Frage von HantelbankXL, 387

Findet ihr es moralisch verwerflich, in Aktien aus der Rüstungsindustrie zu investieren?

Antwort
von Wissensdurst84, 59

Guten Morgen,

meine persönliche Meinung hierzu: Im Endeffekt geht es um mein eigenes Wohl. Wenn ich die Chance habe, mein Geld zu vermehren, und mir oder meiner Familie einen höheren Wohlstand dadurch zu sichern, dann ist es mir egal, ob ich in ein Bergwerk in Nigeria, eine Goldmine in Brasilien, oder in eine Firma investiere, die die Saudis mit Waffen beliefert. Letztendlich geht es um mich und ob ich Gewinn mache oder nicht, solange es legal ist finde ich daran nichts verwerfliches. 

Ich hoffe ich konnte helfen

Wissensdurst84

Antwort
von f1atlux, 236

Mhh. Kann man machen. Sollte man vorher aber sehr gründlich mit seinem Gewissen vereinbaren. Wenn du hier Aktien eines Rüstungsunternehmen kaufst, willst du damit Rendite machen. Als Kollateralschaden bist du dann anteilig an dem produzierten Leid verantwortlich. Fällt für mich in die selbe Kategorie wie Spekulieren mit Lebensmitteln.

Als Geldanlage IMHO "Pfui Deibel".

Kommentar von Superstudent ,

Das ist doch eine verquere Argumentation. So gesehen wäre auch jeder Autoverkäufer oder Aktionär eines Autokonzerns an jedem durch das Auto verursachten Verkehrstoten mitschuldig. Es tötet jedoch immer noch der Finger am Abzug, nicht die Waffe selbst und schon gar nicht der Anleger.

Weiterhin kann man auch nicht per se davon ausgehen, dass Waffen nur Leid verursachen. Im Gegenteil, wenn eine Spezialeinheit unter Androhung und Anwendung von Waffengewalt eine Geiselnahme beendet, dann verursacht sie sogar Freude. Das muss man also sehr differenziert betrachten. 

Kommentar von f1atlux ,

Das geht doch auch an der Realität vorbei: Natürlich werden zu einem Großteil die Bundeswehr und zivile Sicherheitskräfte damit ausgerüstet, die einem legitimen Zweck dienen, aber du musst zugeben, dass Kraus-Maffei-Wegmann , Heckler-Koch usw. auch Staaten wie Saudi-Arabien versorgen und hier werden eklatant Menschenrechte verletzt.

Kommentar von Superstudent ,

Die Menschenrechte in Saudi-Arabien werden nicht durch die Panzer von KMW oder die Schusswaffen von HK verletzt, sondern ganz konkret dadurch, indem ein Henker mit einem Schwert aus wahrscheinlich eigener Produktion Köpfe abschneidet. 

Zudem ist sowieso nicht zu erwarten, dass dieses Land ohne unsere Lieferung eine Demokratie nach deutschen Vorbild wäre. Ob wir dort Waffen hinliefern oder nicht, es ändert objektiv nichts.

Davon abgesehen, stehen für jeden Auftrag, den die Deutschen nicht bedienen, fünf andere Lieferanten Schlange, seien es die USA, Russland oder China.

Da ist es doch besser wir übernehmen das und können vielleicht im Sinne eines Wandels durch Handel hier und da ein Zugeständnis abringen. 

Kommentar von f1atlux ,

Ja freilich, wenn wir es nicht tun, tun es andere.

Als ein Land, welches zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen hat, sollte man etwas zurückhaltender agieren.

Und während der TO Popcorn holt, könnte er hier auch seinen Standpunkt erläutern.

