Frage zu dem Gina-Lisa-Prozess?

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5 Antworten

Es ist suspekt, aber aus anderen Gründen. Es fängt mit der Beweisführung hinsichtlich der K.O.-Tropfen an. Es wurde gemäß Berichterstattung nicht vollständig ausgeschlossen, sondern nur als unwahrscheinlich dargestellt, was die Frage offen läßt, ob nicht doch § 179 StGB in Betracht hätte gezogen werden müssen. Lohfink sei in der umstrittenen Nacht wach, ansprechbar und orientiert gewesen und eine Pizza bestellen oder mit der Managerin zu telefonieren sei unter Wirkung von K.O.-Tropfen nicht möglich. Was aber nicht geprüft wurde: nach § 179 StGB reichte schon eine starke Alkoholisierung, welche nach dem Video aber alternativ zu K.O.-Tropfen durchaus denkbar wäre - oder ein Kombieffekt mit einer schwachen Dosierung der K.O.-Tropfen. Aber selbst der kleinste Zweifel daran, daß es sich nicht um einvernehmlichen GV handelte, ließe nicht zu, hier falsche Verdächtigung anzudenken.

Es wurde dann - GV ist ja erwiesen - nur auf Vergewaltigung geprüft, wobei dann nach aktueller Rechtslage (immer noch) ein "Nein" gerade nicht ausreicht, sondern Gegenwehr gefordert wird. (Was aber wirklich hätte geprüft werden müssen wäre, ob Frau Lohfink nicht selbst dann subjektiv davon hätte ausgegangen sein können, daß hier eine Vergewaltigung realisiert worden sei. Davon ist mir aber nichts bekannt.)

Damit meint man, obwohl die Beschuldigten Herren nicht angeklagt, sondern nach § 170 Abs. 2 StPO das Verfahren eingestellt wurde ("in dubio pro reo"), nachgewiesen zu haben, daß schon objektiv keine Vergewaltigung vorlag. Aus dem gesamten Filmmaterial und Widersprüchen bei den Verhören dürfte man auf "Wider besseren Wissens" befunden haben. Dies klingt sehr nach einer äußerst gedehnten Interpretation einer freien Beweiswürdigung, bei der mir immer noch ein "wider besseren Wissen" nicht hinreichend erwiesen erscheint, denn könnte ich der freien Beweiswürdigung bis zur Feststellung einer nicht erfolgten Vergewaltigung zumindest gewogen sein, so bricht es m.E. bei dem Nachweis der wissentlichen Falschaussage. Sollte aber die Richterin die gleiche Person sein, die zuvor den Strafbefehl unterzeichnete, wäre ihr auch kaum eine andere Möglichkeit geblieben, als hier auf schuldig zu bekennen (Interessenkonflikt, denn hier kann durchaus auch Rechtsbeugung durch Staatsanwalt und Richter(in) schon beim Strafbefehl gemutmaßt werden).

Aber hätte es gereicht, die beiden Herren nicht wegen Vergewaltigung anzuklagen (wegen der Verbreitung der Bilder erging Strafbefehl)? Sollte wirklich eine falsche Verdächtigung vorliegen - nein. Die Gefahr einer Gegenanzeige besteht bei jeder Anzeige und sollte man in speziellen Fällen falsche Verdächtigung - übrigens ein Vergehen und damit ein Offizialdelikt - "durchgehen" lassen, wäre gerade das eine Einladung , solche Verdächtigungen auszusprechen, z.B. aus Rache (was immer mehr in Mode kommt ... "Der hat mir keinen Drink ausgegeben, das hat mich emotional tief getroffen, den zeig ich wegen Vergewaltigung an"), denn dann könnte man selber ja nur gewinnen.

Ein Beispiel, allerdings nicht falsche Verdächtigung, sondern eher eine Form der Hysterie. Ein Kindergärtner tröstet ein Kind, welches sich in den Finger geschnitten hat und, nachdem er die Wunde versorgt hatte, immer noch weinte, indem er es in den Arm nahm. Dies wurde von einer Kollegin gesehen und als Kindesmißbrauch zur Anzeige gebracht. Der Mann verlor seinen Job, es kam auf Betreiben des Jugendamts zur Anklage, er wurde freigesprochen, aber kann nicht mehr in seinem alten Job arbeiten, weil das Jugendamt ihn weiterhin als Sexualstraftäter betrachtet, der nur mangels Beweisen freigesprochen wurde. Ein Freispruch heiße ja nicht, daß er wirklich unschuldig sei, und man habe eine Verantwortung gegenüber den Kindern. Freispruch, aber Leben zerstört und keinen Anspruch auf Schadenersatz o.ä. . Reicht also Freispruch?; - in der Regel nicht, denn ein Freispruch wirkt gerade bei Sexualdelikten nicht rehabilitierend.

