Frage von Mischrainbow, 154

Frage zu Koma?

Hallo.

Seit 11 tagen liegt eine freundin nun im koma. Nach unserer Information wohl im wachkoma. Im Zusammenhang mit einem Herzinfarkt wurde das Gehirn nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt, den genauen Zeitraum der unterversorgung kann niemand bestimmen. Die ärzte haben Untersuchungen gemacht , hirnströme gemessen etc. Es sieht wohl nicht besonders gut aus. Sprachen schon davon die maschienen abzustellen. Nun zu meiner Frage : Wie genau sind diese Prognosen ? Man hört ja immer wieder von Menschen die trotz schlechter Ausgangslage , aufgewacht und wieder "gesund" geworden sind. Sollte man nach 11 tagen wirklich schon urteilen ? Lg

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ASRvw, 32

Moin.

Man sollte - und ich denke das war die primäre Intention der Ärzte - diese Option ins Auge fassen und dann regelmäßig überprüfen, in wie weit es noch Änderungen gibt.

Das große Problem am Gehirn ist, dass Zellen die infolge Sauerstoffmangels absterben, unwiederbringlich verloren sind - und mit ihnen die Informationen oder Steuerungsfunktionen, die sie einst hatten.

Sind davon höhere Hirnfunktionen betroffen, kann der Patient zwar irgendwann auch ohne Maschinen leben, weil die Atmung etc. noch gesteuert wird. Aber er kann möglicherweise nie mehr etwas empfinden, sich artikulieren oder sonstwie ausdrücken und wird langfristig ein Schwerstpflegefall sein.

Sind hingegen Grundfunktionen, wie etwa die Atemsteuerung betroffen, gibt es nie mehr ein Leben ohne Maschinen.

In beiden Fällen ist die Frage dann die, ob ein weiter am Leben erhalten, für den Patienten denn wirklich die beste Wahl ist. Klar, man will den geliebten Menschen nicht verlieren. Aber liebt man ihn denn wirklich, wenn man ihn aus seiner eigenen Verlustangst heraus, um jeden Preis am Leben halten will?

Die Ärzte müssen das untersuchen, auch mit dem Blick in diese Richtung. Vor allem aber, um einen Datengrundlage zu haben, auf der sich bei einer Wiederholung der Untersuchung feststellen lässt, ob sich etwas zum positiven verändert hat oder eben nicht.

Aber die Angehörigen sollten sich bei ihrer Entscheidungsfindung nicht auf diese Ärzte verlassen. Sie sollten sich eine Kopie der gesamten Untersuchungsergebnisse geben lassen, die Krankenversicherung verständigen und sich von dieser einen zum jeweiligen Klinikum unabhängigen Spezialisten empfehlen lassen, um sich dort eine Zweitmeinung einzuholen und zu schauen, ob dieser aus den Daten das gleiche Ergebnis liest.

Aber wenn auch dieser, völlig unabhängig zum gleichen Ergebnis kommt, dann sollten sie offen und bereit sein, auch dieses zu akzeptieren. Sie können sich dann zumindest immer noch damit trösten, wirklich alles versucht zu haben.

Ich weiß, das klingt hart und ist gewiss nicht das was Du hier lesen wolltest. Aber ich habe meine Lebensgefährtin und meine Oma an den Krebs verloren, mit beiden alles versucht und am Ende beide bis zur letzten Schwelle begleitet.

Keinen von beiden habe ich verlieren wollen und ich hätte alles gegeben, sie behalten zu können. Aber wenn man das Leiden und die Qualen sieht, dann erkennt man rasch, dass wahre Liebe heißt, loszulassen.

Beide konnten ihr Leiden, ihre Qualen und Schmerzen ausdrücken und einige Schreie höre ich heute noch. Deine Freundin aber, im Wachkoma, kann sich vielleicht nie mehr ausdrücken. Sie kann unvorstellbare Schmerzen haben, aber kann das vielleicht keinem mehr sagen, nicht mal mehr eine Miene dabei verziehen.

Nach 7 bis 14 Tage sollte man den Bestand aufnehmen, nach 30 Tagen erneut prüfen und dann entscheiden. Was sich nach 30 Tagen der Ruhe und Erholung nicht gebessert hat, wird sich nur in einem Promille noch bessern.

Reicht Dir diese Chance aus, sie mit allen Konsequenzen am Leben halten zu wollen?

Überlege es Dir gut.

ASRvw de André

Kommentar von user8787 ,

Hierbei sollte auch erwähnt werden das evtl. eine Patientenvefügung vorliegen könnte. Dem Willen der Pat. ist hier unbedingt Folge zu leisten. 

