Frage von Waddafack, 56

Frage zum Verhältnis der Wahlmännerstimmen und des popular votes bei den US-Präsidentschaftswahlen?

Also bei dieser Wahl 2016 sehen die Zahlen ja so aus: Trump: 306 Wahlmänner | 61,1 Millionen votes im popular vote Clinton: 232 Wahlmänner | 62,4 Millionen votes im popular vote

Obwohl Clinton 1,3 Mio Stimmen mehr hat, hat Trump also bei den Wahlmännern einen extrem deutlichen Vorsprung von 74 Wahlmännern.

Mich würde jetzt das interessieren: Wie groß könnte die Differenz der beiden im popular vote sein (nehmen wir für das Bsp. mal Clinton als die, die im popular vote siegt) und Trump würde trotzdem mit mindestens 1 electoral vote stimme die Kandidatur gewinnen?

Für diese Berechnung bitte mal ausblenden, dass einzelne Staaten schon immer demokratisch/republikanisch gewählt haben.... einfach mal angenommen alle Staaten wären swing states und die Wahlmänner werden nach dem Prinzip winner-takes-all vergeben.

Danke

Antwort
von Panazee, 22

Eine Daumen mal Pi Rechnung wäre, dass es sich ein Kandidat erlauben kann in etwas weniger als der Hälfte der Bundesstaaten absolut keine Stimme zu bekommen, wenn er in allen anderen Bundesstaaten 50,1% bekommt.

Hier ist allerdings nicht eingerechnet, dass nicht jeder Bundesstaat gleich viel Wahlmänner entsendet und in z.B. Wyoming 187.000 Einwohner einen Wahlmann wählen (580.000 Einwohner - 3 Wahlmänner), während in Kalifornien 677.000 Einwohner einen Wahlmann entsenden (39.000.000 Einwohner - 55 Wahlmänner). Eine Stimme in Wyoming ist also mehr wert als eine in Kalifornien. Bekommt man in Kalifornien 50,1%, dann bekommt man halt gleich 55 Wahlmänner zugeschlagen.

Ich tippe also Daumen mal Pi darauf, dass im günstigsten Fall so knapp über 20% aller Stimmen reichen könnten. 25,05% reichen, wenn man die Rechnung, 50% aller Staaten + einen weiteren Staat mit 50,1% gewinnen und alle anderen Staaten mit 0 Stimmen verlieren, aufmacht. Aufgrund der Ungleichheit der Stimmen sind es aber sogar noch weniger, wenn man die "richtigen" Staaten gewinnt. Ich würde sagen knapp über 20% könnten im allergünstigsten Fall reichen. Allerdings nur hypothetisch, denn es wird nicht vorkommen, dass ein Kandidat in der Hälfte aller Staaten gewinnt und in allen anderen gar keine einzige Stimme bekommt.

Antwort
von hawking42, 2

Ich habe einmal folgende Annahme gerechnet:

  • jeder Staat hat den Wahlmodus "winner takes it all"
  • Einwohner pro Wahlmann aus https://de.wikipedia.org/wiki/Wahlmann
  • Der Anteil der Wahlberechtigten sich über alle Bundesstaaten homogen verteilen, d.h. das Verhältnis Einwohner / Wahlmann  ZU Wahlberechtigter / Wahlmann ist in jedem Bundesland ähnlich.

Der ungerechteste Gewinn ist dann gegeben, wenn man möglichst viele Wahlmänner mit möglichst wenig Stimmen bekommt, d.h. der Wert Einwohner/Wahlberechtigte pro Wahlman möglichst gering ist.

1.) Staaten nach Einwohner pro Wahlmann sortiert (Staat)

2.) je Staat die Anzahl der notwendigen Stimmen (50%-Votes) festlegen

3.) Von oben nach unten die Summe der Electors accumulieren und den Anteil zu der Gesamtzahl bestimmen (Elect-Share)

4.) Ebenfalls von oben nach unten die Summe der 50%-Einwohner (US-Pop-Share)

50% der Wahlmänner sind mit einschließlich Georgia erreicht und das entspricht etwa 22% der US-Bevölkerung (22% sind die hälfte der Bevölkerung in diesen Staaten.

Das ist dann sozusagen das Szenario mit möglichst wenig Anhängern zu gewinnen. Will man mit möglichst wenig Staaten gewinnen, muss man die Zählung sortiert mit den meisten Wahlmännern machen.

