Frage von menyou, 40

Firmenwert handelsrechtlich abschreiben-Laufzeit selber bestimmen?

Hallo

Ich lerne gerade für Rechnungswesen und eins wird mir nicht ganz klar. Einen Firmenwert muss ich steuerlich über 15 Jahre abschreiben. Aber handesrechtlich, kann ich selber bestimmen wie lange?Das heißt->realitätsfern, aber theoretisch richtig dargestellt:

Kaufe ich eine Firma ohne Schulden, kann ich die Abschreibung des Firmenwert auf das minimum der zeit ansetzen (1monat?), um schnellstmöglich mein Eigenkapital für andere dinge einsetzen zu können. Kaufe ich eine Firma mit vielen Schulden, setze ich die Abschreibung auf sehr viele Jahre an, um die Schulden nicht zu schnell abbezahlen zu müssen (abgesehen von Zinsenlogik etc.)

Verstehe ich das Richtig? Ansonsten stellt sich für mich die Frage, warum überhaupt handelsrechtlich abschreiben? Wo bleibt der mehrwert?Bei steuerlich, habe ich wenigstens Steuererleichterung

Danke im Voraus

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, 14

Gerade die Handelsbilanz kann man etwas stärker an der Realität orientieren. Man bedenke aber die umgekehrte Maßgeblichkeit (der Steuerbilanz für die Handelsbilanz).

Dazu kommt, dass die Handelsbilanz insbesondere für die Eigenkapitaldarstellung von besonderer Bedeutung ist und für die Entnahmepolitik bzw. Ausschüttungen.

Der Firmenwert besteht ja aus verschiedenen Teilen. Wie der Name eines Unternehmens (wenn er weiter genutzt werden kann/soll), dem Kundenstamm und andere Werte, die eigentlich gar nicht bilanziert werden können.

Außer eben durch den angeschafften Firmenwert.

Die Kundenlisten verlieren natürlich ihren Wert. Weil die Leute eben Anbieter wechseln oder auch die Bindung dem alten Unternehmen gegenüber nachlässt und dem neuen gegenüber steigt.

In jedem Fall sinkt damit der angeschaffte Firmenwert.

Die Werbewirkung eines eingeführten Namens kann relativ hoch sein, wenn er als Marke eben zu Bekanntheit geführt wurde.

Daher macht das mit der längeren Abschreibungsdauer sehr wohl Sinn. Wenn man nämlich bedenkt, was die weiteren Funktionen einer Bilanz sind. Wie nämlich die Darstellung der Werte.

Ob man nun ein Unternehmen mit Schulden kauft und diese laufend tilgt oder eben durch Eigenkapital ablöst, da verstehe ich Deine Frage nicht. Die augenscheinlichen Zinswirkungen hast Du ja zu Recht raus genommen.

Dazu kommt, dass doch die Abschreibung des Firmenwertes nichts mit der Verfügungszeit über das Eigenkapital zu tun hat. Auch mit den Verbindlichkeiten sehe ich keinen Bezug.

Wo soll der denn her kommen? Klar mindern Abschreibungen den Firmenwert. Im Ergebnis durch die GuV auch das Eigenkapital. Also wäre sogar eine lange Abschreibungsdauer von Vorteil.

Mache das übrigens auch aus Gründen der Bilanzpolitik ganz gern. Lieber einen kontinuierlichen Verlauf des Betriebsergebnisses, als dauernd die Fieberkurve.

Zum anderen bietet es ja sogar etwas mehr Schutz vor einem Anfangsverdacht der Insolvenz. Dazu zählt eben die überschuldete Bilanz.

Deine Nachfrage nach Mehrwert ist nicht verständlich, was hat dies mit den Löhnen und Gehältern wieder zu tun?

Kommentar von menyou ,

Danke dir für die Antwort

Ich habe es so verstanden, dass wenn der Firmenwert im Aktiva dazu kommt, muss ich die Passiva erhöhen. Z.b. mehr eigentkapital einbringen. Schreibe ich den Firmenwert also z.b. innerhalb eines Monats ab, dann habe ich mein eingesetztes Eigenkapital im 2 Monat wieder. ->das wäre ein Mehrwert (was ich meinte)

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Das habe ich bereits als Schüler gehasst: Wenn man etwas nicht verstanden hat, dann braucht man dieses nicht zu wiederholen. Weil es nichts bringt und falsch bleibt.

