen einfach so unterhalten oder mensch ärgere dich nicht spielen. Psychotherapeutsche Betreuer. Vieles davon ist Kostenlos, einiges wird von der Pflegeversicherung bezahlt.
rivabella am 9. Juli 2009 18:48 Tolle Vorschläge! danke :o))

scheint ja eine wohnanlage für betreutes wohnen zu sein, in der die älteren menschen grösstenteils selbständig leben. von heute auf morgen wird er natürlich nichts machen könne, doch es gibt möglichkeiten, die "herrschaften" zu locken: da ja schon mal eine cafeteria da ist, kann er zu einem termin die leute zum gemeinsamen kaffetrinken einladen, zu dem alle ihren lieblingskuchen oder lieblingskekse mitbringen müssen. (würde mich interessieren, wie die cafeteria geführt wird, z.b. mit kaffee kaufen müssen, kaffee wird gestellt) oder er hört sich mal in der stadt um, ob es da nicht jemand gibt, der in der cafeteria mal seine "werke" ausstellen möchte und lädt für den ausstellungstag in die cafeteria ein - wieder frage: müssen die leute da kaffee/ kuchen kaufen, wird da sowas gestellt. dann müsste er dafür einladungen verteilen, bei den bewohnern in den briefkästen - beim drucken - es brauchen ja nur hübsche flyer auf dem pc gemacht zu werden, vielleicht kannst du ihm da helfen. also, ideen hätte ich da schon so einige. wäre mal interessant, in welcher stadt das wohnheim ist, etc... lg
rivabella am 9. Juli 2009 18:41 >einladungen verteilen, bei den bewohnern in den briefkästen< für die eine oder andere "Veranstaltung" finde ich eine super Idee. Danke :o))
Ich werde alle Vorschläge morgen dem Herrn "unterbreiten" !!!
Er soll die Jungen motivieren,nicht den ganzen Tag am PC zu sitzen.
rivabella am 9. Juli 2009 18:25 Es gibt dort in einem Raum 3 PC's mit Internetanschluss - verwaist, als ich zur Besichtigung war!
marlylie am 9. Juli 2009 18:28 jemanden finden, der bereit ist, die alten herrschaften an den pc´s einzuweisen- unterricht zu geben. wahrscheinlich sind die pc´s verwaist, weil die damen und herren hemmungen haben, dran zu gehen
rivabella am 9. Juli 2009 18:32 Wenn ich es könnte, würde ich das machen, aber ich bin ja selbst noch "am Lernen" lach ;o))
marlylie am 9. Juli 2009 18:42 kennst du keinen jugendlichen, den du dazu motivieren könntest? oft lassen sich die älteren damen und herren gerne von der jugend in der richtung was erklären, weil sie davon überzeugt sind, dass die jugend davon "echt" ahnung haben ;-)
rivabella am 9. Juli 2009 18:47 Ich glaube, ich besuche in den nächsten Tagen einmal unseren "Jugendtreff" und frage da mal nach, welcher Jugendliche sich dafür bereit erklärt. Tolle Idee, danke :o))
ja, es muss schon jemand sein, der im hintergrund organisiert und ein wenig "dirigiert", dabei den alten rüstigen herrn aber ruhig mit einspannt, das hält ihn jung...
Der "alte Herr", der mich um Rat bittet, ist ja im Beirat dieser Anlage und ist geradezu prädestiniert für solche Sachen, weil geistig und körperlich "fit". Danke :o))