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Kommentar von lydi94
22.08.2016, 19:02

Hey, danke für die super ausführliche Antwort!:) jetzt bin ich auf jeden Fall schlauer :)

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Kommentar von zahlenguide
23.08.2016, 01:38

kurze Frage - nur wegen dem Verständnis - wenn jemand eine Person mit Absicht falsch Beschuldigt eine Vergewaltigung durch zu führen, ist das nach deutschem Recht nur ein Vergehen?

Übrigens habe ich gelesen, dass sie ihre Aussagen immer verändert haben soll, weil sie sich an vieles nicht mehr richtig erinnerte - so stand es bei MSN.

http://www.msn.com/de-de/unterhaltung/celebrity/gina-lisa-lohfink-wegen-falscher-verd%C3%A4chtigung-verurteilt/ar-BBvTZeT?li=AA4Zhs&ocid=spartandhp

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Aber warum wurde Gina-Lisa jetzt verurteilt?

Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink ist ein Urteil gefallen: Das Model hat zwei Männer fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt, entschied das Amtsgericht Berlin-Tiergarten - und verhängte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen je 250 Euro, insgesamt 20.000 Euro.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Lohfink die Männer wider besseres Wissen bezichtigt hatte, sie vergewaltigt zu haben. Lohfink habe bewusst wahrheitswidrige Tatsachen behauptet. Der Sex sei einvernehmlich gewesen.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gina-lisa-lohfink-geldstrafe-wegen-falschbezichtigung-a-1108897.html

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Wer soll das sein und ist das irgendwie für den weiteren Verlauf meines Lebens wichtig, dass ich die kenne?

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Kommentar von lydi94
22.08.2016, 18:08

Naja, du könntest dich jetzt schon elitär fühlen, da du diese Person aus dem Trash-TV nicht kennst. Aber da diese gesellschaftliche Debatte es bereits in diverse Ministerien geschafft hat, ist es glaube ich nicht verwerflich, mal davon gehört zu haben :D

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Kommentar von PersiaPrince
22.08.2016, 18:19

Sie sah, kam und klagte! Der Rest ist nich von Belang....

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Ganz einfach, das Gericht hat ihr nicht geglaubt, sie konnte, angeblich, nicht beweisen, dass sie wirklich vergewaltigt wurde.

Auch K.O. Tropfen wurden ausgeschlossen, sie habe (auf dem Video) einen klaren Eindruck gemacht, sie hat sogar Pizza bestellt. Das könne man nicht wenn man mit Drogen betäubt wurde.

Im Endeffekt hat man ihr nicht geglaubt, sie habe die Vergewaltigung erfunden, ihr NEIN galt den Aufnahmen, nicht dem Sex. Außerdem hatte sie, eine Nacht vorher, freiwillig Sex mit einem der angeblichen Vergewaltigern. Sie hat einem der Männer auch leibe Nachrichten geschickt.

Ich gehe davon aus, dass ihr ganzes Auftreten, in den letzten Jahren, ihr Verhalten, leider mit eingeflossen sind. Na, evtl.

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Kommentar von lydi94
22.08.2016, 18:16

Sorry, ich weiß, ich hab mich etwas unverständlich ausgedrückt :D also ich Zweifel auch gar nicht an unserer Judikativen, aber das versteh ich halt nicht.
Ich mein, sie hat ja nein gesagt und für sie war es eine Vergewaltigung. Für das Gericht nicht - also Freispruch.
Aber nach dem Prinzip müsste ja jede Person, die jemanden verklagt und bei der Verhandlung freigesprochen wird, eine Falschaussage gemacht haben.

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Weiß nicht genau worauf du hinaus willst.

Aber nur ein Freispruch für die beiden reicht natürlich nicht. Sonst könnte ja jeder einfach fälschlich Leute anklagen ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ich könnte dann theoretisch gegen alles und jeden klagen, worauf ich grade Bock hab.



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Kommentar von lydi94
22.08.2016, 18:15

Sorry, ich weiß, ich hab mich etwas unverständlich ausgedrückt :D also ich Zweifel auch gar nicht an unserer Judikativen, aber das versteh ich halt nicht.
Ich mein, sie hat ja nein gesagt und für sie war es eine Vergewaltigung. Für das Gericht nicht - also Freispruch.
Aber nach dem Prinzip müsste ja jede Person, die jemanden verklagt und bei der Verhandlung freigesprochen wird, eine Falschaussage gemacht haben.

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