Freiheitsbeschneidung im Religionsunterricht tolerieren?

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15 Antworten

Dein Lehrer zeigt diesen ekligen Relativismus, den man bei vielen pseudo-"Intelektuellen" sieht: gerade die Verteidiger überkommener Moralvorstellungen argumentieren gerne mit "man müsse Ethik und Moral im Kontext sehen und relativieren".

Das muss man nicht - auch wenn ich mich hier gegen einen mainstream-Trend stelle.

Frag' ihn, ob sein eigener ethischer Standpunkt richtig ist -
denn wer so denkt verneint jede moralische Weiterentwicklung in der Gesellschaft. Wenn alle so gedacht hätten, gäbe es heute noch Hexenverbrennung, Menschenopfer, Handabhacken, Steinigen usw.

Wer würde denn den moralischen Rahmen sprengen, erweitern der verbessern, wenn immer alles im jeweiligen Kontext richtig wäre?
Wie könnte Homophobie aus der Gesellschaft, aus den Köpfen verschwinden, wenn immer alles im aktuellen Kontext korrekt ist?

Es gibt durchaus absolute Maßstäbe für moralische Beurteilungen, und wer die mir dem Relativismusargument ablehnt macht es sich schlicht zu einfach. Ist ein Opportunist, Mitläufer und angepasstes Weichei (so wörtlich würde ich ihm das vielleicht nicht sagen ;-)

Gerade im Punkt Religion scheint der Opportunismus gerade voll zu im Trend zu sein: keiner traut sich zu sagen, daß eine Religion unmoralisch, ja schlecht und böse ist, die solcherlei Unmenschliches fordert, propagiert oder gar aktiv durchführt. Klar, von welcher Religion hier die Rede ist - aber das Christentum ist soweit nicht davon entfernt, und hat sich auch nicht freiwillig domestiziert, sondern im Laufe der letzen paar hundert Jahre zähneknirschend nachgegeben.

Jetzt konkret: es kommt natürlich auf den Lehrer an: wenn er ein A***h ist, lässt er Dich spüren, daß er am längeren Hebel sitzt. Und Dich letztendlich nötigen, nach seinem Mund zu schreiben/reden. Dies ist leider - gerade im Religionsunterricht - durchaus üblich.
Wenn er in Ordnung ist, kann daraus eine befruchtende Diskussion entstehen, bei der u.U. auch eine gute Note herauskommt.
Was zutrifft musst Du selbst im Bauchgefühl spüren...



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Kommentar von webernils
25.01.2016, 00:30

Ich bin beeindruckt. Man merkt sofort, dass du mit derlei philosophischen Überlegungen vertraut bist und gleichzeitig nicht zu zimperlich, zielgerichtet zu argumentieren.

Wie bereits an anderer Stelle gesagt, wird mein Bauchgefühl für mich wohl dahingehend ausgewertet, dass ich mich vorerst vor weiteren Diskussionen in diese Richtung mit entsprechender Lehrkraft fernhalte. Dennoch vielen Dank für deine tolle und ausdifferenzierte Antwort. Einen schönen Abend wünsche ich!

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Der Staat darf deine Freiheit nicht beschneiden (ausser durch die gültigen Gesetze, die gegen die Grundfreiheiten nicht verstossen dürfen).

Aber es gibt ja auch Religionsfreiheit. d.h. der STaat darf Religionen auch nicht verbieten, sich zu organisieren, Gottesdienste abzuhalten, etc. (so lange sie sich an die Gesetze halten).

d.h. die Religion als private Organisation oder der religiöse Mensch als Individuum darf auch einschränkungen auf sich nehmen, die der Staat ihm nicht auferlegt. z.B. ist nichts dagegen einzuwenden, wenn sich ein religiöser Mensch verpflichtet, 10% seines Einkommens zu spenden, auch wenn das für ihn das zur Verfügung stehende Einkommen reduziert: er hat die Freiheit, seine eigene Freiheit zu beschneiden.

Genauso darf ein Mensch auch sagen, dass er z.B. keinen ausserehelichen Sex hat u.ä. und sich daran halten.

Bei menschlichen Beziehungen kann jeder selbst entscheiden, ob er eine Beziehung haben will oder nicht. d.h. der Staat könnte dich nicht zwingen, mit jemandem befreundet zu sein oder Kontakt zu haben... d.h. wenn jemand sagt, dass er mit dir keinen Kontakt will, weil du ihm nicht katholisch genug bist, dann ist das seine Freiheit.

Das Einzige, was in diesem Zusammenhang in Deutschland problematisch ist, ist dass es den Kirchen als Arbeitgeber erlaubt ist, zu diskriminieren (was die anderen nicht dürfen)...

