Frage von Managementrat, 133

Firmenwagen - jeder will ihn, aber weniger Nettoeinkommen?

Hallo zusammen, habe zum ersten Mal einen Firmenwagen angeboten bekommen und bin bei Steuerfragen wirklich schlecht. Bevor ich meinen Steuerberater frage (und der rechnet das ab), meine Frage an Euch: Jeder will einen Firmenwagen, aber dann ergibt das weniger Nettoeinkommen. Was sind die Vorteile, wie schwer fällt der geldwerte Anteil ins Gewicht? Bis dato weiß ich noch nicht, welches Auto es sein wird.

Danke schon einmal!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Mikkey, 72

Wenn Du den Wagen auf Dein normales Gehalt "obendrauf" bekommst, ist es keine Frage, das Angebot anzunehmen. Bei 35% Grenzsteuersatz und 30.000 Fahrzeugwert und 15 km Arbeitsweg ohne sonstige Werbungskosten ergäben sich:

1% von 30.000 = 300 und 15*20*0,30 = 90, also zusammen um 390€ erhöhtes Bruttogehalt. Davon gehen rund 55% Steuern und Sozialversicherung herunter, das sind 214,50€. Dafür lässt sich kein eigener Wagen unterhalten.

Sollst Du dafür auf einen Teil des Bruttogehalts verzichten, erfordert es, diesen Ausgleich gegenzurechnen. Das wird Dir mit dem obigen Muster sicher gelingen.

Kommentar von Mpdes ,

Hier wurde eigentlich schon das Wesentlichste erwähnt. Hinzu käme oftmals noch die Tatsache, dass der Arbeitgeber dein Auto vollkasko versichert, für Schäden zahlt, den Stellplatz bezahlt, ggf. Benzin bezahlt und die Kosten für zusätzliche Versicherungen übernimmt, z.B. ADAC, OnStar, BMW Service.

Ich zahle für einen 45,000 Euro Firmenwagen 229 Euro im Monat. Jedoch verzichte ich auch auf 7,200 Euro zusätzliches brutto Gehalt. Das sind monatlich 345 Euro netto auf die ich verzichte. Somit zahle ich im Endeffekt 345 + 229 = 574 Euro im Monat, wenn man die Gehaltserhöhung als Opportunitätskosten betrachtet.

Wenn man bedenkt, dass ich nun nicht mehr für die Versicherung (1,400 Euro / Jahr), KFZ-Steuer (308 Euro / Jahr), Reparaturen und Wartung (400 Euro / Jahr) zahlen muss, spare ich wiederum netto ca. 2,100 Euro im Jahr, oder 175 Euro im Monat. Zieht man das wiederum von den 574 Euro Kosten im Monat ab, landet man bei ca. 400 Euro im Monat (also inkl. Versicherung und den ganzen anderen Kosten). Das ist ein verdammt guter Deal.

Ob sich ein Firmenwagen lohnt ist eine Frage, die man grundsätzlich mit "Ja" beantworten kann. Wichtig ist aber, dass man sich über Opportunitätskosten bewusst ist und auch die Kosten für Versicherung, Reparaturen, etc. einkalkuliert. Viel Spaß.

Kommentar von Managementrat ,

Danke auch für diese ausführlichen Antworten, super! Das Basisgehalt ist fix, nicht verhandelbar - oben drauf will der Chef mir den Firmenwagen nach Ende der Probezeit geben. Ich hätte keinen fixen Arbeitsweg, weil Außendienst - das heißt, ich fahr mal 1000 km die Woche, dann wieder 2 Wochen gar nichts. Wie würde sich das berechnen? 

Ist es sinnvoll nochmal genau die ganzen Konditionen zu dem Firmenwagen zu erfragen, bevor ich einschlage? Oder macht man das "dann"? 

Kommentar von Mikkey ,

In der Regel schließt Du einen ergänzenden Vertrag ab. Bei den Konditionen gibt es verschiedene Varianten bis zum vollständigen Bezahlen absolut aller Kosten inkl. Kraftstoff im Urlaub.

Die betrieblich veranlassten Fahrten haben mit Dir nichts zu tun.

Expertenantwort
von Hamburger02, Community-Experte für Auto, 105

Meistens ist es so, dass die 1%-Regelung (1% vom Neuwert muss als geldwerte Leistung versteuert werden) um vieles billiger kommt, als wenn du alle Kosten selber trägst (Wertverlust, Steuer, Versicherung, Wartung, Reparatur, Sprit, Öl etc.).

Kommentar von Managementrat ,

danke Hamburger! das heißt bei einer Privatnutzung: angenommen der Neupreis war 30.000 Euro - dann müsste ich bei der Steuererklärung 300 Euro geldwerter Vorteil für das gesamte Jahr angeben? Das macht faktisch am Ende wenig Unterschied beim Nettoeinkommen im Gegensatz zu den anfallenden Kosten - sehe ich das richtig?

Kommentar von Hamburger02 ,

Die 1% werden monatlich gerechnet. Angenommen, das wären 300,-, dann musst du darauf deinen Steuersatz anwenden, und das geht dir Netto verloren. Hast du z.B. 33%, werden dir vom Netto entsprechend 100,- jeden Monat abgezogen. Das deckt bei einem Neuwagen nicht einmal annähernd den Wertverlust. Bei 30.000 Neupreis ist der nach einem Jahr höchstens noch 24 TEUR wert, wären also pro Monat schon mal 500,- Wertverlust. 

Das gilt aber nur bei Privatnutzung. Ohne Privatnutzung bezahlst du gar nichts.

Expertenantwort
von bronkhorst, Community-Experte für Auto, 35

Nicht "jeder will ihn" - besonders wenn man sich die steuerliche Seite klargemacht hat.

Ich hatte mal einen bei recht großer Entfernung zur Arbeitsstelle; die steuerliche Belastung war dadurch ziemlich stramm.

Das gleiche Auto selbst zu leasen wäre teurer gewesen - hätte für mich aber nie zur Diskussion gestanden. Und damit wird der "Einspareffekt" ziemlich albern.

Das ist ein nettes Statussymbol und es ist ganz angenehm, seine Tankrechnungen weiterreichen zu können - ob sich das für einen wirklich lohnt, steht aus einem anderen Blatt...

Antwort
von Rockuser, 76

Wenn Du den Firmenwagen nicht Privat nutzt, ist das Steuerlich total Irrelevant.

Kommentar von Managementrat ,

Der Wagen wird nur interessant, wenn ich ihn privat nutzen kann. Ich habe ein Auto und werde das dann abmelden. 

Kommentar von Rockuser ,

Dann wird dir Das Finanzamt natürlich den Vorteil anrechnen. Das solltest Du wirklich mit einem Steuerberater abklären.

Antwort
von kenibora, 87

Sinnvoll, nimm einen Steuerberater. Dem musst Du alle Deine Vermögensverhältnisse aber vorlegen. Hier kann Dir niemand weiterhelfen. Er gibt Dir auch weiter Tipps....

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community