Frage von Monsterschleck, 57

Frage zu Meditation (Achtsamkeit)?

Heyho, ich meditiere jetzt seit drei wochen und wollte fragen, wann sich die positiven Eigenschaften der Meditation ungefähr bemerkbar machen(konzentrierter, selbstbewusster etc.)? Ne ungefähre Zeitangabe will ich nur wissen, weil ich manchmal zur Ungeduld neige^^

Antwort
von Enzylexikon, 30

Ich bin Buddhist und habe einige Jahre Meditationserfahrung, daher werde ich versuchen dir etwas weiterzuhelfen. :-)

Das Problem ist, dass viele Menschen die Meditation als eine Technik ansehen, mit der sie ihren jetzigen Zustand irgendwie optimieren können - sie meditieren um entspannter, oder konzentrierter zu werden.

Das ist aber nicht nur ein Missverständnis im Bezug darauf was Meditation eigentlich ist - es ist keine Technik um sich ruhig zu machen - sondern sie haben eine bestimmte Erwartungshaltung. Diese Erwartungen wiederum sorgen nur für noch mehr Gedanken.

"Einatmen...Ausatmen....ich fühle mich schon viel entspannter...Einatmen... Ausatmen.... wow, ich bin gar nicht ungeduldig....Einatmen....Ausatmen.... Einatmen...bin ich jetzt entspannt?...Ach, ich soll ja nicht denken.... Ausatmen....wie lange dauert es wohl bis ich entspannt bin...?"

Meditation vergisst das Leistungsdenken vollkommen - es gibt nichts zu erreichen, es zählt nur der Augenblick der Erfahrung.

Wenn ich dir jetzt verspreche

"Nach einem Monat kannst du dich optimal konzentrieren"

Wem ist damit geholfen?

Der Monat hat 30 Tage. Wenn du jeden Tag meditierst, wird bei dir immer wieder der Gedanke aufkommen "Wow...noch 25 Tage....24....23...."

Dann sitzt du 30 Tage lang täglich 45 Minuten lang rum und träumst davon, wie toll du dich konzentrieren können wirst.....das ist keine Meditation.

Schließlich ist der Monat rum und du stellst enttäuscht fest, dass sich gar nichts bei dir geändert zu haben scheint - eben weil du gar nicht meditiert hast, sondern in deinen Erwartungen festhingst.

Mein Tipp:

Vergiss irgendwelche "Ziele" bei der Meditation. Versuche nicht, irgendetwas herbeiführen zu wollen, oder herbeizuwünschen. Das alles hindert dich daran, den Fluss deiner Gedanken vorbeiziehen zu lassen.

Bei der Meditation gibt es keinen Fortschritt.

Jede Erfahrung ist einzigartig und kann nicht wiederholt werden.

Gestern hattest du vielleicht das Gefühl, kurz vor der Erleuchtung zu stehen und ewig so meditativ sitzen zu können - heute tun dir schon von der ersten Minute an die Beine weh und deine Gedanken schweifen ab.

Das ist kein "Rückschlag" - denn wo es keinen Fortschritt gibt, da kann es auch keine Rückschläge geben. ;-)

Jedes Sitzen, jede Meditation, ist gut so, wie sie ist. Die bewusste Erfahrung der Achtsamkeit alleine ist völlig ausreichend.

Mehr braucht es nicht. :-)

Kommentar von Monsterschleck ,

Erstmal danke für die ausführliche antwor DH! Aber so ca vor ner woche, war ich plötzlich tagelang richtig energiegeladen, spontan, selbstbewusster undso. Und diese woche is das irgendwie wieder total zurückgegangen, wahrscheinlich mache ich mir einfach nur sorgen^^

Kommentar von Taimanka ,

selbstverständlich gibt es unterschiedliche Entwicklungen, je mehr und regelmäßiger man in dem Zustand ist, es ist eine Geistschulung. Tibetanische Mönche z.B., die nichts anderes tun und taten, als täglich über Stunden zu meditieren, haben einen anderen Status als diejenigen, die anfangen. Erstere haben ihren Geist perfekt "unter Kontrolle".

Kommentar von Enzylexikon ,

selbstverständlich gibt es unterschiedliche Entwicklungen

Selbst wenn es so wäre - wem hilft diese Aussicht?

Nur ein Verkäufer oder Sekten-Anhänger wird irgendwelche Lockangebote machen:

"In 30 Tagen erleuchtet! Sie wollen es noch schneller? Mit unserem Meditations-Superkurs brauchen sie nur halb so lange!"

Dieses "Mund wässerig machen" oder das Blaue vom Himmel versprechen, hilft niemandem weiter finde ich.