Außerdem denkt man bitte schön in Buchungssätzen. Dann unterbleiben so obskure oder esoterische Sätze wie: ...muss ich die Passiva erhöhen.

Wann entsteht ein Firmenwert? Während der laufenden Geschäftstätigkeit - Hoffentlich. Wann darf er in der Bilanz auftauchen?

Wenn er durch Kauf entsteht. Also Unternehmen wird aufgekauft. Im Vertrag stehen x Millionen. Die werden aufgeteilt auf alle Wirtschaftsgüter. Nach ihrem derzeitigen Wert.

Es bleibt nach dem Mammut-Buchungssatz nur noch die Frage: Wo kam das Geld her? Entweder Eigenkapital. Dazu zählt dann auch ein privates Darlehen oder das Darlehen wurde gleich betrieblich aufgenommen.

Da hast Du Deine Passivbuchungen. Eigenkapital und oder Darlehnsverbindlichkeit. Gegen Eltern, Bank oder wer auch immer das Geld gegeben hat.

Du hast auch die Wirkung einer Abschreibung nicht verstanden. Hätte ich wohl gar nicht beschreiben brauchen - Oder?

Was ist eine Abschreibung? Wie wird sie gebucht? AfA auf immaterielle Vermögensgegenstände an Firmenwert. Über was wird AfA abgeschlossen? Was passiert in der Folge? Was passiert mit dem Konto Firmenwert.

Schreibe es Dir auf! Dann siehst Du es. Da braucht man keine Glaskugel. Es mag ja ungebräuchlich sein, aber lernen ist eine Form aus mehreren Schritten.

Und wenn Du Buchführung lernen willst, dann kommst Du um das ausprobieren nicht rum. Dazu braucht man dann auch alte Technologie. Stift und Zettel. Da nimmt man die wesentlichen Bilanzpositionen und Erfolgskonten (in Form von T-Konten). Dann sieht man was passiert.

Dann sollte man auch nicht mit so bescheidenen Dingen kommen, wie eine Voll-Abschreibung von wenigen Monaten. Ist doch Müll. Dir ist bekannt 15 Jahre bzw. 10 Jahre.

Wo es im HGB steht ist mir gerade entfallen - Aber es ist auch gut so! Denn das sucht man sich beim Lernen raus. Und dann nach Steuerrecht - Da sollte es im § 4 EStG stehen oder im § 6 EStG.

Wer nach Wunschdenken lernt, der macht sich eine mit der Realität nicht stimmende Lernwelt. Kannst ruhig jedem erzählen Du machst das so, weil Du bei Deinen Fragen dann besser die Wirkungen siehst. Ist aber Unsinn, weil man dann nämlich die eigenen Realitäten mit lernt.

Außerdem muss man die Sache vollständig betrachten. Und wie es bei der doppelten Buchführung nun einmal ist: Es gibt Soll und Haben. Wenn Du mal richtig weit in der Materie bist und in der Diskussion um eine Wirkung einschätzen kannst, dass die Passiv oder Aktiv-Buchung keine Auswirkung hat, dann kannst Du das vernachlässigen.

Ich kann Dir aus vielen Jahren Praxis sagen: Es gibt kaum Menschen die das tun. Warum wohl? Weil es zu Komplex ist.

Wieso sollte Eigenkapital überhaupt durch höhere Kosten (was ja Abschreibungen in ihrem Wesen sind) 'verfügbar' werden?

Das ist wie bei Deinen Eltern. 'Oh, wir mussten heute unser Auto abschreiben.' 'Jep', sagt das andere Elternteil. 'Wir brauchen Geld für ein anderes Auto.' Da wurde Geld real vernichtet, also ist eben Eigenkapital nicht verfügbarer geworden.

Umgekehrt: Oh, war in der Werkstatt, dachte bisher der Motor hält 160.000 km. Der Meister hat mir gesagt, dass dieser Motor 320.000 km hält. Dann kann man ja beruhigt in Urlaub fahren. Weil sich gerade die Zeit verlängert hat, bis man das Eigenkapital für das Auto verwenden muss.

Man kann also noch länger sparen.

