Freies unbezahltes Praktikum wegen Mindestlohngesetz (MiLoG) überhaupt möglich?

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3 Antworten

Der Gesetzgeber hat gemäß §22 MiLoG folgende Ausnahmen festgelegt:

1. Pflichtpraktikum im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder
Studienordnung oder im Rahmen einer Ausbildung an einer gesetzlich
geregelten Berufsakademie.

2.Praktikum von maximal drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder ein Studium.

Orientierungspraktikum: Findet in der Regel vor der
Wahl eines Studienfachs oder einer Ausbildung statt, es dient der Berufsorientierung, daher der Name. Dafür ist keine Einschreibung notwendig. Orientierungspraktika sind nach Abschluss eines Studiums in der Regel nicht möglich, Zitat der IHK Frankfurt: „Nach einem Bachelor-Abschluss ist in der Regel die fachliche Orientierungsphase
abgeschlossen (vgl. BT-Drs. 18/2145 S. 23). Eine Ausnahme vom Mindestlohn nach § 22 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 MiLoG dürfte es insofern regelmäßig nicht geben. Prüfungen des Einzelfalls sind davon unbenommen.“

3.Praktikum von maximal drei Monaten begleitend zu einer Berufs- oder Hochschulausbildung, sofern nicht bereits zuvor ein solches Praktikum beim gleichen Ausbildenden absolviert wird.

Begleitendes Praktikum: Ist synonym für „freiwilliges
Praktikum“. Ein studienbegleitendes Praktikum, welches dann
logischerweise erfordert, dass der/die Praktikant/in eingeschrieben ist.Dabei ist es ohne Bedeutung, ob der Bachelor oder Master bereits erreicht ist und nur noch Rest-Immatrikulationszeit besteht oder ob noch
Prüfungen ausstehen – immatrikuliert ist immatrikuliert [Quelle:
Mindestlohn-Hotline, 2 unabhängige Anrufe]. Begleitende Praktika sind bis zu 3 Monate nicht mindestlohnpflichtig. Ein Praktikant kann bei einem Unternehmen nur genau ein begleitendes Praktikum ohne Mindestlohnpflicht absolvieren. Jedes weitere begleitende Praktikum wäre mindestlohnpflichtig.

4.Einstiegsqualifizierung nach § 54a SGB III (EQJ-Programme) oder Berufsausbildungsvorbereitung nach §§ 68 bis 70 Berufsausbildungsgesetz.

Infografik, kurz und bündig:

https://blog.lecturio.de/wp-content/uploads/2014/09/MiLo-Praktikantencheck\_V2.jpg

Minderjährige sind vom Mindestlohn ausgeschlossen, es sei denn, sie haben eine abgeschlossene Berufsausbildung.

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Wenn du arbeitslos bist, dann kenne ich Praktika hier nur als eine Art Arbeitserprobung oder im Rahmen einer Maßnahme des JC. In beiden Fällen ist die Dauer auf 2 Wochen begrenzt. Allerdings wird dann von 30 Wochenstunden ausgegangen.

Dann gibt es noch die Möglichkeit eines längeren (max. 4 Wochen) dauernden Praktikums, das wird aber nur bewilligt, wenn damit geprüft werden soll, ob der Praktikant für eine angedachte Einstellung geeignet ist.

Die Möglichkeit eines monatelangen Praktikums kenne ich nicht.

Man geht dann ja davon aus, dass der Praktikumsbetrieb einen ökonomischen Nutzen aus deiner Arbeit hat (Wertschöpfung), während die Arbeitslosenversicherung (ALG I) oder der Steuerzahler (ALG II) deinen Lebensunterhalt bezahlen. Genau mit diesem Argument wird begründet, warum die zeitliche Begrenzung auf 2 Wochen festgelegt wurde.

Allerdings wundert mich deine Einschränkung "unter 15 Wochenstunden".
Ein Praktikum soll ja immer eine möglichst realistische Arbeitssituation abbilden, allerdings mit angepassten Leistungserwartungen.

Aber ein "Praktikum" mit unter 3 Stunden täglich oder nur 2-3 Tagen wöchentlich entspricht ja diesem Arbeitsalltag nun gar nicht.

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