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Was dein Lehrer dir erklärt hat, ist völlig richtig. Die entsprechenden Stellen sind in früherer Zeit entstanden, als man noch anders dachte als heute und deshalb als historische Texte zu akzeptieren. Das bedeutet keineswegs, dass diese Stellen heute genauso aufgefasst werden wie vor dreitausend Jahren. Heute interpretiert man religiöse Lehren zeitgemäß moderner (es sei denn, wir hätten es mit fundamentalistischen Fanatikern zu tun, aber darum geht es ja nicht). Sich über dreitausend Jahre alte Textpassagen aufzuregen, ist nicht wirklich sinnvoll, denke ich.

Ich habe einen Vorschlag für dich. Wenn dir Religionsunterricht nicht zusagt, dann melde dich vom Reli-Unterricht ab, falls du bereits mindestens 14 Jahre alt bist.

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Grüß Dich webernils!

Eines scheint mir völlig klar zu sein: Frauenfeindliche oder homosexuellenfeindliche Einstellungen in Heiligen Schriften sind aus ihrer Zeit heraus zu verstehen. Das stimmt wohl. Damals war sowas gang und gäbe. Aber für heute taugt das nicht als ethischer Maßstab und kann und darf auch nicht toleriert werden. Solche ethischen Wertmaßstäbe dürfen auf keinen Fall geduldet werden. Notenspiegel hin oder her: er darf nicht dazu führen, die Menschenrechte zu verleugnen. Sie sind das höchste Gut was wir besitzen und dürfen nicht verraten werden. Daran haben wir uns zu orientieren! Wohin das führt, wenn sie nicht beachtet werden hat das deutsche Volk, und nicht nur das, ganz elend erfahren dürfen.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

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Das ist immer so eine Frage... in heiligen Büchern ( Bibel wie Koran) steht neben einigen vernünftigen Sachen auch echt viel Schrott. Laut Exodus 35:2 (Bibel) müssen Menschen, die samstags arbeiten getötet werden...

kein Scherz! Im Vergleich dazu sin homophobe diskriminiernde Sprüche fast harmlos... Theologen (Relilehrer, Pfarrer etc.) sagen oft, dass müsse alles im historischen Kontext betrachtet werden. Vieles sei symbolisch gemeint etc...

Inwiefern dass Sinn macht ist eine andere Frage... Fakt ist: nimmst du die gestze, die in der Bibel oder im Koran stehen, alle ernst, dann bist du in unserer heutigen Gesellschaft einfach nicht überlebensfähig. Deshalb auch die "Ausreden" bzw. "Erklärungen" deines Relilehrers von wegen historischer Kontext usw. Er ist sicher nicht der meinung, Homosexualität gehöre verboten oder Frauen sollten nicht arbeiten dürfen- sonst würde er keine 3 Tage mehr unterrichten dürfen.

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Der Lehrer verwies in Folge dessen daraufhin, die entsprechenden Passagen seien zeitgemäß zu betrachten und demnach zu tolerieren?

Du könntest deinen Lehrer auf Folgendes hinweisen: 

Als die Verurteilung von Homosexualität und die Minderwertigkeit von Frauen in den Heiligen Schriften formuliert worden ist, gab es bereits zahlreiche Kulturen und Religionen, die das ganz anders sahen. Z.B. im Polytheismus Griechenlands war Homosexualität nie ein Problem (z.B. Zeus war bisexuell) und im Schamanismus der Germanen war weder Homosexualität ein Problem noch wurden die Frauen als minderwertig angesehen (in Griechenland und bei den Römern aber schon).  

Damit stellst du natürlich das religiöse Axiom der moralischen Überlegenheit der monotheistischen Religionen in Frage und wirst vermutlich deinen Lehrer verärgern. 

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Eine sinnvolle Diskussion wirst du über das Thema allerdings nur führen können, wenn du von deinen pauschalen Aussagen weg gehst und konkrete Beispiele und Problematiken benennst

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Jegliche Textstelle der Bibel sollte im aktuellen Kontext interpretiert werden. Kannst ja mal überlegen, wie das dritte Kapitel des 1. Timotheos-Briefs im Neuen Testament mit dem Zöllibat der katholischen Kirche in Einklang gebracht werden kann.

