Frage von davidze, 49

Frage zu Geldpolitik der EZB?

-Wieso braucht eine private Bank die EZB um Kredite zu vergeben, kann sie dies nicht einfach mit den Einlagen der unzähligen Sparer machen?

-Heißt ein niedriger Leitzins nicht auch höhere Zinsen für ein Sparbuch? Die Banken können sich doch billiger Geld leihen von der EZB und müssen keine Kosten weiter geben?

-Wieso sollte ein Bank überschüssige Liquidität bei der EZB parken und nicht einfach auf ihren Konten lassen? Oder sind hier nur die Gelder gemeint, die von der EZB kamen?

  • Ich habe gerade folgendes gelesen:

Kreditinstitute in der Eurozone sind verpflichtet, überschüssige Liquidität, also Gelder, die sie nicht für Kunden brauchen, auf Konten bei der EZB zu parken. -

Warum müssen Banken Eigenkapital bei der EZB parken?

Vielen Dank für die Hilfe!

Antwort
von berkersheim, 30

Geld welcher Form auch immer ist eine Rechtsverbindlichkeit. Geld ob als Bares oder als Buchgeld ist immer eine Forderung an die Zentralbank und von dort an die Staaten, die die Forderungen an die Zentralbank decken. Ideal ist, wenn den Forderungen an die Staaten die Werte der umlaufenden Güter entsprechen. Wenn die Zentralbank die Werte der Forderungen an sie und damit an die Staaten erhöht, erhöht sie die Schulden, die wir zur Deckung dieser Forderungen haben, welche die real einlösbaren Güter übersteigen.

Wenn eine Bank einen Kredit einräumt, räumt sie Forderungen an die Zentralbank ein, wofür sie in ihrer Buchhaltung für Deckung sorgen muss. Wenn es heißt, dass z.B. italienische Banken zu viele "Schrottpapiere" als Deckung für die vergebenen Kredite haben, dann bedeutet das, dass da die Werte der Deckung gemogelt sind, nicht den erzielbaren Werten entsprechen. Wenn die EZB solche Schrottpapiere aufkauft, übernimmt sie nachträglich Forderungen, die eigentlich nicht eintreibbar sind. Damit erhöht sie die Deckungsschulden der Staaten ohne Gegenleistung.

Da es sich meist um Schuldtitel von Schuldenstaaten handelt, betreibt die EZB mit dem Kauf der "Schrottpapiere" einen Umtausch und damit eine indirekte Staatsfinanzierung der Schuldenstaaten. Einziges Ziel ist nicht die Geldwertstabilität, wie oft behauptet oder der Anreiz zur Kreditvergabe durch Banken um die Wirtschaft anzukurbeln. Das findet nicht statt. Einziges Ziel ist die indirekte Finanzierung der Schuldenstaaten und damit werden alle belastet, die als Staaten für die Deckung der Forderungen an die EZB haften.

Jeder der an die Schuldenstaaten verkauft, wird reich während die Bürger haften, keine Zinsen bekommen und ihre Sicherungssysteme (Krankenversicherung, Rentenversicherung) belastet werden. Das nennt man Vermögensumverteilung von unten nach oben. In Griechenland, Spanien und Portugal sind die Einschränkungen für die Bürger bereits deutlich spürbar. Bei uns sind sie noch auf die lange Bank geschoben.

Antwort
von Maimaier, 38

Es gibt 3 Arten von Geld. Bargeld (also Münzen und Scheine), Giralgeld, das sind Girokonten und Sparbücher, und Zentralbankgeld, das ist quasi das Guthaben einer Bank bei der Zentralbank.

So, wenn du jetzt bei deiner Sparkasse eine Kredit von 10.000€ nimmst, bekommst du das Geld auf dein Girokonto überwiesen. Dieses Giralgeld kann die Bank selber machen, ist wie Geld drucken, verlangt von dir aber Zinsen dafür.

Aber wenn du das Geld jetzt abheben willst, muss die Bank ja Geldscheine hergeben, und die Geldscheine bekommt sie nur von der Zentralbank. Die Zentralbank will dafür Wertpapiere als Sicherheit, die Sparkasse bekommt dafür Zentralbankgeld oder eben Bargeld.

Wenn du das Geld aber überweist an eine andere Bank als deine Sparkasse, z.B. um eine neue Küche zu kaufen, dann will die andere Bank nur das Zentralbankgeld. Hier muss also die Sparkasse auch Wertpapiere in dieser Höhe an die Zentralbank verleihen, um an diese Summe zu kommen.

So wird also bei jeder Überweisung von einer Bank zu einer anderen das Zentralbankgeld benötigt. So wandert das Zentralbankgeld durch viele Hände, so wie auch ein Geldschein.

Für dieses Zentralbankgeld will die Zentralbank nicht nur Zinsen, sondern vor allem eben die Wertpapiere. Früher waren das vor allem Staatsanleihen. Seit der Bankenkrise aber gibts ESM, die rücken das Geld auch so raus damit keine Bank pleite geht, da die Wirtschaft nicht so schnell wachsen kann wie die Geldmenge (peak oil, Maschinen produzieren fast alles).

