Frage von llxx12, 239

Feuchte Wände - Wann ist es zu spät?

Ich wohne mit meiner Freundin seit fast genau einem Monat in 2 Zimmer Mietwohnung. Nun haben wir innerhalb diesem Monat gemerkt, dass immer vermehrt Feuchtigkeit in unsere Wohnung entsteht, je Kälter bzw. Feuchter es draußen wird. Wir haben in unserem Wohnzimmer die Wand braun gestrichen. Nun ist uns aufgefallen dass in den oberen Ecken dunkle Flecken entstehen. Diese verschwinden nach dem Lüften, kommen aber nach ca. 30 Minuten wieder. Je länger man nicht lüftet, desto stärker wird es. Von einem Bekannten haben wir uns ein Messgerät ausgeliehen. Dies zeigt uns einen Wert von bis zu 60 an. Laut dem Handbuch ist ein Wert von 35 noch normal, alles darüber schon feucht. Wann ist es denn nass? Auch ist uns aufgefallen, dass sich die Tapeten oben lösen. Es entstehen echte "Hohlräume" hinter den Tapeten. Testweise habe ich ein kleines Stück Tapete von der Wand gelöst und der Putz kommt einem entgegen mit ziemlich vielen "Silberfischen" Diese leben ja in feuchtem Umfeld. Die laufen auch bei uns gerne über den Boden durch die Wohnung und verschwinden unter den Leisten wieder. Ich denke, dass es nicht vorgeworfen werden kann, da wir gut heizen und mind. 2-3x für mind. 10 Minuten alle Zimmer lüften. Wie schnell kann Schimmel entstehen und wann kann ich den Schimmel erkennen, ohne die Tapeten zu entfernen. Auf dem kleinen Stück das ich entfernt habe, war noch nichts von Schimmel zu sehen, aber vielleicht an anderen Stellen? Wie wohnen im 1. OG. Über uns befindet sich noch eine Wohnung. Wann ist es zu spät, den Schimmel zu verhindern? Kann uns noch jemand vielleicht Tipps geben?

Vielen Dank bereits im Voraus.

Antwort
von Onki73, 202

Habt ihr mal die rel. Luftfeuchtigkeit im Raum gemessen? Die steht im Zusammenhang mit dem Feuchtegehalt der umgebenden Wände. Sind die Wände nass, ist die rel. Luftfeuchte im Raum sehr hoch (ca. 70% und mehr).

Wände feuchten oft über einen Zeitraum von mehreren Monaten/Jahren auf, wenn kein direkter baulicher Mangel vorliegt (Defekt an Dach/Fassade/Rohrleitungen).

Die Entfeuchtung von Wänden geschieht immer nur über die direkt an der Wandoberfläche anliegende Luftschicht. Diese Luftschicht muss trockener sein, als die Oberflächenfeuchte der Wand, dann geht die Feuchtigkeit von der Wand(-oberfläche) in die Luft über (Feuchteausgleich). Wird die feuchter werdene Luft regelmäßig aus dem Raum gelüftet, so trocknet die Wand.

Raumluft kühl sich vor der kühlerern Wandoberfläche ab. Wenn sich Luft abkühlt steigt in ihr die rel. Luftfeuchte an, je weiter sie abkühlt, um so höher steigt die rel. Luftfeuchtigkeit an. Wird der Raum regelmäßig gelüftet, so kann die allgemeine Raumluftfeuchte gesenkt werden. Da die Frischluft jedoch auch Feuchte enthält, gibt es hier Grenzen. Auch wenn die kühle Winterluft 95% rel. Luftfeuchte besitz, trocknet sie im Raum durch Erwärmung stark herunter auf Luftfeuchtewerte von 40-50%, je nach Erwärmung der Luft. Dieser Aspekt wird hier sehr oft erwähnt, jedoch wird nicht beachtet, dass die Luft in Außenwandnähe wieder auskühlt und damit dementsprechend wieder feuchter wird.

So kann die Wandoberfläche beispielsweise eine Feuchte von aw 0,7 besitzen (entspricht einer rel. Luftfeuchte direkt ander Oberfläche von 70%) und die davor ausgekühlte Raumluft hat bereits wieder eine rel. Luftfeuchte von 65%. So funktioniert die Entfeuchtung der Wand über die Steigerung der Luftfeuchte um max. 5%, was bedeutet, dass ein Kubikmeter Raumluft etwa knapp ein Gramm mehr an Wasser aufnimmt. Wenn man dann noch bedenkt, wie viel Wasser sich im Baustoff befinden kann (ein Kubikmeter Vollziegelstein hat über 20% Anteil an Kapillaren und Poren und kann damit locker über 100l Wasser einspeichern), so kann die Trockung der Wand nur durch Lüftung schon mal Monate andauern.

Ich plädiere immer für eine deutlich trockenere Luft vor der Wandoberfläche nicht nur durch Lüftungsmaßnahmen, sondern durch einen deutlich bessere Verteilung der Wärme der Heizanlage vor der Wandoberfläche. Durch Wärme direkt vor der Wandoberfläche wird die Raumluftauskühlung mit der entsprechenderen Steigerung der rel. Feuchte verhindert, was dazu führt, dass die Raumluft mit einer rel. Luftfeuchte von beispielsweise 40% nun direkt mit diesem Wert an der Wandoberfläche anliegt und die Wand dadurch deutlich mehr Feuchte an die trockenere Luft abgeben kann. In meinem oben genannten Beispiel mit der Oberflächenfeuchte von aw 0,7 und der anliegenden Luftschicht mit 40% rel. Luftfeuchte wird die Wand um ein vielfaches schneller getrocknet.