Kommentar von Superstudent ,

Die Welt wird aber nicht dadurch besser, dass sich Deutschland zurückhält. Die Bundesrepublik hat mit dem zweiten Weltkrieg nichts zu tun, sondern ist eine moderne Demokratie. Hätte die Nato etwa in Jugoslawien weiter zugesehen, wäre das Resultat eine Fortsetzung des Völkermordes gewesen. Hätte sich Deutschland in Afghanistan nicht beteiligt, wäre das auch heute noch komplett ein Taliban-Gebiet, in dem ein Menschenleben weniger als nichts Wert ist, was sich durch den übereilten Rückzug einmal mehr zeigt.

Wozu untätiges Zuschauen führt, sehen wir heute in Syrien: Massaker, Flüchtlingsströme und ein nicht enden wollender Krieg.

Die Tatsache, dass sich für jedes nicht von uns gelieferte Rüstungsprodukt ein weiterer Lieferant findet, bleibt bestehen. Waffen aus russischer oder amerikanischer Produktion sind auch potenziell tödlich.

Anzumerken ist auch, dass Deutschland durch etwaige Lieferungen auch Kontrolle über den Einsatz dieser Waffen gewinnt. Ohne Ersatzteile, Munition, Ausbildung, Modernisierung sind diese Waffensysteme nur eingeschränkt nutzbar. Sollte sich ein Land zu komplett irrationalen Schritten entscheiden, hat Deutschland einen Chip in der Hand und kann im Rahmen etwaiger Sanktionen angemessen reagieren. Ob China und Russland das tun würden, wissen wir nicht, aber in der Vergangenheit hielten sie sich in solchen Fragen raus.

Kommentar von f1atlux ,

Hier gebe ich dir recht. Wo Menschenrechte bedroht sind, muss man auch gerade aus der Erfahrung der zwei Weltkriege heraus geeignete Maßnahmen treffen.

Und dieses Scheusal von IS wird sich nicht auf höfliches Bitten hin auflösen.

Kommentar von Superstudent ,

Es ist ein schwieriges Thema und natürlich ist nicht jeder Waffenexport ein Beitrag zur Stabilität der Welt. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie so oft irgendwo in der Mitte.

 Dennoch möchte ich nur dalegen, dass nicht jeder Aktionär einer Rüstungsfirma von einer Abwesenheit jeglicher ethischer Erwägungen gekennzeichnet ist. Als Anleger hat man langfristig mehr davon, wenn die entsprechenden Firmen sich diesen Fragen stellen.

Und wie bringt man sie dazu? Na, indem man selbst Aktionär wird und auf den Hauptversammlungen Druck macht. Je mehr vernünftige Aktionäre eine Firma hat, unso vernünftiger ist die Unternehmenspolitik, das gilt nicht nur für die Rüstungsbranche.

Antwort
von Slaytanic88, 19

Da diese Aktien prinzipiell eher steigen, wenn ein Krieg geführt wird und also Waffen benötigt werden: ja, das ist moralisch höchst fragwürdig.

Antwort
von BrokerJohny, 108

Findest du es moralisch verwerflich das die katholische kirche gegen Verhütung ist aber viele Anteile an Kondomfabriken hat?


Für jeden ist was anderes verwerflich. Wenn man auf die Meinung von jedem was geben würde dann könntest nicht mals zu hause in der Wanne ein fahren lassen.


Die ein finden es ok die anderen nicht anderen wiederrum ist es sch..... egal.


Viele schreiben/reden  wie ein grüner damit sie sich als gute Menschen darstellen können.


Antwort
von lesterb42, 58

Man steckt ja nicht überall drin und weiß nie so ganz genau wo das Geld, das man auf seinem Festgeldkonto hat, letzlich landet.  Aber wissendlich würde ich mich persönlich nicht an einer Rüstungsfirma beteiligen.

Antwort
von Detlef32, 131

Ist es verwerflich sich selbst zu verteidigen? Die Polizei braucht Waffen gegen Kriminelle. Nur eine Armee stellt sicher, dass nicht plötzlich ein Nachbar Ansprüche erhebt.

