Frage von LordRob, 76

Frage über Evolution?

Auch wenn die Nachkommen sich vom Elternteil unterscheiden, ist dieser Unterschied und bemerkbar klein und wird wahrscheinlich keinen großen Vorteil über die anderen bringen. Außerdem wird dieser kleine Unterschied Durch die Paarung mit “normalen “ Individuen wieder entfernt. wie kann es sein, dass trotzdem langsam Änderungen kommen.

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 17

Auch wenn die Nachkommen sich vom Elternteil unterscheiden, ist dieser Unterschied und bemerkbar klein und wird wahrscheinlich keinen großen Vorteil über die anderen bringen.

In vielen Fällen können Mutationen sich durchaus drastisch auswirken, z.B. bei Chromosomenmutation, Rastermutationen oder Änderungen der Genexpression. Die Rolle solcher Mutationen in der Evolution ist aber wohl nicht sehr groß, denn die allermeisten Mutationen wirken sich nicht oder kaum auf das äußere Erscheinungsbild aus.

Aber nur weil ein Merkmal nicht äußerlich sichtbar ist, muss es nicht unbedingt unbedeutend sein. Ein einziges Enzym, das für seine Aufgabe untauglich geworden ist oder sich für Erfüllung einer neuen Aufgabe eignet, kann bereits Auswirkungen auf das Überleben eines Individuums haben.

Außerdem geht es bei der Evolution nicht um große Vorteile, sondern um Akkumulation von kleinen Vorteilen. Auch ein minimal erhöhter Fortpflanzungserfolg gegenüber Artgenossen ist ein Erfolg, der auf lange Sicht zur Durchsetzung des vorteilhaften Merkmals führt.

Dazu ein Gedankenspiel: Zwei Männer legen im Jahre 1 n.Chr. jeweils einen Euro an. Der eine erhält gar keine Zinsen, der andere erhält genau 1% Zinsen pro Jahr. Zu seinen Lebenszeiten hätte der zweite Mann kaum Gewinn durch seine Zinsen (nach 50 Jahren etwa 0,6 Euro), aber wenn seine heute lebenden Erben seine Anlage abheben würden, wären sie auf einmal 400 Millionen schwer (1,01^2000).

Je stärker der herrschende Selektionsdruck, desto größer ist auch der Fortpflanzungserfolg eines angepassten Individuums im vergleich zu weniger angepassten und desto schneller breiten sich seine Merkmale in der Population aus. Umweltänderungen oder Migration führen deshalb zur Beschleunigung der Evolution.

Außerdem wird dieser kleine Unterschied Durch die Paarung mit “normalen “ Individuen wieder entfernt.

In der Praxis gibt es keine normalen Individuen. Wenn du mal die Menschen um dich herum betrachtest, wirst du feststellen, dass jeder einzelne eine einzigartige Kombination von Merkmalen besitzt, die in der freien Wildbahn einen Vor- oder Nachteil mit sich bringen würden.

Davon abgesehen verschwindet die genetische Anlage eines Merkmalsträgers bei jeder Paarung mit einem Nicht-Merkmalsträgers nicht einfach, sondern wird mit 50%-iger Wahrscheinlichkeit vererbt (bei reinerbigen Merkmalsträgern sogar zu 100%). 

Für die Ausprägung des Merkmals in den Folgegenerationen ist dann der genaue Erbgänge von Bedeutung. Bei einem intermediären oder dominanten Erbgang des Merkmals wirkt es sich schon auf die erste Folgegeneration aus. Hat das Merkmal hingegen rezessiven Charakter, wirkt es sich zwar nicht auf die erste Folgegeneration aus, aber kann über mehrere Generationen hinweg unbemerkt weitervererbt werden, bis ein weiterer Merkmalsträger von außen das entsprechende Allel ein zweites mal in die Keimbahn bringt und dadurch seine Ausprägung bewirkt.

Antwort
von ettchen, 34

Die Zeit macht`s. Zeit und Separation.