Es ist für den Meditierenden völlig egal, ob der Mönch neben ihm schon zehn Jahre Erfahrung hat - davon kann er sich selbst nichts kaufen.

Meiner Meinung nach hat die Meditation zwar Wirkung auf den Menschen, aber ich denke nicht, dass man Fortschritte macht.

Da sagt zB jemand;

"Ich bin jetzt viel schneller im Samadhi"

Soso, "Ich" bin im Samadhi? Dann trennt man offenbar immer noch zwischen sich selbst und der Erfahrung. Wann immer man von Fortschritt bei einer Entwicklung spricht, verpasst man meiner Meinung nach den eigentlichen Punkt.,

Natürlich habe ich an mir auch Veränderungen bemerkt, seit ich meditiere - aber das sind für mich lediglich Nebeneffekte, die ich nicht als Fortschritt ansehe, geschweige denn als Ziel setze, die Erfahrung zu wiederholen.

Kommentar von Taimanka ,

Die Schulung des Geistes unterliegt Phasen und Prozeßen. Ich kenne Menschen, die über 3 Jahrzehnte regelmäßig meditieren. Sie reden nicht darüber. Aber wenn Du mit Ihnen redest und sie anschaust, Du das Glück hast, von denen umarmt zu werden, bekommst Du eine Idee. Diese Menschen haben Witz, Verstand, leben und arbeiten wie andere auch. Aber irgendwas ist anders. 

Ich würde diese Entwicklungsprozeß weniger mit den von Dir genannten westlichen Maßstäben wie dem eigenen lauten und ungefragten Outing dazu, einer vergleichenden Zeitmessung, dem erfolgreichen Vermarkten oder irgendwelcher Gewinnprognosen messen. Das sind nämlich genau die Strukturen, in denen wir hier leben und die uns die Birne kirre machen. Leute, die den Kaffee davon auf haben, machen sich auf ihren eigenen Weg. Nach innen

Wir sollten lernen loszulassen. Mary Burmeister hat diesen wundervollen Satz gesagt:

We are human beings, not human doings

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich selbst messe gar nichts, sondern versuche, die Beschränkungen zu zeigen, die in solch einem Denken liegen.

Auch der Gedanke von Fortschritt oder gezielter Entwicklung gehört für mich zum Leistungsdenken.

Ich würde sagen, man entwickelt sich durch die Praxis einfach selbst mit, aber das ist eben der Effekt der Praxis, nicht das Ziel.

Ich sehe den Sinn der Meditationspraxis nicht darin, diese Effekte (Konzentration, Entspannung, Achtsamkeit) gezielt zu erzeugen, so als wären sie ein Endergebnis eines Prozesses.

Diese Dinge geschehen einfach bei der Meditation und sollten meiner Ansicht nach nicht die Motivation für die Praxis sein.

Natürlich erhofft man sich am Anfang irgendetwas, sonst würde man ja nicht mit der Meditationspraxis beginnen, aber ich denke, dieses Zielstreben sollte aufgegeben werden, damit man in der Erfahrung der Meditation aufgehen kann.

Immer Gedanken zu haben die ein Ziel betreffen - bessere Konzentration, Entspannung usw - sind aus meiner Sicht das Gegenteil von Meditation.

Da geht es nicht darum irgendetwas zu werden, sondern darum, einfach zu sein.

Kommentar von Taimanka ,

wenn Du mal bei der TM reinschauen möchtest, kannst Du bestimmt nachvollziehen, was gemeint ist: Das Fliegen.

Entwicklung ist messbar, Pulsfrequenz, Blutbild, Reaktionszeit, Immunwerte, Stresslevel etc.

Diese Entwicklungen unterliegt ebenfalss den ausschließlich ZDF-orientierten Wissenschaften (Zahlen-Daten-Fakten). Das mag schön und interessant sein. Mich interessiert das nicht. Nicht zuletzt deswegen, weil das primäre Ziel, welches hier angepeilt wird, die persönliche Leistungssteigerung ist. Damit sind wir wieder beim alten Thema unserer verkorksten, dumpfen und abgestumpften Leistungsgesellschaft.

Ich rede von der persönlichen Entwicklung, die sich über Jahre und Jahrzehnte im Innenleben der Meditierenden vollzieht. Gottseidank nicht im Zugriff von irgendwelchen messhungrigen Beweiswollern. 

Und Du wirst mir zustimmen, dass sich diese Entwicklung einstellt, da ja wohl auch Du meditierst. 

Es ist das eigene "Bild" in der Seele oder wo sonst man mag, in dem man immer mehr und besser erkennt. 

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich kannte Menschen die TM gemacht haben und habe mich dann auch mal über die Praxis, Geschäftsmodelle usw. informiert.