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ich würde einfach mal den hinweis geben, dass, wenn die passagen "zeitgemäß" zu betrachten sind, homosexuelle z.b. zu JEDER zeit verteufelt werden, also auch zur jetzigen und aufgeklärten zeit und deswegen wäre ihre aussage falsch und diskriminierend.................:), ausserdem würde eine religiöse sichtweise, die dann auch ausgelebt wird und gegen grundgesetze verstößt, nicht mehr zur religionsfreiheit gehören, denn in unserem rechtssystem kommt nun mal, zum glück, der verstand und das gesetz VOR dem glauben !!!!

im übrigen dürfen meinungen und diskussionthemen keinen negativen einfluss auf einen zensurspiegel haben, solange das zum thema gehört..........

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Kommentar von Kuppelwieser
24.01.2016, 22:50

Dürften nicht, aber die Realität sieht oft anders aus!

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Ich glaube dein lehrer meinte, dass man die entsprechenden Passagen in Bibel, Torah und Koran im Zusammenhang der Zeiten damals sehen sollte.

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Wenn Du meinst, dass Religionen nicht mehr zeitgemäß sind, solltest Du Dich damit auch outen und nicht am Religionsunterricht teilnehmen, sondern an dem in Philosophie, Ethik der Werte und Normen.

Ich halte es nicht für einen "ethischen Relativismus", wenn man ethische Vorstellungen (und ebenso auch politische und religiöse) daran misst, in welchem Land zu welcher Zeit unter welchen Umständen sich entwickelt haben - man nennt das den historischen Kontext. Eine Norm, die vor Jahrhunderten fortschrittlich war gemessen am historischen Kontext, kann heute erzreaktionär sein.

In antiken Athen war es gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Mann eine Frau heiraten musste. Warum? Weil Homosexualität die Ist-Norm war. Was denkst Du denn, was Sokrates und Platon waren ? Andere Zeiten, andere Sitten. 

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Ich denke, dass du deinen Lehrer da missverstanden hast.

Heutzutage wird sich viel über frühere Zeiten aufgeregt, weil man von heutigen Wertmaßstäben ausgeht. Damalige Vorkommnisse kann man aber nur verstehen (das heißt ja nicht "billigen"), wenn man die entsprechenden Zeiten und ihre damaligen Denkweisen berücksichtigt.

Insofern ist das Wort "tolerieren" hier nicht angebracht, und ich bezweifele, dass dein Lehrer das so gemeint hat.

Unsere Zeit hat ihre Wertmaßstäbe, die sich aus dem entsprechenden gesellschaftlichen Konsens ergeben. Eine Ablehnung aller Religionen ist dafür nicht notwendig, denn auch in den religiösen Lehren gibt es ständigen Wandel.

Endlich muss man sich bei aller Überheblichkeit dem Denken früherer Zeiten gegenüber vergegenwärtigen, dass künftige Generationen evtl. auch über unsere heutigen Maßstäbe die Nase rümpfen könnten. Neben sehr viel Toleranz steht einem auch ein Bewusstsein der eigenen Begrenztheit gut an.

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Religion ist Mystik und ist eigentlich in einer Staatlichen Schule fehl am Platze! Ich frage mich schon immer, warum man so eine Pseudowissenschaft an einer staatlichen Hochschule studieren kann! Im Disput mit deinem Lehrer würde ich an deiner Stelle nicht zu weit gehen, um keine schlechten Zensuren zu bekommen, denn für einen eingehandelten Nachteil gibt mir niemand etwas.

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Kommentar von webernils
24.01.2016, 23:03

Vielen Dank. Du sprichst mir mit deiner Antwort aus der Seele! Die leider notwendige Diplomatie im Rahmen meiner Stellung als Schüler ist verständlich und ich werde selbiger (wohl leider) Folge leisten. Einen schönen Abend wünsche ich!

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dein bewußtsein ist noch nicht ausgebildet!

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Ob das deinen Notenschnitt senkt weiß ich nicht, kommt auf die Lehrerin an. Meiner Meinung nach ist Religion noch zeitgemäß, denn auch ich glaube an Gott und habe Argumente, warum ich an Gott glaube. Wenn es jemand interessiert, einige Argumente findet man auf meinem Profil, oder man ließt sich ein paar Antworten von Fragen durch, die ich beantwortet habe.
Du kannst ja auch mal einen Pfarrer oder andere Religionslehrer fragen, was er/sie zu den Textstellen sagt.

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Kommentar von Meatwad
24.01.2016, 23:06

Da muss man nicht auf dein Profil gehen. Du schreibst ja unter jede Frage zum Thema Religion exakt den selben Dünnpfiff.

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Kommentar von webernils
25.01.2016, 00:00

Von Religion halte ich rein gar nichts. Werde dieses Thema eventuell auch in eine andere Frage einbauen, aber zum jetzigen Zeitpunkt empfinde ich kein Bedürfnis, mich mit Anachronismen auseinanderzusetzen. Schönen Abend!

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