Wir sehen es doch gerade in der Ukraine was passiert wenn ein schwaches Land und ein starkes Land in Streit geraten. Nur mit guten Worten lässt sich nicht Politik machen.

Wir haben uns erfolgreich die letzten 60 Jahre raus gehalten aber es geht nicht auf Dauer weiter nur den Braven zu spielen und die anderen die Eingreiftruppen senden zu lassen.

Also warum nicht in Sicherheit investieren?

Antwort
von Eselspur, 76

Ich persönlich möchte kein Geld durch Krieg verdienen. 

Antwort
von Superstudent, 158

Nein, das sind Unternehmen wie alle anderen auch, da ist nichts verwerflich.. Sie arbeiten innerhalb eines gesetzlichen Rahmens und ihren Produkte dienen letztlich unser aller Sicherheit. Ihren Innovationen verdanken wir zweierlei: Erstens eine humanere, weil präzisere Kriegsführung, sofern es nötig ist und einen besseren Schutz für ubsere Soldaten. Zweitens garantieren sie einen technologischen Vorsprung vor Mörderbanden wie dem IS.

Zusätzlich zahlen sie oft gute Dividenden, was aus Anlegersicht natürlich ein großes Plus ist. Da aufgrund der vielen Konfliktherde die Nachrüstung der westlichen Armeen auch ein Zukunftthema ist, gibt es auch noch ein gewisses Kurspotenzial.

Kommentar von f1atlux ,

Das ist asymmetrische Kriegsführung. Da kannst du mit deinen HighTec-Waffen kaum etwas ausrichten.

Und so ziemlich jede andere Waffe ist der AK-47 (mit dem Streukreis einer Gießkanne) überlegen.

Kommentar von Superstudent ,

Was willst du damit sagen? Die militärischen Planspiele umfassen auch heute noch nicht nur die asymmetrische Kriegsführung, sondern auch die Raketenabwehr und die Abschreckung. Im 

Übrigens wird auch im Rahmen der Terrorismusbekämpfung selbstverständlich mit hochentwickelten Waffensystemen gearbeitet. Luftschläge mit GPS-gelenkter Zielführung sind nun einmal für alle Seiten besser als ein ungelenkter Bombenteppich. 

Gerade auch in solchen Konfliktszenarien sind die modernen Produkte unserer Rüstungsindustrie auch für den Schutz der Soldaten (Counter-IED und Aufklärung...) ein absoluter Segen.

Kommentar von f1atlux ,

Haben denn die GPS-gelenkten Luft-Boden-Raketen die Anschläge von Paris verhindert?

Hieraus kommt ein grundlegendes Problem zum Vorschein: Du kannst soviel technische Schutzmaßnahmen hochfahren, wie du willst, die Terroristen können dich immer noch treffen.

Kommentar von Superstudent ,

Hätte denn ein waffenfreies Frankreich die Anschläge verhindert?

Am Ende des Tages ist es so, dass eben durch die gute Ausrüstung der Truppen zusammen mit einer vernünftigen, konkreten Aufklärung auch schon Anschläge verhindert wurden. Nur wird über Fahndungserfolge eben nicht wochenlang berichtet. 

Natürlich kann man selbst trotz ausgefeiltester Schutzmaßnahmen Opfer eines Attentates werden, das gehört zum allgemeinen Lebensrisiko. Man kann aber die Wahrscheinlichkeit dafür erfolgreich reduzieren und auch darum geht es. Deshalb müssen die Einsatzkräfte das Beste vom Besten bekommen und das gibt es nur, wenn es leistungsstarke, innovative Rüstungsindustrie existiert. 

Kommentar von Superstudent ,

Das ist aber natürlich nur eine Seite des gesamten Themenkomplexes. Besser wäre es für uns alle gewesen, wenn die Täter gar nicht erst zu Terroristen geworden wären. Rüstung ist selbstverständlich überhaupt nicht das Allheilmittel. 