Es gibt Menschen die sehr großen Wert darauf legen um jeden Preis am Leben gehalten zu werden. 

Hier haben Angehörige nicht die Möglichkeit sich nach diesen ethischen Gesichtspunkten zu verabschieden. Hier hat die Medizin die Aufgabe bekommen dem Wunsch des Betroffenen nachzukommen. 

Für die Angehörigen eine extrem belastende Zeit.....

Es ist eben nicht so einfach Abschied zu nehmen nur weil man selber meint, das Leben habe so keinen Sinn mehr. Hier steht der Wille des Betroffenen an erster Stelle. 

Auch das ist die Realität und die ist gar nicht so selten. 

Kommentar von ASRvw ,

Moin.

Nun ja, gäbe es hier eine Verfügung, gäbe es die Frage zu den Prognosen wohl nicht.

Allerdings sollte man diese Frage durchaus zum Anlass nehmen, mal für sich selbst darüber nazudenken, rechtzeitig eine solche Verfügung zu machen.

ASRvw de André

Kommentar von Mischrainbow ,

Tut mir leid das ich jetzt erst zum antworten komme & danke für eure lieben antworten.

Wie schon richtig gesagt liegt in diesem Fall keine erleichternde Patientenverfügung vor.

Mein größtes Problem an der Sache ist das der Informationsfluss eher so neben bei läuft. Die momentan Auskunft bekommenden, melden sich nur speerlich, und irgendwie leben sie momentan in einer ziemlichen Illusion. Jedes zucken wird als Lebenszeichen gesehen,von zuckenden Nerven oder nicht bewusst ausgeführten Bewegungen, möchte niemand etwas wissen. Auch werden aussagen scheinbar optimistisch verfälscht. Wir erhalten Informationen von "alles wird gut"bis hin zu "es wäre besser sie gehen zu lassen" durch geschicktes nachfragen auf Station erfuhren wir dann das letzteres der Fall ist.

Es ist extrem beklemmend für mich , ich würde so gerne hoffen , so gerne glauben das alles wieder gut wird. Dabei weiß ich eigentlich das es dort nichts mehr zu halten gibt. Durch einen engen freund erfuhren wir , daß sie danach ein schwerer pflegefall sein wird , sollte sie überhaupt wieder erwachen . Sowas stößt verständlicher weise bei einigen auf taube Ohren. 

Ich weiß einfach nicht an wen ich mich halten soll.

Ich bin die letzte die möchte das sie unnötig leidet.wirklich...Aber dieses auf und ab verwirrt mich.

Lieben dank und liebe grüße

Antwort
von FelixFoxx, 34

Das hängt von der Organfunktion ab. Solange Leber und Nieren funktionieren, besteht auch noch eine Chance. Kommt es aber nach und nach zu Organversagen erst der Nieren und anschließend der Leber, wird der Tod in absehbarer Zeit eintreten.

Antwort
von melinaschneid, 80

Je nachdem wie lange das Gehirn unterversorgt war können gravierende Schäden entstanden sein. Sollten diese so groß sein das ein selbständiges leben ohne Maschinen nicht mehr möglich ist besteht eben die Option die Maschinen auszustellen.

Der menschliche Körper kann sich bis zu einem gewissen Grad selbst regenerieren. Ab einem gewissen Punkt geht das aber nicht mehr. Und glaube mir den Rat die Maschinen auszustellen würden die Ärzte nicht geben wenn sie nicht zu 1000% sicher wären.

Antwort
von 2602Janine, 106

Ich denke, dass die Meinungen da ziemlich auseinander gehen und wir da eh nders denken als jemand, der sowas schon einmal selber mit erlebt hat. Ich persönlich würde aber sagen, dass es zu früh ist. Allerdings spielen da mehrere Faktoren mit. Zum Beispiel, wie sind die Chancen 'danach' .. Sehr schwierig das so zu beantworten.
Ich wünsche trotzdem auf diesem Wege alles Gute und ganz viel Kraft. :-)

Antwort
von Barbdoc, 37

Die Freundin wird künstlich beatmet, sie liegt nicht im Wachkoma! 

Kommentar von user8787 ,

Das stimmt so nicht. 

Künstliche Beatmung (Intubation) ist in der Frühphase der Erkrankung meist erforderlich, wenn das Atemzentrum des Hirns ( z.B. durch Blutungen ode erhöhten Hirndruck ) ebenfalls geschädigt ist.

Kommentar von Barbdoc ,

Warum soll das nicht stimmen? Die Ärzte "sprachen schon davon, die Maschinen abzustellen". Worauf läßt das schließen?

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