Frage von AlexQandA, 43

Fragen vergessen, während sie gestellt werden?

Hallo. In letzter Zeit kommt es bei mir immer öfter vor, dass wenn ich an einem Gespräch teilnehme oder mir jemand eine Frage stellt, ich schon bevor ich antworte vergesse worum es eigentlich ging.

Es ist mir jetzt schon öfter passiert, dass mich ein/e Lehrer/in im Unterricht was fragt und obwohl ich die Frage, während sie gestellt wird verstehe und auch darauf antworten könnte,bei der Formulierung meiner Antwort nicht mehr genau weiß was eigentlich gefragt wurde.

Genau so ist es auch bei Texten. Ich lese sie gründlich und versteh sie, aber wenn ich dann was dazu schreiben will weiß ich nicht mehr was eigentlich in dem Text stand.

Kennt jemand von euch dieses Problem? Oder hat einen hilfreichen Rat um das Problem zu beheben?

Antwort
von Naiver, 14

Hallo AlexQandA..., jo: "Der Fluch der hohen Begabung!", nicht?
Ich musste mich mal neurologisch mit deinem Thema beschäftigen. Wie sich später zeigte, halfen straff trainierte Konzentration und Denkdisziplin dabei.
Dein Text klingt so, als wenn dir die Erarbeitung solcher Fragen (darauf kommts an!) entweder nicht nötig war oder dir so leicht fiel, dass eben (Achtung!) ...letztlich keine Merkspur bei dir dafür nötig war!  Eine süße Frau oder deine Lieblingsmarke/-farbe/-musik hättest du dir sehr bewusst gemerkt...! :- )

Du könntest jene Frage also auch beim nächsten Mal ganz lässig beantworten; deshalb lohnte es sich nicht, sie besonders zu merken. Das Hirn arbeitet recht leistungsökonomisch - allzu leichte Fragen oder solche, die nicht gerade zentral wichtig sind, werden schlicht nicht bearbeitet/registriert.
Deshalb nicken Hochtalentierte im Unterricht, "alle klar!" Und merken sich den Stoff deshalb nicht...!  Viele kennen dann das Drama der versauten Klausuren, trotz bester Mitarbeit im Stoff! ... Da die Frage schon beim Stellen schnell und leicht zu beantworten war, flattern tausend andere Dinge in den Kopf (du weißt eben zuviel!;) und zertrampeln dir eine etwaige Merkspur!

Mein Tipp für eine Lösung: Übe es (spasseshalber) mal, ein fremdes mehrsilbiges Wort, "Zebrastreifenrandbeschleuniger" nicht flott und gekonnt auszusprechen, sondern überlege dir bitte genau und durchgängig, WAS du im Mund mit Gaumen/Zunge/Lippen im einzelnen für die Lautbildung machen musst. Das klingt blöd, es trainiert dich aber dabei, ganz automatische, dir eben "spontane" Aktionen bewusst zu machen. Je häufiger du es dir damit anerziehst/trainierst, auch auf eigentlich selbstverständliche Kleinigkeiten zu achten, desto weniger fallen dann Einfachheiten aus dem Kurzzeitgedächtnis wieder zurück ins Unbewusste. Die wichtige "Merkspur" wurde gelegt!

Eine weitere Übung aus der Konfliktkommunikation wird weiter helfen... Das "aktive Zuhören".
Es wird oft falsch verstanden... es geht nicht nur ums genaue Zuhören dabei, sondern um die sogenannte Paraphrase. Dir erzählt jemand etwas von sich(!) - also vielleicht nicht gerade dein gesteigertes Interesse. So, und dann beginnt er mit Gefühlen und wie beschissen das war und weshalb und so und überhaupt wieso und außerdem...   Du folgst ihm wahrscheinlich betroffen nickend. Aber vielleicht rauscht auch nur alles an dir vorbei.

Egal, dann nimmst du seinen Arm, unterbrichst ihn kurz in seinem Redeschwall (nach ca 3 Minuten): "Warte, lass mich gerade nachfragen, ob ich das auch alles richtig verstanden habe..." und wiederholst ihm bitte genauest, was du von ihm in den 3 Minuten gehört und verstanden hast - okay?
Nur ohne jede Bewertung neutral wiederholen. Du must dir also dabei genauest merken, was in der anderen Person vorging, welche Konsequenzen, was andere dazu sagten und... <= Glaub mir, in 180 Sekunden können sich verflucht viele Details ansammeln!

Nach einer Woche des Trainings, werden dir scheinbare Unwichtigkeiten im Unterricht oder im Gespräch mit anderen nicht mehr einfach entfallen, weil du dir dann immer automatische jene "Merkspur" legst!  *Fingerschnipps* :- ) Toi-toi-toi!

Der letzte Rat, ne Art Fallschirm...
Nach ein paar Worten, Floskeln, Zwischenfragen: "Und wie war jetzt die Frage nochmal genau?" ;- )
Für jemanden, der sich also sehr mit der Frage beschäftigt, ist dieses Nachfragen bestimmt sogar im Abitur erlaubt! *zwinker*


Kommentar von AlexQandA ,

Danke für deine ausfürlich Antwort ;) Ich werde mal die übungen auaprobieren.

Kommentar von Naiver ,

Toi-toi-toi dir dazu.
Wie sehr diese Übungen helfen können, ist klar, nicht wahr? Sie sind beide sehr schwer, trainieren aber ungeheuer effektiv genau das, was dir fehlt: Das schnelle und eben bewusste Aufnehmen des Stoffes auch, wenn bekannt und das Einsortieren (die Merkspur) zum einfachen und richtigen Wiederfinden. Man weiß genauuu, dass man es kennt und es liegt auch auf der Zunge, aber... Mist, es kommt oft nicht heraus!
Ich betonte das hier noch einmal, weil es nun wichtig ist, dass du bei diesem Hirntraining (das ists nämlich) nicht nachlässt, gar aufgibst...! Der Trainingserfolg komnmt mit der Wiederholung.

Auch gut der Einsatz eines Diktiergerätes:
Lies dir einen komplizierten Artikel über Politik, Wirtschaft... aus der Zeitung oder irgendein langweiliges Vereinsvorstandstagungsprotokoll durch und berichte dann aus dem Kopf (ohne nachzuschauen!) drei Minuten davon auf Band. Je öfter du dich abhörst - und deine Schwächen erkennst - desto erfolgreicher dein Erfolg dabei! *Daumendrück* :- )

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