Es ist nur ein einzelner, wenngleich nicht unwichtiger Aspekt des ganzen Bildes. Vielleicht hätte ein Sozialarbeiter ja das verhindern können, was die französische Vorratsdatenspeicherung nicht konnte? Wir wissen es letztlich nicht.

Antwort
von Tintenfleck, 134

Wenn es danach eht darf man heutzutage gar nichts mehr machen

Ich persönlich finde das nicht verwerflich

Antwort
von Margita1881, 90

Nein, VW Aktien wären demnach auch schädlich^^

Antwort
von kevin1905, 70

Nope!

Antwort
von palzbu, 7

Gott im Himmel
Wir bitten dich o Herr erbarme dich der Leidgeprüften, der Kinder, der Mütter, der Väter die in den Kriegsgebieten dieser Welt vertrieben, verletzt, getötet wurden. Wir beten für alle die furchtbares Leid erleben müssen.

Frau Lydia Schwarz geht jeden Sonntag zur Messe in die Kirche und betet innbrünstig an Gott. Jeden Sonntag wirft sie einen 5 Euro-Schein in den Klingelbeutel, an Weihnachten du zu Ostern einen Zehner. Sie ist schon seit Kindheit sehr gläubig und ist sich sicher nach ihrem Tod in den Himmel zu kommen.

Montags geht sie wieder zur Arbeit, wie schon seit 35 Jahren. Sie arbeitet bei einer Rüstungsfirma und montiert seit mehreren Jahren Sprengminen. Sie weiß nicht (oder will sie nicht wissen?), dass durch die von ihr montierten Minen mehrere Dutzend Menschen getötet wurden. Kinder getötet wurden, verstümmelt wurden, Beine oder (und) Arme abgerissen wurden. Dass die von ihr gefertigten Minen unermessliches Leid in die ganze Welt bringen. Ihr Mann arbeitet in der Panzer-Fertigung, zwei Söhne in der Munitionsfabrik.

Was wohl der liebe Gott, den Sie anbetet, wohl über die Familie denkt?

Gedankenlose – bodenlos dumme – oder gewissenlose Mörderbande? Was denken wohl die Opfer?

Einer der Abteilungsleiter in der Rüstungsfabrik quält schon hin und wieder das Gewissen und er denkt darüber nach mit was er da sein Geld verdient. Er bittet Gott in seinen Gebeten um Vergebung, beichtet sogar dem Pfarrer und spendet dann immer einen Hundert Euro Schein. Er hofft wohl, dass Gott genau so ein gewissenloser korrupter Strolch ist wie viele andere und sich bestechen lässt. Mit dem Hinweis, dass der Abteilungsleiter ja auch eine Familie zu ernähren hat und es in der Nähe keine andere Arbeit gibt, steckt der Pfarrer den Hunderter ein und vergibt dem Mordwerkzeughersteller die Sünden. Was wohl die Opfer dazu sagen würden?
Einer der Hauptaktionäre der Rüstungsfirma hat kein schlechtes Gewissen. Er will und braucht viel Geld für sich und seine Familie.
Er spendet 100.000 EUR für eine neue Orgel in der Kirche. Nicht wegen dem nicht vorhandenen Gewissen.
Durch diese Spende steigt seine Reputation in der Gemeinde ungemein. Beim nächsten Kirchbesuch, den er heuchlerisch über sich ergehen lässt, wird er namentlich erwähnt. Die Anerkennung seiner Person und seiner Familie steigt in der Bewunderung über seine Großzügigkeit um mehrere Stufen.
Mit wie viel Leid, wie viel Toten, mit welchem Grauen wurde diese Spende erkauft?

Ob sich der liebe Gott, der doch mit der Orgel gepreist werden soll, sich darüber freut?

Wenn der liebe Gott ein gewissenloses Arl*och ist, dann freut er sich und vergibt allen.

Auch den Aktionären
Antwort
von Shinjischneider, 23

Absolut und definitiv ja.

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