Frage von SirisGreen, 70

Frage zur Entwicklung der Islamischen Länder?

Hi, bis ca. 1200 nach Christus war ja die goldene Zeit des Islams, mit al-chwarizmi, sina, nafis etc. die große Entdeckungen auf allen möglichen Gebieten erreichen konnten. Diese Länder um Bagdad waren damals ja wesentlich fortschrittlicher als Europa, was hat dazu geführt das in solchen Ländern heute nur noch die Gewalt bzw. Terrororganisationen regieren? Gab es da irgendein schlüsselereigniss welches zum "fall" ihrer Fortschrittlichen Zivilisation geführt hat? Vielleicht ein Historiker oder so anwesend der mir das beantworten kann?

Danke

Antwort
von SibTiger, 39

 In Norbert G. Pressburgs Buch "Good Bye Mohammed" wird der Existenz eines sogenannten "Goldenen Zeitalters" im Islam ziemlich ausführlich widersprochen. Zumindest in der Hinsicht, dass es etwas mit der Religion zu tun hatte. 

Man kann natürlich eine andere Meinung haben, aber nach Pressburgs Einschätzung gab es nie ein goldenes Zeitalter der islamischen Wissenschaften. Es gab zwar eine goldene Zeit der arabischen Wissenschaft, die aber ein Ende fand, je mehr sich der Islam als dominierende Religion etablierte. 


Antwort
von atzef, 52

Wirf einen Blick auf die Entwicklung der Weltwirtschaft, auf die ständige Verlagerung ihrer dynamischen Epizentren... War das 19. und 20. Jahrhundert vom nordatlantischen Wirtschaftsraum geprägt, so erleben wir gerade dessen Ablösung durch den südostpazifischen...z.B.

Bezüglich der islamischen Länder hat natürlich auch der Imperialismus der Kolonialmächte zu wirtschaftlicher und sozialer Rückständigkeit beigetragen...

Da kommen viele Faktoren zusammen...

Kommentar von earnest ,

Hier sollte die innere Erstarrung der islamischen Länder nicht vergessen werden. Die Weltoffenheit war nach der "Goldenen Zeit" vorbei.

Kommentar von atzef ,

Wobei ja auch gerade die der Erklärung bedarf.... Ohne jetzt wirklich mit Detailkenntnissen gesegnet zu sein, fällt auf, dass die imperiale Übernahme der arabischen Welt durch die Osmanen mit dem Einleiten dieser Erstarrung zusammenfällt...

Kommentar von earnest ,

Ich sehe die Hauptgründe für die Erstarrung eher im religiösen Bereich: zum Beispiel der Auffassung, daß man mit dem Koran über ein hinreichendes (und allein gültiges) Welterklärungsmodell verfügte.

Wer MUSS denn da noch forschen? Nächste Frage: Wer DARF denn da noch forschen? Es könnte sich ja erweisen, daß das koranische Welterklärungsmodell eben NICHT hinreicht ...

Damit verbunden: die Zunahme der Intoleranz gegenüber den "Ungläubigen", was zu einer weiteren Abschottung und Isolierung führte. So entstand eine Art Teufelskreis.


Kommentar von atzef ,

Das kann aber keine Ursache sein! Aus der man dann diese Erstarrung linear ableiten könnte. Methodisch wie empirisch macht das doch das sich zeitgleich fest in den Händen inquisitorischer christlicher Hinterwälder befindliche Europa deutlich.

Das ist also eher eine Bedingung...

So aus dem Handgelenk fiele mir z.B. als eine weitere Rahmenbedingung der schnöde Umstand ein, dass die islamische Welt Nordafrikas und des Nahen Osten überhaupt über keine nennenswerten Rohstoffe verfügt - mal abgesehen vom Erdöl, das aber am Beginn der Neuzeit noch weitgehend nutzlos ist...

Antwort
von aelpler, 28

Für diese Erstarrung nach der sogenannten Blütezeit des Islam gibt es zwei Gründe:

Gemäss gängiger Lehrmeinung enthalten Koran, Hadithen und Scharia abschliessend alle Informationen, welche für die Menschheit relevant sind. Abweichungen sind nicht zulässig. Bei scheinbaren Abweichungen der Lehrmeinungen wurden vielfach die Werke früherer Gelehrter vernichtet.

Die Gelehrten von damals waren zuallermeist keine Muslime, sondern Christen und Juden, welche ihre Erkenntnisse auf Arabisch niederschrieben.  Die Christen und Juden sind längst vertrieben worden.

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