Frage zu Kants Text "Was ist Aufklärung"?

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3 Antworten

Hi,- ein Vor-Urteil ist das was der Name sagt und deshalb in jedem Fall ungeeignet, sich an einem gemeinschaftlichen Prozeß einer Entscheidungsfindung zu beteiligen. Eine gemeinschaftliche Entscheidungsfindung (die dann ja auch die gesamte Gemeinschaft betrifft) bedarf vor allem 3 er Dinge:

a) den größtmöglichen und für alle Beteiligten gleichermaßen gegebenen Zugang zu Informationen

b) die Befähigung aller Beteiligten, durch gleichen Zugang zu Bildung die gleiche potentielle Befähigung zu erhalten, diese Informationen mit kritischer Rationalität be- und auswerten zu können sowie

c) ein Verfahren der Kompromiß- oder (im Idealfall) der Übereinstimmungsbildung durchführen zu können, dessen Anerkennung ebenfalls wieder auf der Fähigkeit beruht von einer Befähigung zu kritisch-rationalem Denken Gebrauch machen zu können.

Anmerkung: Ausdrücklich hiervon ausgenommen ist der Bereich der Rethorik, der als "Sprachdesign" Informationen und Zusammenhänge - quasie in Form einer "politischen Rede" vorgaukelt. - Dies ist ein über 2000 Jahre alter Konflikt zwischen der Philosophie als Sachwalter logischer (Begriffs-) Analyse und der Rethorik als Instrument einer Interessensdurchsetzung mittels (sprachlicher) "Geschicklichkeit". Explizit kann man diese Klärung bei Platon verfolgen in der Auseinandersetzung mit den Sophisten (z.B. in seinem Dialog "Prothagoras").

Jürgen Habermas hat diese Frage in jüngerer Vergangenheit in seinem Buch "Erkenntnis und Interesse" wieder aufgegriffen und nochmals den Unterschied zwischen "Diskussion" und "Diskurs" herausgearbeitet wobei der Diskurs zusammengefaßt den Austausch von Meinungen auf der Basis von Herrschaftsfreiheit durch den Vorzug des Argumentes vor dem sozialen Ansehen der vortragenden Person, den gleichen Zugang zu Bildung und Information der (Diskurs-) Beteiligten sowie der vorab gleichen Geltung der jeweils individuellen Verarbeitung und Bewertung von Informationen in einem gemeinschaftlichen Auswertungsprozeß beschreibt. Das Gegenteil hiervon ist die Diskussion, die auch rethorische Mittel erlaubt, um der eigenen Meinung Geltung und Mehrheit auf der Grundlage eher emotional-intuitiver (Sprach-) Auseinandersetzungen zu verschaffen.

Kant war Logiker - nicht nur in der Formulierung ethischer Rechtsnormen sondern auch bei ihrer praktischen Umsetzung - was bei ihm Logik zu einem  Prinzip der alltagspraktischen Ethik machte. - Jetzt bewerte und entscheide selbst seine Bewertung des Begriffes >Vorurteil<. ;-)

Gruß

Ach so, noch eine Anmerkung: Zum "Vorurteil" selbst könnte man jetzt noch eine lange Abhandlung schreiben. - Das Vorurteil ist an sich nichts Schlechtes. Es stammt aus unserer grauen Vorzeit der "Menschwerdung", ist ein, eher in Fragestellungen der Psychologie einzuordnendes Verhaltensmuster, dass damals gute Dienste gleistet hat und uns "genetisch" aus dieser Zeit erhalten geblieben ist - fast so wie der Blinddarm. Und jeder hat diese spontanen "Reaktions-, Wahrnehmungs- und Deutungsmuster" auch noch heute. Sie dienten und dienen auch heute noch der Reduktion von (Wahrnehmungs-) Komplexität um zeitnah Handlungs-/Verhaltensstrategien entwickeln zu können. Das ist auch nicht schlimm. Wichtig ist nur zu wissen, dass man sie hat. Dann ist man in der Lage, mit (selbst-) kritischer Auswertung des Wahrgenommenen und der eigenen subjektiven Informationsverarbeitung die notwendige Selbstdistanz entwickeln und anwenden zu können, um auf Situationen und Informationen angemessen im Sinne einer aufgeklärten, weil rational-selbstrefexiv angewendeten "Ethik des praktischen Alltags" reagieren zu können. -

So gesehen ist schlußendlich Aufklärung die Überwindung des Vorurteils durch das individuelle Primat der Rationalität als Basis gemeinschaftlichen Handelns wobei Rationalität als ganzheitliche Umsetzung von >Vernunft< einzuordnen ist.

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Kant schreibt:

"Vorurteile werden ... zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen"

Heute würde man sagen, dass die Nachläufer indoktriniert sind und unkritisch den vorgegebenen Parolen folgen.

"Vorurteil" ist in der Aufklärung das Gegenteil zur eigenen, kritisch gebildeten Meinung.

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Hi,

Aufklärung kurz beschrieben als Ausruf: Geh deinen eigenen Weg und lass dich nicht von anderen lenken.

Bsp. ist die Kirche. -> Entweder lässt du dich direkt dahin lenken ohne darüber nachgedacht zu haben ->Also weil andere es wollen. So bist du nicht aufgeklärt.

ODER

Du glaubst selber an die Kirche, ohne von Außen manupuliert zu sein. So wärst du aufgeklärt.

->Vorurteile: Dadurch, dass wenn man aufgeklärt ist, passiert ein Umbruch, Sturm, Desaster etc., da viele dann aufgeklärt sind und mit Handlungen reagieren.

Ich hoffe, dass ich helfen konnte. Bei Fragen einfach melden. LG

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