Ja, im Bezug auf die Persönlichkeit und Selbstwahrnehmung hat Meditation sicher Auswirkungen, das kann ich bestätigen.

Man lernt sich besser kennen, merkt wie man "tickt", wo die eigenen Beschränkungen liegen und kann letztlich mehr über sich selbst schmunzeln, weil man erkennt, wie schrecklich wichtig man sich ständig nimmt.

Kommentar von Enzylexikon ,

wahrscheinlich mache ich mir einfach nur sorgen^^

Ich stecke natürlich nicht in deiner Haut und kann es daher nicht so genau sagen, aber ich weiß natürlich wie mein eigenes Ego tickt, von daher kann ich das vielleicht etwas vergleichen.

Das genau ist nämlich vielleicht der Knackpunkt - man vergleicht. Selbst wenn man nichts besonderes erwartet, vergleicht man.

Gestern war ich so...heute bin ich anders.

Das eine bewertet man positiv und das andere bewertet man negativ.

Aus etwas ganz normalem - mal schlapp zu sein - baut man sich ein großes Psychodrama auf, das immer mehr Eigendynamik bekommt.

"..stimmt etwas nicht mit mir? Diese Schwankungen sind nicht normal! Ich hab gehört, sowas gibt es bei Psychosen! oder waren es doch Depressionen? Vielleicht bin ich manisch-depressiv? Muss ich gleich mal googeln....oh Schreck, die Symptome passen!! Bin ich jetzt krank?"

Dabei hattest du einfach einen ganz normalen Tag, den du negativ bewertet hast.

Schön wenn du gestern konzentriert warst - aber heute ist ein anderer Tag. ;-)

Die Wahrnehmung ändert sich schnell...

Augen zu....Augen auf....eine neue Erfahrung.

Antwort
von NewKemroy, 14

Hast Du die Ungeduld achtsam betrachtet (etikettiert)?

Wenn Du mit Erwartungen meditierst kommt nichts dabei heraus. Meditiere so als ob Du die nächste 100 Jahre, jeden Tag genaus so verfahren würdest. Also ohne zurückzublicken oder voraus schauen zu wollen.

Die Segnungen der Meditation (bessere Konzentrationsfähigkeit, weniger Ängste, usw.) kommen als Geschenke daher. - Sie erscheinen nicht als Lohn für die Arbeit, so als ob man ein Anrecht darauf hätte.

Das Christentum hat ein passendes Wort hierfür: Demut. Wenn Du nichts für Dich selber willst, sondern es alleine zum Wohl anderer Wesen tust, dann ist Deine Meditation wirklich gut.


Antwort
von 007Alkl, 17

Hallo,

ich kann den bisherigen Antworten nur zustimmen. Bei der Meditation kannst Du nicht erwarten, dass Du innerhalb von drei Wochen schon ein Ergebnis erhälst. Die Meditation ist sehr "vielseitig". Evtl. ist ein ganz anderes Thema für Dich wichtig, ein Thema welches Du bisher nicht beachtet hast. Ich meditiere seit 25 Jahren. Ich lasse es einfach geschehen. Das solltest Du auch machen, einfach geschehen lassen. Sobald Du das denken beginnst, ist das keine Meditation mehr. Irgendwann eröffnen sich Dir dann neue Möglichkeiten.

Antwort
von Taimanka, 33

bei regelmäßiger Meditation wirst Du in diese innerliche Ruhe "hineinleben" ca. 4 - 6 Wochen. Darfst das Warten gerne aufgeben, es kommt von alleine. 

🙋🙋

Kommentar von Monsterschleck ,

Mit heineinleben meinst du, das es langsam in den alltag übergeht, oder?

Kommentar von Taimanka ,

ja genau, ich finde das toll, dass Du das machst.

Ich selber mache TM. 

Kommentar von Monsterschleck ,

ja ich denke auch, das es sich lohnen wird! :) Wie lohnt es sich denn für dich?

Kommentar von Taimanka ,

na ja, wer sich hier auf den Weg macht, möchte wohl mehr über sich erfahren, und im gleichen Zug auch über andere, da man "feiner", sensibler und achtsamer wird, kann schneller abschalten und hat letztendlich mehr Energie. 

Antwort
von dhammo, 13

Ja die liebe gute Ungeduld - wer kennt sie nicht?

Erwartungen, dass etwas passieren soll sind ein echtes hindernis für Erfolge, medititere einfach mal ein paat Wochen - mind. 8-10 und zwar regelmäßig - und dann sehe was ist .... als Unterstützung empfehle ich Dir ein Buch und die dazugehörigen 2 CDs.

Schau ma bei amazon unter: Ruheloser Geist trifft Achtsamkeit ....

Lies die Rezensionen und schau obs was für dich ist .... :-)

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