Wenn eine Art eine Nische besetzt hat, entstehen neue Arten eher dann, wenn diese Art sich andernorts niederlässt. Wenn etwa Exemplare einer Vogelart auf eine entlegene Insel versetzt werden, vielleicht durch Sturm oder Treibholz oder so, und dort die eine oder andere Mutation eintritt, die die Überlebensfähigkeit fördert, dann entsteht im Laufe der Zeit eine andere Art. Die eben nicht durch Rückkreuzung mit der ursprünglichen DNA wieder in den Originalzustand versetzt wird, sondern sich ungestört von der "Originalart" entwickelt.

Schau auch mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Artbildung

Antwort
von realsausi2, 19

ist dieser Unterschied und bemerkbar klein und wird wahrscheinlich keinen großen Vorteil über die anderen bringen.

Die Unterschiede sind immer sehr klein. Es gibt wenig Hinweise, dass es wirklich größere evolutionäre Sprünge von einer Generation zur nächsten gibt.

Ein Beispiel: in einer Population von Vögeln gibt es ein paar, deren Schnäbel einen zehntel Millimeter länger sind als die der Artgenossen. Nun sind die Bedingungen zur Aufzucht durch schlechtes Wetter schwierig. Die Vögel mit dem kaum merkbar längeren Schnabel können ihrer Brut aber eine Raube mehr bringen, weil sie etwas tiefer in die Rinde der Bäume eindringen können.

Bei den Kurzschnäbeln stirbt eines von vier Jungen, die Langschnäbel bekommen alle durch. Also reichert sich so das Gen für den längeren Schnabel im Genpool an.

Dieser Unterschied verschwindet also nicht nur nicht wieder, durch kummulative Selektion wird er immer häufiger. Bis irgendwann die Langschnäbel wieder die Kurzschnäbel sind, weil es inzwischen welche gibt, deren Schnabel wieder etwas länger ist.

Antwort
von ThomasAral, 29

Theorie:  ab und zu kommt es zu sprunghaften Änderungen einzelner, die nicht so einfach sich wegmischen lassen ---- insb. dann nicht wenn die änderung nicht nur ein einzelnen individuum sondern eine ganze gruppe erfährt, die dann bevorzugt ihresgleichen sucht zur paarung.

nicht desto trotz zählt die theorie von darwin weiter ---- "survival of the fittest" ... das heisst die vermischung nutzt eben nicht viel, da die vermischung mit solchen die ein bestimmtes merkmal weniger stark ausgeprägt haben schneller sterben und sich somit nicht so viel vermehren.  das potenziert sich von generation zu generation ...  in 1000 generationen ist der unterschied der individuen mit und ohne vorteil verblüffend.

darwin beobactete das an Finken auf Galapagos

Antwort
von Schweinsbraten4, 3

Der Unterschied wird nur dann Selektiert, wenn er das Individuum besser macht. Und dann überleben auch jene Nachkommen eher, welche diesen Unterschied vererbt bekommen haben. Es wird in diese Richtung "gezüchtet".

Antwort
von mychrissie, 11

Negative Unterscheidungen (man nennt das einen evolutionären Malus) werden durch unsere zivilisatorischen Errungenschaften teilweise überspielt.

Ein Bluter z.B. kann heute prima leben, wenn er die entsprechenden Medikamente erhält. In Vorzeiten wäre er nicht alt genug geworden, um seine Erbeigenschaften weiterzugeben. Ohne Medizin hätten sich also eine Reihe von negativen Erbeigenschaften schon längst erledigt. Allerdings könnten auch viele Individuen, die heute mit Erbschäden zur Welt kommen, nicht überleben.

Außerdem kann der Mensch auch Umweltbedingungen ändern, die früher zum Aussterben ganzer Populationen geführt haben. Er kann feste Behausungen bauen, sie beheizen, er kann sich gegen UV-Strahlung schützen, er kann Entfernungen, Gebirgszüge, Ozeane, die ihn früher von lebenswerten Biotopen getrennt haben, in Stunden überbrücken. usw.

Angesichts dieser ganzen Möglichkeiten sind minimale Erbmaterialfehler und auch -verbesserungen bedeutungslos.


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