Frage von gueguense, 43

Freiberufler im Ausland mit deutschem Auftraggeber - wie verhält es sich mit der Einkommensteuer?

Hallo, in meiner speziellen Situation stellt sich mir die Frage, ob ich Steuern nach Deutschland oder in meinem neuen Aufenthaltsland abführen muss. Ich bin Ingenieur und seit Kurzem als Freiberufler für ein deutsches Privatunternehmen beratend tätig. Im Rahmen der Tätigkeit, die Dienstreisen in der Region beinhaltet, unterstütze ich Umfragen im Kältesektor, später kommt vielleicht die Unterstützung von Demonstrationsvorhaben hinzu. Aufgrund des Berufsbildes nehme ich an, dass ich zumindest kein Gewerbe (nach deutschem Steuerrecht) anmelden muss und mir die Umsatzsteuer somit erspart bleibt. Meine Haupteinnahmequelle wird auf absehbare Zeit voraussichtlich recht deutlich das Beraterhonorar durch die deutsche Firma sein, die keine ausländische Filiale in meinem Aufenthaltsland oder der Region hat. Das Beraterhonorar werde ich ausserdem auf mein deutsches Konto beziehen. Mit lokalen Firmen und Organisationen stehe ich bereits in Kontakt mit der Aussicht auf zumindest kleinere Aufträge, das ist aber im Moment noch recht vage, falls vorteilhaft liesse es sich vielleicht etwas aufschieben.

In Deutschland habe ich keinen Wohnsitz mehr, auch keine Immobilien oder Grundbesitz, und bin auch nicht mehr in Deutschland gemeldet. Falls in meiner Situation vorteilhaft, könnte ich jedoch ein Zimmer in meinem Elternhaus geltend machen, das ich prinzipiell auch noch nutzen könnte. Bis April 2016 habe ich noch in Deutschland gewohnt und dort mein Gehalt bezogen, nach Ablauf der befristeten Anstellung bin ich mit meiner von dort stammenden Ehefrau nach Nicaragua ausgewandert. Aufenthalte in Deutschland sind nur noch als unregelmässiger Besuch bis 1 Monat im Jahr geplant.

Falls es mehrere Möglichkeiten geben sollte, wie ich mit der Situation verfahren kann, welche Variante wäre vorteilhaft? Wäre dann eine nachträgliche Änderung der Zuständigkeit (Finanzamt in Deutschland oder in Nicaragua) überhaupt noch möglich? Vielen Dank für Unterstützung und hilfreiche Tipps!

Antwort
von wfwbinder, 27

1. Gewerbe und Umsatzsteuer hat keinen ursächlichen Zusammenhang.

2. Natürlich kein Gewerbe, denn Ingenieur freier Beruf.

3. Um die Situation beurteilen zu können, müsste man Dein Wohnsitzland kennen.

4. Umsatzsteuer könnte Dir übrigens egal sein, denn die kannst Du ja auf das Honorar aufschlagen, denn der Auftraggeber kann ja abziehen (falls überhaupt welche anfällt).

5. Vermutlich ist es so, dass Du selbst keine Umsatzsteuer aufschlägst und abführst, denn Ort der sonstigen Leitung ist (wenn Dein Wohnsitzland in der EU liegt) Deutschland sein wird (weil die sonstige Leistung dort als erbracht gilt, wo der Auftraggeber seinen Sitz hat.

6. Einkommensteuer wirst Du im Wohnsitzland zahlen, weil dort Deine Betriebsstätte ist.

Kommentar von gueguense ,

Besten Dank für die aussagekräftige Antwort!
zu 3: Nach welchen Kriterien ist denn das Wohnsitzland festzumachen? Wie ich zu Beginn versucht habe auszuführen: Aufenthalt > 200 Tage im Jahr in Nicaragua also Nicht-EU, in Deutschland kaum mehr als ein Monat im Jahr. Auf Dienstreisen in der Region und Lateinamerika können noch einige Tage abfallen.
Falls Deutschland als Zuständigkeitsland für mich vorteilhaft ist, könnte ich wie gesagt aber auf ein Zimmer verweisen, das mir noch zur Verfügung steht.
zu 5: hier habe ich nicht ganz verstanden, weshalb sich die Umsatzsteuer vsl. erübrigen würde.. Ansonsten ist aber Punkt 4. ja ein sehr guter Hinweis.

Kommentar von wfwbinder ,

Den Wohnsitz hat man da, wo einer Wohnung besteht, die für den dauerhaften Aufenthalt geeignet ist.

Ersatzweise der gewöhnliche Aufenthalt, wäre dann wohl Nicaragua.

Es würde in Nicaragua vermutlich keine Umsatzsteuer anfallen.

Kommentar von gueguense ,

Alles klar, danke!

Antwort
von MenschMitPlan, 30

Das sollte mit einem Steuerberater besprochen werden! 

Als Freiberufler meldest du kein Gewerbe an, das ist richtig. Aber meines Erachtens erzielst du in Deutschland umsatzsteuerpflichtige Einnahmen.

Kommentar von gueguense ,

Danke für die schnelle Antwort, das ist sicher ratsam! - ich versuche gerade hier vor Ort an einen zuverlässigen Steuerberater heranzukommen, und dann je nach Bedarf noch jemand von deutscher Seite dazuzuholen.
Dürfte ich erfahren weshalb Du meinst, dass ich in Deutschland umsatzpflichtige Einnahmen erziele?

Kommentar von MenschMitPlan ,

Du bist Unternehmer, führst sonstige Leistungen an einen anderen Unternehmer im Inland aus. Damit sind die Tatbestände für steuerbare Umsätze erfüllt. Grund für Steuerbefreiung kann ich nicht erkennen, demzufolge auch steuerpflichtig. Bei Umsätzen kleiner als 17.500 € greift die Kleinunternehmerregelung, bei der keine Umsatzsteuer erhoben wird.

Kommentar von MenschMitPlan ,

Wobei man jetzt noch genau wissen müsste, ob du Wohnsitz bzw. gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hast. Bist du im EU-Bereich ansässig, würde Reverse-Charge-Verfahren gelten mit Nettorechnungen. Der Rechnungsempfänger würde Steuer abführen, du hättest aber Meldepflichten.

Kommentar von gueguense ,

Danke für die weitere Ausführung! Da hatte ich wohl in meinen Gedankengängen Gewerbe und Umsatzsteuer nicht klar getrennt. Wohnsitz dürfte vermutl. auch steuerrechtlich Nicaragua somit Nicht-EU sein. Siehe dazu auch die weitere Antwort durch wfwbinder.

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