Frage von nonamecausnonam, 58

FI/RCD nachträglich montieren lassen?

Hallo Zusammen,

meine Freundin und ich renovieren gerade unsere Wohnunh, beim Wohnzimmer renovieren ist mit aufgefallen das sämtliche Steckdosen noch mit der Klassischen Nullung verbaut sind. Mir ist bewusst, dass das nach der Bestandsregelung erstmal kein Problem darstellt. Da ich aber im Zuge von Umbauten doch einige Steckdosen versetze und auch stellen weise "vermehre" und sowieso alle Steckdosen aus optischen Gründen wechseln möchte müsste ich doch jetzt eine Sicherung nachrüsten oder? Die einzelnen Steckdosen kann man ja mit RCD STeckdoesen einfach absichern (teuer aber einfach) da ich eine Leitung allerdings auf mehrere Steckdosen legen möchte ist meine Frage ob man auch eine kleine Verteilerbuchse (ein ankommendes Stromführendes Kabel Dreiadrig auf die Klassische Nullung angeschlossen; 4 abgehende 3 adrige Kabel) mit einem RCD absichern kann. Dann hätte ich zwar das STück vom Verteiler bis zur alten Steckdose und weiter noch mit Klassischer Nullung, aber vom Verteiler bis zur Verbraucherstelle abgesichert. Ist das möglich?

Und für alle besorgten Elektriker unter euch. Ich möchte das nicht selbst machen, sondern machen lassen. Ich gehe nur gerne informiert und ein Gespräch mit Handwerkern.

Vielen Dank

Antwort
von ProfDrStrom, 41

Nichts von dem was du vor hast, ist meines Wissens mit den aktuellen Normen in Einklang zu bringen.

Bestandschutz kann nur dann bestehen, wenn die Elektroanlage unverändert dem Zustand entspricht wie zum Zeitpunkt der Errichtung und sie den damaligen gültigen Normen entsprach.

Ich will nicht ausschliessen, dass du jemanden findest der deinen Wunsch in die Tat umsetzt, aber ob das dann auch Normkonform ist wage ich stark zu bezweifeln.

Kommentar von germi031982 ,

Als Ergänzung dazu:

Ein 1:1-Austausch der Betriebsmittel hebt den Bestandsschutz nicht auf. Man kann also da wo Steckdosen vorhanden sind diese ohne Probleme durch neue Exemplare ersetzen, gleiches gilt für Schalter, Lampen etc.

Darüber kann man ganze Abhandlungen schreiben:

http://www.elektro-plus.com/pdf/ei-spannungsfeld.pdf

Kommentar von ProfDrStrom ,

Die Ergänzung ist 100% ok.

Weitere Ergänzung:

Im VDE-Vorschriftenwerk gibt es den Begriff des Bestandschutzes nicht.

Anmerkung:

Der Begriff wird häufig dann verwendet, wenn versucht wird auf kosten der Sicherheit, Geld zu sparen. (Nicht auf die hier gestellte Frage gemünzt, gilt ganz allgemein)

Kommentar von germi031982 ,

Der Bestandsschutz kommt aus dem Baurecht, VDE kennt nur nachrüstpflichtig oder nicht nachrüstpflichtig.

Oftmals ist es nicht nur das Geld sondern der Umbau selbst. Auf ein Wohnzimmer kann man mal ein paar Tage verzichten, aber wenn die komplette Wohnung umgerüstet wird ist die für den Zeitraum der Umrüstung praktisch unbewohnbar. Und wo soll man in der Zeit hin? Ins Hotel? Und was ist mit dem Mobiliar? Wohl dem in dessen Wohnung oder Haus Leerrohre eingezogen wurden, da hat man den Ärger nicht...

Kommentar von ProfDrStrom ,

Wem nützt es, sich durch eine veraltete und marode Anlage in Gefahr zu begeben, nur um den Umbau nicht durchzuführen?

Ich lebe liebe in einer anderen, sicheren Wohnung, als tot in einer gefährlichen zu liegen.

Hier gilt wie immer: Safety first!

Wenn Leerrohre aus Kunststoff verlegt worden sind, liegt im Regelfall keine klassische Nullung vor und der hier angefragte Grund entfällt.

Leerrohre aus Metall sind nur in soweit verwendungsfähig, als dass sie das aufhauen der Wände ersparen um die Leitungen zu verlegen. Die Schalterdosen aus Metall dürfen nicht weiterverwendet werden, es fehlt die Schutzisolierung. Die Krallen der Steckdose verletzen die innere Isolierung. Alte Metalldosen hatten im Regelfall keine Schraublöcher und wenn passen häufig die Abstände nicht. Es müssen dann die alten Dosen aus der Wand gestemmt werden und durch Kunststoffdosen ersetzt werden. Das macht die Sache auch nicht wirklich besser.

Für Koaxial-, Fernmelde- und Datenleitungen sind evtl. vorhandene Leerrohre, durchaus nutzbar.

Kommentar von germi031982 ,

Können auch Bergmannrohre sein. Alte Adern raus, H07V-U rein. Habe ich bei mir gemacht. Geht sehr zügig. Aber auf jeden Fall schauen das man die Sache in mehr Stromkreise aufteilt. Früher war man da sparsamer, gab ja auch nicht so viele elektrische Geräte im Haushalt wie Heute.

Mit den Metalldosen hast du Recht, die haben keine Löcher für Geräteschrauben noch passen die Abstände für mehrfach-Rahmen. Da passt es nur wenn man einzelne Rahmen nimmt. Bei den Dosen muss man aufpassen, die sind außen verbleit zum Schutz gegen den korrosiven Verputz. Die innere Isolierung besteht aus Bitumen oder Teer.

Beim Taster für das Hoftor war mir das egal, da habe ich die alte Dose aus Blech dringelassen. Ist ja Schutzklasse III.

Und wenn eine Anlage unsicher ist, dann ist der Bestandsschutz eh weg und es MUSS was gemacht werden. Eine klassische Nullung gilt nicht als pauschal unsicher. Nur wenn ein Defekt vorliegt ist sie wesentlich unsicherer als eine moderne Installation. Wer sowas hat sollte die Anlage auf jeden Fall regelmäßig prüfen lassen. Auf jeden Fall mal die Klemmen prüfen lassen denn das Kupfer setzt sich im Laufe der Jahrzehnte, und dann kann man die Klemmen einfach so abziehen.

Kommentar von ProfDrStrom ,

Die klassische Nullung ist, wenn die Anlage nicht verändert wird (insbesondere von den "Allroundkünstlern", die alles können, aber nichts richtig) zu akzeptieren. 

Normkonform lässt sich nun mal kein RCD verbauen, dass ist für mich das Hauptproblem. 

Die in der Frage angesprochenen RCD-Steckdosen würden zwar theoretisch einen gewissen Schutz bieten, aber der Einbau wäre nicht von der Norm gedeckt.

Antwort
von acoincidence, 42

Das ist ein Albtraum für einen Elektriker. Fertig renoviert und dann anfangen. Ich würde mich lieber krankschreiben lassen als dort zu arbeiten. 

Ein RCD lässt sich nicht nachrüsten ohne die Nullung aufzuheben. Dazu müsste auch eine neue Leitung vom Verteiler mit 3 Adern (braun , blau , grüngelb) verlegt werden.

Wände aufschlitzen, bohren, Neue Leitungen ziehen. 

Viel Spaß 

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