Und wenn Du fragst: Wieso ich so sauer bin, bei Deiner tollen Frage. Dann muss ich Dir sagen: Deine Rückschlüsse sind so unlogisch, dass man die nach 6 Monaten Buchführung eigentlich nicht mehr ziehen sollte.

Wenn Dir auch verschiedene Fehler aufgezeigt werden, dann zeigst Du nicht, dass Du davon etwas berücksichtigst, sondern wiederholst den vollständigen großen Fehler. Also kein Lernerfolg.

Das ist ungenügend. Die damit verbundene Schulnote solltest Du kennen. Kannst es sicher auch nachvollziehen: Nur wenn was richtig ist und anderes etwas besser wird kann man Punkte erzielen.

So: Die Bilanz wird auf den 31.12. gestellt. Der Kaufmann stellt für die am 1.12. gekaufte Unternehmung die Bilanz auf.

EB Aktiva: 1.000.000 Fuhrpark/Immobilie; 100.000 Firmenwert; Bank 20.000
EB Passiva: 700.000 Eigenkapital; Verb. 420.000

Jetzt bist Du der Kaufmann und schreibst den Firmenwert ab - 100%.

Wie sieht die GuV aus?

Einnahmen Null. Erträge also auch Null. AfA 100.000. Betriebsergebnis? Verlust 100.000 Euro. Wohin schließt man GuV ab?

Wenn man sie nicht noch einmal in die Bilanz übernimmt. Über Eigenkapital. Passiert übrigens bei dem anderen Vorgehen am 1.1. des Folgejahres.

So - Also Eigenkapital. Was passiert mit dem Eigenkapital bei Verlust? Steigt es? Sinkt es? Oder bleibt es gleich?

Natürlich sinkt es. Passiert hier was mit der Verfügbarkeit des Eigenkapitals? Streng genommen nicht.

Fortsetzung weiterer Kommentar --->

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Fortsetzung:

Wenn man überhaupt von 'Verfügbarkeit' sprechen will, dann muss man
die Frage auch schon anders stellen. Wie viel kann ich aus dem
Unternehmen entnehmen?

Er kann ein Auto oder eine Immobilie entnehmen. Auch das Geld auf dem

Konto. Warum? Weil es da ist. Egal bei der Entnahme ist die Liquidität.
Aber bei Eigenkapital wird unterstellt: Das soll langfristig dem
Unternehmen dienen.

Warum kann ich das unterstellen? Weil es in
der Bilanz als Posten steht. Was erscheint in der Bilanz? Jedenfalls
wenn ich die Aktivseite betrachte? Es ist das zu aktivieren, was dem
Unternehmen länger als ein Jahr dienen soll.

Warum dann die Kasse? Klar, weil die Kasse im Bestand sich ändert. Also ihr Bilanzwert sich ändert. Sie bleibt aber.

Was
ist die Passivseite der Bilanz? Was sagt man dazu noch? Bei Aktiva
spricht man von der Mittelverwendung. Was ist dann die Passivseite? Es
ist die Mittelherkunft!

Wo bitte gibt es hier überhaupt eine
Bindung des Eigenkapitals? Wie kann man also die Bindung verkleinern?
Oder eben eine Verfügbarkeit herstellen? In dem von Dir unterstellten
Sinne gar nicht.

Also bitte: Gucke es Dir jetzt richtig an. Wenn
Du dann mit der korrekten Sichtweise Probleme hast, dann frage. Komme
aber nicht mit dem unsinnigen Dreck. Darauf antworte ich auch kein
weiteres mal.

Kommentar von menyou ,

Alles klar. Ja mein Fehler war tatsächlich das ich davon ausging das eine Abschreibung nur auf der Aktivseite stattfindet und somit das Passiva frei ist, da der Firmenwert immateriell ist. Aber vergleicht man es mit lizenzen und Patente macht es durch aus wieder sinn.

Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Habe in meinen Dokumenten auch leider nirgends stehen das in Aktiva nur sachen stehen dürfen, die dem Unternehmen mehr als ein Jahr dienen sollen. Sehr interessant. Danke

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Danke für den Stern.

Die Definition von aktivierungspflichtigen Anlagegütern ist im § 4 EStG zu finden. Dazu sollte da auch stehen, was Betriebsausgaben sind. Vergleichbar dem Werbungskostenbegriff (§ 9 EStG) - Es ist zwar falsch die Betriebsausgaben nach § 9 zu bestimmen, aber dort wird es im Grunde viel deutlicher beschrieben.

