Frage von LuckSub, 43

Film "Terror"?

Habt ihr gestern im TV das verfilmte Theaterstück "Terror" gesehen? Wenn ja, wie habt ihr entschieden und könnt ihr die Standpunkte der einzelnen Leute nachvollziehen? LG LuckSuuuuub :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Blindi56, 23
Unschuldig

Ja, ich kann die Standpunkte nachvollziehen. Wer nach dem Grundgesetz und aus religiösen und juristischen Standpunkten urteilen muss, muss ihm Schuld geben. Er HAT wissentlich gemordet.

Ich war aber schon im Vorfeld eher für unschuldig, weil er die größere Anzahl Menschen sicher gerettet hat. Vor Gericht gibt es nunmal nur "schuldig" oder "unschuldig"

Deshalb habe ich unschuldig gewählt. Er musste abwägen, war von seinen Vorgesetzten quasi alleine gelassen worden, zumal auch hinterher klar wurde, dass von ihm ein Abschuß quasi erwartet wurde....Der ist eh bestraft genug, wird wohl kaum seinen geliebten Job weiter ausüben können, und hat sich einiges auf sein Gewissen geladen.

Und: es war schon eine Art Kriegssituation. Soldaten werden dazu ausgebildet, im Notfall "das kleinere Übel" zu wählen...

Davon abgesehen:Die Flugzeuginsassen waren sowieso praktisch tot, und von denen hätte vermutlich in der Situation fast jeder zugestimmt, sich zu opfern, wenn man sie hätte fragen können. Hätte das Flugzeug nicht das Stadion getroffen, wäre es mitten in der Stadt gelandet, auch nicht besser....


Antwort
von Jonas711, 22
Schuldig

Ich habe gestern für schuldig plädiert.

Wir haben uns in unsere Verfassung geschrieben, dass die Würde des Menschen unser höchstes Gut ist. Diese wird jedem Menschen zuteil und ist nicht verhandelbar.

Wenn wir das wirklich glauben, dann muss der Pilot schuldig gesprochen werden, denn er hat eine Entscheidung gegen die Würde der Insassen des Flugs getroffen.

Ich kann es absolut nachvollziehen, dass der Pilot diese Würde gedanklich der der Zuschauer des Fußballspiels unterordnet, da diese schlicht mehr sind. Trotzdem darf er keine Entscheidung gegen die Menschenwürde treffen. Er ist also an dieser Stelle einfach nicht befugt zu handeln. Er muss den Lauf der Dinge zulassen.

Dass dies den Mann in eine Ohnmacht zwängt, die sich brutal anfühlen muss, ist mir bewusst und ich kann verstehen, wenn der Pilot sich durch den Abschuss aus dieser befreien will. Richtig wird sein Handeln dadurch in meinen Augen aber nicht.

Denn wo führt das hin, wenn wir die Würde des Menschen in Ausnahmesituationen nicht mehr als unantastbar ansehen und unsere Verfassung so über Bord werfen? Was spricht dann gegen die Todesstrafe, was gegen Folter? Was unterscheidet uns dann noch von einem Unrechtsstaat?

(Dass auch die Besetzung am Boden falsch gehandelt hat, steht denke ic völlig außer Frage.)

Antwort
von Bambi201264, 29

Freispruch, obwohl er zwar schuldig war, aber durch den Tod der 164 Linienflugpassagiere die 70.000 Stadionbesucher gerettet werden konnten - aber den Lauterbach hätte ich eingesperrt, weil das Stadion hätte evakuiert werden können, was schlicht vergessen wurde.

Dann hätten aber alle überlebt, wahrscheinlich.

Kommentar von Blindi56 ,

Genau das hat den Piloten ja wohl auch bewogen, das Flugzeug abzuschießen. Und die Insassen wären wohl so oder so nicht zu retten gewesen. "Schuld" hat dann dieses Katatrophenkommando, was ja von den Soldaten unterschwellig erwartet, zu schießen.

Antwort
von Halbkornbrot, 34
Unschuldig

Der Pilot hat das kleiner Übel gewählt etwas was aus meiner Sicht vorkommen nachvollziehbar ist.

Man hat aber meiner Meinung nach gegen die falsche Perons ermittelt, auf der Anklagebank hätte nicht der Pilot des Flugzeugs sitzen sollen , sondern die Verteidigungsministerin und oder der Chef des Generalstabs, denn Schuldig mach sich hier vor allem die Personen die 70'000 Menschen willentlich akuter Todesgefahr aussetzten obwohl man das Stadion ohne weiteres hätte evakuieren können.

Kommentar von Halbkornbrot ,

Hier ein ergänzender Artikel der den Realismus des im Fernsehen gezeigten Prozesses arg in Frage stellt und auch zeigt das diese Frage rechtlich sehr wohl eindeutig zu klären ist

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-10/ard-fernsehen-terror-ferdi...

Kommentar von Blindi56 ,

Genau dieser Begriff fiel mir nicht ein, ich hätte ihn niemals als "schuldig" bezeichnet... rechtswidrig handeln war der korrekte Begriff.

Ansonsten war es natürlich nur eine Show, und die Zuschauer hatten zum Glück nicht wirklich zu urteilen. Aber genau so funktionieren Schöffengerichte! Die es in der Form (10 Schöffen urteilen auch bei Kapitalverbrechen) aber hier zum Glück gar nicht gibt.

Antwort
von ragglan, 33

Schuldig (bis teilschuldig)

Ja, ich konnte jede einzelne Position nachvollziehen und jeder hat für sich "Recht", allerdings ging es um eine juristische Beurteilung der Tat. Und bei dieser halte ich ihn für Schuldig.

Teilschuldig daher, weil ich durchaus auch diejenigen in der Verantwortung sehe, die ihn in solch eine Situation gebracht haben. Keine Rechtsicherheit, keine Räumung des Stadions, bewusster Einsatz von Personen, welche sich gerade in solchen Situationen gegen das Grundgesetz stellen würden.

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