Frage von maikpaule, 98

Freistellung von der Arbeitsleistung... Trotzdem Krankheit?

Hallo ich war vom 12.04. bis 16.04. krankgeschrieben und bin am 18.04. (Montag) wieder zur Arbeit und wurde freigestellt inkl. Diebstahlvorwurf daraufhin bin ich aus dem selben Grund (Mobbing) zum Arzt und habe bis zum 30.04. eine AU erhalten! Nun ist die Frage da die AU lückenlos vor der Freistellung galt ist die Freistellung eigentlich doch unzulässig oder? Hier geht es insbesondere um Abgeltung von Überstunden und Urlaub. Urlaub muss durch die AU ausgezahlt werden egal ob ich nachher oder vorher krank war das weiß ich aber Überstunden wie sieht es damit aus?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 40

Grundsätzlich vorab: Der Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer nur bei berechtigtem Interesse von der Arbeit freistellen; in diesem Fall des Diebstahlvorwurfs - ob berechtigt oder nciht - ist das gegeben.

Urlaub muss durch die AU ausgezahlt werden egal ob ich nachher oder
vorher krank war das weiß ich aber Überstunden wie sieht es damit aus?

Zum Urlaubsanspruch:

Die erklärte Anrechnung Deiner Urlaubsansprüche auf die Freistellung ist nur dann erlaubt, wenn die Freistellung ausdrücklich als "unwiderruflich" erklärt worden ist; eine "widerrufliche" Freistellung oder ganz ohne eine solche Erklärung erlaubt keine Anrechnung von Urlaub!

Ist die Freistellung unwiderruflich, die Anrechnung von Urlaub also erlaubt, so kann der Urlaub aber trotzdem nicht angerechnet werden, wenn Du während der Freistellung erkrankt bist: der Urlaub muss dann ausgezahlt werden.

Zu den Überstunden:

Anders verhält es sich bei den Überstunden. Sie können auf jeden Fall auf die Freistellung angerechnet werden, gleichgültig, ob widerruflich, unwiderruflich oder ohne eine solche Erklärung. Das gilt auch bei Erkrankung: dadurch wir die Anrechnung der Überstunden nicht verhindert - sie gehen dann (leider) trotzdem "verloren".

Die Anrechnung von Urlaubsansprüchen und Überstunden ist dem Arbeitgeber selbstverständlich - neben diesen Voraussetzungen - nur erlaubt, wenn er sie in der Freistellungserklärung ebenfalls erklärt hat.

Kommentar von maikpaule ,

Naja aber ich bin ja vor der Freistellung krank gewesen bis zum Ende des Beschäftigungsverhältnisses das macht dann doch eher wenig Sinn oder? Weil dann würde der Arbeitgeber ja jeden freistellen wo er merkt der ist krank in der Kündigungsfrist und könnte somit sich sämtliche Überstundenauszahlungen sparen ... Fakt ist ich war vor Dem Diebstahlvorwurf und vor Bekanntmachung der Freistellung krank

Kommentar von Familiengerd ,

Unter dieser Voraussetzung:

die Arbeitsunfähigkeit besteht schon vor Erklärung der Freistellung durch den Arbeitgeber,

kann der Arbeitgeber auch die Überstunden nicht auf die Freistellung anrechnen!

Anders wäre es, wenn die Arbeitsunfähigkeit erst nach Erklärung der Freistellung mit Anrechnung der Überstunden eingetreten wäre.

Hier ist genau so zu verfahren, wie beim "Abfeiern" von Überstunden: Wurden die Tage für das Abfeiern festgelegt und der Arbeitnehmer wird nach dieser Festlegung an seinen wegen der Überstunden freien Tagen krank, hat er Pech gehabt; ist er bereits krank, kann der Arbeitgeber selbstverständlich nicht die freien Tage zum Abbau von Überstunden auf die Tage der Erkrankung legen.

Die Urlaubstage, die auf die Freistellung angerechnet werden sollten (sofern die Freistellung denn "unwiderruflich" ist), müssen wegen der Erkrankung ohnehin ausgezahlt werden.

Unter dieser Voraussetzung - Eintritt der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit vor Erklärung der Freistellung und durchgehend bis zu deren Ende - hast Du also Anspruch auf Entgeltung/Bezahlung des Urlaubsanspruchs und der Überstunden!

Kommentar von maikpaule ,

danke das wollte ich wissen :) und es war genauso auf der Gehaltsabrechnung :)

Kommentar von Familiengerd ,

Ich hoffe, dass die Regelungen zur Anrechnung  bzw. zur Abgeltung von Urlaubsansprüchen und Überstunden in Zusammenhang mit Freistellungen bei Kündigung des Arbeitsverhältnisses damit verständlich geworden sind. :-)

Antwort
von Thather, 61

Wenn die Überstunden durch den Arbeitgeber angeordnet oder genehmigt wurden, dann bekommst Du auch die ausgezahlt. Hierzu muss entweder eine elektronische Erfassung stattgefunden haben, die der Vorgesetzte jederzeit einsehen kann oder du hast eine von deinem Vorgesetzten abgezeichnete Aufstellung.

Wenn nicht, wir das schwierig, weil die Beweislast bei Dir liegt.

Kommentar von maikpaule ,

Es geht hierbei um die Freistellung denn diese besagt das Überstunden und Urlaub genommen wird in der Zeit

Kommentar von Thather ,

Bei Krankheit (AU) greift die Aufrechnung nicht. Urlaub muss ausgezahlt werden. Überstunden nur, wenn Sie nicht unstrittig sind.

Kommentar von Familiengerd ,

Urlaub kann mit der Freistellung verrechnet werden, wenn die Freistellung mit Urlaubsanrechnung ausdrücklich als unwiderruflich erklärt worden ist; diese Verrechnung greift selbstverständlich nicht bei gleichzeitiger Erkrankung.

Bei den Überstunden verhält sich das anders: sie können in jedem Fall mit der Freistellung verrechnet werden, das ändert sich auch nciht im Falle der Erkrankung.

Kommentar von Familiengerd ,

@ Thather:

Wenn die Überstunden durch den Arbeitgeber angeordnet oder genehmigt wurden, dann bekommst Du auch die ausgezahlt.

Das ist falsch, wenn der Arbeitgeber die Verrechnung von Überstunden mit der Freistellung erklärt hat; daran ändert auch die Erkrankung nichts - anders als beim Urlaubsanspruch.

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