In den Richtlinien zu den Werbungskosten gibt es da weitere interessante Punkte. Die verdeutlichen trotz des Vorbehaltes sehr gut, warum es dem Gesetzgeber geht.

Die Wirtschaftsgüter, die länger als Jahr zu dienen bestimmt sind und über 150 Euro kosten, die sind aktivierungspflichtig. Wenn diese Aussage so Bestand haben soll, dann kann man nur die anderen Konten ebenso versuchen zu beschreiben.

Denn wer möchte schon Forderungen über ein Jahr in den Büchern stehen haben? Im Normalfall möchte man die Einnahme nicht nur versteuern, sondern doch ganz gern in der Tasche haben.

Deshalb der Hinweis auf den Wert.

Wie gesagt - Ganz wichtig, wenn auch scheinbar langweilig: Immer in Buchungssätzen denken und dabei auf die geistigen T-Konten gucken und was in GuV und Bilanz passieren würde, wenn man sofort den Abschluss machen würde.

Viel Erfolg beim Reinarbeiten.

Antwort
von MenschMitPlan, 18

Der Firmenwert ist handelsrechtlich auf 10 Jahre abzuschreiben, wenn eine andere verlässliche Schätzung nicht möglich ist. § 253 (3) HGB.

Realitätsfern darfst du schon mal gar nicht bewerten, auch das steht im HGB. Du musst die tatsächlichen Verhältnisse abbilden.

Kommentar von menyou ,

Danke für deine Antwort

Ich frag mich desweiteren noch: wie schätzt man denn zuverlässig die Nutzungsdauer eines Firmenwerts?Sehe da gerade kein Praxisbezug, wie ich das vorher wissen sollte, wie lange und prozentual?

Kommentar von MenschMitPlan ,

Genau wegen dieser Problematik gibts die Fiktion der 10 Jahre. ;-)
Damit bist du immer auf der sicheren Seite.

Antwort
von wfwbinder, 9

Zur Abschreibung haben @Menschmit Plan udn @Dirk-D-Hansmann schon alles gesagt.

Aber den Zusammenhang, den Du zwischen Kapital/Fremdkapital udn Abschreibung herstellst ist völlig unzutreffend.

Wenn ich ein Schuldfreies, kapitalstarkes Unternehmen habe, kann ich das Geld einsetzen wie ich will.

Habe ich Schulden, so sind die über den vertraglichen Zeitraum zu tilgen, egal ob mit, oder ohne Abschreibung auf den Firmenwert.

Nur im bereich der Steuerbilanz gibt es einen mittelbaren Zusammenhang.

Der Betrag, den ich als jährliche Abschreibung habe, steht mir steuerfrei für Tilgung zur Verfügung. Hätte ich keine Abschreibung, müsste ich um 1.000,- Euro zu tilgen ca. 1.500,- - 2.000,- Euro verdienen.

Kommentar von menyou ,

Danke dir

Nur damit ich dich richtig verstehe. Ich müsste 1500-2000 (in deinem Beispiel) verdienen um ebenso die Steuern, die darauf fällig sind zu begleichen?Oder wieso wird 1000 plötzlich zu 1500-2000?

Kommentar von wfwbinder ,

Ja natürlich.

Verdiene ich mit meinem Unternehmen 100.000,- Euro, müsste ich ja je nach Rechtsform und Steuerstatus, so zwischen 35 und 50 % an Steuern zahlen. Nehmen wir für das Beispiel 40 %. Also nach Steuern 60.000,-. habe ich 10.000,- Tilgungen zu leisten, bleiben mir 50.000,-.

Habe ich nun 10.000,- Abschreibung auf den Firmenwert, sind nur 90.000,- zu versteuern. also 36.000,- Steuer. bleiben 54.000,- Gewinn nach Steuer. aber 64.000,- Liquidität, denn die Abschreibung ist ja keine Zahlung. ich zahlevon den 64.000,- die Tilgung und habe noch 54.000,- auf dem Konto. also 4.000,- mehr, als ohne Abschreibung.

Du lernst für Rechnungswesen. Für die Handelsschule, oder für die Ausbildung?

Kommentar von menyou ,

Duales Studium (ist aber nur 50% wirtschaft)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community