Der Leitzins gibt quasi an, wie stark jedes Jahr die Wertpapiere der Banken wachsen müssen, um auch entsprechend mehr Schulden bei der Zentralbank machen zu können, um an das Geld zu kommen. So als ob du immer mehr Schulden aufnimmst, und das Geld dann so anlegst um damit die Zinsen bedienen zu können.

Das es keine Zinsen mehr für Sparbücher gibt liegt vor allem an der ESM. Gerade die maroden Banken bekommen neue Kredite, damit gibt es keinen Grund das Geld mühsam von den Kunden zurückzuholen, wenn man es einfacher und bequemer direkt hier bekommt.

Das überschüssige Liquidität bei der Zentralbank geparkt werden muss, liegt wohl auch daran, das das Giralgeld der Banken eigentlich nur Luft ist, im Gegensatz zu dem Zentralbankgeld, wo (zumindest früher) ein Wertpapier in entsprechende Höhe auch hinterlegt worden sein muss.

Kurz: Geld benötigt -> Schulden machen gegen Sicherheiten -> Zinsen -> mehr Geld benötigt -> mehr Schulden machen gegen Sicherheiten -> mehr Zinsen -> noch mehr ...

Antwort
von FrageSchlumpf, 25

Die Erklärung von Maimaier zu den verschiedenen Geldarten ist vollkommen richtig.

Für Buchgeld brauchen die Banken weder die EZB noch deren Zentralbankgeld. ( Eines der Märchen die leider immer wieder erzählt werden ). Deshalb ist es auch nicht so, dass die bei der EZB geparkten Mrd. eine Alternative zu Krediten an Kunden sind.

Es ist auch nicht so, dass die angelegten Mittel Eigenkapital sind. Man kann in einer Bankbilanz nicht einzelnen Passivposten einzelne Aktivposten zuordnen.

Und es ist auch nicht so, dass das Banksystem als solches dieses Zentralbankgeld irgendwie durch Überweisungen "verbrauchen" kann, genausowenig wie die Banken die "Strafzinsen" dadurch umgehen könnten, dass die es auf Konten liegen lassen. Auf welchen Konten denn ? Zentralbankgeld gibt es nur auf Konten der Zentralbank - und die verlangt eben Minuszinsen.

Antwort
von dermitdemball, 21

Die Banken haben zuviel "Spareinlagen" liegen! Die kosten Geld - momentan nicht viel! Wenn die Bank aber nicht dieses ganze Geld der Sparer als Kredite weitergeben, weil die Kreditnachfrage zu gering oder die potentiellen Kreditnehmer nicht vertrauenswürdig sind, so legen die Banken ihr überflüssiges Geld auf die EZB als Einlage! 

Um aber die Kreditvergabe an die Wirtschaft anzukurbeln, hat die EZB für dieses Geld Strafzinsen verhängt - Damit eben die Banken das Geld nicht zu EZB tragen, sondern als Kredite vergeben - damit auch die Wirtschaft angekurbelt wird!

Und wegen dieser Strafzinsen können die Banken auch fast oder gar keine Sparzinsen mehr geben!

Draghi stiehlt den Sparer legal jeden Tag Geld!

Weil die Zinsen unter Inflationsrate liegen nennt man das die "Stille Enteignung der Sparer"!

Die bankrotten oder fast bankrotten Staaten können so überleben, weil Sie für Ihre Kredite fast keine Zinsen zahlen! 

Deshalb wird Draghi die Zinsen auch nicht mehr so schnell anheben bzw. anheben können!


Kommentar von dermitdemball ,

Die EZB kauft den Banken jetzt pro Monat Staatsanleihen im Wert von 80 Milliarden ab! D.h. Die Geldmenge wird enorm erhöht - weil Draghi die Kreditvergabe der Banken ankurbeln will! 

Die Banken parken das überflüssige Geld aber lieber bei der EZB - deshalb die Strafzinsen für die Banken!

Durch die enorme Erhöhung der Geldmenge will Draghi auch eine höhere Inflationsrate erzwingen - knapp unter 2 Prozent!

Denn wenn die Menschen erst mal glauben, die Waren werden billiger, schieben sie ihre Einkäufe auf und die Wirtschaft kommt zum erliegen! - Deflation!

Antwort
von elsalvatore, 17

Banken haben kein eigenen Konten, sondern IMMER Konten bei der EZB.

Die Bankleitzahl einer Bank ist übrigens die Nummer des Kontos bei der EZB ;)

Wenn eine Bank sich günstig Geld bei der EZB leihen kann, warum sollte sie einem Kunden viel mehr zahlen? Der Leitzins ist übrigens nur ein Overnightzinssatz. Wenn die Banken sich länger Geld leihen wollen, ist der Zinssatz natürlich nicht bei 0,0%, fataler Irrglaube!

Darüber hinaus heißt ein niedriger Leitzins ein allgemein niedriges Zinsniveau, die Marge für Kredite wird geringer und der Bank fehlen dadurch Einnahmen im Zinsbereich.

Du hast von Grund auf Denkfehler, die aber üblich unter branchenfremden sind, daher kann ich deine Ansätze in gewisser weise verstehen.

Übrigens: überschüssige Gelder müssen bei der EZB als Sicherheit für ausgegebene Kredite hinterlegt werden.

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