Die Liste hier:

Staat;Wahlmänner;Einwohner/Wahlmann;50%-Votes;Elect-Share;US-Pop-Share

Wyoming;3;187875;281813;0,55%;0,09%
Washington, D.C.;3;200574;300861;1,11%;0,18%
Vermont;3;208580;312870,5;1,67%;0,29%
North Dakota;3;224197;336295,5;2,23%;0,39%
Alaska;3;236744;355115,5;2,78%;0,51%
Rhode Island;4;263142;526283,5;3,53%;0,68%
South Dakota;3;271393;407090;4,08%;0,81%
Delaware;3;299311;448967;4,64%;0,96%
New Hampshire;4;329118;658235;5,39%;1,17%
Montana;3;329805;494707,5;5,94%;1,33%
Maine;4;332090;664180,5;6,69%;1,55%
Hawaii;4;340075;680150,5;7,43%;1,77%
Nebraska;5;365268;913170,5;8,36%;2,06%
West Virginia;5;370599;926497;9,29%;2,36%
Idaho;4;391896;783791;10,03%;2,62%
New Mexico;5;411836;1029589,5;10,96%;2,95%
Nevada;6;450092;1350275,5;12,08%;3,39%
Utah;6;460648;1381942,5;13,19%;3,83%
Kansas;6;475520;1426559;14,31%;4,3%
Arkansas;6;485986;1457959;15,42%;4,77%
Mississippi;6;494550;1483648,5;16,54%;5,25%
Iowa;6;507726;1523177,5;17,65%;5,74%
Connecticut;7;510585;1787048,5;18,95%;6,32%
South Carolina;9;513929;2312682;20,63%;7,07%
Minnesota;10;530393;2651962,5;22,49%;7,93%
Alabama;9;531082;2389868;24,16%;8,7%
Oklahoma;7;535907;1875675,5;25,46%;9,31%
Kentucky;8;542421;2169683,5;26,95%;10,01%
Oregon;7;547296;1915537;28,25%;10,63%
Colorado;9;558800;2514598;29,92%;11,45%
Washington;12;560378;3362270;32,15%;12,54%
Louisiana;8;566672;2266686;33,64%;13,27%
Wisconsin;10;568699;2843493;35,5%;14,19%
Tennessee;11;576919;3173052,5;37,54%;15,22%
Maryland;10;577355;2886776;39,4%;16,15%
Arizona;11;581092;3196008,5;41,44%;17,19%
Indiana;11;589437;3241901;43,49%;18,24%
Massachusetts;11;595239;3273814,5;45,53%;19,3%
Missouri;10;598893;2994463,5;47,39%;20,27%
Georgia;16;605478;4843826,5;50,37%;21,84%
Virginia;13;615463;4000512;52,78%;23,13%
Michigan;16;617728;4941820;55,76%;24,74%
New Jersey;14;627992;4395947;58,36%;26,16%
Pennsylvania;20;635119;6351189,5;62,08%;28,22%
North Carolina;15;635699;4767741,5;64,86%;29,76%
Ohio;18;640917;5768252;68,21%;31,63%
Illinois;20;641532;6415316;71,93%;33,71%
Florida;29;648321;9400655;77,32%;36,75%
Texas;38;661725;12572780,5;84,38%;40,82%
New York;29;668210;9689051;89,77%;43,96%
Kalifornien;55;677345;18626978;100%;50%

Antwort
von iokii, 30

Ich glaub es waren in etwa 23% der Stimmen, die man mindestens braucht.

Edit: Hier wurde das schon mal diskutiert. Wenn man von lächerlichen  Szenarien absieht (in manchen Staaten wählt nur ein Mensch), kommt man auf 21,3%.

https://www.quora.com/Mathematically-what-is-the-minimum-popular-vote-a-successf...

Kommentar von Waddafack ,

Danke für die Antwort ;) .... verrückt.

Kommentar von Maxieu ,

Gab es aber in der Geschichte schon häufiger - in den europäischen Demokratien funktioniert(e) das über die sog. "Wahlkreisgeometrie", den Zuschnitt unterschiedlich großer Wahlkreise je nach mutmaßlicher Couleur der Wählerschaft.

Das spielt in der BRD aber eine vergleichsweise geringe Rolle
(u. a. wegen der Ausgleichsmandate für Überhangmandate).

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