Frage an Wirtschaftsexperten - ist ein Exportüberschuss für eine gesunde Wirtschaft ein Muss?

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7 Antworten

Wann eine Volkswirtschaft "gesund" ist, ist natürlich eine Frage, über die man lange streiten kann. Aber dass Exportüberschüsse angestrebt werden, trifft zu. Ist letztlich ein Indikator für eine höhere oder effizientere Produktivität im Vergleich zum Umland einer Volkswirtschaft.

Stell dir das mal vereinfacht bei einem Einzelhändler vor: Wenn der stets teurer einkauft als er verkauft, ist er irgendwann pleite, oder? Und damit kann man das auch (leicht hinkend, gebe ich ja zu...) auf volkswirtschaftlicher Ebene vergleichen.

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Ein Muss ist es nicht, es ist auch gar nicht möglich, dass alle Staaten gleichzeitig einen Exportüberschuss aufweisen. Im Allgemeinen wird zumindest ein einigermaßen ausgeglichener Außenhandel als erstrebenswert angesehen, um makroökonomische Instabilitäten zu verhindern. Ob ein Überschuss oder ein Defizit nun gut oder schlecht ist, kann pauschal nicht beantwortet werden. Das hängt auch von der vorangegangenen Entwicklung der betrachteten Volkswirtschaft ab.

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Nun, zuerst scheint das nur so. Viele Staaten ( z.B. USA oder UK ) tun praktisch garnichts, um ihre stark defizitäre Handelsbilanzen auszugleichen.

Andere ( z.B. Schweiz ) manipulieren den Devisenmarkt um ihren ohnehin schon hohen Handelsüberschuss zu halten oder weiter auszubauen.

Rein von den Wachstumsraten ( insbesondere vor allen Krisen ) zeigt ein Vergleich, dass sogar die Wachstumsraten in defizitären Volkswirtschaften eher höher sind als in denen mit Handelsüberschuss.

Handelsüberschüsse werden zu oft in vereinfachender Weise als "per se produktionssteigernd" gesehen. ( Hauptsächlich wenn man das BIP von der Verwendungsrechnung her betrachtet ).

Viel wichitger sind aber die damit zwingend verbundenen Kapitalströme. Die Überschussländer bauen kontinuierlich Forderungen gegen die Importländer auf ( da haben wir z.B. auch den Großteil unserer Griechenforderungen her ) und es entstehen immer größer werdenden Fremdwährungspositionen ( "die Welt" ist bereits jetzt ca. 6000 Mrd.!! nicht Mio US-Dollar netto "long" , Tendenz steigend. ).

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Nicht unbedingt! Allerdings sollte auch kein großes Defizit im Buch stehen. Makroökonomisch wären ausgeglichene Außenhandelsbilanzen die für alle sinnvollste Lösung.

Problematisch daran ist, dass Unternehmen und Regierungen nicht makroökonomisch denken sondern nach dem eigenen Vorteil handeln.

Letztlich entscheidend ist das Verhältnis von Wertschöpfung zu Konsum. Dieser Überschuss kann in Form von Investitionen Werte bilden.

Im Gegenzug wird eine Volkswirtschaft, die ihren Konsum nicht durch eigene Wertschöpfung erwirtschaftet, zwangsläufig verarmen.

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Nein, ein Exportüberschuss kann nicht zwangsläufig eine gesunde Wirtschaft bedeuten. Das bedeutet nämlich, dass ein Exportüberschuss auf der einen Seite ein Defizit auf der anderen Seite bedeutet.

Ein anderer Aspekt ist, dass ein Exportüberschuss die Ausfuhr der im Inland realisierten Wertschöpfung bedeutet, der weniger Wertschöpfungsimport gegenübersteht. Oder um es populär auszudrücken, Länder mit Exportüberschuss exportieren mehr Reichtum, als sie importieren könnten und leben deshalb unter ihren Verhältnissen.

Damit kann man seine Konkurrenten zwar schwächen oder durch Schulden in Abhängigkeit bringen, aber nur so lange, wie die Schulden von den anderen auch bezahlt werden können oder tatsächlich bezahlt werden. Denn ein zugrunde gerichteter Handelspartner wird zukünftig nichts mehr kaufen können, wodurch man auf lange Sicht seine Exportchancen senkt. Ein zweiter Aspekt ist die Binnenwirtschaft, die so schwächer ist, als sie sein könnte.

Eine gesunde Wirtschaft wird immer eine ausgeglichene Handelsbilanz anstreben.

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Kommentar von Ruehrstab
26.12.2015, 22:44

Danke!

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Die Gefahr besteht, dass so die Binnennachfrage immer bedeutungsloser wird. Geringe Löhne tun es dann auch.

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dann müsste die Wirtschaft der USA seit Jahrzehnten am Boden sein. Sie haben traditionellerweise einen Importüberschuss

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Kommentar von Interesierter
22.12.2015, 16:20

Ist sie auch. Schau dir mal das Staatsdefizit an.

Die USA sind faktisch genauso pleite wie Griechenland. 

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