Frage von lydi94, 95

Frage zu dem Gina-Lisa-Prozess?

Vorab: ich war selbst nicht bei dem Prozess dabei, habe auch das besagte Video nicht gesehen.
Aber warum wurde Gina-Lisa jetzt verurteilt? Hätte ein Freispruch für die beiden anderen nicht gereicht?
Ich meine sonst könnte ja immer der Kläger nach einem Freispruch der Gegenseite angeklagt werden.
Und der Kläger, also in diesem Fall die Klägerin, hat eben subjektiv das Gefühl gehabt, geschädigt worden zu sein - und ob das so ist oder nicht, das ist ja die Aufgabe des Gerichts, das herauszufinden. Aber das ist dann ja nicht automatisch eine Falschaussage/Verleumdung/was auch immer, oder?
Versteht ihr worauf ich hinaus will?
Wäre cool, wenn mir das jemand erklären kann :D

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PolluxHH, 29

Es ist suspekt, aber aus anderen Gründen. Es fängt mit der Beweisführung hinsichtlich der K.O.-Tropfen an. Es wurde gemäß Berichterstattung nicht vollständig ausgeschlossen, sondern nur als unwahrscheinlich dargestellt, was die Frage offen läßt, ob nicht doch § 179 StGB in Betracht hätte gezogen werden müssen. Lohfink sei in der umstrittenen Nacht wach, ansprechbar und orientiert gewesen und eine Pizza bestellen oder mit der Managerin zu telefonieren sei unter Wirkung von K.O.-Tropfen nicht möglich. Was aber nicht geprüft wurde: nach § 179 StGB reichte schon eine starke Alkoholisierung, welche nach dem Video aber alternativ zu K.O.-Tropfen durchaus denkbar wäre - oder ein Kombieffekt mit einer schwachen Dosierung der K.O.-Tropfen. Aber selbst der kleinste Zweifel daran, daß es sich nicht um einvernehmlichen GV handelte, ließe nicht zu, hier falsche Verdächtigung anzudenken.

Es wurde dann - GV ist ja erwiesen - nur auf Vergewaltigung geprüft, wobei dann nach aktueller Rechtslage (immer noch) ein "Nein" gerade nicht ausreicht, sondern Gegenwehr gefordert wird. (Was aber wirklich hätte geprüft werden müssen wäre, ob Frau Lohfink nicht selbst dann subjektiv davon hätte ausgegangen sein können, daß hier eine Vergewaltigung realisiert worden sei. Davon ist mir aber nichts bekannt.)

Damit meint man, obwohl die Beschuldigten Herren nicht angeklagt, sondern nach § 170 Abs. 2 StPO das Verfahren eingestellt wurde ("in dubio pro reo"), nachgewiesen zu haben, daß schon objektiv keine Vergewaltigung vorlag. Aus dem gesamten Filmmaterial und Widersprüchen bei den Verhören dürfte man auf "Wider besseren Wissens" befunden haben. Dies klingt sehr nach einer äußerst gedehnten Interpretation einer freien Beweiswürdigung, bei der mir immer noch ein "wider besseren Wissen" nicht hinreichend erwiesen erscheint, denn könnte ich der freien Beweiswürdigung bis zur Feststellung einer nicht erfolgten Vergewaltigung zumindest gewogen sein, so bricht es m.E. bei dem Nachweis der wissentlichen Falschaussage. Sollte aber die Richterin die gleiche Person sein, die zuvor den Strafbefehl unterzeichnete, wäre ihr auch kaum eine andere Möglichkeit geblieben, als hier auf schuldig zu bekennen (Interessenkonflikt, denn hier kann durchaus auch Rechtsbeugung durch Staatsanwalt und Richter(in) schon beim Strafbefehl gemutmaßt werden).

Aber hätte es gereicht, die beiden Herren nicht wegen Vergewaltigung anzuklagen (wegen der Verbreitung der Bilder erging Strafbefehl)? Sollte wirklich eine falsche Verdächtigung vorliegen - nein. Die Gefahr einer Gegenanzeige besteht bei jeder Anzeige und sollte man in speziellen Fällen falsche Verdächtigung - übrigens ein Vergehen und damit ein Offizialdelikt - "durchgehen" lassen, wäre gerade das eine Einladung , solche Verdächtigungen auszusprechen, z.B. aus Rache (was immer mehr in Mode kommt ... "Der hat mir keinen Drink ausgegeben, das hat mich emotional tief getroffen, den zeig ich wegen Vergewaltigung an"), denn dann könnte man selber ja nur gewinnen.

Ein Beispiel, allerdings nicht falsche Verdächtigung, sondern eher eine Form der Hysterie. Ein Kindergärtner tröstet ein Kind, welches sich in den Finger geschnitten hat und, nachdem er die Wunde versorgt hatte, immer noch weinte, indem er es in den Arm nahm. Dies wurde von einer Kollegin gesehen und als Kindesmißbrauch zur Anzeige gebracht. Der Mann verlor seinen Job, es kam auf Betreiben des Jugendamts zur Anklage, er wurde freigesprochen, aber kann nicht mehr in seinem alten Job arbeiten, weil das Jugendamt ihn weiterhin als Sexualstraftäter betrachtet, der nur mangels Beweisen freigesprochen wurde. Ein Freispruch heiße ja nicht, daß er wirklich unschuldig sei, und man habe eine Verantwortung gegenüber den Kindern. Freispruch, aber Leben zerstört und keinen Anspruch auf Schadenersatz o.ä. . Reicht also Freispruch?; - in der Regel nicht, denn ein Freispruch wirkt gerade bei Sexualdelikten nicht rehabilitierend.