Das läßt sich aber auch noch weiter steigern. Ich plädiere oft für Heizleisten vor Außenwände. Diese legen direkt vor der Außenwandoberfläche einen aufsteigenden Warmluftschleier, der die innere Wandoberfläche der Außenwand erwärmt. Dieser Warmluftschleier hat über der Heizleiste (also in dem unteren, oftmals sehr feuchten Wandbereich) eine Temperatur von guten 25-35°C mit der dadurch gesunkenden rel. Raumluftfeuchte auf Werte von etwa 20% rel. Luftfeuchte. Diese trockene Luft führt vor der feuchten Wandoberfläche also zu eine sehr schnellen Trocknung der Wand.

Deshalb ist mein Ratschlag für eine schnelle und sichere Wandtrocknung kein Entfeuchter im Zimmer und keine Lüftungsorgien (was zeifelsohne hilfreich ist) - mein Ratschlag ist, den Vermieter dahin zu bewegen, dass - auch in seinem Interesse von trockenem Mauerwerk - die Wärme der Heizanlage besser vor der Außenwand verteilt wird, um hier warme innere Wandoberflächen zu schaffen.

Die Steigerung des Wärmestrahlungsanteils des Heizkörpers (z.B. durch den einfachen Heizkörper Typ 10) sorgt für höhere Temperaturen an den unteren Wandoberflächen ebenso, wie das beständige Durchheizen (keine Nachtabsenkung, etc.!). Ein "Mitheizen" geringer temperierter Zimmer durch wärmere Zimmer und der offenen Zimmertür ist zu unterlassen, da sich die warme Luft des beheizten Zimmers an der kalten Wandoberfläche des kühleren Zimmers ihrer Feuchte entledigt. Türen zu bei unterschiedlich stark beheizten Zimmern!

Hilfreich zur besseren Wärmeverteilung vor der Außenwand sind auch Heizrohrschleifen, die von unten her für etwas mehr Warmluft vor der Außenwand sorgen, die Steigerung dessen sind die Heizleisten, die den Heizkörper unter dem Fenster überflüssig machen.

Man nennt die Heizleisten nicht umsonst "Anti-Schimmel-Heizung" weil sie die Wände so austrocknen, dass kein Schimmel mehr entstehen kann. Zusatzeffekt der trockenen und schimmelfreien Wände durch die Heizleiste ist auch der deutlich gestiegene Dämmwert der Wand mit Heizkosteneinsparungen bis zu 30%.

Antwort
von ghasib, 152

Heizen. Und Lüften. Das Haus ist schlecht isoliert. In den meisten Fällen können die Mieter gar nichts dafür. Aber draußen kalt der Raum kalt führt meist zu Schimmel wenn die Außenwände nicht isoliert sind

Kommentar von Onki73 ,

Man sollte bedenken, dass nasse Wände einen rapide gesunkenden Dämmwert aufweisen, daher nützt es nichts, das Haus besser zu "isolieren". Die Wände müssen zur Wiederherstellung des Dämmwertes getrocknet werden.

Antwort
von dietar, 134

Wenn die Wände feucht sind, ist es schon zu spät. Den Vermieter unverzüglich informieren. Leider wird falsche Lüftung den Mieter gerne angelastet. Die berühmte Stoßlüftung gehört in das Märchenbuch der Brüder Grimm. Auch die Raumenfeuchter bringen meist keine Lösung. Sie sind im Betrieb teuer und viel zu ineffektiv. Eine billige Klimaanlage
schafft ungefähr dreimal soviel Wasser aus der Wohnung wie ein Entfeuchter. Man kann sich auch einen Gastronomie-Wrasenlüfter mit 2KW Leistung in die Küche hängen. Das Abluftrohr sollte 5oomm betragen. Diesen Lüfter zweimal am Tag 10 Minuten laufen lassen, dann ist die Wohnung trocken.

Kommentar von samsara193 ,

sie wohnen erst seit einem Monat in der Wohnung. es ist unmöglich in der kurzen Zeit einen solchen Schaden zu verursachen.

Antwort
von FeeGoToCof, 195

Offensichtlich liegen hier bauliche Mängel vor. Diese sind nicht zu kompensieren. Der Vermieter muss unverzüglich informiert werden. Unterlasst Ihr dies, kann dies gegen Euch Verwendung finden.

Antwort
von DatDeckert, 112

Tapeten vor allen Dingen Rauhfasertapeten sind idealer Nährboden für Schimmelpilzbakterien, weil sie organische Stoffe (Holz) enthalten. Daher gilt schon mal ohne Tapete ist das Risiko geringer. Weitere Infos unter www.dat-deckert.de

Antwort
von samsara193, 162

wie sieht denn die Fassade außen aus? sind da Risse o.ä.? was ist über dem Raum mit der nassen Wand?evtl Badezimmer?Wasserleitungen etc? in jedem Fall müsst ihr umgehend den Vermieter informieren. am Besten mit Einschreiben, damit er später nicht behaupten kann, nix davon gewusst zu haben.

Antwort
von pharao1961, 152

Also es müssen schon erhebliche Baumängel sein, wenn sich trotz 3x täglich Lüften und Heizen noch immer Schimmel bildet. Wie lüftet ihr denn? Fenster auf Kipp?

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community