Frage von anonymos987654, 88

Frage v.a. an die ältere Generation: Wie haben Sie vor 1965 die katholische Messe erlebt?

Wurde damals die heilige Messe,

welche heute als "außerordentlicher Ritus" wieder gefeiert wird,

so zelebriert,

dass Sie es schöner fanden als heute?

Oder wurde die Messe nur "schnellstmöglich runtergeleiert"?

Bedauern Sie, dass die heutigen katholischen Messen

im "ordentlichen Ritus"

eher Veranstaltungscharakter haben

als dass sie zum Beten und zu Gott hinführen?

Antwort
von Nadelwald75, 53

Hallo anonymos987654,

schöner oder nicht schöner ist für mich bei der Hl. Messe kein Kriterium.

Es gab Priester früher und heute, die die Messe schnellstmöglich herunterleiern. Aber meist geschieht es in würdiger Form.

Messen im ordentlichen und auch im außerordentlichen Ritus können Veranstaltungscharakter haben. Das kommt ganz einfach auf den
Zelebranten und auch auf die Gemeinde an.

Ich halte es für angemessen, dass man nicht eine Messform als die absolut richtige betrachtet und die andere verurteilt. Die liturgische Form hängt sehr davon ab, welches Bild man von Gemeinde hat.

Einen guten Vergleich findest du in der Gegenüberstellung der alten und neuen Fassung des Liedes „Ein Haus voll Glorie schauet“. Neu von 1972, also etwa die Zeit der Würzburger Synode)

In der ersten Fassung findest du Begriffe: aus ewigem Stein –
starker Türme Wehr – Wohl tobet um die Mauern der Sturm… - der Feind – der Hölle Macht – zum Streit die Kriegsschar – die Reihen stehn fest geschlossen – heilgen Streit …

In der neuen Fassung Gottes heilige Stadt – uns bestellt zu
Zeugen – erbauet auf Jesus Christ allein – Gottes Zelt auf Erden – in menschlichen Gebärden – mach uns frei – Sein wandernd Volk - …

Als Bilder habe ich den Text eingefügt.

Zum Schluss: In der Kirche sollen alle beheimatet sein „Traditionelle“
und „Progressive“. Deshalb halte ich es für richtig, dass beide Formen
zugelassen sind, würde aber aus meinem Verständnis die nachkonziliare Form heute für die angemessenere halten.

Kommentar von anonymos987654 ,

Danke für die informative Antwort.

+ Gerade habe ich mir angesehen, was die Würzburger Synode, die du erwähnt hast, war. Davon hatte ich bisher nichts gewusst. Wie bekannt sind solche regionalen Synoden in der Kirche eigentlich bzw wie bist du darauf gekommen - oder hast du das damals live miterlebt?

+ Hat die 75 in deinem Namen etwas mit dem Ende dieser Synode zu tun?

+ Hast du im ordentlichen oder auch im außerordentlichen Ritus ministriert? In wie fern war das Ministrieren um 6:15 Uhr etc.  eine Ehre für euch/ dich - waren das wirklich viele Minis, die sich darum gerissen haben?

Danke für weitere Antworten.

Kommentar von Nadelwald75 ,

Hallo anonymus987654,

die Würzburger Synode abe ich so am Rande mitbekommen,. Weiteres schicke ich auf anderem Weg.

Antwort
von critter, 51

Die Frage ist nicht mit Ja oder Nein zu beantworten.

Es kam von Pfarrei zu Pfarrei auf das "Personal" an. Die meisten haben die Messe streng nach Ritus ausgeführt. Aber es gab auch - aber wirklich nur ganz vereinzelt - Priester und Pfarrer, die eine etwas persönlichere Note in den Ablauf brachten durch persönlich eingeflochtene Worte oder durch nicht so streng auf die Lesungs- oder Evangeliumsworte ausgelegte Inhalte. 

Solche Predigten bzw. insgesamt Messen machten einfach mehr "Spaß", man war "dabei" und leierte nicht einfach nur die für diesen jeweiligen Sonntag vorgeschriebenen Sätze herunter. Aber genau das hat die meisten Kirchenbesucher schrecklich gestört, und ja, auch damals wurde schon gemobbt. Diese Priester hatten es nicht leicht, was einem, wenn einem diese Art des Gottesdienstes gefiel, richtig weh tat für den armen Menschen.

Einen Veranstaltungscharakter hatte durch die persönliche Note eine Messe niemals, es war alles nur einfach menschlicher, bezog die Besucher teilweise mit ein und wurde nicht nur absolviert: Reingehen, beten, rausgehen.

Antwort
von Viktor1, 40

Für die Gemeinde war da prinzipiell kein Unterschied zu heute(bezüglich der Messfeier an sich)
Äußere Veränderungen zu damals sind:
Der Priester (mit Messdienern) war Richtung Altar gewandt , nicht zur Gemeinde. Einige Messtexte, welche vom Priester laut gesprochen wurden waren in Latein.
Die Predigten wurden noch von der Kanzel gehalten - wenn vorhanden. Dies war viel besser. Die Messdiener sprachen einige "Gebetstexte" (z.Bsp. das Sündenbekenntnis,lateinisch) mit dem Priester. Heute laufen sie (völlig überflüssig), meist nur als "Verzierung" rum. Mädchen als Messdienerinnen gab es nicht, auch nicht Frauen, welche die "Lesung" vortrugen.

Antwort
von reblaus53, 46

Ich musste damals, ob ich wollte oder nicht, mindestens zwei- bis dreimal die Woche so einen Gottesdienst besuchen. Ich habe diese Zwangsveranstaltung aus tiefster Seele gehasst und mich entsetzlich gelangweilt. Der Ritus war mir schnurzpiepe.

Kommentar von Nadelwald75 ,

Hallo reblaus: Und wir haben uns gedrängt, mindestens zweimal pro Woche zu ministrieren, dabei eine Messe jeweils in der Woche 6:15 Uhr.

Von Zwang war keine Rede. Es war ein Ehrenamt mit der Überlegung: Wir setzten unsere Ehre ein, das Amt angemessen auszuführen.

Über den Ritus waren wir bestens informiert. Wir kannten nicht nur die lateinischen Texte, sondern auch deren Übersetzung.

Antwort
von josef050153, 25

Sie war so langweilig, dass man gut Schiffchen versenken spielen konnte.

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