Kommentar von lydi94 ,

Hey, danke für die super ausführliche Antwort!:) jetzt bin ich auf jeden Fall schlauer :)

Kommentar von zahlenguide ,

kurze Frage - nur wegen dem Verständnis - wenn jemand eine Person mit Absicht falsch Beschuldigt eine Vergewaltigung durch zu führen, ist das nach deutschem Recht nur ein Vergehen?

Übrigens habe ich gelesen, dass sie ihre Aussagen immer verändert haben soll, weil sie sich an vieles nicht mehr richtig erinnerte - so stand es bei MSN.

http://www.msn.com/de-de/unterhaltung/celebrity/gina-lisa-lohfink-wegen-falscher...

Kommentar von PolluxHH ,

Ein Vergehen liegt nach § 12 Abs. 2 StGB dann vor, die im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe unter einem Jahr oder einer Geldstrafe bewehrt sind, Verbrechen nach § 12 Abs. 1 StGB dann, wenn das Strafmindestmaß 1 Jahr oder mehr beträgt. Bei § 164 Abs. 1 StGB liegt das Mindestmaß bei einer Geldstrafe, also ein Vergehen. Das wird auch schon daraus ersichtlich, daß zuvor ein Strafbefehl ergangen war, was nur bei Vergehen möglich ist. Erst mit Meineid würde ein Verbrechen vorliegen.

Und es stimmt (wurde auch vor Gericht behandelt), daß vorgegeben wird, daß die Aussagen von Frau Lohfink "variiert" haben sollen und sie sich teils in Widersprüche verwickelt habe. Hierzu kann ich aber nichts sagen, denn unter bestimmten Bedingungen ist es sogar normal in solchen Situationen.

Übrigens liegt mir ein Schreiben eines Oberstaatsanwalts vor, daß die Polizei solange Beweise fälschen dürfe, solange man ihr nicht nachweisen könne, daß sie es wider besseren Wissens getan habe, dazu gehörte in dem Fall die Protokollierung des Gegenteils des Ausgesagten im Sinne eines Geständnisses schuldhafter Verursachung (beteuert wurde die Unschuld). Entsprechend bin ich sehr vorsichtig geworden bei der Beurteilung solcher Beweise.

Antwort
von Lenn14, 41

Weiß nicht genau worauf du hinaus willst.

Aber nur ein Freispruch für die beiden reicht natürlich nicht. Sonst könnte ja jeder einfach fälschlich Leute anklagen ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ich könnte dann theoretisch gegen alles und jeden klagen, worauf ich grade Bock hab.



Kommentar von lydi94 ,

Sorry, ich weiß, ich hab mich etwas unverständlich ausgedrückt :D also ich Zweifel auch gar nicht an unserer Judikativen, aber das versteh ich halt nicht.
Ich mein, sie hat ja nein gesagt und für sie war es eine Vergewaltigung. Für das Gericht nicht - also Freispruch.
Aber nach dem Prinzip müsste ja jede Person, die jemanden verklagt und bei der Verhandlung freigesprochen wird, eine Falschaussage gemacht haben.

Kommentar von Lenn14 ,

Sie wurde angeklagt und verurteilt, weil sie bewusst gelogen hat. Das ist ja nicht bei allen Anklagen der Fall. Nur weil der Angeklagte freigesprochen wurde, heißt das ja nicht immer, dass der Kläger auch bewusst gelogen hat. Aber in diesem Fall war es halt so.

Kommentar von PatrickLassan ,

Ich mein, sie hat ja nein gesagt und für sie war es eine Vergewaltigung.

Anscheinend bezog sich das 'Nein' auf das Filmen, zudem passt hr Verhalten nach der Tat nicht zu der angeblichen Vergewaltigung.

Antwort
von SebRmR, 18

Aber warum wurde Gina-Lisa jetzt verurteilt?

Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink ist ein Urteil gefallen: Das Model hat zwei Männer fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt, entschied das Amtsgericht Berlin-Tiergarten - und verhängte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen je 250 Euro, insgesamt 20.000 Euro.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Lohfink die Männer wider besseres Wissen bezichtigt hatte, sie vergewaltigt zu haben. Lohfink habe bewusst wahrheitswidrige Tatsachen behauptet. Der Sex sei einvernehmlich gewesen.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gina-lisa-lohfink-geldstrafe-wegen-falschb...

Antwort
von AntwortMarkus, 51

Wer soll das sein und ist das irgendwie für den weiteren Verlauf meines Lebens wichtig, dass ich die kenne?

Kommentar von lydi94 ,

Naja, du könntest dich jetzt schon elitär fühlen, da du diese Person aus dem Trash-TV nicht kennst. Aber da diese gesellschaftliche Debatte es bereits in diverse Ministerien geschafft hat, ist es glaube ich nicht verwerflich, mal davon gehört zu haben :D

Kommentar von AntwortMarkus ,

Ok, danke. Werde jetzt nicht gezielt nach Informationen zu dieser Dame suchen. Bin mir sicher, sie interessiert sich ebensowenig für meine Wenigkeit. :-)

Kommentar von PersiaPrince ,

Sie sah, kam und klagte! Der Rest ist nich von Belang....

Kommentar von zahlenguide ,

und Feministen haben wieder vor einem Urteil sich auf die Seite dieser Person gestellt und eine Verurteilung der beiden Verdächtigen gefordert. Das sollte man zu dem Fall auch noch wissen. War also Teil 2 von Kachelmann.

Kommentar von vanillakusss ,

Ach komm, Kachelmann hat Dreck am Stecken.

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