Frage von lisalefreak, 97

Formulierungen im Arbeitszeugnis, wer kann "übersetzen"? (Bild in den Antworten)

Hallo an Alle, kann mir jemand bei zwei Formulierungen von meinem Dienstzeugnis helfen? Zur Info: Ich war im technischen Support (Mobilfunk) tätig. Direktes Arbeiten mit Kunden. Also kein B2B. Sondern B2C :)

Ich hab im Netz nichts wirklich gutes gefunden. Satz Nummer 1 war:

,,Ihre Aufgaben erledigte Sie sachgemäß und zeigte dabei die erforderliche Effizienz und Sorgfalt"

Und der zweite Satz:,, Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war** stets korrekt**, Sie war zudem bereit Verantwortung zu übernehmen"

Ich bedanke mich im Vorraus. Schönen Abend :)

Antwort
von rotreginak02, 93

Hallo lisalefreak,

es macht überhaupt keinen Sinn, einzelne Sätze eines Arbeitszeugnisses zu bewerten, denn nur das "Gesamtzeugnis" von Titel bis Unterschrift lässt eine verlässliche Aussage zu.

Viele Botschaften stecken genau dort, wo sie unerfahrene Zeugnisleser nicht vermuten, bzw. auch im Gesamtbild des Zeugnisses.
Auch Zeugnisse, bei denen etwas ausgelassen wird, die Aussagen sehr wiedersprüchlich sind, sind als eher schlecht einzustufen, da hilft es auch  nicht, wenn ein einzelner Satz an sich eine "gute" Leistung bewertet, im Folgenden aber wieder relativiert oder gar zurück genommen wird.

Unabhängig davon, ist aber allein die Formulierung des Satzes:

,Ihre Aufgaben erledigte Sie sachgemäß und zeigte dabei die erforderliche Effizienz und Sorgfalt

 als eher negativ zu bewerten, denn sachgemäß ist halt (nur) der Sache entsprechend, mehr auch nicht, eine besondere oder gute Leistung wird hier nicht erwähnt. Dass man als AN die erforderliche Effizienz und Sorgfalt zeigt, erwartet jeder AG, ist also ein Mindestmaß.

Auch die Aussage, dass dein Verhalten gegenüber Vorgesetzten stets korrekt war, ist, wenn es dort wirklich so steht und du Nichts in dem Satz ausgelassen hast, doppelt vernichtend: "stets korrekt" ist nicht mehr als ausreichend und das Auslassen von Kollegen und Kunden bedeutet nichts Gutes....denn Weglassen von üblichen Aussagen im Arbeitszeugnis ist auch eine gängige Praxis, dem zukünftigen AG mitzuteilen: das war so grottenschlecht, dass es hier lieber nicht erwähnt wird.

Wie gesagt, eigentlich müsste man das gesamte Zeugnis sehen, aber bereits die zwei erwähnten Sätze lassen auf ein insgesamt schlechtes Zeugnis schließen.

Du hast aber das Recht (notfalls mit anwaltlicher Hilfe), diesem Zeugnis zu widersprechen und ein wenigstens durchschnittliches zu verlangen.

Kommentar von DarthMario72 ,

Man kann noch darüber streiten, ob "stets korrekt" befriedigend oder ausreichend ist - positiv ist es jedenfalls nicht. Ansonsten siehst du das vollkommen richtig.

Kommentar von rotreginak02 ,

es liegt vermutlich zwischen befriedigend und ausreichend..3- oder 4+ ["einwandfrei" wäre befriedigend, "korrekt" ausreichend, das hier erwähnte "stets korrekt" vermischt das Ganze, da hast du Recht ;-)

Antwort
von DarthMario72, 69

Man kann ein Zeugnis nur dann ordentlich beurteilen, wenn man es im Zusammenhang liest, also vollständig von der Überschrift bis zum Ausstellungsdatum und der Unterschrift. Denn überall dort können Informationen enthalten sein, die für die Einschätzung des Zeugnisses wichtig sind.

Aus dem Zusammenhang gerissene Sätze kann man nicht richtig bewerten, denn je nach Kontext können sie eine völlig unterschiedliche Bedeutung haben. Wenn du also halbwegs seriöse Antworten hier haben willst, musst du dein Zeugnis vollständig (aber natürlich anonymisiert) hier einstellen.

Dennoch lässt sich folgendes sagen:

Ihre Aufgaben erledigte Sie sachgemäß

Du hast gerade mal die Mindestanforderungen erfüllt.

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war** stets korrekt**

Das ist befriedigend. Dein Verhalten gegenüber Kollegen und den Kunden ist gar nicht beurteilt, muss also ziemlich mies gewesen sein.

Aber wie gesagt: Wenn du eine genauere Einschätzung haben willst, braucht man den kompletten Zeugnistext.

Kommentar von lisalefreak ,

Habe es nochmal mit gepostet in den antworten 

Kommentar von DarthMario72 ,

Auch das ist noch nicht das vollständige Zeugnis. Es beginnt nun mal mit der Überschrift, selbst solche unscheinbar wirkenden Details können wichtig sein (z. B. wäre es nicht erlaubt, die Überschrift gesperrt zus schreiben, also mit Leerzeichen zwischen den Buchstaben, da das ein versteckter Hinweis sein kann).

Zusätzlich zu dem bereits gesagten noch folgendes:

Ich komme nicht so ganz mit deinen Aufgaben klar, "Erreichung der vereinbarten quantitativen Ziele" und "Schichttreue und Einhaltung der teaminternen Arbeitszeitregelungen," da frage ich mich ernsthaft, was das mit deinen Arbeitsaufgaben zu tun hat.

Die Beschreibung deiner Arbeitsleistung ist in der falschen Reihenfolge. Die Zusammenfassung "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" (= gut) gehört ans Ende. Auch der Satz "sie war bereit Verantwortung zu übernehmen" gehört nicht in den Absatz Sozialverhalten, sondern zur Arbeitsleistung. Insgesamt ist hier einiges durcheinander geraten. Und dadurch dass die Beschreibung deiner Arbeitsleistung recht kurz ausfällt, wird dieser Bereich eher abgewertet. Ebenso wenig passt das "sachgemäß" (Schulnote 3-4) zu dem "stets zu unserer vollen Zufriedenheit".

Das ist nicht mehr als zusammenkopierte 08/15-Floskeln. Wer auch immer dieses Zeugnis geschrieben hat, hat sich nicht besonders viel Mühe gegeben und/oder hatte nicht den blassesten Dunst, was er da zusammengekritzelt hat.

Antwort
von dadamat, 34

Schulnote 3 - 4.

Antwort
von Georg63, 62

Klingt mittelmäßig bis negativ.

Antwort
von lisalefreak, 27

Das hier ist das komplette 

Antwort
von 5432112345, 70

,,Ihre Aufgaben erledigte Sie sachgemäß und zeigte dabei die erforderliche Effizienz und Sorgfalt"
Kein lobendes hervorheben, arbeiten werden nur "nach Vorschrift" aber ordentlich erledigt.

,,Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war** stets korrekt**"
Es werden nur Vorgesetzte genannt, was bedeutet, dass das Verhalten gegenüber Kollegen und Kunden nicht korrekt war. (Es müssten alle 3 genannt sein.)

"Sie war zudem bereit Verantwortung zu übernehmen"
Kein lobendes hervorheben und keine Nennung von erfolgreich übernommenen Aufgaben. Bereit ja, fähig nein.

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