Frage von Peace16, 33

Formkritik?

Ich halte ein Referat über die historisch kritische methode dafür hab ich ein Text bekommen für die klassichen missverständnisse der Formkritik den Text verstehe ich nicht ganz, ob in mir jemand einfach erklären könnte wäre echt hilfreich " Forkritik ist kein Glasperlenspiel. Im Verhältnis zwischen Glauben und Wissen war es in der Vergangenheit verhängnisvoll, dass die kirschliche Theologie die biblischen Texte zu Schöpfung und Weltbild ohne Rücksicht auf die literarische Gattung und Aussageabsicht als Tatsachenaussage auffasste."

Expertenantwort
von Nadelwald75, Community-Experte für Schule, 16

Hallo Peace16,

Ich vermute mal, dass mit dem Bild „Glasperlenspiel“aus dem Roman von Hermann Hesse entnommen ist. Hier bilden (nach Wikipedia) „die (männlichen, zölibatär lebenden) Gelehrten einen straff organisierten Orden, der in der „Pädagogischen Provinz“ Kastalien lebt – der heilen, abgeschotteten Welt einer geistigen Elite, die sich in Universalität und Harmonie entfaltet und darin ihren Selbstzweck erleben darf.“

Gemeint ist dann wohl eine Art theologischer Gelehrtenarbeit, die als Selbstzweck um sich selbst kreist. Das hat aber dann Auswirkungen, die sich auch zum Teil verhängnisvoll auf den Glauben innerhalb der Kirche auswirkten. Man könnte sogar sagen, dass die Historisch kritische Methode, die sich schon im 18./19. Jahrhundert entwickelt hatte, nur sehr zögerlich in der katholischen Kirche angekommen ist.

In deinem Satz wird dann besonders Bezug genommen auf die Exegese von Gen 1 und 2. (Du kannst hier bei gutefrage sehen, dass sich immer wieder Leute in die Wolle bekommen über diese Texte.)

In der Kirche (kath.) ist dann auch eine Entwicklung zu sehen: Noch zur Zeit des Vatikanum I. (1871) hat man die literarische Gattung und die Aussageabsicht dieser Texte nicht beachtet. Man war der Auffassung, (Text: Dei filius) dass man gehorsam auch uneinsehbare geoffenbarte Glaubenswahrheiten gehorsam gegenüber dem kirchlichen Lehramt annehmen müsse. Es gebe nicht den leisesten Fehler, auch nicht im naturwissenschaftlichen und historischen Bereich.

1909 hat sich noch die päpstliche Bibelkommision geäußert, der historische Schriftsinn dürfe nicht ohne Schaden für den christlichen Glauben in Zweifel gezogen werden.

1943 erst hat Pius XII in der Enzyklika Divino afflante Spiritu dazu aufgefordert, die literarische Gattung und damit die Aussageabsicht zu erforschen.

Noch in den fünfziger Jahren waren Katechismus (sog. Grüner Katechismus) und Schulbibeln so ausgerichtet, dass die Schöpfungstexte kommentarlos als historisch dargestellt wurden.
1959 hat dann erst Papst Pius XII. in der Enzyklika Humani Generis dazu aufgefordert, sich mit der Evolutionstheorie zu beschäftigen.

Und bei manchen, vor allem Fundamentalen, ist die theologische Entwicklung immer noch nicht angekommen, und die alten Betrachtungsweisen wirken immer noch nach - und das führt dann z.B. hier im Forum auch zu wilden Diskussionen über das Verhältnis von Wissenschaft und Glaube.

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